Hallo,
folgende Frage:
Ein Unternehmen X hat verschiedene Töchter.
Um einen Überblick zu erlangen bzw. immer auf dem Laufenden zu
sein möchte die Geschäftsleitung von X einen Steckbrief zu
jeder Tochter haben mit den wichtigsten und aussagekräftigsten
Daten.
Um lediglich von einem „Steckbrief“ sprechen zu können, ist die Sache mit den Beteiligungen dann vielleicht doch „ein bisschen zu ernst“. Das Beteiligungscontrolling ist gerade für jene Unternehmen, die mehrere Beteiligungen unterhalten, von großer Wichtigkeit. Schließlich ist es immer etwas „ungünstig“, wenn man eine Beteiligung in ihrem Wert berichtigen, sprich abschreiben muss. Da wäre doch ein vorheriger Ausstieg durch Veräußerung sinnvoller gewesen.
Wie müsste so ein Steckbrief aussehen, was müsste enthalten
sein, was dürfte auf gar keinen Fall fehlen?
Diese Frage wird sich hier weder im Allgemeinen noch im Besonderen befriedigend und schon gar nicht erschöpfend beantworten lassen. Vor allem fehlt es an zusätzlichen und wichtigen Informationen.
Um aber dennoch zumindest Ansatzpunkte zu liefern, sofern man auf diese Frage mit Ansatzpunkten antworten kann, hier eine kurze Zusammenfassung von losen Gedanken:
Eine Beteiligung besteht immer an einem Unternehmen. Es ist daher anzuraten, eine Unternehmensanalyse vorzunehmen. Hierzu gibt es zahlreiche Ansätze.
Über die Unternehmensanalyse und die daraus resultierenden Ergebnisse können sodann, unter Berücksichtigung der Beteiligungsqoute und der damit verbundenen Einflussnahmemöglichkeit auf das Geschehen in der Beteiligung, Rückschlüsse auf die Werthaltigkeit und „Sinnhaftigkeit“ der Beteiligung gezogen werden. Als Nebeneffekt erhält man einen Überblick über die einzelnen Beteiligungen. Durch laufende Aktuallisierung des Zahlenmaterials gilt dies dann auch für die Zukunft. Dabei können Vergleiche über die Zeit durch feste bzw. gleichbleibende „Analysegerüste“ erreicht werden.
Hier nun einige Auszüge (!) über relevante Informationen. Sie sollen mehr als Anregung verstanden werden.
Was sollte man nun über das Unternehmen/die Beteiligung wissen ?
- Leistungswirtschaftliche Informationen
a) Wo liegt der Unternehmensschwerpunkt ? (Welche Produkte werden hergestellt ?)
b) In welchem Marktumfeld bewegt es sich ? (Welche Wettbewerber hat es ?)
c) Die verteilen sich die Marktanteile ?
d) Wo liegen die Vor- und Nachteile ggü. den Wettbewerbern ?
e) Welche Aktivitäten gibt es im Bereich Forschung- und Entwicklung ?
f) Wie ist die Aussattung mit Know-how ?
g) Wie sind die Zukunftsaussichten der Produkte/Märkte zu beurteilen ?
h) Anzahl der Mitarbeiter
- Finanzwirtwirtschaftliche Informationen
a) Wie stellt sich die Ertragslage des Unternehmens da ? (Was wird verdient ? (Jahresergebnisse))
b) Wie ist es um die Liquidität bestellt ? (Cash-Flow-Rechnungen)
c) In welchem Umfang ist das Unternehmen verschuldet ?
d) Woher kommen die „Gewinne/Verluste“ ? (GuV-Analyse)
e) In welchem Umfang ist das Unternehmen mit Vermögen ausgestattet ? f) Welche finanziellen den Unternehmensfortbestand evtl. gefährdenden Risiken gibt es (etwa größere kurzfristige Verbindlichkeiten)
g) Ergebnisse bzw. Erkenntnisse eines evtl. vorhandenen Risikomanagements
h) Wachstumsprognosen im Zahlenwerk
Wo erhält man diese Informationen ?
Je nach Grad der Beteiligung hat man über Plätze in den Kontrollgremien die Möglichkeit, an Informationen aus „erster Hand“ zu gelangen. Mit zunehmender Unternehmensgröße sind dann der Jahresabschluss und Lagebericht des Unternehmens an dem Beteiligung besteht, als Informationsquellen relevant. In elektronischer Form sind diese und andere Datenquellen oftmals schon im Internet verfügbar.
WICHTIG:
Beteiligungen sind, je nach der Höhe der Beteiligung, im Jahresabschluss zu erfassen bzw. zu konsolidieren. Dadurch werden die leistungs- und finanzwirtschaftlichen Verpflechtungen zwischer der Beteiligung und des Unternehmens, welches die Beteiligung unterhält, neutralisiert. Hierdurch erhällt bereits Informationenman v.a. finanzwirtschaftlicher Natur.
Die Beteiligungshöhe ist von besonderer Bedeutung. Hierzu wurde jedoch nichts erwähnt. Es könnte aber noch weiter ausgeführt werden. Im Falle einer ganz geringen Beteiligung, etwa in Form von langfristig gehaltenen Aktien zur Wertaufbewahrung, würde sich der Prozess des „Beteiligungscontrollings“ lediglich auf eine „simple“ Aktienanalyse beschränken. Gleichwohl kann man auch für solche Fälle alle wesentlichen Informationen der „Beteiligung“ zusammentragen.
FAZIT:
Es gibt keine festen Schemata. Interessierende Informationen gibt es immer, ja jeder „Steckbrief-Leser“ andere Informationen für wichtiger oder unwichtiger erachtet. Mit grundlegenden leistungs- und finanzwirtschaftlichen Daten macht man aber nie etwas falsch. Daher gehören auch Informationen über die anderen Beteiligten und deren Bedeutung für das Unternehmen, sowie über die Unternehmensleitung dazu.
Erfahrungsgemäß sind Informationen über Beteiligungen innerhalb des Beteiligungscontrollings sehr umfangreich und keinesfalls als „Steckbrief“ „verfasst“. Ich würde da eher von Beteilungs büchern sprechen.
Gibts es hierzu in der Literatur eventuell schon irgendwelche
Entwürfe?
Ja, ganze Bibliotheken. Allerdings muss man hier, wie ich finde, sehr aufpassen. Sehr viele Quellen rutschen sehr schnell in den Bereich „strategisches Controlling“ ab und kommen gleich mit Porter und Konsorten und propagieren das „Handwerkzeug“ der strategischen Unternehmensberater. Portfolioanalyse, Vierfelder-Matrix und was es da noch alles gibt. Als ein Bestandteil der leistungs- und finanzwirtschaftlichen Analyse sicher nicht verkehrt. Jedoch sollte es sich nicht nur darauf beschränken.
Recht praxisorientiert sind bzw. ist der folgende Titel:
http://www2.nwb.de/portal/exec/main/MainApp.aspx?suc…
Darüber hinaus können sich ebenfalls Quellen zur Unternehmens- bzw. Bilanzanalyse sowie zum großen Themenbereich der „Due Diligence“ anbieten.
Zur DD etwa
http://www.amazon.de/Due-Diligence-Unternehmensakqui…
VG
Sebastian