Betriebsrat solls richten?

Einen schönen guten Tag (trotz Sturm) !

Folgende Situation:

Die MA einer Firma - ca. 300 Arbeiter u. Angestellte - wollen jetzt einen Betriebsrat haben. Davon ist die Führungsebene nicht begeistert, hatte es beim ersten Anlauf durch Überzeugungskraft zunächst verhindern können.

Drei MA haben das Ganze jetzt wieder ins Rollen gebracht.

Was wundert ist, dass gerade 2 dieser Leute gerade vorher mal wieder eine Abmahnung erhalten haben (ständiges zu spät kommen). Nun könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass sie aus Angst vor zukünftigen Konsequenzen seitens der Fa. glaubten der Betriebsrat würde sowas schon richten.

Es gibt auch MA in der Firma welche ständig und regelmäßig krank sind und zwar fast jede Woche 2 Tage. Manche kommen auf einen Krankheitsstand von 8 Wochen im Jahr. Klar ist auch das Krankheit oft nur vorgeschoben wird, und man annehmen muss dass heimlich nebenbei woanders gearbeitet wird. Es gibt Ma die das wissen, es aber natürlich nicht öffentlich erzählen wollen.

Es gibt MA die z. Bsp. in der Produktionabteilung hier und dort nicht einteilbar sind, weil sie dieses oder jenes „Wehwehchen“ haben.

Die regelm. Zuspätkommer hatte ich schon erwähnt. Einem der ewig „krankmachenden“ wurde jetzt die Kündigungausgesprochen. Natürlich zieht der jetzt vor Gericht.

Als Aussenstehende wundere ich micht darüber, dass eine Firma sich soviel gefallen lassen muss(?). Muss sie? Oder ist die Führungsebene einfach nur zu lasch? Wie kann eine Firma überleben mit solchen MA??

Jetzt soll der Betriebsrat auf den Plan gerufen werden, was ich grundsätzlich persönlich auch nicht schlecht finde aber irgendwie tut mir diese Firma schon fast leid.

Ich frage mich nun aber warum ein Betriebrat so unerwünscht ist?
Begründung war damals, man würde in der Öffentlichkleit nicht gut dastehen und es wäre doch besser einen Vertrauensmann zu wählen um Probleme auf diese Art zu lösen. Ein Vertrauensmann wurde dann auch gewählt, dieser aber war bisher nur damit beschäftigt sich zu profilieren und niemand war mit ihm zufrieden.

Also nochmal: welche Nachteile hätte ein BR für die Firma? Ist es für die MA immer nur von Vorteil oder können sich auch Nachteile ergeben, wenn ja, welche?
Würde es schwieriger sich MA zu entledigen die mehr eine Last als eine Kraft sind?

LG Petra

Hallo,

vermutlich ist der Plan der Abgemahnten und Kranken der, sich selbst wählen zu lassen und damit eine Kündigung erfolgreich zu verhindern. Denn krankheitsbedingte Kündigungen sind bei Betriebsräten so gut wie ausgeschlossen und eine außerordentliche Kündigung eines BR-Mitglieds wegen Zuspätkommens wäre erst bei „beharrlicher Ignoranz“, also nach einigen Dutzend Fällen samt Abmahnung denkbar.

Die Firma hat dann auch plötzlich Mitbestimmungsrechte des BR zu beachten, so bei der Lage der Arbeitszeit, bei der Urlaubsplanung, bei Überstunden oder dem Getränkeautomaten, unabhängig davon, ob die Betroffenen dies wünschen oder auch ablehnen. So kommt es dann zu seltsamen Situationen, dass jemand länger arbeiten soll und will, der BR das aber ablehnt. Und dann darf derjenige nicht beschäftigt werden.

Oder der BR nimmt sich des Themas Lohn und Gehalt an und nimmt erst einmal Einblick in die Lohnliste, damit auch klar ist, wer wieviel verdient. Anschließend wollen sie dann mitbestimmen über allgemeine Entlohnungsgrundsätze und Eingruppierungsregelungen.

Auch die Kündigung von Nicht-BR-Mitgliedern wird schwieriger, weil vor jeder Kündigung der Betriebsrat zu hören ist und die Rechtsprechung mitunter kaum noch nachvollziehbare Anforderungen an diese Unterrichtung stellt, so dass trotz Kündigungsgrund die Kündigung aus formellen Gründen unwirksam ist.

Wenn der BR tagt und diskutiert, muss die Arbeit meist von den Kollegen miterledigt werden, da sie wohl in den meisten Fällen nicht einfach liegen bleiben kann (dann wäre der BR ja nicht ausgelastet). Wenn dann auch noch der BR intern zerstritten ist oder die Leute darin sitzen, die schon in Meetings unangenehm auffallen durch endlose Diskussionsbeiträge, kann sich jeder ausmalen, was dann bedeutet.

Im Ergebnis hat das Unternehmen mit einem BR in jedem Falle mehr „administrative“ Arbeit, wie vernünftig die Mitglieder auch sein mögen. Vielleicht bekommt die Geschäftsleitung im Zuge dieses Zwangsaustauschs im Gegenzug vernünftige Vorschläge, an die noch nicht gedacht wurde.

Die Kündigung von Nicht-BR-Mitgliedern wird formell etwas schwieriger, die von BR-Mitgliedern äußerst schwer.

Also mündige Wähler: Nicht immer die Leute wählen, die das organisieren, weil dabei durchaus eigennützige Motive eine Rolle spielen können und man in die Röhre schaut, weil die trotz Low-Performing faktisch unkündbar sind und die Kollegen die Arbeit dauernd miterledigen müssen.

Grüße
EK

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