Bettler oder Abzocker?

Ich habe da mal eine provokative Frage: gerade vor Kirchen, Pfarrhäusern etc. tummeln sich manchmal eine Menge Obdachlose und Bettler. Im Prinzip will ich ja auch gerne geben, aber nun habe ich vor kurzem mit einem befreundeten Sozialpädagogen egsprochen, der mir davon abgeraten hat.

Nach seinen Aussagen, muß in Deutschland niemand auf der Straße leben, sondern jedem steht eine Notunterkunft zu. Auch muß in Deutschland niemand betteln, denn das Sozialamt zahlt Miete, Lebensmittel etc.

Erst recht hat er mich vor irgendwelchen „emotional aufgeladenen“ Bettelmethoden gewarnt: Frauen, die mit Kleinkindern vor Kirchen sitzen etc.

Problematisch sei natürlich, dass sehr viele Sozialhilfeempfänger mit dem täglichen Geld nicht umgehen könnten und deswegen betteln würden.

Trotzdem: Wie ist es denn nun? Ich schwanke zwischen christlicher Nächstenliebe (im naiven Sinne) und Wut, da ich schufte, Sozialabgeben zahle und auch sehen muß, wie ich mit meiner Familie über die Runden komme. Wie ist das nun mit Bettlern und Obdachlosen? Haben die das wirklich nötig oder ist unser Sozialstaat nur halb so gut, wie es immer heißt?

Danke!

Gerd

Hi!

Zunächst gehe auch ich davon aus, dass in unserem Sozialstaat niemand betteln muss und wenigstens eine Schlafgelegenheit, Essen etc. erhält.
Hinsichtlich der Bettler muss man wohl unterscheiden:

  1. Professionelle, organisierte Bettler, die bewusst Frauen mit Kindern etc. einsetzen und durch das Betteln gut Kohle verdienen.

  2. Menschen, die sich nicht zum Sozialamt getrauen (aus Angst, Stolz etc.) und/oder denen Obdachlosenunterkünfte wegen der auch dort schwierigen Situation (z.B. Diebstahl) unsympatisch sind.

  3. Alkoholiker, denen das Geld vom Amt nicht reicht.

Sicher lassen sich noch weitere Gruppen finden.

Matthias

Jaja, so weit war ich ja auch schon gekommen. Nur: Was hilft’s mir, wenn so einer vor mir steht? Ich kann ihn ja nicht ausfragen ? Aber mal ehrlich: So langsam stinkt’s mir wirklich, denn als Familienvater muß ich tatsächlich sehen, wie ich über die Runden komme. Andererseits möchte ich ja auch nicht irgendwelchen Stammtischparolen folgen! Also: Gesucht sind hilfreiche Tipps zur Unterscheidung der Geister!

Gerd

Hallo Gerd,

ich kenne zwar die heutige Situation nicht, vor 10 Jahren (ein Freund von mir war damals auf Sozialhilfe angewiesen) sah es jedoch so aus:

Grundbetrag: 400 DM mtl.
Wohnung: wird bezahlt, aber nur im Rahmen des Üblichen
(1 Zi.-Wohnung mit 20qm für 300 DM bei einer Person)
Kleidung; 600 DM p.a.
öffentl. Verkehrsmittel: im Umkreis kostenlos oder stark verbilligt
Telefon: viel niedrigere Grundgebühr und Freieinheiten

Wer sich einigermaßen damit auskennt, kommt auf sicherlich 800 DM mtl.
Vergleich: eine ausgelernte Näherin / Schneiderin hat einen Tariflohn von 2.500 DM Brutto => 1.700 DM netto.

Ich glaube, unser soziales Netz ist so gut, dass man nicht betteln muß.

Ausserdem kenne ich einige Leute, die es geschafft haben, 1 Jahr lang keine Arbeit anzunehmen (obwohl Stellen vorhanden waren) und dafür 60% Arbeitslosengeld vom letzten Gehalt zu kassieren !

Grüsse

Sven

Hallo Gerd,
es gibt beides: Bettler und Abzocker, dann gibt es noch abzockende Bettler usw… ich denke dass man die Leute einfach genauer angucken soll…wenn ein Strassenmusikant da steht und Musik macht, dann gebe ich ihm gerne was, weil er sich bemüht und quasi auch einem was gibt mit seiner Musik, wenn eine alte Frau mit richtige Verzweiflung im Gesicht bettelt, dann schmilze ich dahin und würde ihr am liebsten alles geben…einen betrunkenen der mit bekritzelten Karton *habe Hunger* am strassenrand liegt gebe ich nix, höchstens eine Brezel-falls ich grade eine dabei hab´…Wenn ich grade aufm Markt war un so, dann gebe ich immer lebensmittel statt Geld und die freuen sich
Warum hast du Wut? Du wirst nicht gezwungen bettelnden Menschen was zu geben. Das soll jeder für sich entscheiden. natürlich gibst dort auch Betrüger und Profis usw. aber es gibt auch sehr oft sdehr harte, traurige Geschichten…alles ist vorhanden.
Man(n)/Frau bekommt bei dem Anblick schlechtes Gewissen, weil es uns viel zu gut geht und unsere heile Welt Vorstellung durch bettelnde Menschen gestört wird. Ich denke mir dass nicht jeder von denen gewillt ist in so eine Notunterkunft zu schlafen, essen…diese geballte Ellend muss man auch verkraften können, deswegen sind auch manche (viele) auf die Strasse.
Klar muss hier niemand verhungern, aber wir können nicht leugnen dass die Verteilung des öfteren ungerecht ist und ich finde das nicht schlimm einbisschen davon abzugeben, sei es durch Spenden oder durch Strassenspenden, da bekomme ich allerdings keine Quittung, aber das ist auch nicht so schlimm.
Das ist meine persönliche Meinung.
Gruß,
Maja

Hallo Maja!

Wut habe ich deshalb, weil einige dieser Bettler sich bewußt vor Kirchen etc. postieren, um da Druck auszuüben. Und natürlich ist das der Ort, wo die Leute noch am empfänglichsten für Bettler sind, ganz gleich, ob das nun gerechtfertigt oder betrügerisch ist. Hier wird die christliche Grundeinstellung der Menschen ausgenutzt, weil hier nicht aufgrund sozialer Not, sondern nach „werbestrategischen Aspekten“ gehandelt wird.

Gerd

Hallo Gerd,
dann muss man ja auch auf den Supermarkt Chef Wut haben, er macht das ja auch (werbestrategisch) *gg*
Jede versucht zu manipulieren, ob das der Staat, die Wirtschaft (Werbung)…oder der Bettler ist.
Ist doch nur verständlich dass sich die Bettler dort postieren, wo die Chance auf Barmherzigkeit am grössten ist, warum sollten sie anderste machen? Ob das die sozialer Not ausschliesst, nur weil es wirksamer ist…?
Gruß,
Maja
p.s. *meine* Bettler sitzen nie vor der Kirche…:smile:

Ich mache es so…
Geld gebe ich denen, die mich nicht anbetteln, denen man die Not aber ansieht. Gerade in der Hamburger City begegnem einem diese Menschen (meistens Obdachlose) sehr oft. Hier ist die Freude über die erhaltenen DM 2,-- bis DM 5,-- auch noch echt…

So handhabe ich es jedenfalls ganz persönlich…

Ich mache es so…
Hallo Ihr alle…

Prinzipiell handle Ich so:

Frauen mit Kleinkindern gebe Ich prinzipiell NICHTS, weil Ich es nicht einsehe, dies zu unterstützen, daß Kleinkinder in der kalten Jahreszeit auf dem Straßenboden sitzen müssen, weil die Alten es nicht auf die Reihe kriegen. Der leidende in dem Fall ist das Kind nicht die Eltern !! Jede eingeworfene Mark fördert dieses Verhalten.

Musikern gebe Ich hin und wieder etwas

Bettlern mit Hund gebe Ich hin und wieder etwas, oft dann eine Büchse Hundefutter (Zweckgebunden, wenn er sie es nicht selbst ißt)

Säufern die nach Urin stinken gebe Ich auch nichts, weil dies sowieso in „Blech,- Glasmunition“ umgesetzt wird.

Dies ist meine persönliche Meinung.

Dennis

Hallo Dennis,

Dies ist meine persönliche Meinung.

*grins*’
ich habe das betont, weil ich keine Diskussion entfachen wollte

Gruß,
Maja

Vor kurzem wurde ich von einem Mann um Geld angebettelt. Er hat mir überzeugend erzählt, das im seine Sachen gestohlen wurden, er morgen nach Osnabrück müsse zu einer Augenoperation (er hatte tatsächlich ein lädiertes Auge) auf die er zwei Jahre gewartet hätte. Ich gab im 25DM, mehr hatte ich nicht dabei. Hätte ich mehr gehabt, hätte er mehr bekommen.
Am nächsten Tag wurde in der Zeitung über diesen Mann berichtet. Er war schn mehrfach wegen bettelei aufgefallen und in der Polizeikartei. Auch hatte er über 5000 erbettelte DM bei sich.

ICH gebe keinem Strassenbettler mehr etwas! Nur wenn er etwas tut, Musik machen, Kunststücke, Shakespeare zitieren etc.

Hallo Gerd,

ich persönlic fühle mich immer bedroht, wenn jemand auf mich zukommt und mich fast anpöbelt „Haste ma ne Mark“
Ich kenne einen Punker, der bekommt Sozialhilfe (mit allem so runde 900 Mark), der betreibt das Betteln als Arbeit. So als Zusatzeinkommen. Er meint, an manchen Tagen hat er so nach sechs Stunden betteln runde 100 DM zusammen. davon kann er sich eien schönen Abend machen. Vielleicht sollte man bei bettelnden Menschen einfach nach seinem gefühl handeln. Gut ist auch die Idee, Menschen, die nach Essen betteln, einfach etwas zu Essen zu schenken.
Grüße