Besteckdesinfektion+Wunddesinfektion mit UV-Licht?

Hi,

für nen längeren Auslandsaufenthalt habe ich mir einen Steripen-Wasserfilter zugelegt. Das System funktioniert wie folgt:

Fragwürdiges Wasser in den Vorfilter füllen - von dort tropft dann das von Grobschmutz gereinigte Wasser in eine Wasserflasche, wo es dann anschließend mit einem „UV-Leuchtstab“ für 60 Sekunden (pro Liter) bearbeitet wird. Das UV-Licht tötet die Bakterien, Keime und Viren im Wasser ab und macht es so trinkbar (ohne Nachfolgeerscheinungen!).

  1. Frage: Soll ich eine Wunde (Schürfwunde / offene Wunde) nach der „grobreinigung“ (Fremdkörper mit Prinzette entfernen + abtupfen) - mit dem UV-Licht für z.B. 30 Sekunden bestrahlen? Bringt das was oder ist das ggf. schädlich?

  2. Wenn ich z.B. ein nichtsteriles Instrument (Metall) benutzen will - wie desinfiziere ich diese im Outback richtig? Ich würde erst einmal ein Taschentuch nehmen, das Instrument damit grob „abputzen“ (ggf. Verunreinigungen entfernen! Dann mit z.B. Sterillium (Desinfektionsmittel) das Besteck absprühen oder dort kurz einweichen lassen und dann … ja was dann? Abtrocknen = Keimgefahr … wohl eher an der Luft trocknen lassen! Oder? Sollte ich das Besteck dann auch mit dem UV-Licht kurz bestrahlen?

  3. Ist UV-Licht fürs Auge eigendlich Schädlich? Darf man ggf. nicht direkt in die UV-Lampe schauen, oder sollte dies tunlichst vermeiden?

Weiss einer Rat?

THX

Hallo,

ich kenne die UV-Entkeimung aus der Aquaristik. Das UV-Licht zerstört die Zellen und verändert die DNA von vielen Keimen, etlichen Algen und Bakterien. Deswegen würde ich dieses UV-Licht eben nicht nah an verletzte menschliche Hautpartien halten.

Gruß
orangegestreift

Hi, UV Licht ist für d. Augen schädlich!
Sterillium macht nur keimarm aber nicht keimfrei und ist nur für die äusserliche Anwendung und nicht zur Aufbringung auf Schleimhäute gedacht! Ist aber immer noch besser als garnix.
Wie wär´s mit auskochen oder Instrument über Feuer erhitzen, jeweils 15 Minuten?
Es gibt steril verpackte Kompressen in verschiedenen Größen in d. Apotheke, davon welche mitnehmen.
MfG ramses90

Ich hatte mir vor einigen Jahren mal einen Holzsplitter in die Wade gerammt, der dann auch noch abgebrochen ist und mit einer normalen Zenge nicht raus zu holen war. Erst mit einer Splitterpinzette konnte ich diesen Splitter raus ziehen - was höllisch schmerzhaft war.

Mir ist bekannt, dass es steriles Material und Besteck gibt - doch wenn man auf jedes Gramm achten muss, ist einfach „mehr steriles“ Material mitzunehmen, ein nicht realisierbarer Luxus.

Wobei ich schon etwas irritiert bin - schließlich wirbt BODE (Hersteller von Sterillium), dass 99,99% aller Keime/Bakterien abgetötet werden! Ich hatte mir hiervon mehr erwartet, als vom Erhitzen über Feuer, geschweige denn beim bloßen Aufkochen in Wasser. Oder habe ich deinen Kommentar falsch verstanden?

Abgesehen davon, glaube ich nicht dass es ratsam ist, im Falle einer Verletzung erst mal schön den Gaskocher hervorzuholen und 10 Minuten zu warten, bis das Wasser kocht und dort z.B. die Pinzette nochmals 15 Minuten aufzukochen (Wobei ein Kaffee da vielleicht gut tun würde :smile: ). Vielmehr geht es mir auch darum, wie man im „Felde“ die Instrumente richtig keimfrei bekommt - um so die Gefahr einer Infektion zu reduzieren!

Was wäre zudem ratsamer? Ein Flächendesinfektionsmittel/Desinfektionstücher ( (z.B. von Sagrotan) oder Sterillium Desinfektionslösung/Desinfektionstücher?

Ich würde vermuten, dass die Desinfektionstücher (im Outback) weitaus sinnvoller sind - da man damit gleichzeitig die ggf. vorhandenen Keime wegwischen kann, während im Sterillium-Bad, lediglich diese abgetötet werden, oder?

Wie gesagt - habe keine wirkliche Ahnung hiervon - deshalb frage ich ja nach!

Hi, also: Sterillium ist ein Desinfektionsmittel zur Hautwaschung des Personals z.B. vor einer OP um dies wirksam durchzuführen, müssen Hände u. Unterarme 5 Min. auf eine streng geregelte Art und Weise mit dem Zeug gewaschen werden. Dann sind diese Hautpartien, wie BODE beschreibt, zu 99% (die 0.9%lass ich jetzt mal weg weil fragwürdig) keimfrei. Das heisst aber, dass die Keimfreiheit in Wahrheit gar nicht besteht sondern, dass lediglich eine Keimarmut besteht. Keimfreiheit wird nur mittels Sterilisation erreicht. Das kann mittels Dampfsterilisator, Gas und Gammastrahlen geschehen.
Wenn Du steriles Instrumentarium willst, ist das bei der von Dir geschilderten Reiseart nur möglich, wenn Du Dir von hier die Instrumente sterilisiert und in einer speziellen doppelten Umverpackung mit nimmst.
Das Abwischen der Instrumente mit Sterillium, selbst das Auskochen, bzw. Ausglühen wird immer nur eine Keimarmut erzeugen!
Zur Hautdesinfektion bei offenen Wunden ist Steillium NICHT geeignet. Dafür kannst Du MERFEN (brennt) oder, auf Jodbasis, Braunovidon (brennt nicht) verwenden, giebt´s als Lösung und Salbe. Die Salbe ist hervorragend geignet Hautinfektionen zu kurieren.
Diese Desinfektionstücher haben nur einen mehr oder minder symbolischen Charakter. Eine ordnungsgemässe Hautdesinfektion findet unter grosszüger Aufbringung der Lösung mittels steriler Tupfer in 3 aufeinander folgenden Abschnitten statt. Wobei für jeden Abschnitt neue sterile Tupfer verwendet werden. Auch das wird für Dich nicht durchführbar sien. Du wirst Dich also auch hier für einen Mittelweg entscheiden müssen.
MfG ramses90

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Danke für deinen recht ausführlichen und hilfreichen Beitrag!

Ich werde mir wohl sterile Einwegpinzetten mitnehmen, sowie die Braunovidon-Salbe!

Danke für die Infos!

cu

Hallo,
unter den von dir geschilderten Umständen ist keimfreiheit (Sterilisation) nicht zu erzielen, auch schon deswegen nicht, weil die Umgebung und die Wunde selbst erheblich kontaminiert wären.
Eine weitgehende Keimarmut - also Desinfektion - ist hier realistischerweise das einzige was erreicht werden kann und wohl auch völlig ausreichend.

Ein spezielles Instrumentendesinfektionsmittel wirst du sicher nicht zusätzlich mitführen wollen und dies würde auch in dem von dir angenommen Notfall nicht wirklich helfen, da es zur gründlichen Desinfektion lange Einwirkzeiten voraussetzt.
Von daher solltest du dir überlegen nicht ein Hautdesinfektionsmittel wie Sterillium mitzunehmen, sondern etwas das sich auch zur Wunddesinfektion eignet, damit könntest du das eigentliche Problem einer kontaminierten Wunde angehen. Selbst ein Taschenmesser wird nach einer gründlichen Reinigung ein, im Vergleich zum Schmutz in einer im Gelände zugezogenen Wunde, zu vernachlässigendes Infektionsrisiko darstellen.

Ausgesprochene Wunddesinfektionsmittle wären zur sonstigen Desinfektion nicht sinnvoll, da sie meist färben oder nur ein eingeschränktes Wirkspektrum haben, was bei der Desinfektion von Instrumenten nicht in Kauf genommen werden muss, aber m. W. ist gerade Sterillium relativ schlecht gewebeverträglich.
Aus dem Gedächnis - also ohne das Wirkspektrum und die Wirkstoffe verglichen zu haben - glaube ich, dass Kodan Tinktur forte ein gängiges Mittel für solche Zwecke wäre.

Übrigens die UV-Lampe ist für Wunden völlig ungeeignet. Das UV-Licht braucht eine lange Einwirkzeit für die Desinfektionswirkung und würde in dieser Zeit dein Gewebe erheblich schädigen - auf gut deutsch einer Wunde einen gewaltigen Sonnenbrand verpassen - was der Wundheilung absolut nicht dienen würde. Statt dessen die Lampe nur mal kurz drüber zu halten wäre auch Unsinn.

Gruß
Werner

Hi,

eine komplette Keimfreiheit hatte ich an für sich nicht anvisiert, sondern ich wollte das Infektionsrisiko reduzieren!

Also ein Danke an Alle User, die hier gepostet haben und noch posten werden!

Irgendwie fühl ich mich auch total verarscht - bzw. ärgert es mich schon ein wenig, so falsch über Steillium informiert gewesen zu sein!

Danke!

Hallo,
verarscht musst du dir nicht vorkommen. Ich kann nicht erkennen, dass du falsch informiert wurdest, nur sind die Produktinformationen natürlich nicht auf deinen Anwendungszweck ausgerichtet, sondern für die vorgesehene Verwendung als Hände-/Hautdesinfektionsmittel.

Du solltest dir einen freundlichen Apotheker suchen und mit diesem die Vor- und Nachteile der Produkte für speziell deine Situation abwägen.

Sterillium ist eines der wirksamsten Hautdesinfektionsmittel und auch zur Desinfektion von Gegenständen (Instrumente) geeignet. Für letzters allerdings nicht mit der im medizinischen Bereich geforderten Gründlichkeit.
Die speziellen Instrumentendesinfektionsmittel sind wiederum so Gewebeschädlich, dass man sie nicht auf der Haut und erst recht nicht in Wunden anwenden kann. Normale Hautdesinfektionsmittel werden in Wunden normalerweise auch nicht verwendet, sind aber zum Teil nicht so reizend, dass dies im Notfall nicht gemacht werden könnte.
Die speziellen Wunddesinfektionsmittel etwa auf Jod-Basis, haben ein so eingeschränkteres Wirkspektrum (z. B. nicht gegen Viren), das sie wiederum für die Haut- und noch weniger für die Instrumentendesinfektion geeignet sind.

Du siehst also ein Allround-Desinfektionmittel gibt es nicht. Du musst hier einen Kompromiss suchen. Wenn du ein spezielles Wunddesinfektionsmittel und ein weiteres für äußerliche Anwendung mitnehmen kannst, dann wäre wohl die Kombination Octenisept und Sterillium sinnvoll.

Gruß
Werner

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