„beurteilbar“ ?

Liebe Leute,
ich habe eine Frage:

Gibt es das Wort „beurteilbar“ und wenn nicht, gibt’s ein passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

Vielen Dank im Voraus!

Gibt es das Wort „beurteilbar“ und wenn nicht, gibt’s ein
passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

Moin Vitamalz,

wenn es das Wort noch nicht gibt, so ist es doch eine grammatisch richtige Bildung: -bar ist ein Adjektiv-Suffix, seine Bedeutung ist i.a. passivisch-modal: Unerreichbar = nicht zu erreichen etc.
beurteilbar = einem Urteil unterworfen

Für den Umstand, dass eine Sache beurteilt werden kann, fällt mir jetzt kein Eratz sein.
Justitiabel ist wohl auf den Bereich der Rechtsprechung beschränkt, meint aber genau das, was Du suchst.

Gruß - Rolf

‚Diese Leistung kann man nicht taxieren.‘
Hallo, Vitamalz

Das Adjektiv ‚beurteilbar‘ wird offenbar seit einigen Jahren verwendet. Man nennt eine Leistung, die beurteilt werden kann, ‚beurteilbar‘.

Bereits die Verben, welche mit ‚be‘ als Vorsilbe und einer weiteren Vorsilbe gebildet werden, sind sehr holprige Konstruktionen:

beurteilen
beobachten
beinhalten

In unserem Fall wird aus einem solchen Verb ein Adjektiv mit der Endsilbe ‚bar‘ gebildet, was die Sache noch schlimmer macht:

beurteilbar
beobachtbar
unabtrennbar
unentwegbar
unübertreffbar
unvergeltbar
unvertauschbar
unverwechselbar

Anstelle von „Diese Leistung ist nicht beurteilbar“ würde ich schreiben:
„Diese Leistung kann man nicht beurteilen.“
„Diese Leistung kann man nicht benoten.“
„Diese Leistung kann man nicht klassifizieren.“
„Diese Leistung kann man nicht bewerten.“
„Diese Leistung kann man nicht taxieren.“

Gruss
Adam

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi!

Eventuell „qualifizieren“?

Grüße
Dusan

Hallo!

Gibt es das Wort „beurteilbar“

Laut Google zumindest im medizinischen Bereich gebräuchlich.

und wenn nicht, gibt’s ein
passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

„bewertbar“ vielleicht?

Gruß M.

Moin, Vitamalz,

Gibt es das Wort „beurteilbar“

hoffentlich nicht.

und wenn nicht, gibt’s ein
passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

Hoffentlich nicht. Ob ein Objekt beurteilt werden kann, ist doch keine Eigenschaft des Objektes, sondern hängt von den Fähigkeiten des Betrachters ab.

Gruß Ralf

Moin, Vitamalz,

Gibt es das Wort „beurteilbar“

hoffentlich nicht.

'Türlich.

und wenn nicht, gibt’s ein
passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

Hoffentlich nicht. Ob ein Objekt beurteilt werden kann, ist
doch keine Eigenschaft des Objektes, sondern hängt von den
Fähigkeiten des Betrachters ab.

Gruß Ralf

Das hat doch damit nichts zu tun. Du kannst doch zum Beispiel über eine erbrachte Leistung sagen: „Die Leistung des Studenten ist noch nicht beurteilbar, dazu muss erst die Klausur ausgewertet werden.“
Objekte wie Bücher oder Personen haben vielleicht nicht inhärent die Eigenschaft der Beurteilbarkeit, aber abstrakte Sachverhalte können diese schon haben.

Daher sehe ich keinen Grund, warum es das Wort nicht geben dürfen sollte.

  • André

Moin, Vitamalz,

ein
passendes Adjektiv für ein Objekt, das beurteil werden kann?

beurteilungsreif könnte passen.

beurteilbar geht nicht, weil damit (wie bei so vielen Neubildungen mit -bar) handstreichartig die handelnden Personen aus dem Stück entfernt werden. André zB schlägt vor: „Die Leistung des Studenten ist noch nicht beurteilbar, dazu muss erst die Klausur ausgewertet werden.“ und lässt dabei gleich zwei Akteure verschwinden: Ich kann die Leistung des Studenten nicht beurteilen, weil mein Knecht die Klausur noch nicht ausgewertet hat.

Diese Schreibe benutzen Politiker und Bürokraten, die schwätzen wollen, dabei aber Verantwortlichkeiten verstecken müssen. Denen rufe ich zu: „Komm raus, du feige Sau, ich hab dich gesehen!“ Der Rest der Welt muss nichts verschleiern, der braucht derartige Missbildungen so nötig wie einen Kropf.

Falsche Attributierungen sind mir vor allem deshalb zuwider, weil ihnen ein Alleinvertretungsanspruch anhaftet: Sauerkraut / Biosprit / Powerfrauen sind unverzichtbar (unausgesprochen: Basta!). Wagt da noch jemand zu zweifeln?!? Ja, von wegen - ich gönne all diese Dinge jedem, der sie nötig hat, kann aber sehr gut darauf verzichten.

Gruß Ralf

beurteilbar geht nicht, weil damit (wie bei
so vielen Neubildungen mit -bar) handstreichartig die
handelnden Personen aus dem Stück entfernt werden.

Hallo,

Ralf!

Könnte es sein, dass du da von einer falschen Etymologie ausgehst:
bar=ohne?
Diese Silbe hat aber mit „tragen“ zu tun, wie „Bahre“ (und auch „gebären“). Sprachgeschichtlich hat sie die gleiche Bedeutung wie das lateinische Suffix „-fer“ von „ferre/tragen“ (signifer der Bannerträger, mortifer tödlich, ignifer [vom Äther gesagt] Feuer tragend, und vieleviele andere).
„beurteilbar“ bezeichnet entsprechend die Eigenschaft von jemand/etwas, beurteilt werden zu können (also: „Beurteilung mit sich zu tragen“).
So würde ich das sehen. Wo wäre da Platz für handelnde Personen oder deren Eliminierung?
Gruß!
Hannes

Moin, Hannes,

Könnte es sein, dass du da von einer falschen Etymologie
ausgehst:

nee nee.

Diese Silbe hat aber mit „tragen“ zu tun, wie „Bahre“ (und
auch „gebären“).

So ist es. Und so sollte es auch bei beurteilbar sein.

„beurteilbar“ bezeichnet entsprechend die Eigenschaft von
jemand/etwas, beurteilt werden zu können

Wenn das die Eigenschaft eines Objektes ist, dann müsste ich doch am Objekt erkennen können, ob es diese Eigenschaft trägt. Kannst Du’s?

(also: „Beurteilung mit sich zu tragen“).

Da wird’s langsam dünn: Wer oder was kann denn keine „Beurteilung mit sich tragen“? Bzw. was auf der Welt kann nicht von irgend jemandem beurteilt werden?

Die Möglichkeit, ein Verb durch den Suffix -bar in ein Eigenschaftswort umzubauen, verlangt von dem, der es tut, auch das Abwägen, ob er soll, was er darf. Wenn damit Pseudo-Eigenschaften ins Leben gerufen werden, sollte er eher nicht. Aber dürfen kann er natürlich :smile:))

Wo wäre da Platz für handelnde
Personen oder deren Eliminierung?

Bei der Textstelle „ist nicht beurteilbar, weil…“ im vorherigen Beitrag. Einer will eine Note vergeben, kann er aber nicht, weil sein Kenntnisstand dazu nicht ausreicht. Dazu leistet die zu beurteilende Leistung keinerlei Beitrag, weder im Guten noch im Schlechten.

Gruß Ralf

Hallo, Ralf!

„beurteilbar“ bezeichnet entsprechend die Eigenschaft von
jemand/etwas, beurteilt werden zu können

Wenn das die Eigenschaft eines Objektes ist, dann müsste ich
doch am Objekt erkennen können, ob es diese Eigenschaft trägt.

Ich kann dir nicht zustimmen, irgendwie reden wir aneinander vorbei.
Ein Baum/Acker ist „fruchtbar/frugifer“. Was hat das mit mir oder sonst jemand - oder irgendeinem Verb - zu tun? Es ist eine Feststellung: dessen, der das eben feststellt. Dieser Sprecher wird sich ausfindig machen lassen, auch wenn er nicht namentlich genannt ist.
Das Motiv einer Tat ist (nicht) „nachweisbar“: Geht es hier wirklich um das objektive (Un-)Vermögen des Richters und nicht doch um eine Eigenschaft der Tat?
Nachdem das Pronomen „ich“ in einer sachlichen Diktion zu vermeiden ist, bedeutet der Satz doch ohnehin: Ich/der Richter/der Sachverständige/werauchimmer kann das Motiv nicht nachweisen, weil Tat und Täter eben so sind, wie sie sind.
Natürlich kann sich die Kenntnis der Umstände der Tat ändern; dann ist das Motiv nachweisbar. Aber ändert das etwas an der Fähigkeit eines vernünftigen Richters?

Bei der Textstelle „ist nicht beurteilbar, weil…“ im
vorherigen Beitrag. Einer will eine Note vergeben, kann er
aber nicht, weil sein Kenntnisstand dazu nicht ausreicht.

Das konnte ich im Ausgangsposting nicht finden, bin also auch nicht darauf eingegangen.
In der beschriebenen Situation bin ich oft. In einer Arbeit, deren Korrektur ich nachzuprüfen habe, fehlt ein vierseitiger Bogen. Die Erstkorrektur ist nicht beurteilbar. Das liegt aber nicht an mir, sondern an dieser Arbeit, in der die vier - hoffentlich korrekt korrigierten - Seiten fehlen.
Schönen Gruß!
Hannes

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Moin, Hannes,

Ein Baum/Acker ist „fruchtbar/frugifer“.

und ein Gedicht ist wunderbar. Wir reden nicht über den Bestand, sondern über Neubildungen nach der Regel „Wir konstruieren ein Adjektiv (oder war’s ein Adverb), indem wir an ein Verb ein -bar anhängen“.

Nachdem das Pronomen „ich“ in einer sachlichen Diktion zu
vermeiden ist

Wo steht das?

bedeutet der Satz doch ohnehin: Ich/der Richter/der
Sachverständige/werauchimmer kann das Motiv nicht
nachweisen

eben. Warum dann nicht Ross und Reiter beim Namen nennen? (mal abgesehen davon, dass Motive nicht nachgewiesen werden, sondern gefunden).

Aber ändert das etwas an der
Fähigkeit eines vernünftigen Richters?

Davon war nie die Rede, sondern von der falschen Zuordnung von Eigenschaften, die diese Objekte eben nicht haben.

Das liegt aber nicht an mir

natürlich nicht - Du wirst in Deiner Arbeit gebremst.

sondern an dieser Arbeit, in der die vier -
hoffentlich korrekt korrigierten - Seiten fehlen.

Wieder falsch - die Arbeit kann nichts dafür, es liegt an dem, der die 4 Seiten verbummelt hat.

Gruß Ralf

Hallo Ralf!

Warum dann nicht Ross und Reiter beim Namen nennen?

Weil es ich doch von selbst versteht: Der das sagt, stellt das fest. Wenn er sich auf andere beruft, sagt er das ja ohnehin auch.

abgesehen davon, dass Motive nicht nachgewiesen werden,
sondern gefunden).

Wo liegt der Unterschied, ob das Motiv nicht nachweisbar (entgegen den Behauptungen von anderer Seite) oder nicht auffindbar ist?

Das liegt aber nicht an mir

natürlich nicht - Du wirst in Deiner Arbeit gebremst.

sondern an dieser Arbeit, in der die vier -
hoffentlich korrekt korrigierten - Seiten fehlen.

Wieder falsch - die Arbeit kann nichts dafür, es liegt an dem,
der die 4 Seiten verbummelt hat.

Wieso soll das falsch sein?
Ich habe die Richtigkeit der Korrektur zu beurteilen. Natürlich ist das die Eigenschaft der korrigierten Arbeit. Dass der Korrektor dafür zuständig ist - und dass es bei meiner Arbeit um die Beurteilung seiner Arbeit geht - sich darüber auseinanderzusetzen, ist doch pure Zeitverschwendung.
Schönen Gruß!
Hannes

Hi Hannes,

jetzt sind wir auf Sohle 7 angelangt, meinem persönlichen Limit, und es ist mir nicht gelungen, Dein Ohr zu schärfen. Deshalb sage zu „beurteilbar“ wie ein Politiker aus meinem Bundesland (wem sonst fiele sowas ein): nicht hinnehmbar :smile:))

Gruß Ralf