Hallo Tamina,
erstmal eines zur Beruhigung: jeder der Dir erzählt, dass er sich bei seiner Berufswahl sicher war, lügt! Oder anders gesagt - Deine Unsicherheit ist völlig normal. Denn wie um Himmels willen sollst Du mit 17/18 Jahren ahnen, wie der Job einer Fremdsprachenkorrespondentin, Lehrerin oder Reinemachefrau wirklich ist. Und vor allem, ob Dir das dann in 5, 10, 20 Jahren noch Spass macht.
Ich für meinen Teil hab eine ähnliche Analyse wie Du (sprachbegabt, schüchtern etc.) gemacht. Übrigens, dickes Lob: Du bist sehr ehrlich mit Dir - das hilft ungemein weiter! Mit dieser Analyse bin ich dann in die diversen „Welcher Job passt zu mir“ Programme gegangen und hab meine Antworten ganz ehrlich eingetippselt. Die Vorschläge hab ich mir so unvoreingenommen wie nur möglich angeschaut. Das war nicht immer leicht, denn es ist schon irritierend, wenn man mit dem Gedanken spielt Flugzeugmechaniker zu werden und als Ergebnis kommt raus „um Himmels willen nicht Flugzeugmechaniker, eher Gärtner“. Und es ist auch wichtig, mehrere dieser Tests zu machen, denn nicht alle sind gut bzw. zielen auf unterschiedliche Zielgruppen ab. So gibt’s bei dem einen vielleicht schwerpunktmässig Lehrberufe und beim anderen zielt’s darauf ab, dass Du „im Büro“ unterkommst etc.
Dann informierst Du Dich im Internet oder im BIZ (gibt’s die überhaupt noch? Heissen die noch so? Gemeint sind diese Berufsinformationszentren, meist beim Arbeitsamt) über diese Jobs. Schaust Dir an, ob Du alle Voraussetzungen (evtl. kann der Abischnitt ein Problem sein oder es wird eine Lehre vorausgesetzt plus noch charakterliche Eignung) erfüllst und überlegst, ob Dir der Job Spass machen könnte. Ein weiteres Kriterium können dann Fortbildungsmöglichkeiten sein. Als Friseuse wirst Du als „höchstes der Gefühle“ einen eigenen Salon haben, als Mechanikerin kannst Du Meisterin, Technikerin, Intschinöhse etc. machen und trotzdem im gleichen Umfeld bleiben.
Sodele, jetzt sollte Deine Liste schon erheblich geschrumpft sein. Nun kommt die Sache, die Dir am meisten bringt, die aber subjektiv die schwierigste ist. Jetzt musst Du nämlich versuchen, mit dem Beruf in Kontakt zu kommen. Das heisst, Du musst an Leute rankommen, die in diesem Job arbeiten. Dazu muss man üblicherweise den sehr weiten Bekanntenkreis angraben. Ist furchbar doof und peinlich, aber meiner Erfahrung nach redet jeder gerne über seine Ausbildung und den Job. Also nur Mut! Frag die Leute, was und wie und wo sie ihre Ausbildung gemacht haben, was sie gut fanden, was nicht. Frag sie, was sie an ihrem Job gut und was sie Kacke finden. Frag sie, was sie heute anders machen würden. Versuch rauszukriegen, ob sie mit ihrem Gehalt zufrieden sind. (Achtung - lieber nicht fragen, was sie verdienen, darüber redet „man“ meist nicht gerne, aber schon die Aussage, ob sie sich „angemessen“ bezahlt fühlen ist sehr aussagekräftig. Und Durchschnittsgehälter findest eh im BIZ oder im Internet). Achja, wenn Du partout keine Winzerinnen und Astronautinnen im Bekanntenkreis hast, frag einfach hier im Forum (eventuell im passenden Fachbrett) nochmal nach.
Als nächstes fragst Du in Deinem Vertrauenskreis (Eltern, Geschwister, Tanten, Omma, Lehrer, Freunde, Jugendleider im Verein etc.) ob sie sich Dich als Wunschberuf einsetzen vorstellen könnten. Dieses Feedback war für mich sehr wichtig, muss allerdings unter der Voraussetzung erfolgen, dass man ehrlich mit Dir ist 
Und nun sollten idealerweise gar nimmer soo viele Jobmöglichkeiten übrig sein - was aber nicht schlimm ist, Du willst ja nur einen davon haben 
Was ich Dir nun wirklich raten kann, ist ein (höchstwahrscheinlich unbezahltes) Praktikum in dem Bereich zu machen. Wenn Du keine Kohle dafür willst, kriegst Du meist auch eine Praktikumsstelle - und sowas ist Gold wert! Klar, ein „echter“ Ferienjob bringt Dir mehr Kohle, aber diese Erfahrung ist unbezahlbar. Ich hatte damals echt Schwein und bin in eine Firma geraten, wo ich alle Facetten meines Wunschberufs mal gesehen habe - und am Ende wusste ich genau, wo der Weg hingehen soll (und dass ich in diesem Umfeld wirklich arbeiten möchte).
Jetzt noch ein paar Worte zu Deinen Vorstellungen
Eventmanagerin,
Hotelfachfrau (evtl auch Studium in diese Richtung),
Fluglotsin, Physiotherapeutin, Germanistik und
Geschichtestudium, etwas in der PR-Branche,
Mediendesignerin…u.v.m.
Hmmm, das alles passt recht wenig zu „schüchtern, zurückhaltend“, denn in diesen Berufen hast Du tendenziell eher viel mit Menschen zu tun. Bist Du sicher, dass das „Dein Ding“ ist? Oder willst Du lieber im stillen Kämmerlein vor Dich hinwurschteln?
Fluglotsin: Läbä isch hart - aber vergiss das. Erstens brauchste dafür Naturwissenschaften, zweitens ist Stressresistenz (bzw. der richtige Umgang mit Stress) essentielle Voraussetzung.
Germanistik und Geschichte: ich hab mich ja nun nie in diese Richtung informiert, kenne aber viele mit diesem Studium die Lehrer sind. Könntest Du Dir das vorstellen?
PR-Branche: auch hier gebe ich nur Gerüchte weiter, habe aber gehört, dass es da ohne Ellenbogen „nicht geht“. Traust Du Dir zu, Dich da durchzusetzen?
Nach dem was Du schreibst, könnte ich mir Dich eher im Bereich Übersetzerin, Dolmetscherin, Fremdsprachenkorrespondentin etc. vorstellen. Oder auch in Richtung Buchhaltung (da bist Du meist recht ungestört und kannst Deine Ordungsliebe ausleben *fg*). Eventuell wäre auch ein Job in einem Amt (Finanzamt oder so) was für Dich? Da ist die Ausbildung ziemlich 50/50 in Theorie und Praxis aufgeteilt.
Ansonsten gibts noch die Berufsakademien, da hast Du ebenfalls Theorie und Praxis 50/50, und am Ende ein Diplom. Nachteil ist, dass dieser Abschluss nicht immer in allen Bundesländern anerkannt ist. Sprich, wenn Du ein „Nomadenleben“ planst, wäre das eventuell etwas hinderlich.
Oder - und diesmal ist der Vorschlag ernst gemeint - wäre vielleicht Fotographin was? Passt irgendwie ein wenig in die „kreative“ Richtung mit PR, Design und so…
Bitte verzeit mir dieses Gesülze, ich weiß noch nicht mal ob
das in diesem Forum an der richtigen Stelle ist.
Hey, Mädel! Im Gegentum - Du bist eine der wenigen, die unsere Kristallkugeln entlasten. Denn wir kennen Dich nicht, darum musst Du uns doch was von Dir erzählen. Auf ein „Hilfe- was soll ich nur werden?!? Es EILT ABER!!!“ kannst Du kaum Hilfe erwarten 
*wink* und wenn Du noch Fragen hast - nur raus damit. Die Zeit, wo man selber so vermeintlich blöd gefragt hat, ist doch noch gar nicht sooo lange her 
*wink*
Petzi