Berufswechsel wg Mobbing

Hallo,
ich habe folgendes Problem: Ich arbeite als Hörgeräteakustikerin in einem 8-Mann Betrieb, davon 2 Chefs und 1 Azubi. Grundsätzlich fühl ich mich wohl im Betrieb, es ist nicht unbedingt mein Traumjaob, aber die Ausbildung habe ich bewusst gewählt, dazu komme ich aber später.
Vor kurzem gab es mit einer der anderen Gesellinnen einen Zusammenstoß wg. Urlaub, ich habe kurzfristig Urlaub benötigt, dafür hätte die Kollegin zurück treten müssen,. Ich habe von Anfang gesagt, dass ein halber Tag ausreicht, wenn das Wetter mit spielt, ein ganzer Tag frei wäre aber wesentlich besser weil ich bei Schnee und Eis über die Autobahn musste. Aber ich hatte auch Verständnis, dass die Kollegin nicht zurück treten wollte, schließlich war sie zuerst da, das sehe ich ein.
Das ist auch absolut nicht das Problem, es hat ja alles super funktioniert, für mich ist die Sache mit dem Urlaub erledigt.
Was aber nicht okay ist, wie sie mit mir gesprochen hat. Sie hat, mit mir gesprochen, als wäre ich völlig unvernünftig, unzuverlässig und als könnte man sich weder auf mich noch auf mein Wort verlassen, obendrein meinte sie noch, dass das alles auch funktioniert, wenn ich auch wirklich zur Arbeit käme. Mit anderen Worten hat sie mir quasi unterstellt, dass ich vor hätte, einfach nicht zur Arbeit zu erscheinen, was mir im Traum niemals eingefallen wäre! Und das alles, während mein Chef ein Raum weiter sitzt und alles mit anhört!
Jetzt bin ich nicht der Typ Mensch, der in dem Moment was dazu sagt, dazu bin ich viel zu schnell eingeschüchtert. Das ist auch der Grund, weshalb ich auch im Nachhinein nichts zu ihr sage nach dem Motto ich will ja keinen Streit anfangen.
Seitdem Gespräch redet diese Kollegin aber nicht mehr mit mir, im Gegenteil, jetzt zeigt sie sogar die ersten Anzeichen mich zu mobben. Z.B. trägt sie Termine für mich ein, die ich im Nachhinein meinem Kunden absagen muss, weil die benötigten Materialien noch nicht da sind, und als ich sie darauf angesprochen habe meinte sie in einem richtig patzigen Ton, dass ich das in Zukunft gefälligst selber machen soll, d.h. jedes mal wenn ein Kunde für mich anruft holt sie mich ans Telefon, egal ob ich grade dabei bin Messungen bei einem Kunden durch zu führen wofür ich Ruhe brauch und sie diesen Anruf durchaus selbst tätigen könnte.
Ich habe im Vertrauen eine andere Kollegin darauf angesprochen und sie auch auf das Gespräch angesprochen, in dem ich als unzuverlässig und als Arbeitsschwänzerin dargestellt wurde. Sie meinte nur, dass sie DAS ausgerechnet nicht mit bekommen habe, obwohl sie nur einen halben meter neben dran saß. Mit anderen Worten, von meinen Kolleginnen brauche mit keiner Unterstützung zu rechnen und da mein Chef (es ist ein sehr guter Chef, über ihn kann man sich wirklich nicht beschweren!) sich selber sehr leicht einschüchtern lässt, wird er wohl auch angeblich nicht viel mit bekommen haben und eher der anderen Kollegin zu stimmen.

Jetzt kann ich hingehen und mich einfach bei anderen Akustikern bewerben, aber jetzt kommen wir zur nächsten Sache: Ich leide unter sozialer Phobie u.a. wg kontinuierlichem Mobbing in meiner Schulzeit(und ich meine wirklich von der 1. Klasse bis zu Abitur!!). Ich habe eigentlich bewusst diesen Berufszweig gewählt, weil ich gehofft habe mich auf diese Art selbst zu heilen und so der Psychotherapie zu entgehen. Aber noch während der Ausbildung habe ich trotzdem eine Therapie begonnen, weil es einfach nicht mehr anders ging.
Ich hatte vor nach der Ausbildung eine andere Ausbildung oder Umschulung oder irgendetwas zu machen, damit ich in diesem Beruf nicht mehr weiter arbeiten muss. Mein Berufsberater rat mir an, es doch zumindest mal zu versuchen, vielleicht komme ich ja doch zurecht, aber ich merke immer mehr, wie ich mich jetzt erst recht zurück ziehe, weil ich jetzt so richtig Angst vor Menschen bekomme.
Ich glaube ein Bürojob wäre besser für mich geeignet, da ich da weniger Kontakt mit Menschen habe wie jetzt und sich das wohl positiver auf meine MS auswirkt, ich habe nämlich jetzt schon wieder das Gefühl ich stünde wieder kurz vor einem MS-Schub.

Jetzt zu meiner Frage: Wie kann ich in einen völlig anderen Berufszweig umsteigen, wenn möglich mit Unterstützung vom Arbeitsamt (Beratung, Empfehlungen usw.)?

Ich wäre wirklich sehr dankbar für eure Hilfe!

LG Sahar

Hallo,

du kannst mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es auch nach einem Berufswechsel nur eine Frage der Zeit ist, bis dich deine Phobie wieder einholt.

Soziale Phobien haben ein enormes Potential, von ihnen Betroffene in die absolute Isolation zu treiben. In aller Regel passiert das schrittweise - der Wechsel von Arbeitsplätzen ist einer dieser Schritte.

Es liegt in der Natur dieser Erkrankung, seinen Mitmenschen zu misstrauen und sich selbst im Fokus von ungerechter oder unangenehmer Behandlung zu sehen. Die Bewertung von sozialen Situationen erfolgt dabei in aller Regel verzerrt.

Soziale Phobien sind grundsätzlich ziemlich gut über Verhaltenstherapien zu behandeln. Aber unabhängig davon, ob du eine Therapie machen willst oder nicht, wird ein Jobwechsel dir bestenfalls kurzfristig aus der Misere helfen.

Ich persönlich denke, du solltest an einem anderen Punkt ansetzen.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,
danke für deine Antwort. Ehrlich gesagt hätte ich eher weniger eine Antwort auf das Problem soziale Phobie erhofft, sondern eher bezüglich des Mobbing und des Berufswechsels deswegen, aber du hast trotzdem natürlich nicht unrecht.
Ich denke einfach nur, dass ich um die soziale Phobie zu bekämpfen den falschen Weg gegangen bin, nämlich den der knallharten Konfrontation.
Ich erhoffe mir einfach auch, dass wenn ich die Möglichkeit habe mich auf dem Arbeitsplatz jederzeit zurück ziehen zu können, wenn es mir zu viel wird, dass ich dann eher eine Chance habe damit umzugehen, denn die Möglichkeit habe ich in meinem momentanen Beruf absolut nicht.

Von daher wäre ein kompletter Berufswechsel vielleicht doch eine Lösung, zumal mir der Verwaltungsteil meines Jobs mehr Spaß macht als alle anderen Teile.

LG
Sahar

Hallo,

ehrlich gesagt stelle ich mir die Aufgabe nicht ganz einfach vor, weder für dieses Forum noch für eine Beratungsstelle des Job-Centers. Und zwar wegen der Kriterien die du für den Job-Wechsel hast.

Du stellst in den Vordergrund, dass es eine Arbeit sein soll, wo du nicht gemobbt werden kannst, keine Kundenkontakte hast, möglichst ein eigenes Arbeitszimmer in das du dich jederzeit zurückziehen kannst.

Nicht aber erzählt du, was deine Präferenzen beruflicherseits sind, denn „Büro“ ist ja nun nicht sonderlich aussagefähig. Und dann glaube ich machst du dir da was vor. Auch im Büro, um mal bei dem Begriff zu bleiben, wirst du Kollegen haben. Ganz zu schweigen davon, dass in der Regel Einzelbüros selten sind. Ich arbeite übrigens in einem Großraumbüro. Die einzelnen Etagen werden von jeweils 50, 60 Mitarbeitern bevölkert. Rückzugsmöglichkeiten bitten lediglich die „Örtlichkeiten“.

Es könnte aber durchaus hilfreich für dich sein, wenn du dir zunächst einmal überlegst - und zwar ohne die Phobie zu berücksichtigen - was dir wirklich Spaß machen würde. Wenn du richtig Freude an der Arbeit hättest, wäre evtl. auch die Möglichkeit erhöht besser bzw. gut mit der Phobie umzugehen (meine Laienmeinung).

Ansonsten lenkt die Phobie dich und insbesondere macht sie dich anfällig für alle Arten von Störungen, selbst wenn sie noch kein Mobbing sind. Bitte versteh mich nicht falsch, ich möchte deine Probleme nicht negieren oder kleinreden, aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass ein selbstbewussterer Mensch ohne deine Vorgeschichte sich die Kollegin quer unter die Nase ziehen würde.

Stell also die Arbeit oder den Beruf in den Vordergrund und suche hier nach Dingen, die dir wirklich Spaß machen würden, egal wieviele Mitmenschen du dann um dich rum hättest.

Geht das nicht, kannst du genausogut dort bleiben und die Phobie weiter oder erneut behandeln lassen.

Gruß
Nita

Hallo,

ich bin mir nicht sicher ob wir eh bald gelöscht werden. Aber mal soviel.

Bitte deine Kollegin drum die Telefonnummer aufzuschreiben. Mach deine Messungen fertig, ruf deine Kunden zurück und mach selber Termine mit ihnen.

Nachdem ich von deinem Ausgangspostig davon ausgehen, dass es bisher keine Probleme gab, denke ich es läuft sich irgendwann wieder aus.

Bring deiner Kollegin Pralinen, Blumen, was auch immer, entschuldige dich nochmal für den für sie versauten Termin, dass möglichst vor allen anderen, vielleicht traut sie sich dann weniger.

Du wirst, unterstell ich, in dem Beruf keinen Arbeitsplatz finden in dem man sich so einfach mal zurückziehen kann. Dein Chef wird es vielleicht noch akzeptieren, spätestens der Kunde, der mit dir einen Termin hat, nicht mehr.

Such dir professionelle Hilfe, kurier dich nicht selbst. Das alles hat keinen Wert.

Ich habe eine Kollegin mit Zwangshandlungen, sie leidet teilweise unter extemem Stress. Geahnt / gewusst haben es viele. Aber seitdem wir eher einschätzen können wie sie „tickt“ ist es einfacher geworden. Wenn wir nun sagen, setzt dich hin, trink einen Tee, komm runter und beruhige dich, dann gehts nach 5 Minuten einfach besser. Aber, es wird schwer wenn ein Kunde warten muss.

Grüße Ute

Hallo Ute,

Bitte deine Kollegin drum die Telefonnummer aufzuschreiben.
Mach deine Messungen fertig, ruf deine Kunden zurück und mach
selber Termine mit ihnen.

mir wird ja letztendlich nichts anderes übrig bleiben!

Bring deiner Kollegin Pralinen, Blumen, was auch immer,
entschuldige dich nochmal für den für sie versauten Termin,
dass möglichst vor allen anderen, vielleicht traut sie sich
dann weniger.

DAS ist es ja: ich MUSS mich dafür nicht entschuldigen, da es nichts zum entschuldigen gibt, sie hat sich geweigert, ihren Urlaubsantrag zurück zu nehmen, sie hat ihren Willen bekommen. Im Gegenteil, ICH musste jetzt gucken, wie ich klar komme um meinen privaten Termin nicht zu verpassen.
Das waren sogar ihre Worte: „Dann muss es jetzt für dich irgendwie gehen, musst du halt gucken, wie du jetzt klar kommst!“

Du wirst, unterstell ich, in dem Beruf keinen Arbeitsplatz
finden in dem man sich so einfach mal zurückziehen kann. Dein
Chef wird es vielleicht noch akzeptieren, spätestens der
Kunde, der mit dir einen Termin hat, nicht mehr.

In DIESEM Beruf gibt es keine Rückzugsmöglichkeit, deswegen will ich ja aus diesem Beruf raus und etwas anderes machen.

Aber seitdem wir eher einschätzen können wie sie

„tickt“ ist es einfacher geworden. Wenn wir nun sagen, setzt
dich hin, trink einen Tee, komm runter und beruhige dich, dann
gehts nach 5 Minuten einfach besser.

Meine Kollegin WEIß wie ich ticke, sie weiß, dass es mir generell psychisch nicht gut geht, dass hat ihr unsere Chefin oft genug gesagt!

Ich würde ja zumindest versuchen mich meiner Chefin anzuvertrauen, aber die ist momentan selber bis Mitte April im Krankenhaus.

Mein Freund hat auch schon gesagt, ich soll es in der nächsten Teambesprechung ansprechen, aber ich traue mich einfach nicht!!

Mir ist durchaus bewusst, dass es keine „mobbingfreie“ Berufe gibt, die Gefahr gemobbt zu werden besteht in jedem Beruf, darüber bin ich mir im klaren.
Auch dass ich mein eigenes Arbeitszimmer haben werde ist wirklich unwahrscheinlich (auch wenn es ziemlich cool wäre).
Aber so wie ich mir das vorstelle (und ich hoff ich mach mir da wirklich nichts vor, das kannst du jetzt besser beurteilen wie ich) bin ich in einem Großraumbüro nicht ständig mit dem einzelnen Kollegen konfrontiert. Ich gehe sozusagen „unter“ in der breiten Masse.
(wenn ich wieder alles schön male, dann korrigiere mich bitte!)

Du hast konkret nach meinen Präferenzen gefragt. Nun ja ich hatte in der Berufsschule z.B. BW. Das klingt jetzt erstmal nicht berühmt, aber ich habe dort acuh z.B. Kalkulationen gelernt, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Momentan habe ich mit Kalkulationen, um bei dem Beispiel zu bleiben, nichts am Hut, das macht eher mein Chef, aber wenn ich das nochmal wiederhole, kriege ich da bestimmt auch wieder Übung rein.

Ich habe sehr gute Englischkenntnisse. Auch die sind seit meiner Schulzeit leicht aus der Übung gekommen und Fachenglisch ist leider auch nicht dabei, aber mein Alltagsenglisch versuche ich regelmäßig in Übung zu halten, z.B. lese ich viel auf Englisch und sehe mir DVDs nur noch auf Englisch an.
Ich denke da kann man auch ansetzen.

Momentan kann ich mir keinen konkreten Beruf vorstellen, in dem mir diese Dinge hilfreich sein könnten, dafür habe ich noch zu wenig Infos darüber, was es überhaupt für Bürojobs gibt. Denn der Begriff „Büro“ ist wirklich nicht grade sehr genau, das stimmt.

Ich würde mir die Kollegin wirklich gern quer unter die Nase ziehen, aber dafür fehlt mir einfach der Mut. Ich möchte erstmal abwarten, was mir ein Beratunsgespräch beim Arbeitsamt bringt, ob ich überhaupt eine Chance habe, den Sprung zu schaffen. Wenn ich das weiß, dann habe ich eher ein Gefühl von „Ich hab nichts mehr zu verlieren!“ und dann kann ich bei einer Teambesprechung mal Dampf ablassen, zumal es sogar so ist, dass ich auch einiges über sie zu sagen hätte, was unseren Chef interessieren würde.

Ich habe richtig das Bedürfnis danach, unseren Chef einfach mal zu einem Vier-Augengespräch zu bitten und ihm gleich alles zu erzählen was ich über sie weiß, ich will aber nicht, dass es dann heißt ich sei nicht besser wie sie, zumal es eigentlich nur darum geht wie sie über ihn denkt und redet und dass sie damit auch bei manchen Aufgaben sehr nachlässig ist bzw. sie gar nicht erst macht.
Ich finde ihre Einstellung einfach nur schlimm genug, zumal sie mit dieser Einstellung trotzdem die Nerven hat zu ihm zu gehen und nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Wäre es falsch das dem Chef zu erzählen?

LG

tut mir leid, das habe ich vergessen in mein letztes Post rein zu schreiben, ich weiß aber nicht, wie man hier die Postings editiert, also schreibe ich es in ein neues Post:

Das allgemeine Verhalten meiner Kollegin (ich meine jetzt ihr respektloses Verhalten hinterm Rücken vom Chef) schlägt sich auch schon auf unseren Azubi nieder, der ist jetzt noch im 1. Lehrjahr wenn ich korrekt gerechnet habe und spricht jetzt schon völlig respektlos über unsere beiden Chefs sowie über die Kunden. IHN habe ich schon drauf angesprochen, auch die andere Kollegin die für seine Ausbildung verantwortlich ist hat ihn drauf angesprochen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist, aber er hört nicht drauf, er hört lieber auf die Gesellin, die selber keinen Respekt hat.

Ich will da aber auch seiner Ausblderin nicht einfach dazwischen funken und einfach so zum Chef gehen.
Ich weiß auch hier nicht wirkich, was ich machen soll, wie würdet ihr handeln?

Hallo,

zunächst noch mal zum Verhalten der Kollegin und des (wars ein Azubi?) anderen MAs:

Ich kenne diese Situation sehr gut, habe das selbst auch schon erlebt. Natürlich ist es ausserordentlich schwierig abzuwägen was für einen selbst und für den Betrieb richtig ist.

Des Weiteren bist du als bereits „gezeichnetes“ Mobbing-Opfer ja auch nicht die seelisch Stärkste (das soll nicht abwerten oder angreifen, sondern so empfinde ich es aus deiner Schilderung), um Angriffe auf dich abzuwehren, ja vielleicht sogar bereits um Nickeligkeiten und ähnliches richtig einzuordnen, einiges vielleicht auch mal Abtropfen zu lassen.

Entscheide dich zunächst einmal, ob es dir überhaupt noch wichtig ist die Stimmung in diesem Betrieb zu ändern. Zwar ist es sicherlich keine Lösung „immer“ davonzulaufen, aber wenn du wirklich sowieso eine Änderung willst dann solltest du evtl. deine Kraft darauf verwenden diese schnellstmöglich einzuleiten.

Bezüglich deiner beruflichen Veränderung: Nun hast du zwar eine Vorliebe genannt, diese ist aber ja nicht das was du bisher gelernt hast. Es gilt also, hier eine Weiterbildung zu erreichen. Da sind dann weitere Entscheidungen zu treffen: Inwieweit glaubst du z.B. das du die Kraft hast dies neben der Arbeit zu tun?

So wie ich das sehe, müsstest du relativ weit vorne wieder anfangen und dich komplett umschulen lassen, um im Bereich Finanzbuchhaltung, Controlling o.ä. neu zu starten. Bist du noch nicht zu alt, wäre es evtl. auch möglich eine zweite Ausbildung zu starten.

Zum Großraumbüro: Ja und nein. Ja, man kann etwas in der Masse verschwinden und nein, kann man nicht. Das kommt eben immer darauf an. Im Großraumbüro stehst du sozusagen immer unter Beobachtung und du wirst immer etwas durch Bewegungen, Gespräche etc. um dich rum abgelenkt. Irgendwann kriegt man ein wenig Tunnelblick und hört auch nicht mehr alle Geräusche um sich rum (wenn man Glück hat und das kann).

Die Frage ist eher, wie abgeschottet dein Arbeitsgebiet von anderen ist. Normalerweise greifen alle Räder in einer Firma ineinander. Das bedeutet immer Kommunikation und Zusammenarbeit. Das meinte ich u.a. auch damit, dass du nicht so alleine arbeiten wirst und kannst.

Es wird sicher nicht einfach, aber ich denke du schaffst das schon. Triff jetzt erst mal einige grundsätzliche Entscheidungen. Und denk auch daran, dass du jetzt schon einige Zeit in deiner Firma arbeitest und das sicher nicht nur weil dein Chef so konfliktunfähig ist, dass er dich behält obwohl du untragbar bist. :smile:

Kopf hoch und
Gruß Nita

Hallo Sahar82,

ich kann deinen Wunsch, aus dieser Situation herauszukommen, sehr gut verstehen.
Vor ca. 8 Jahren ist bei mir ebenfalls eine soziale Phobie diagnostiziert worden. Ich hab mir damals - genau wie du - gedacht, ich therapier mich einfach selbst. Das hat im Prinzip ganz gut geklappt, aber das lag auch an meiner Ausbildung, die ich kurze Zeit später begonnen habe.
Die Erzieher-Ausbildung besteht praktisch ausschließlich aus Gruppenarbeit, Referaten, Selbst- und Fremdreflexion und solchen Dingen. Im Grunde ist sie wie eine einzige gemütliche Gruppentherapie… :wink:
Das hat mir sehr geholfen.
Trotzdem habe ich auch heute noch immer mal wieder Rückfälle oder Probleme „sozialphobischer“ Art, die ich jedoch ganz gut in den Griff bekomme, in der Regel.

Ein Berufswechsel, um sozialen Situationen zu entgehen, ist klassisches Vermeidungsverhalten, und somit Bestandteil deiner Phobie! Ich würde dem nicht nachgeben. Es verstärkt die Problematik.

Ein Berufswechsel, um deinem öden Job zu entgehen, ist natürlich vollkommen in Ordnung. Aber dafür musst du - so wie es unten auch schon (mehrfach) geschrieben wurde - dir erstmal darüber klar werden, was dir unabhängig von der Phobie Spaß machen könnte. Dann erst unternimmst du weitere Schritte.

Deine schwierige Arbeitsplatzsituation würde ich mit deinem Therapeuten besprechen. Ich wage vorsichtig zu behaupten, dass deine Phobie dabei keine unwesentliche Rolle spielt. Möglicherweise handelt es sich - objektiv betrachtet - gar nicht um Mobbing. Das sollstest du versuchen abzuklären, bevor du weitere Maßnahmen ergreifst.

Liebe Grüße und viel Erfolg dabei,

larymin

Hallo Nita,

danke für die Ermunterungen, das habe ich wirklich gebraucht :smile:
Ich denke auch eher, dass ich wohl ne neue Ausbildung oder zumindest ne Umschulung machen muss. Ich bin jetzt 27 Jahre, ich denke nicht (oder hoffe eher nicht) dass ich zu alt für eine neue Ausbildung bin, ich hoffe nur dass damit nicht allzu viele Kosten für mich verbunden sind.

Ich kann auch zum Glück sagen, dass mich mein Freund dabei unterstützen will, der arme Kerl hat schon einiges mit mir mit gemacht :frowning: das tut mir richtig leid.

Ich habe jetzt mal beim Arbeitsamt angerufen, dann bekomme ich noch einen Termin für eine Beratung.
Ich werde da einfach mal meinen Fall schildern, mal schauen was raus kommt.

LG Sahar82

Hallo larymin,

es freut mich, dass du die soziale Phobie so gut wie im Griff hast, da habe ich wohl noch einen weiten Weg vor mir :-/
Ich denke ein Schritt wäre nochmal einen Therapeuten aufzusuchen. Ich war bis 2007 zwei Jahre lang in Therapie, allerdings war das ein sehr falscher Ansatz, damals war noch die Rede von Magersucht (ich kannte damals die genaue Symptomatik davon nicht).
Hat sich raus gestellt, dass ich eigentlich nur durch meine Vergangenheit und durch die daraus resultierende soziale Phobie ein recht schlechtes Verhältnis zum Thema Essen hatte, was sehr ironisch ist denn eigentlich esse ich sehr gerne.
Die Therapie hat mir trotzdem gut getan!
Doch jetzt, wo ich die Schwierigkeiten auf der Arbeit habe, merke ich wieder dass ich weniger esse. Vlt. suche ich meine damalige Therapeutin nochmal auf od ich suche diesmal einen Therapeuten, der sich weniger auf das Thema Essen spezialisiert, sondern eher auf die soziale Phobie, wenn es da spezielle Therapeuten überhaupt gibt. Muss ich mal meinen Hausarzt fragen.

Bist du noch als Erzieher tätig? War es schwer für dich die Ausbildung zu machen?

LG

OT
Hallo Sahar82,

die Ausbildung hatte ihre Höhen und Tiefen. Manches viel mir schwer, manches nicht.
Ich habe allerdings nie als Erzieherin gearbeitet, sondern gleich danach ein Jurastudium begonnen, was mir mehr Spaß macht.

Viel Erfolg mit deiner Therapie und dem Job :wink:

Liebe Grüße,

larymin

Danke! Dir auch alles Gute! :smile:

LG Sahar82