Ja, ja. Juristen lesen so etwas nicht gerne. Richterrecht.
Wieso sollte ich das nicht gern lesen? Glaubst du ernsthaft, ich fühle mich irgendwie angegriffen, wenn du die Existenz von Richterrecht erwähnst? Wieso sollte ich?
Ich weise nur darauf hin - und zwar hiermit noch einmal ganz ausdrücklich -, dass du ganz offensichtlich eine falsche Vorstellung davon hast, wie die Juristerei funktioniert. Du scheinst zu denken, dass ein Richter hier mehr oder weniger frei entscheiden könne, wie er eben gern entscheiden möchte. Das ist schlicht und ergreifend nicht wahr.
Und bevor du mit Schlagwörtern wie „Richterrecht“ argumentierst, solltest du dich damit beschäftigt haben.
Wenn die Gesetze so klar wären wie behauptet, bräuchte man
weder Juristen noch Gerichte.
Wer hat behauptet, dass die Gesetze „so klar“ sind? Ich nicht. Ich sage nur, dass der hier zur Diskussion gestellte Fall keine schwierigen Fragen aufwirft, sondern rechtlich einfach zu handhaben ist. Eltern haften nun einmal nicht für die von ihren Kindern verursachten Schäden, es sei denn, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben; dann allerdings haften sie für eigenes Verschulden und nicht für das Verschulden des Kindes. Die Existenz von Richterrecht ändert an diesem Befund rein gar nichts.
Dass man bei klaren Gesetzen keine Richter bräuchte, ist zudem unsinnig. Irgendwer muss im konkreten Einzelfall ja entscheiden, was gelten soll, und das ist eben der Richter. Egal wie einfach ein Gesetz ist: Irgendwer muss es machen. Davon unabhängig ist es aber eben auch oft gar nicht einfach. Ich weiß nicht, wie du behaupten kannst, irgendwer hätte das gesagt. Nein, Recht ist nicht grundsätzlich einfach. Es gibt aber eben sehr wohl einfach gelagerte Fälle. Und wenn du meinst, dass sich praktisch kein Fall juristisch beurteilen lasse, weil das Gericht dann ja doch nach Belieben entscheide, dann ist das einfach ein ganz großer Irrtum. Es gibt in der Tat immer Unwägbarkeiten, aber die liegen anders, als du es zu denken scheinst.
Gerichte braucht man übrigens auch deswegen, weil es in der Regel nicht oder nicht nur um Rechtsfragen geht, wenn zwei Leute streiten, sondern sehr oft auch um Beweisfragen. Auch hier muss wieder jemand die Würdigung vornehmen, und das ist der Richter. Das gilt auch für noch so einfach gelagerte Fälle.
Da wir ja alle in der Sache gleicher Meinung sind, lassen wir
besser den Sonntag Sonntag sein.
Wir sind überhaupt nicht einer Meinung. Du vertrittst nur mehr oder minder zufällig das richtige Ergebnis. Deine darüber hinausgehende Einschätzung an dem Justizbetrieb ist völlig falsch. Und das sage ich sine ira et studio. Ich bin nicht die Justiz, mich ficht es nicht an, wenn du sie unsachlich kritisierst. Es muss aber ja wohl erlaub sein, deine öffentlich kundgegebenen Irrtümer zu korrigieren.