Beurteilung von Sprachkenntnissen

Hallo Leute

Bei manchen Bewerbungen oder Umfragen gibt es einen Fragenbogen, auf
dem man Auskunft ueber seine Sprachkenntnisse geben soll. Meistens
soll man ankreuzen, ob
sehr gut
gut
Grundkenntnisse
zutreffend sei. Nun ist aber jede dieser Aussagen sehr
interpretationsfaehig: Der eine meint, er verfuege ueber
Grundkenntnisse wenn er in der Fremdsprache hallo, ja, nein, danke,
bitte sagen kann, ein anderer hingegen kreuzt Grundkenntnisse auch
dann noch an, wenn er in der Lage ist, ein Kinderbuch zu lesen und
sich mit einem Muttersprachler ueber verschiedene Dinge eindeutig
verstaendigen kann. Oder auch ‚sehr gut‘: Ein Deutscher, der sich
etwas mit Arabisch beschaeftigt, macht sein Kreuz bei sehr gut, mit
der Begruendung, dass sein Arabisch im Vergleich zu dem anderer
Deutscher sehr gut sei, obwohl er die Sprache im Vergleich zu einem
Araber praktisch gar nicht beherrscht.
Wenn niemandem klar ist, welches Niveau fuer welches Praedikat (sehr
gut, gut,…) erforderlich ist, dann sind diese Selbsteinschaetzungen
doch voellig nichtssagend.
Gibt es vielleicht jemanden unter euch, der in der Personalabteilung
eines Betriebes arbeitet (Recruiter, wie sie ja heissen), oder sonst
jemanden, der sich naeher mit diesen Fragen befasst hat? Natuerlich
ist auch die Meinung jedes anderen interessant.

Danke, Tychi

Hallo Tychi,

wir bekommen jede Menge Bewerbungen mit den merkwürdigsten Sprachniveaus (so der Herr, der „exzellente“ Englischkenntnisse hatte, aber offensichtlich weniger gute Deutschkenntnisse), und wenn jemand in irgendeiner Fremdsprache „sehr gut“ ankreuzt, und dies nicht mit längeren Auslandsaufenthalten („länger“ heißt bei uns mindestens 3-6 Monate)o.ä. untermauern kann, halten wir das sofort für Hochstapelei (bzw. wissen, dass das „sehr gut“ hier maximal im Sinne einer guten Schulnote gesehen werden darf) - d.h., die Sprachkenntnisse werden immer zusammen mit dem Lebenslauf betrachtet, und mit dieser Methode irren wir uns selten. Außerdem wird ja jetzt in vielen Fragebogen eine genauere Auflistung verlangt, bzw. Anweisungen gegeben, wie man seine eigenen Sprachkenntnisse zu beurteilen hat, so z.B. bei der UNO.

Noch etwas: wenn wir den Eindruck haben, jemand schummelt bei seinen Sprachkenntnissen, wird der Rest der Bewerbung sofort viel kritischer gelesen…

Gruß,
Lisa

Hallo Lisa

Danke, nun weiss ich, wie ihr bei „sehr gut“ verfahrt.
Neue Frage: Sind „Grundkenntnisse“ ueberhaupt zu irgend etwas nuetze
und was versteht ihr (verstehst du) darunter? Wie sieht’s bei „gut“
aus?

Gruss, Tychi

Danke, nun weiss ich, wie ihr bei „sehr gut“ verfahrt.
Neue Frage: Sind „Grundkenntnisse“ ueberhaupt zu irgend etwas
nuetze und was versteht ihr (verstehst du) darunter?

Also, Grundkenntnisse beweisen nur ein lobenswertes Interesse an Sprachen und anderen Ländern, was schon mal positiv bewertet wird, aber sind für uns nicht zu verwerten.

Wie sieht’s bei"gut"
aus?

Kommt drauf an; „gut“ kann auch mit Auslandsaufenthalten untermauert sein, und dann ist das ausbaufähig. Auch gibt es Leute, die tiefstapeln, nicht häufig, aber es gibt sie :smile: Im Allgemeinen ist alles unter „sehr gut“ und „fließend“ nicht verwertbar, vor allem, weil sich viele Leute in ihrer eigenen Bewertung auf die rezeptiven Sprachkenntnisse stützen, und dann trotz „gut“ einen Text zwar verstehen können, jedoch nicht in der Lage sind, irgendwo anzurufen und weitere Informationen zu erfragen (das Problem hat man bei Leuten mit Auslandsaufenthalt in dem betreffenden Land eben seltener, weil sie daran gewöhnt sind, trotz möglicherweise mangelnder Grammatik/Vokabeln einfach ihre Frage zu stellen und drauflos zu reden).

Insgesamt kommt es darauf an, um welche Sprachen es geht und wie häufig man sie benutzen muss; soll man nur Texte verstehen? Artikel und Berichte lesen oder auch selber verfassen? Telefonieren? Vorträge halten?

Gruß
Lisa

hallo leut,

vielleicht hilft dir zur selbsteinschätzung der „Allgemeine Europäischer Referenzrahmen für die sprachlichen Kompetenzstufen“
http://www.vhs-spandau.de/Programmbereich5.pdf seite 3 + 4.

gruß
ann

Hi,

die Einschätzung wird eigentlich relativ einfach, wenn man sich das Zielgebiet oder den Hintergrund der Frage vor Augen hält.
Gruss,

Wie meinst du das? owT
.

Hallo,

und wenn jemand in irgendeiner
Fremdsprache „sehr gut“ ankreuzt, und dies nicht mit längeren
Auslandsaufenthalten („länger“ heißt bei uns mindestens 3-6
Monate)o.ä. untermauern kann, halten wir das sofort für
Hochstapelei (bzw. wissen, dass das „sehr gut“ hier maximal im
Sinne einer guten Schulnote gesehen werden darf)

Würde ich dann bei Euch durchfallen? Ich war noch nie länger als 3 Wochen im Englischsprachigen Ausland, und das auch erst 2 mal. Meine Englischkenntnisse beschreibe ich im Lebenslauf als „verhandlungssicher“, also die Steigerung von fließend. Von Muttersprachlern werde ich nicht als Nicht-Muttersprachler erkannt.

Gruß,

Myriam

Hallo,

und wenn jemand in irgendeiner
Fremdsprache „sehr gut“ ankreuzt, und dies nicht mit längeren
Auslandsaufenthalten („länger“ heißt bei uns mindestens 3-6
Monate)o.ä. untermauern kann, halten wir das sofort für
Hochstapelei (bzw. wissen, dass das „sehr gut“ hier maximal im
Sinne einer guten Schulnote gesehen werden darf)

Würde ich dann bei Euch durchfallen? Ich war noch nie länger
als 3 Wochen im Englischsprachigen Ausland, und das auch erst
2 mal. Meine Englischkenntnisse beschreibe ich im Lebenslauf
als „verhandlungssicher“, also die Steigerung von fließend.
Von Muttersprachlern werde ich nicht als Nicht-Muttersprachler
erkannt.

Hallo Myriam,

dann bist Du die große Ausnahme :smile: Dies kommt in wohl vor, ist aber nicht die Regel; meist können Leute, die kurze, sogenannte „Sprachaufenthalte“ gemacht haben, hinterher genauso viel oder wenig wie vorher, weil die dort nur mit anderen Deutschen zusammenstecken. Aber wie gesagt, Ausnahmen gibt es immer. Deswegen habe ich ja auch geschrieben „Auslandsaufenthalte o.ä.“; d.h., wenn man mir glaubhaft erklärt, dass man seit 10 Jahren in einem englisch-deutschen Freundschaftsverein Konversation pflegt, regelmäßig englische Romane schreibt oder die gesammelten Werke von Charles Dickens auswendig kann :smile:, bin ich gerne bereit, sehr gut mit Muttersprachlich zu verbinden. Wie kommst Du denn zu so einem guten Niveau?

Grüße
Lisa

Hallo Lisa!

und wenn jemand in irgendeiner
Fremdsprache „sehr gut“ ankreuzt, und dies nicht mit längeren
Auslandsaufenthalten („länger“ heißt bei uns mindestens 3-6
Monate)o.ä. untermauern kann, halten wir das sofort für
Hochstapelei (bzw. wissen, dass das „sehr gut“ hier maximal im
Sinne einer guten Schulnote gesehen werden darf) - d.h., die
Sprachkenntnisse werden immer zusammen mit dem Lebenslauf
betrachtet, und mit dieser Methode irren wir uns selten.

Gilt das auch noch im Zeitalter des Internets? Ich würde mein Englisch als fließend bezeichnen, da ich täglich auf Englisch lese und schreibe, war aber noch nie im englischsprachigen Ausland. Gut, beim Sprechen bin ich sicherlich nicht so gut wie jemand, der im Land war, aber beim Schreiben muss das noch lange kein Nachteil sein, oder?

MfG
Car

Hallo Lisa!

und wenn jemand in irgendeiner
Fremdsprache „sehr gut“ ankreuzt, und dies nicht mit längeren
Auslandsaufenthalten („länger“ heißt bei uns mindestens 3-6
Monate)o.ä. untermauern kann, halten wir das sofort für
Hochstapelei (bzw. wissen, dass das „sehr gut“ hier maximal im
Sinne einer guten Schulnote gesehen werden darf) - d.h., die
Sprachkenntnisse werden immer zusammen mit dem Lebenslauf
betrachtet, und mit dieser Methode irren wir uns selten.

Gilt das auch noch im Zeitalter des Internets? Ich würde mein
Englisch als fließend bezeichnen, da ich täglich auf Englisch
lese und schreibe, war aber noch nie im englischsprachigen
Ausland. Gut, beim Sprechen bin ich sicherlich nicht so gut
wie jemand, der im Land war, aber beim Schreiben muss das noch
lange kein Nachteil sein, oder?

Hallo Car,

muss nicht, ist aber meistens, vor allem, weil die Qualität von im Internet gelesenen Beiträgen sehr variabel ist - oft mehr schlecht als recht. Hinzu kommt im Internet der Nicht-Muttersprachler-Faktor: wenn alle sich auf Englisch verständigen, aber keiner kann’s richtig, dann kommt ein Kauderwelsch raus, bei dem einem die Zehennägel aufstehen. Und wie ja gesagt: Es gibt durchaus andere Elemente, mit denen man belegen kann, dass die Kenntnisse über die Schulnote hinausgehen - man muss dann aber auch dran denken, die hinzuschreiben! Und trotz Internet-Zeitalter sind beileibe nicht alle Menschen, die das Internet nutzen, gut in Englisch; es handelt sich auch dabei wieder um einen Ausnahmefall.

Hinzu kommt, wie Du ja bereits selber erwähntest, der mündliche Ausdruck, sehr wichtig bei uns; meist per Telefon, und am Telefon ist das mit dem Sprechen gleich nochmal doppelt so schwer als wenn man jemandem gegenüber sitzt.
Gruß
Lisa

Europäischer Referenzrahmen für die sprachlichen
Kompetenzstufen"

sehr interessant, aber es wird nicht berücksichtigt, daß die lernphasen von hören/sprechen und lesen/schreiben unterschiedlich schnell verlaufen, je nachdem, WIE man diese sprache gelernt hat bzw. lernt.

jemand der eine sprache in einem kurs/schule lernt bzw. gelernt hat, wird beim schriftlichen verstehen und ausdruck schnell vorankommen, aber nach 2 jahren nach ende des kurses u.u. nicht in der lage sein zu beschreiben, was er nächstes wochenende gerne tun würde, dem arzt zu sagen wo es weh tut, worum es bei matrix geht und erklären wie man eine waschmaschine bedient.

wenn jemand eine sprache auf natürlichem wege lernt, dann ist es umgekehrt. man kann bald gespräche über alles mögliche führen, fernsehserien mitverfolgen usw., aber beim lesen und schreiben hapert es, weil man das im alltag einfach weniger braucht.

je nach beruf sind die anforderungen aber unterschiedlich. als bürokraft wird jemand versagen, der analphabet ist. als geschäftliche kontaktperson wird jemand versagen, der shakespeare rauf und runter kann, aber nicht über den urlaub smalltalken kann…

gruß
datafox

wenn alle sich auf Englisch
verständigen, aber keiner kann’s richtig, dann kommt ein
Kauderwelsch raus, bei dem einem die Zehennägel aufstehen.

was aber 1. völlig normal und 2. völlig wurst ist. im alltag, wenn du dich mitteilen MUSST, bist du nicht in einer grammatikprüfung, sondern du hast dann „bestanden“, wenn der andere dich verstanden hat und du dein ziel erreicht hast! alles andere ist völlig nebensächlich.

englisch ist die häufigste drittsprache der welt. es ist längst nicht nur eine sprache mehr, sondern ein verständigungsmittel, eine krücke und ein universalwerkzeug, das jeder hernimmt und gebraucht, der nur irgendwie kann.

gruß
datafox

Vorschlag

Schoen, dass wir Lisa haben, die wohl im Bereich Recruiting bei
irgendeiner politischen Einrichtung taetig ist. Schade aber, dass sie
die Einzige ist, die von Arbeitgeberseite her etwas damit zu tun hat.
Aber ich kann mir vorstellen, dass ihre Aussagen und Ansichten
einigermassen repraesentativ auch fuer Firmen sind.

Nun meine Idee: Es muesste jedem Bewerbungsformular ein extra Bogen
(online ein popup-Fenster) beigelegt sein, auf dem drei oder vier
Sprachniveaus beschrieben sind, z.B.
Stufe 1: muendlich minimale Sprachbeherrschung, kann mit einem
Woerterbuch und viel Muehe einen einfachen Text entziffern,…
.
.
.
Stufe 4: fast Muttersprach-niveau (mit Erlaeuterungen)

Dann kann sich jeder Bewerber seine Note zuordnen. Wer luegt, waere
dumm, denn er fliegt bei Einstellung garantiert auf.

Gruss an alle, Tychi

Es gibt durchaus andere Elemente, mit denen man
belegen kann, dass die Kenntnisse über die Schulnote
hinausgehen - man muss dann aber auch dran denken, die
hinzuschreiben!

Wie sieht sowas bei euch denn aus? Wäre es nicht sinnvoller, die Kandidaten gleich irgendwie zu testen anstatt sich auf die Selbsteinschätzung zu verlassen? Wenn man dann z.B. den Inhalt eines Textes wiedergeben muss oder selber einen in einer Fremdsprache schreiben muss, kann man das doch viel besser testen.

Und trotz Internet-Zeitalter sind beileibe
nicht alle Menschen, die das Internet nutzen, gut in Englisch;
es handelt sich auch dabei wieder um einen Ausnahmefall.

Logischerweise englische Foren o.ä. mit genug Muttersprachlern. Klar, Chats mit Leuten, die gerade einmal gebrochen Englisch sprechen, können sich da unter Umständen sogar kontraproduktiv auswirken.

MfG
Car