Besuchs -(recht) - (pflicht) ?

hallo Experten,
ich habe dies bewusst nicht ins Rechtsbrett gesetzt, weil mich die Erfahrenswerte interessieren.

Vorab: bei uns war es nach den ersten heissen Trennungsmonaten wie folgt: jedes 2. Wochenende waren beide Kinder zusammen von Freitag 18:00 Uhr bis Sonntagabend 18:00 Uhr sowie alle Ferien die halbe Ferienzeit beim Vater, Feiertage wurden aufgeteilt, Heiligabend z.B u. 1. Weihnachtstag bei mir, dafür dann ab 2. Weihnachtstag bis Neujahr beim Vater.

Irgendwie gab es wenig Probleme, da mein geschied.Mann und ich uns hier gut absprechen konnten, die Kinder auch mitentschieden wenn sie auch mal ne Änderung wollten.

Nun sehe ich bei meiner Freundin, dass es ein ewiges Gerangel gibt, die Kleinen können sich auch nicht auf Abmachungen verlassen, da Kindesvater keine festen Absprachen will, Ferien sind ihm zu anstrengend.

Wo ist da das „Wohl“ der Kinder?

Ist das heute so üblich? Wie sind eure Erfahrungen? Wie lief es bei euch, wenn ein Kind mal partout nicht zum anderen Partner wollte?

Fragende Grüße
Chris

hallo Christel,

ich habe dies bewusst nicht ins Rechtsbrett gesetzt, weil mich
die Erfahrenswerte interessieren.

Selber habe ich derartiges nie erfahren, denn außer einmal im Monat zur Scheckübergabe ist der Vater meiner Tochter nie aufgetaucht. Aber wir waren auch nicht verheiratet, und dass er sich nie um die Tochter gekümmert hat, war einer der Gründe, mich von ihm zu trennen.

Irgendwie gab es wenig Probleme, da mein geschied.Mann und ich
uns hier gut absprechen konnten, die Kinder auch
mitentschieden wenn sie auch mal ne Änderung wollten.

Sowas finde ich auf jeden Fall super, damit kommen Kinder sicher am besten über eine Trennung hinweg.

Aber eigentlich wollte ich etwas anderes berichten:

In meinem Bekanntenkreis ging so etwas sogar bis vors Familiengericht:

Der Vater wollte die Töchter genau eine Woche haben. Damit hätte er der Mutter einen kostenlosen (durch Mithilfe zu finanzierenden) Ferienaufenhalt unmöglich gemacht. Sie meinte: Entweder halbe Ferien (damit sie ohne Töchter wegkonnte) oder gar nicht. Der Mann meinte nun, durchsetzen zu können, dass er das Kind genau die eine Woche bekomme, hat sich aber dann wohl in der Verhandlung so „geschickt“ angestellt, dass sogar die Familienrichterin meinte: „Das hörst sich aber an, als ob Sie die Kinder gar nicht bei sich haben wollen.“

Gruß, Karin

Hallo Chris,
bei uns wars von Anfang an so geregelt, dass mein Ex oder seine Eltern anruft/anrufen, wenn er/sie die Kinder sehen will/wollen. Im Gegenzug rufen die Kids an, wenn sie Sehnsucht nach Papa und Großeltern haben. Bei uns war (bedingt durch die Arbeitszeiten meines Ex) kein fester Termin zu Besuchen möglich.
Heute (meine Kinder sind jetzt 13/12 Jahre alt) funktionierts immer noch, teilweise sogar besser als vor Jahren. Ferien verbringen die Kinder dort, wo sie gerade wollen (außer, wir haben Urlaub -1x pro Jahr, in den Sommerferien- gebucht).

Meine Meinung: Ich kann meinen Kindern nicht vorschreiben, wann sie Lust zu haben haben, sich bei Papa/Großeltern blicken zu lassen. Zum Glück sieht es mein Ex und seine Familie genauso.

Gruß *wink* Daggi

PS: auch die Großeltern haben ein Recht darauf, ihre Enkel sehen zu dürfen. Meiner Meinung nach sogar der neue Partner des „Besuch-Elternteils“.

schön, Daggi, dass es bei euch so klappte und den Denkansatz mit den Großeltern und der neuen Partnerin bzw. Partner finde ich s u p e r — dafür ganz viele Sternchen auf diesem Wege.

Bei mir war es so, als ich nach 7 Jahren (!) einen neuen Partner hatte, flippte mein Ex total aus. Naja, Schwamm drüber, das war sicher seine Hilflosigkeit.

Ansonsten ich habe versucht - zumindest bewusst - nie zu blockieren. Und wenn er mit den Kindern mal 6 Wochen in den Staaten war - habe ich auch nicht gequakt, weil man eben nicht stur nach Schema gehen kann.

Ich stelle nur bei meiner Freundin fest, dass sie total verkrampft ist, möglichst alle Termine blockiert und das ergibt natürlich Stress für alle Beteiligten. Die beiden tragen den Trennungskampf über das Besuchsrecht und Finanzen aus. Er zahlt nicht - gibt sie ihm nicht die Kinder. Dass die Kinder das nicht verstehen - ist doch eigentlich klar.

Nun, ich werde weiter daran arbeiten - eine Trennung ist halt immer bitter insbesondere für die gemeinsamen Kinder.
Danke
Chris

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Hallo Chris,
a)
die Großeltern haben sehr wohl das Recht (per Gesetz, mittlerweile!) die Enkel sehen zu dürfen.
b)
die Kinder werden merken, wer von den Eltern blockt und sich irgendwann von diesem Elternteil emotional lösen.

Bei uns hats zwar einige Monate gedauert, bis mein Ex kapierte, dass er nicht mich trifft, sondern die Kids. Dank (verständnisvollen) Richter, RAs und Jugendamt haben wir unseren Weg gefunden. Heute ist es für alle selbstverständlich, dass da auf einmal 4 Elternteile sind und dem entsprechend mehr Großeltern. Die Zwerge genießens (gibt ja doppelte Anzahl Geschenke) *fg*.
Tja, und über den eigenen Schatten zu springen scheint vielen Elternteilen nicht möglich.
Wenn sich Eltern und Großeltern nur manchmal in die Situation der Kinder versetzten, müßte eigentlich klar sein, dass dies der einzig humane Weg ist, noch zu retten, was zu retten ist.
Die Kinder kommen mit „Patchwork-Familien“ besser zurecht, wenn man sie machen läßt. Kleine Gemeinheiten, die immer wieder vorkommen können merken sich die Kinder sehr genau.

Gruß *wink* Daggi

schön, Daggi, dass es bei euch so klappte und den Denkansatz
mit den Großeltern und der neuen Partnerin bzw. Partner finde
ich s u p e r — dafür ganz viele Sternchen auf diesem Wege.

Bei mir war es so, als ich nach 7 Jahren (!) einen neuen
Partner hatte, flippte mein Ex total aus. Naja, Schwamm
drüber, das war sicher seine Hilflosigkeit.

Ansonsten ich habe versucht - zumindest bewusst - nie zu
blockieren. Und wenn er mit den Kindern mal 6 Wochen in den
Staaten war - habe ich auch nicht gequakt, weil man eben nicht
stur nach Schema gehen kann.

Ich stelle nur bei meiner Freundin fest, dass sie total
verkrampft ist, möglichst alle Termine blockiert und das
ergibt natürlich Stress für alle Beteiligten. Die beiden
tragen den Trennungskampf über das Besuchsrecht und Finanzen
aus. Er zahlt nicht - gibt sie ihm nicht die Kinder. Dass die
Kinder das nicht verstehen - ist doch eigentlich klar.

Nun, ich werde weiter daran arbeiten - eine Trennung ist halt
immer bitter insbesondere für die gemeinsamen Kinder.
Danke
Chris

Hallo Chris,

es ist sehr sehr unterschiedlich. Unsere Tochter (fast 6 jahre alt) ist seit über 3 Jahren auch jedes zweite WE bei mir und einmal in der Woche besuche ich sie bei ihrer Mutter. Meinen Urlaub versuche ich großteils mit ihr zu verbringen, Feitertage werden sinnvoll geteilt (ich feier eh kein Weihnachten, also Weihnachten immer bei ihrer Mutter). Vor ein paar Monaten haben wir das WE verlängert, jetzt von Fr ca. 17:30h bis Montag zum Kindergarten - das war sehr positiv für mein Verhältnis zu unserer Tochter.

Auch wenn mal was außer der Reihe anliegt (sie z.B. wegen Krankheit nicht in den KiGa kann etc.), versuche ich meinen Teil zu übernehmen. Überhaupt finde ich es sehr wichtig, dass das Kind auch zum getrennt lebenden Elternteil kommt (gebracht wird/abgeholt wird) wenn es krank ist (risikoarme Transportfähigkeit vorausgesetzt), weil sonst ein wichtiger Teil fehlt.

Leider höre ich auch immer wieder von Fällen, wo die Mutter nicht will, dass der getrennt lebende Vater einen guten Kontakt zur Mutter hat oder wo der getrennt lebende Vater keinen Kontakt will. (Auch andersherum gibt es das natürlich, was aber praktisch selten vorkommt.) Beides ist natürlich völlig daneben. Ersteres könnte man noch durch bessere Gesetze und Rechtsprechung (wie in Frankreich) beheben, letzteres ist ein echtes Problem: Was macht man mit einem Elternteil, der zu seinen eigenen Kinder keinen engen Kontakt wünscht? Keine Ahnung :frowning:

Ich sehe das Besuchtsrecht vor allem auch als Recht des Kindes auf Umgang mit beiden Eltern. Diesen halte ich jedoch für so wichtig wie die Schule, man kann also die Entscheidung einem kleinen Kind nicht überlassen, da es zu leicht beeinflusst ist (nicht mal unbedingt mit Absicht).

Alles Gute wünscht
…Michael

hallo Michael,

wenn ich könnte, würde ich dir einen ganzen Rucksack von Sternen geben. Wie du und deine geschied. Frau es praktizieren und deine Einstellung … so soll es sein - im Interesse des Kindes.

Wir hatten zu Kindergartenzeiten auch die Regelung, dass meine beiden bis Montagfrüh beim Vater blieben, ging aber dann nicht mehr, als die Schule anfing. Auf Anraten der Lehrerin wegen unkonzentrierter und trauriger Erscheinung (es ist immerhin immer ein Abschied) kamen sie dann am Sonntagabend zurück.

Ich wünsche mir, dass viele Eltern, deren Ehen oder Lebenspartnerschaften zu Ende gehen, sich so arrangieren können. Denn sind wir mal ehrlich – ein liebevolle und mitverantwortlicher Vater - ist auch eine Entlastung für die Mutter.

Danke und alles Gute für dich
Chris

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hallo Daggi,
das hast du sehr schön geschrieben. Natürlich merken die Kinder, was los ist. Ich habe mich z.B. selbst gezwungen NIE wenn die Kinder im Hause waren, auch nur am Telefon mit einer Freundin oder einem Amt negativ über ihren Vater zu reden.

Manchmal fiel es mir sehr schwer - aber dann beschwor ich das Bild der fröhlichen Kinder auf - und es ging. Und wenn eine Freundin mal anfing, habe ich auf die Absprache hingewiesen (sie waren ja über meine Einstellung informiert). Schön war auch, dass das Jugendamt und Rechtsanwälte sich meiner Ansicht beugten.

Mein Ex-Mann hielt sich nicht daran — und heute gehen sie kaum noch zu ihm. Die regelmässigen Besuche hörten auf, als sie volljährig wurden.

Schönen Wochenanfang
Chris

Hallo Christel!

Nun sehe ich bei meiner Freundin, dass es ein ewiges Gerangel
gibt, die Kleinen können sich auch nicht auf Abmachungen
verlassen, da Kindesvater keine festen Absprachen will, Ferien
sind ihm zu anstrengend.

Wo ist da das „Wohl“ der Kinder?

Ja, sehe ich auch immer noch bei anderen getrennten Paaren, aber nicht immer ist der Vater der unzuverlässige Part, es gibt oft genug das Problem, daß die Mütter blocken, daß sie alle möglichen und unmöglichen Gründe erfinden, dem Vater die Besuchszeiten zu kappen. Ich verstehe diese Mütter aus zwei Gründen nicht. Zum einen kann man nicht Kinder dafür büßen lassen, das man selber glaubt, damals den ‚falschen‘ Partner erwischt zu haben. Es ist und bleibt der Vatern der Kinder, mit dem sie sich auch selber auseinandersetzen müssen. Ich merke bei meinen beiden z.B., daß sie ihren Vater mittlerweile recht kritisch sehen und heute sogar teilweise nachvollziehen können, warum wir beide nicht dauerhaft miteinander auskommen konnten. Lieben tun sie den Vater trotzdem. Der zweite Grund, man weiß nie, was einem passiert, schon morgen kann mich schwere Krankheit oder Tod treffen…wohin sollen die Kinder dann? Ich für meinen Teil bin froh, daß ich weiß, daß die Kinder einen guten Kontakt haben zu dem Mann, in dessen neuer Familie sie dann leben müssen.
Alles in allem, man muß sich und den Kindern das Leben nicht schwerer machen als es ohnehin schon ist und man sollte versuchen, einfach über den kleinkarierten Emotionen zu stehen, und außerdem ist so ein regelmäßiges freies WE was wirklich schönes!

Ist das heute so üblich? Wie sind eure Erfahrungen? Wie lief
es bei euch, wenn ein Kind mal partout nicht zum anderen
Partner wollte?

Also, hier nun meine praktischen Erfahrungen (meine Kinder sind mittlerweile 11 und fast 14 Jahre, ich bin aber schon viele Jahre getrennt, der Vater lebt in einer Nachbarstadt, Kurzbesuche unter der Woche finden dadurch seltenst statt)

Am Jahresanfang planen wir per Kalender das gesamte Jahr grob durch, im Sommer wird das zweite Halbjahr noch mal konkretisiert). Richtwert ist, daß die Kinder jedes dritte WE beim Papa sind, dann aber von Freitagnachmittag bis Sonntagabend. Besondere Termine (Familienfeiern, Schulfahrten etc. soweit bekannt) werden dabei schon berücksichtigt.
Die langfristige Planung hilft vor allem auch den Kindern, sich auf diese WE einzustellen, der Kalender mit den Terminen ist immer einsehbar.

Es gilt zwischen uns die Absprache, daß jeder sich an diese Planung hält, Änderungen gibt es nur nach Absprache und beiderseitigem Einverständnis. Ggf. müssen die Kinder auch in den sauren Apfel beißen, wenn Papa z.B. am eingetragenen WE eine Fahrt zur Oma geplant hat und gleichzeitig eine Einladung zum Kindergeburtstag vorliegt, dann geht Oma vor.

Für die Ferien gilt eine ähnliche Regelung, der Papa darf zuerst seine Wünsche annmelden und wenn es irgendwie paßt, baue ich meine Planungen drumherum, zumindest bisher hat das terminliche sogar immer gut gepaßt.

Feiertags ist es immer so, daß die Kinder Ostern mit mir auf’s Land fahren, das war sozusagen immer so und gehört mit zu den unabänderlichen Ritualen, mein Ex-mann akzeptiert das, zumal er nicht so gerne Ostereier versteckt . Dafür darf er grundsätzlich Pfingsten verplanen. Heiligabend ist es ähnlich, da sind die Kinder bisher immer bei mir gewesen, die anschließneden Feiertage werden individuell vereinbart und haben viel damit zu tun, ob irgendwelche Verwandschaft zu Besuch ist und auch, bei wem die Kinder dann über Silvester sind. Grundsätzlich aber gehören mindestens drei Tage dem Papa.

Seit die Kinder älter sind, läuft viel in der individuellen Absprache über sie. Es kommt also seit neuerem durchaus vor, daß auch nur ein Kind zum Papa fährt, weil das andere eben andere Pläne hat. Wir bemühen uns aber, das dies noch die Ausnahme bleibt.

Ich glaube aber, in der Zukunft wird sich diese feste Regel Stück für Stück auflösen und die Kinder werden die WE nach Lust und Laune hier oder da verleben, eben wie die ‚Verlockungen‘ es ergeben, ich denke, ich habe da kein Problem mit.

Gruß Maid :smile:

hallo Maid,
supi, genauso läuft es - wir hatten auch einen Plan - der auch mal getauscht wurde. Seitdem die Tochter mit festem Freund anfing, lockerte sich der Ritus. Auch haben die Kinder mal getrennt entschieden seitdem sie 18 sind.

Heute bedauer ich manchmal, dass nicht beide das ganze Wochenende weg sind. Denn du sagst es, bei mir kam Krankheit usw. und ich war dankbar (!!) dass sie die Wochen zu ihrem Vater gehen konnten, er sie zur Schule fuhr usw. Diese täglichen Unabwägbarkeiten haben wir gemeinsam getragen.

Natürlich haben sie inzwischen auch gemerkt, warum mein Mann und ich uns trennten und sie können damit um.

Alles in allem finde ich, nach den ersten 2 Jahren Schwierigkeiten ist es auch für die Kinder sehr gut gelaufen. Es ist und bleibt ihr Vater - und nicht nur Erzeuger. Das haben wir erreicht - und darauf bin ich auch ein kleines bißchen stolz.

Frage nur, wie bekomme ich meine Freundin zu ‚normalen‘ Verhältnissen - gerade dies Wochenende kam ihre verbitterte Biestigkeit wieder heraus. Da habe ich mir gestern den Mut genommen,und mal Tacheles geredet. Hoffen wir auf positive Wirkung für ihre beiden Kinder.

Danke Maid und mach weiter so…

liebe Grüße Chris