Hallo!
Ja, ich kenne Betriebswirte die in groß Softwareprojekten (im
groß Konzern) beteilig sind. Sie machen sachen wie:
Requirements Engineering, Software Design, Implementierung,
Testen…und machen es besser als manche Dipl. Inf. also man
kann es auch nebenbei lernen 
Wie ich bereits schrieb, kommt das auf die Aufgabenstellung an. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Betriebswird das Requirements Engineering für eine BWL-Software macht, weil er halt das notwendige Wissen hat, was die Software leisten muss. Du hast aber leider nicht geschrieben um welche Branche es sich handelt. Von der Programmierung her wird es, wenn es reine BWL´er sind, nicht beliebig kompliziert sein, es sei denn es sie haben vielleicht Wirtschaftsinformatik studiert. Einem Betriebswirt traue ich aber nicht zu, beispielsweise einen Compiler zu schreiben.
Ich bin selbst Informatiker und werde mir Tätigkeiten wie:
Projektkonstrukteur, Qualitätsingenieur, Entwicklungsingenieur
Piezo, Versuchsingenieur, Berechnungsingenieur,
Fertigungsplaner… nicht zutrauen.
Warum nicht? In einem mir bekannte Unternehmen werden Solarwechselrichter entwickelt. Dort sitzen unter anderem auch Informatiker, die die Firmware schreiben. In einem anderen Unternehmen werden komplexe Simulationen gemacht und Simulationssoftware für bestimmte Probleme selbst geschrieben. Das erfordert Menschen, die Algorithmen entwickeln und auf Clustern implementieren können - sicher herausfordernde Aufgaben, die für einen Informatiker interessant sind. Bei einem Zulieferer für die Automobilindustrie schreiben Informatiker (auch E-Ingenieure) die Software für Steuergeräte.
Ich selbst habe einen Kollegen, der aus der (technischen) Informatik kommt und ebenfalls Firmware für Elektroniken schreibt. Außerdem koordinieren wir Projekte und sind verantwortlich für die Planung und Durchführung von Versuchen.
Das gehört doch praktisch häufig zur Arbeit dazu. Warum traust du dir das nicht zu? Ich habe eher den Eindruck, der Grund für deine Fragestellung im Ausgangsposting liegt an deiner Einstellung.
Wobei muss man sagen,
dass keine Firma für so etwas einen Info. einstellen wird.
Schau die Stellenanzeigen (JobPilot oder woanders), die Dipl.
Informatiker werden in 80-90 % für Tätigkeiten wie:
Programmieren (Java, .Net, C++), SAP, Dokumentation, Testen,
DB, Consulting, Netzwerke…eingestellt. Das sind die
Tätigkeiten, die hmmm…auch viele Quereinsteiger erledigen.
Das ist aber nicht einzig und allein ein bei Informatikern so. Bei uns machen viele Ingenieure Arbeiten, die auch von Technikern oder Facharbeitern ausgeführt werden könnten.
Für die Sachen muss man doch nicht gleich studieren, oder? das
kann auch ein Fachinformatiker machen (mit bisschen Erfahrung)
oder ein Ing. im jeden Ingenieurstudium hast Du doch
Informatikvorlesungen.
Im Prinzip hast du Recht, aber es kommt hier wieder auf die Aufgabenstellung an. Als Informatiker kannst du einem Fachinformatiker sagen: Codiere mir dieses Ablaufdiagramm in C. Dann schaust du ihm ab und zu über die Schulter und es wird etwas Vernünftiges dabei herauskommen.
Wenn deine Arbeit aber daraus besteht, einen Algorithmus zur Signalverarbeitung zu entwickeln, dann fehlen einem Fachinformatiker schlicht und ergreifend die Grundlagen hierfür. Hierfür kann der Arbeitgeber ihn auch nicht einstellen.
Hmmm…In der Wirtschaft wirst Du aber wenig mit
Automatentheorie, Formale Sprachen und komplexitätstheorie zu
tun haben 
Das sind in der Tat Themengebiete, die zwar nicht nur akademischer Natur sind, aber sicherlich nur in wenigen Firmen tatsächlich Anwendung finden. Das ist halt an der Uni wie früher in der Schule. Was hat man nicht alles gelernt, und was braucht man dann später im Job.
Zumal in Entwicklungsbetrieben meistens nicht ganz so wissenschaftlich vorgegangen wird wie an der Uni. Das muss man (zumindest nehme ich das) so als gegeben hinnehmen. Wenn man damit etwas zu tun haben will, muss man halt, wie du ja schon geschrieben hast, in die Forschung gehen.
Sogar die Softwareprojekte werden in der Industrie durch
Ingenieure geleitet, das bedeutet, dass nicht mal
Projektleitung den Informatikern zugetraut wird.
Du beschreibst das aus deiner persönlichen Erfahrung, die nicht repräsentativ ist. Daraus abzuleiten, Informatikern werde keine Projektleitung zugetraut stimmt nicht. Ich würde jetzt wieder anfangen, Gegenbeispiele zu bringen, die ein anderer wieder mit Gegenbeispilen belegt.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, es kommt auf die Stelle und ihre Anforderungen an. Hier zu pauschalisieren, ist nicht richtig.
Und noch das Zitat aus ComputerWoche.de: "Auch was die
Grundausbildung der IT-Spezialisten angeht, sind leichte
Verschiebungen zu beobachten. Zunehmend erwarten die
Arbeitgeber ein Ingenieurstudium - verständlich, wenn man sich
das Stellenwachstum in der Maschinenbaubranche vor Augen hält.
Grundsätzlich lässt sich in der Praxis in vielen technischen Bereichen die Hardware von der Software nicht vollständig trennen. Im Prinzip muss man dort Kenntnisse in beiden Gebieten und in dem Feld der Problemstellung haben. Das ist schon sehr interdisziplinär, und wird, wie in dem Artikel beschrieben, sicher immer wichtiger werden. Insofern kann ich den Trend nachvollziehen, da die klassische Informatikerausbildung neben Rechnerarchitektur, theoretischer Informatik und ein wenig Grundlagen der Elektrotechnik meiner Meinung nach nicht interdisziplinärgenug ist.
Daher gibt es ja auch inzwischen einige Spezialisierungen, die in die Richtung technische Informatik, medizinische Informatik oder Bio-Informatik gehen.
Von hause aus hast du aber in einem Ingenieurstudium natürlich zum einen den technischen Background im jeweiligen Fachgebiet, und zum anderen eigentlich schon obligatorisch einen, ich nenne es mal „Programmierkurs“. Dieser reicht eben schon für die Lösung einer Menge technischer Aufgaben aus, hat aber mit Informatik eigentlich recht wenig zu tun (das weißt du sicher besser als ich).
Eine Datenbankanwendung, einen Compiler oder andere komplexe Anwendungen können Ingenieure aber üblicherweise nicht entwickeln.
Interdisziplinär arbeiten müssen aber inzwischen fast alle, ob Informatiker, Ingenieure, Mathematiker oder Physiker. Insofern muss man sich wohl in Zukunft von den klassischen Rollenbildern, der macht dies, der macht das, verabschieden.
Nur meine bescheidene Meinung
Gruß
Michael