Bester Zeitpunkt für Gehaltsgespräch

Hallo zusammen,

ich arbeite schon seit vielen Jahren in einem kleineren Büro als Fachangestellte und habe nun vor kurzem eine Fachwirtfortbildung erfolgreich abgeschlossen. Allerdings muss ich dazuschreiben, dass ich die Fortbildung freiwillig gemacht (aber mit Einverständnis der Chefs, am Wochenende)und selbst finanziert habe. Ich kann nun noch selbständiger arbeiten und in Kostenrechnungen mehr Nebengebühren abrechnen, die mir vor der Fortbildung nicht bekannt waren.

Nun möchte ich mich natürlich auch finanziell verbessern und überlege zurzeit, wann der richtige Zeitpunkt für ein Gehaltsgespräch ist. Einer meiner beiden Chefs hat stets Dollarzeichen in den Augen und hat stets versucht zu ignorieren, dass ich den Kursus gemacht habe. Auch läßt er oft durchblicken, dass es dieses Jahr nicht so gut aussieht, aber wo sieht es schon gut aus…

Was meint Ihr: Sollte ich noch im Nov. (vor Zahlung des Weihnachtsgeldes) das Gespräch suchen oder besser erst im neuen Jahr? Ich habe mir zwar schon ein gewisses Konzept für das Gespräch zurecht gelegt, aber der Zeitpunkt ist ja oft das A und O.

Wäre für Eure Erfahrung bzw. Tipps sehr dankbar!

LG Ultuna

Hallo,

Was meint Ihr: Sollte ich noch im Nov. (vor Zahlung des
Weihnachtsgeldes) das Gespräch suchen oder besser erst im
neuen Jahr?

ich würde es nach der Zahlung des Weihnachtsgeldes, aber vor dem Jahreswechsel machen. Ob der Chef meint, daß es für die Firma gut aussieht oder nicht, spielt übrigens überhaupt keine Rolle, sondern ist nur Rumgeweine, um Dich klein zu halten. Dein Gehalt wird nicht entscheidend für Erfolg oder Ruin des Geschäftes sein (und wenn doch, ist der Laden eh nicht mehr zu retten).

Grundsätzlich ist ein Arbeitsverhältnis nichts anderes als ein Geschäft, ein Deal: Leistung für Gegenleistung.

Wenn Du also mehr Leistung lieferst, kannst Du auch mehr Gegenleistung erwarten. Wenn Dein Chef Dir die nicht gibt, hält Dein Mehr an Leistung offenbar für wertlos. Das ist dann eine recht klare Ansage und die Konsequenz dürfte sich Dir aufdrängen.

Gruß,

Malte

Hallo,

ein weiterer Zeitpunkt wäre:
wenn du eine Arbeit ablieferst, bei der du z.B. die zusätzlichen Nebenkosten abgerechnet hast, was vorher mangels Ausbildung nicht geschah, darauf kurz hinweisen und da du der Firma ja jetzt Zusatzeinnahmen verschaffst, in diesem Zusammenhang dann über eine Gehaltserhöhung reden.

Gruß,
Cantate

Hallo zusammen,

ich arbeite schon seit vielen Jahren in einem kleineren Büro
als Fachangestellte und habe nun vor kurzem eine
Fachwirtfortbildung erfolgreich abgeschlossen. Allerdings muss
ich dazuschreiben, dass ich die Fortbildung freiwillig gemacht

Hallo,

das eben ist der Knackpunkt, die Fortbildung war dein Privatvergnügen und nicht vom Chef angestossen. Fortbildung ist nie verkehrt, sie erhöht ja Dein Leistungspotential. Du darfst nicht erwarten, dass dein Chef Dir deshalb jetzt sofort ein höheres Gehalt zahlt. Bezahlt wird nur für höhere Leistung, nicht für höheres Potential. Ausserdem hat er seine Einstellung dazu ja schon durchblicken lassen, er ahnt wohl schon dass du bald „ankommst“. Also bitte lass es sein. Die Zusatzkenntnisse werden Dir irgendwann nützlich sein nur halt nicht jetzt sofort. Wahrscheinlich sogar erst wenn Du wechseln willst oder musst.

Grüße
Christian

Jein…

das eben ist der Knackpunkt, die Fortbildung war dein Privatvergnügen und nicht vom Chef angestossen.

Das ja, allerdings tatsächlich mit Augenmerk darauf, wie man dem AG mehr Leistung anbieten kann.

Du darfst nicht erwarten, dass dein Chef Dir deshalb jetzt sofort ein höheres Gehalt zahlt. Bezahlt wird nur für höhere Leistung, nicht für höheres Potential.

Klares Jein. Nur weil man sich fortgebildet hat ist nicht automatisch mehr Geld drin. Aber wenn man de facto mehr leisten kann, dann sieht es so aus:
Wird das Mehr an Leistung gewünscht, sollte es auch entsprechend honoriert werden.
Wird es explizit nicht gewünscht, dann setzt man es nicht für dieses Unternehmen ein.
Letzteres heißt schlußendlich: Wenn Chef sagt „Du kriegst nicht mehr“, dann sagt man sich selbst „Oki, dann tue ich auch nicht mehr.“ bzw. „Oki, dann suche ich mir ein Unternehmen, was dieses Mehr an Leistung haben möchte“.

Die wenigsten Chefs sind so dumm und verstehen nicht, was passiert wenn ein Mitarbeiter höheres Potential hat und weiß welchen Marktwert dieses hat, dieses aber weder eingesetzt noch bezahlt wird.

Ausserdem hat er seine Einstellung dazu ja schon durchblicken lassen, er ahnt wohl schon dass du bald „ankommst“. Also bitte lass es sein.

Ich würde nur die Argumente richtig legen, aber es auf keinen Fall sein lassen!
Die richtigen Argumente wären Fakten, wie seit der Fortbildung
a) in kürzerer Zeit die bisherige Arbeit erfolgt
b) mehr Aufgaben von dieser Person erledigt werden
b) dem Unternehmen zusätzliche Gewinne möglich sind
… als vorher.
Wenn der Chef klar ausdrückt, dass das nicht in seinem Interesse ist, dann ist ihm nicht mehr zu helfen, aber es „sein lassen und sich stillschweigend was Anderes suchen“ ist wohl für alle Beteiligten die schlechteste Lösung.
Wie viele Missverständnisse gibt es jeden Tag, weil man Vermutungen aufstellt, statt klar zu sagen was Sache ist?

Die Zusatzkenntnisse werden Dir irgendwann nützlich sein nur halt nicht jetzt sofort.

Laut Themenstellerin kommen sie sogar jetzt schon zum Einsatz.
Somit entsteht dem Unternehmen schon ab heute ein nachweisbarer Vorteil, und wenn das Unternehmen dies nicht haben möchte, dann ist es im freien Markt fehlplaziert.

Gruß,
Michael

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Wenn das Budget fuers naechste Jahr erstellt wird.

Moin,

Wäre für Eure Erfahrung bzw. Tipps sehr dankbar!

in Deinem Anstellungsvertrag steht ‚Fachangestellte‘ und nicht ‚Fachwirt‘.
Bei uns ist es z.B. so, daß einige Laboranten berufbegleitend und aus Privatvergnügen ihren Chemotechniker gemacht haben.
Sie wurden anschließend aber immer noch als Laboranten ‚gehandelt‘ sprich, sie kriegten das gleiche Geld wie vorher. Wurde dann irgendwo eine Technikerstelle frei, wurden sie zwar bevorzugt dafür genommen, solange blieben sie aber Laboranten, auch in der Bezahlung.
Das führte dazu, daß einige sich extern bewarben und die Firma verließen, aber die Maxime der Geschäftsführung war trotzdem, daß Laboranten wie Laboranten bezahlt werden, solange im Vertrag Laborant steht.
Das machen nach meiner Erfahrung viele Firmen so.

Gandalf

das eben ist der Knackpunkt, die Fortbildung war dein Privatvergnügen und nicht vom Chef angestossen.

Das ja, allerdings tatsächlich mit Augenmerk darauf, wie man
dem AG mehr Leistung anbieten kann.

Da kann ich Dir nicht zustimmen. Wenn ich mich privat mit viel Zeitaufwand und Kosten fortbilde, dann habe ich dabei doch nicht in erster Linie das Wohl meines AG im Blick. Nein, es geht mehr um meine eigenen beruflichen Chancen.

Du darfst nicht erwarten, dass dein Chef Dir deshalb jetzt sofort ein höheres Gehalt zahlt. Bezahlt wird nur für höhere Leistung, nicht für höheres Potential.

Klares Jein. Nur weil man sich fortgebildet hat ist nicht
automatisch mehr Geld drin. Aber wenn man de facto mehr
leisten kann, dann sieht es so aus:
Wird das Mehr an Leistung gewünscht, sollte es auch
entsprechend honoriert werden.

Der AG wünscht immer das Maximum an Leistung. Wenn jetzt durch die Fortbildung mehr Ergebnis dabei herauskommt, dann ist das durchaus eine Basis für Gehaltsverhandlungen. Die kann ich aber erst nach entsprechenden Erfolgen führen und nicht schon vorher. Für Aussichten auf zukünftige Leistungen gibts jetzt noch nichts.

Wird es explizit nicht gewünscht, dann setzt man es
nicht für dieses Unternehmen ein.
Letzteres heißt schlußendlich: Wenn Chef sagt „Du kriegst
nicht mehr“, dann sagt man sich selbst „Oki, dann tue ich auch
nicht mehr.“ bzw. „Oki, dann suche ich mir ein Unternehmen,
was dieses Mehr an Leistung haben möchte“.

Das nennt man dann „innere Kündigung“.

Die wenigsten Chefs sind so dumm und verstehen nicht, was
passiert wenn ein Mitarbeiter höheres Potential hat und weiß
welchen Marktwert dieses hat, dieses aber weder eingesetzt
noch bezahlt wird.

Chefs erkennen ein höheres Potential normalerweise und übertragen dann Aufgaben mit höherer Verantwortung. Das ist der normale Weg. Zum Chef zu gehen und auf Grund der privaten Fortbildung nach verantwortungsvolleren Aufgaben zu verlangen ist der genau entgegengesetzte Weg.

Ausserdem hat er seine Einstellung dazu ja schon durchblicken lassen, er ahnt wohl schon dass du bald „ankommst“. Also bitte lass es sein.

Ich würde nur die Argumente richtig legen, aber es auf
keinen Fall
sein lassen!
Die richtigen Argumente wären Fakten, wie seit der Fortbildung
a) in kürzerer Zeit die bisherige Arbeit erfolgt
b) mehr Aufgaben von dieser Person erledigt werden
b) dem Unternehmen zusätzliche Gewinne möglich sind
… als vorher.

IMHO der falsche Weg. Wenn ich durch meine neu erworbenen Kenntnisse schneller arbeite, mehr Aufgaben erledigen kann und so dem Unternehmen zusätzliche Gewinne möglich mache, dann tue ich das erstmal für geraume Zeit mit Erfolg, bevor ich zum Chef gehe. Wenn ich allerdings nur das mache, was der Chef mir zuteilt, dann wird das natürlich nichts mit den Erfolgen. Also heisst es mit offenen Augen durch die Firma gehen und nach Chancen Ausschau halten. Beispiele: Ein Kollege ist längere Zeit weg, ein Stammkunde will was spezielles, eine neue Niederlassung wird aufgemacht etc. etc. Die Liste kann man unendlich weiterführen. Will sagen: Die Chance sich für höhere Aufgaben zu empfehlen wird kommen, man braucht nur etwas Geduld. Von „was anderes suchen“ ist gar nicht die Rede. „Es sein lassen“ bezog sich auf die Forderung nach mehr Gehalt direkt nach der privaten Fortbildung.

Wenn der Chef klar ausdrückt, dass das nicht in seinem
Interesse ist, dann ist ihm nicht mehr zu helfen, aber es
„sein lassen und sich stillschweigend was Anderes suchen“ ist
wohl für alle Beteiligten die schlechteste Lösung.
Wie viele Missverständnisse gibt es jeden Tag, weil man
Vermutungen aufstellt, statt klar zu sagen was Sache ist?

Die Zusatzkenntnisse werden Dir irgendwann nützlich sein nur halt nicht jetzt sofort.

Laut Themenstellerin kommen sie sogar jetzt schon zum Einsatz.
Somit entsteht dem Unternehmen schon ab heute ein
nachweisbarer Vorteil, und wenn das Unternehmen dies nicht
haben möchte, dann ist es im freien Markt fehlplaziert.

Mag sein, aber so läuft es halt in der Praxis nicht mit der Karriere.

Grüße
Christian

Gruß,
Michael

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Meinungen. Es ist immer wieder interessant, Meinungen aus anderer Sicht zu sehen und ich kann mich der Meinung von Michael am meisten anschließen. Zwar wurde die Fortbildung nicht verlangt, aber meine Chefs profitieren bereits jetzt davon und ich sollte sie einfach darauf hinweisen.
Man kann ihnen ja „etwas Wind aus den Segeln nehmen“, indem man darauf hinweist, dass einem klar ist, dass die Fortbildung nicht erwünscht war etc., aber für sie ja nur Vorteile bestehen und diese dann im einzelnen anhand von Zahlen darstellen.

Das Hauptproblem ist für mich eben der Termin, das Gespräch zu suchen. Ich tendiere jetzt eigentlich zum Anfang des neuen Jahres, wenn die Chefs gut gelaunt nach dem Weihnachtsurlaub zurückkommen…:smile:

Nochmals lieben Dank für Eure Meinungen.

Ultuna

Guten Tag,

Genau so ist es. Das sind nun mal die Spielregeln.
Grüße
Christian