Servus,
eine Auslastung von 100% vom ersten Tag an kommt mir gänzlich unrealistisch vor. Es mag Standorte geben, wo man damit rechnen kann, aber ist der gegebene Standort so einer?
Eine eiserne Gesundheit, d.h. keinerlei Notwendigkeit von Krankheitsvertretungen bzw. Ausfallzeiten ist auch etwas zu optimistisch. Sowas gibts zwar, ich selber war seit 1979 insgesamt fünf Tage arbeitsunfähig erkrankt, aber für die Zukunft damit zu kalkulieren ist durchaus unvorsichtig - und Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns.
Und ein Arbeitsleben ohne jede Pause, ohne freie Tage, ohne Urlaub kann man zwar eine Weile durchziehen, aber ich halte auch das für einen viel zu optimistischen Ansatz. Es kann immer Anlässe geben, wegen derer man schlicht abwesend sein muss, egal ob man will oder nicht.
Im allerbesten Fall kann man mit den Auftraggeberinnen vereinbaren, dass bei Ausfalltagen und -zeiten halt nichts bezahlt werden muss. Das wird aber von vorneweg alle Aufträge ausschließen, die von Leuten kommen, die auf eine Betreuung z.B. wegen Berufstätigkeit angewiesen sind. Wenn man diese Aufträge haben will, muss man eine Vertretung in petto haben, und das kostet Geld.
Also gibt man die tatsächlichen Einnahmen an?
Ja, aber nur in der Höhe, mit der man rechnen kann. Das bedeutet u.a., dass man den Plan nach Monaten oder auch Quartalen aufbauen muss, und nicht über die Zeit weg von gleichbleibenden Monatswerten ausgehen kann.
Hier die Kosten:
Einkommensteuer= 127,42
Sind keine Kosten. Es ist sinnvoll, so eine Planrechnung aufzubauen, indem man zuerst den Überschuss aus dem Betrieb kalkuliert, dann die Sonderausgaben abzieht und zuletzt private Steuern und falls notwendig noch andere privaten Ausgaben. Ohne den Überschuss zu kennen, ist die angesetzte Steuerbelastung nicht nachvollziehbar.
Solidaritätszuschlag= 84,09
Keine Kosten, w.o.
Krankenversicherung= 121.29
Keine Kosten, w.o.
Pflegeversicherung= 26,52
Keine Kosten, w.o.
Haftplichtversicherung= 11,41
Kommt mir viel zu niedrig vor. Entweder die versicherten Summen oder die versicherten Risiken sind zu sparsam angesetzt.
Essengeld (5 Kinder)= 220
Zwei Euro pro Nase halte ich für zu wenig, wenn eine Mittagsmahlzeit angeboten werden soll. Und eine Tagesmutter, die immer bloß Pellkartoffeln mit Quark und Nudeln mit Tomatensosse im Wechsel anbietet, und den Kindern Leitungswasser zu trinken gibt, hat ihre Aufträge bald gesehen.
Wasser/Müllkosten= 23,77
Kann realistisch sein. Wobei ich in so einer Planrechnung nie mit Centbeträgen arbeiten würde: Die spiegelt eine Präzision vor, die bei Planung unter Unsicherheit nicht gegeben ist. 25 € kann passen, wobei das auch bissel eng ist.
Gas= 40
Kann angehen.
Reinigung, Auftragsbeschaffung, Büromaterial, Fachliteratur,
Spielzeug pauschal= 30
300 könnte eher passen. Akquisition in den ersten ca. zehn Monaten viel mehr. Wie siehts aus mit Fortbildungen? Ist gesichert, dass man nicht in naher Zukunft einen Befähigungsnachweis oder eine Zertifizierung braucht?
Möbel gibt es keine? Gestrichen oder tapeziert wird nicht, und der Boden ist völlig unverwüstlich?
Und was ist mit den Räumen selber, warum kosten die nichts?
Sanitäreinrichtungen sind alle schon tiptop für das Vorhaben vorhanden und müssen auch nie erneuert werden? E-Installation alles in Ordnung?
Braucht man keinen Ersthelferkurs für die Tätigkeit? Falls der Schein schon vorliegt, gilt er 24 Monate.
Wer erstellt die laufenden Aufzeichnungen, die Überschussrechnung und die Steuererklärungen? Wird dazu keine Hard- und Software gebraucht? Wird im betreffenden Bundesland die Tätigkeit als freiberuflich akzeptiert oder sollten in diesem Zusammenhang ein paar Tausender für Rechts- und Beratungskosten vorgesehen werden?
Wie schauts aus mit Telefon und telefonischer Erreichbarkeit?
Die Tagesmutter hat keine Unfallversicherung. Ist geklärt, ob sie bei der zuständigen Berufsgenossenschaft beitragsfrei ist? IHK-Beiträge fallen nicht an?
Diese Liste ist nicht abschließend.
Lass nach einer Anlaufphase von etwa einem Jahr vielleicht 1.500 - maximal 2.000 € nach Sonderausgaben und privaten Steuern liegen bleiben - viel weniger sollte das eh nicht sein, wenn „Tragfähigkeit“ gegeben sein soll.
Schöne Grüße
MM