Beteiligungen bei CD-Erstellung

Hallöchen!

Wer kann mir mehr über den Ablauf sagen, wenn CDs aufgenommen werden, wer dann wieviel in der Regel beteiligt wird (Sänger, Solisten, Chormitglieder,etc), wie lange, bei welchen Stückzahlen, in welcher Höhe usw. Werden die Künstler vorab bezahlt oder pro verkaufter CD, etc.

Was ist üblich und welche Variationen gibt es da? Was muß man beaachten?

Vielen Dank und liebe Grüße,

Caro

Hi Caro!

Wer kann mir mehr über den Ablauf sagen, wenn CDs aufgenommen
werden, wer dann wieviel in der Regel beteiligt wird (Sänger,
Solisten, Chormitglieder,etc), wie lange, bei welchen
Stückzahlen, in welcher Höhe usw. Werden die Künstler vorab
bezahlt oder pro verkaufter CD, etc.

Kommt wohl eher darauf an, von wem das Ganze ausgeht, wer produziert, und wer dann letztendlich das Marketing übernimmt.

Ich arbeite selbst daran, dass ich mal dein Problem habe, als Produzent. :wink: Über den Ablauf könnte ich dir schon einiges erzählen, aber (noch) nicht über den finanziellen Ablauf.

Aber: Hier ein kurzer, passender Textausschnitt aus:

„The KLF - Das Handbuch. Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit“

Kapitel: „Club Promotion“ - (Seite 109)

(Copyright: „Die Gestalten Verlag GmbH“, 1998)

Viel Spass und Erfolg,
Markus

— Zitat: ---------------------

„Club Promotion. Es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, Platten an Clubs zu versenden. Die Clubs bekommen die Platten umsonst und müssen im Gegenzug Fragebögen ausfüllen, wie die einzelnen Platten bei ihren Gästen da draussen auf der Tanzfläche abgehen.
Viele Platten werden über den Dancefloor in die Charts gehievt. Es klingt zwar schon wie ein Klischee, aber es funktioniert immer noch. Man verschickt die Platte vier Wochen vor Veröffentlichung an die tonangebenden Clubs als White-Label oder als Pseudo-US-Import (das schafft erhöhte Glaubwürdigkeit bei der elitären DJ Gemeinde). Zwei Wochen vor Veröffentlichung wird dann an die übrigen Clubs und auf Dance spezialisierte Plattenläden versandt. James Hamilton schreibt in seiner Kolumne im Record Mirror über den Song. Am Tag der Veröffentlichung bombt die Platte dann in die Charts. So tauschen Platten, die Du noch nie zuvor gehört hast, von Künstlern, von denen Du noch nie gehört hast, plötzlich in den Top 40 auf.
Wir haben die Firma Rush Release benutzt, die wir jedem nur empfehlen können. Sie befinden sich in Süd-London. Ihre Telefonnummer steht im Music Week Directory. Vereinbare einen Termin. Bring eine Testpressung mit. Spiel sie ihnen vor. Höre Dir ihre Ratschläge an - und befolge sie.
Diese Promoter habemn verschiedene Club-Verteiler passend für den Versand aller Musikrichtungen. Falls sie glauben, dass es ausreicht, nur einhundertfünfzig Platten zu verschicken, werden sie es Dir sagen, auch wenn sie mit dem Versand von dreihundert Platten doppelt soviel Geld verdienen. Wenn sie dreihundert Platten versenden, kostet dich das 500 Pfund (Preis von 1988). Diese Menge haben wir für „Doctorin’ The Tardis“ verschickt. […]“

Nachtrag…
Nachtrag zu dem „Handbuch“ von „The KLF“:

EinsLive (Radiosender in NRW) hat vor ca. 3 Monaten strikt nach diesem Handbuch einen Song produziert, der prompt auf Platz 37 in die deutschen Charts eingestiegen ist…

„Milton - I can see it in your eyes“

Tja, Caro, halt dich dran… :wink:

Markus

Hallo Caro,

das kommt alles ganz darauf an.

I.d.R. werden Musiker pauschal bezahlt und nicht am Umsatz beteiligt. Die kriegen ihr Geld dann normal direkt nach der Einspielung im Studio. Diese Musiker werden ja auch noch über die GVL indirekt an den Umsätzen beteiligt. Darüber brauchst Du Dir aber gar keine Gedanken machen.

Anders verhält es sich mit Komponisten. Hier ist es durchaus üblich, sie am Umsatz zu beteiligen. Aber auch eine Pauschale ist möglich. Wenn allerdings die CD ein Hit wird, kann der Komponist auch durchaus noch Geld nachfordern, falls die ursprüngliche Pauschale zu niedrig war. Weiterhin bekommt auch der Komponist später eine Quasi-Umsatzbeteiligung von der Gema. Darum brauchst Du Dich aber auch nicht weiter kümmern.

Die Gema mußt Du dann bezahlen, wenn Du die CD ins Presswerk gibst (das erledigen die meist für Dich). Solltest Du die CD selbst pressen/brennen und dann verkaufen, so mußt Du sie selbst bei der Gema anmelden.

Und jetzt nochmal zu einem kleinen Problemchen bei der Unterscheidung von sonstigen Musikern und Sängern: Falls der/die Sänger eine fertig komponierte Melodie gesungen haben, sind sie nur ausführende Musiker und keine Komponisten. Solltest Du ihnen aber etwa eine fertige Aufnahme ohne Gesang vorgesetzt haben, zu der sie dann selbst eine Melodie singen sollten, so haben sie diese komponiert und gelten auch mit als Komponisten. Durch eine etwas höhere Pauschale für die Sänger sind diese aber auch vielleicht bereit, auf ihre Gema-Ansprüche zu verzichten. Damit wollte ich Dich aber nicht verwirren! Wahrscheinlich tritt dieses Problem bei Dir gar nicht auf.

Zu all dem oben genannten ist zu sagen: Diese Bezahlungspraxis ist branchenüblich, aber kein eisernes Gesetz. Du kannst die Musiker durchaus auch am Umsatz beteiligen (Peter Maffay beteiligt z.B. seine Band am CD-Verkauf). Das kann vielleicht bei befreundeten Musikern sinnvoll sein oder um eine Basis für zukünftige Zusammenarbeit aufzubauen. Das bleibt ganz Dir überlassen.

Ich hoffe, ich habe Dir mehr geholfen als Dich verwirrt ;o). Ansonsten frag halt nochmal bei mir an.

Gruß,

Matthias Orgler