‚Betonieren‘
Hallo Fritz,
wieder einmal hast du die richtigen Worte für meine arme Seele gefunden. Ich bemühe mich seit Jahrzehnten um Toleranz und Akzeptanz gegenüber der Tatsache, dass sich Sprache verändert, auch wenn es mir bei manchen Dingen wirklich nicht leicht fällt.
Trotzdem gehöre ich einem kleinen Kreis an, der von Zeit zu Zeit den Verfall der deutschen Sprache - und speziell den Verfall der regionalen Sprachen - bei einigen Gläsern Rotwein auf das heftigste beweint. 
Wir haben das Gefühl, dass sich, seitdem es in den meisten Haushalten Kabelfernsehen gibt, ein Einheitsbrei der Sprache gebildet hat. Vielleicht ist das mit ein Grund, dass wir unseren Kindern ganz bewusst wie eine Fremdsprache ein paar urwienerische Ausdrücke beibringen. Eine Freundin, die an einer Schule unterrichtet, bezeichnet das, was ihre Schüler großteils sprechen, bereis als RTL-Deutsch (beliebig abwandelbar nach anderen Sendern *g*).
Aber so ist es halt. Wir rücken alle näher zusammen, auch in der Sprache.
Danke und Gruß
Irene
Hallo, Irene!
Es ist keine Mode, sondern eine phonetische Grundkonstante der
deutschen, ja der germanischen Sprachen.
Die nennt sich die „germanische Initialbetonung“.
Das bedeutet, dass der Hauptton, die Hauptbetonung deutscher
Wörter generell auf der ersten Silbe liegt.
Wenn nun Fremdwörter übernommen werden, so behalten sie einige
Zeit, oft recht lange Zeit, ihre ürsprüngliche Betonung bei.
Mit der Zeit aber nimmt die „Germanisierung“ zu.
Das kannst du auch im Bereich der Ortografie sehen, so etwa
bei „Friseur“ = Frisör, „Bureau“ => Büro, „Meubles“ =>
Möbel, „Photographie“ => Fotografie etc.
Im Alemannischen, also etwa in der Schweiz, ist dieser Prozess
schon viel weiter.
Dort spielt man auf der 'Gitarre, isst eine 'Bujabäs, sagt
'Merci 'villmâls, und 'Salü.
Wirst dich also dran gewöhnen müssen. ;-]
Gruß Fritz