Hallo OberAsi,
hm, sehr gute Frage, leider kann ich auch keine wasserdichte Antwort anbieten.
Die Anderen haben ja schon auf die eher illegale Praxis hingewiesen. Ich vermute, dass sie dabei stark an die deutsche Seite gedacht haben. Zumindest im 2.Wk. auf amerikanischer und russischer Seite dürfte das aber ganz ander s ausgesehen haben. Spontan fallen mir zwei Beispiele ein:
-ein mit Orden, SS- und Nazi-Regalia und Lugerpistolen vollgestopfter Beutepanzer IV der beim Verladen auf einen amerikanischen Transporter im Hamburger Hafen gelandet ist (mal in der Zeitschrift Visier darüber gelesen). Ein solches „Souvenir“ kann wohl kaum als persönlich, illegal oder heimlich betrachtet werden - wenn es auch vielleicht auf den Empfänger ankommt.
-das berühmte Bild des Rotarmisten bei der Flaggenhissung auf dem Reichstag. Das Foto wurde retuschiert um die mindestens 2 Armbanduhren des Soldaten zu verheimlichen, wie z.B. hier nachzulesen ist: http://www.deutsche-schutzgebiete.de/reichstag.htm
Bezüglich des 1.Weltkrieg kann ich mich an diverse Schilderungen des Beutemachens erinnern, u.a. bei Ernst Jünger etwa, auch wenn hier eher ein Andenkensammeln denn ein monetäres Bereichern im Vordergrund gestanden haben mag. Dies könnte daran gelegen haben, das in den Grabenkämpfen schlichtweg weniger in Frage kommende Artikel in die vorderen Linien gelangten und durch die rasch erstarrenden Fronten nur relativ wenig Privatbesitz betroffen war.
An der östlichen Front bzw. im russischen Bürgerkrieg war Beutemachen durchaus an der Tagesordnung (1.WK), was aber auch mit vergleichsweise komplizierten Konstellationen zu tun hatte. Die fliehenden Zaristen&Weißrussen, die selbst plündernen Rotarmisten&Kosaken, plus die österreichischen und deutschen Truppen…
T.E.Lawcrence erwähnt in den 7 Säulen häufig die gemachte Beute, auch abseits des irregulären Krieges. Etwa einen riesigen Teppich für einen General, der aber auch evtl. als Geschenk der zivilen Verwaltung durchgehen könnte.
Japanische Soldaten haben im 2.WK enorme Werte angesammelt, diese jedoch eher unter offizieller Aufsicht denn zur persönlichen Bereicherung. Unter dem gleichen Vorzeichen dürften die Beutezüge der Nazi-Größen zu verstehen sein, etwa Görings berüchtigte Kunstsammlung.
Abschließend würde ich sagen das im 2. Wk Beutemachen eine eher staatlich organisierte Sache war und im 1. Wk aufgrund der Umstände nur eingeschränkt möglich war/praktiziert wurde. Ein individuelles Beutemachen einzelner Soldaten oder kleiner Gruppen hat es vermutlich immer gegeben, ist jedoch aufgrund seiner illegalen Natur eher schwer nachzuvollziehen.
Hier noch einige Links die schlaglichtartig interessant sein könnten:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,246…
http://lexikon.meyers.de/wissen/Spezial:Zeitartikel/…
http://images.zeit.de/text/1990/49/Kriegsbeute-aus-d…