bewegungsunschärfe ?

Hi,

bisher war ich mir sicher die mechanismen der bewegungsunschärfe ganz gut verstanden zu haben. BIS ich gestern in einer autozeitschrift das bild eins formel1-wagens sah.

Bewegungsunschärfe entsteht ja, einfach gesagt, dadurch, dass ein bewegtes objekt auf dem film (bzw chip) an mehr als nur einer stelle abgebildet ist, verursacht durch eine zu lange belichtungszeit.

So, nun war das bild des boliden aber gestochen schrf. Man konnte jeden schriftzug klar lesen und keinerlei unschärfe ausmachen.
Das lässt in mir aber den gedanken aufkommen, dass das auto zwangsläufig an EINEM punkt seiner strecke „eingefroren“ wurde (der hintergrund ist ebenfalls scharf, so dass man auf eine sehr kurze verschlusszeit schliessen kann).
Das müsste dann aber doch auch für die reifen gelten !?
Die aber zeigten eine deutliche bewegungsunschärfe der aufschrift.

WIE kann ich mir das nun erklären?
Gerade bei einem formel1-auto kann man ja durchdrehende räder weitestgehend ausschließen. Nun angenommen, dass das auto an einem punkt eben eingefroren ist, durften sich die reifen doche eben auch nur an EINEM punkt befinden…

Für sachdienliche hinweise, wie immer dankbar…

LG Alex:smile:

Das müsste dann aber doch auch für die reifen gelten !?
Die aber zeigten eine deutliche bewegungsunschärfe der
aufschrift.

WIE kann ich mir das nun erklären?

Eventuell ein „Mitziehfoto“ - wenn der Hintergrund nicht besonders strukturiert ist, merkt man dort die Unschärfe uU nicht.

Oder die Reifen wurden nachbearbeitet, um den Eindruck von Bewegung entstehen zu lassen.

LG
Stuffi

Tja,
und Reifen drehen sich bekanntlich bei einem fahrendem Auto schneller als sich das Auto vorwärtsbewegt…
Der Gedanke der Nachbearbeitung ist aber sicher auch zutreffend.

Gruß
WB

Hi,

Tja,
und Reifen drehen sich bekanntlich bei einem fahrendem Auto
schneller als sich das Auto vorwärtsbewegt…
Der Gedanke der Nachbearbeitung ist aber sicher auch
zutreffend.

na, sie drehen sich doch eben NICHT schneller, dann würden sie doch durchdrehen.
Wenn ich ein bewegtes objekt „einfriere“, sollte das doch für alle punkte am objekt gelten.

LG Alex:smile:

Hi.

na, sie drehen sich doch eben NICHT schneller, dann würden sie
doch durchdrehen.

nönö - das ist zuwenig weit gedacht. Du mußt überlegen, was eine Fahrtgeschwindigkeit von sagen wir 200km/h umgerechnet auf die Drehgeschwindigkeit des Reifens bedeutet. Das hängt jetzt natürlich vom Reifendurchmesser ab (kleinere Reifen drehen schneller) - Aber du wirst dir denken können, was ich meine.

Wenn ich ein bewegtes objekt „einfriere“, sollte das doch für
alle punkte am objekt gelten.

„Einfrieren“ ist beim Fotografieren keine Konstante. Wenn sich etwas während der benötigten Verschlußzeit zu viel bewegt, siehst du eine Bewegungsunschärfe - Das gilt auch für sehr kleine Verschlußzeiten und sehr hohe Geschwindigkeiten.

Um sehr, sehr schnelle Bewegungen trotzdem Belichten zu können, nutzt man unter anderem zB. den sogenannten Stroboskopeffekt.

Ohne dein Bild gesehen zu haben, kann ich eigentlich auch nur Vermutungen anstellen - Entweder war er sehr flott unterwegs, oder das Bild wurde nachbearbeitet.

mfG,

J.P.Jarolim

nönö - das ist zuwenig weit gedacht. Du mußt überlegen, was
eine Fahrtgeschwindigkeit von sagen wir 200km/h umgerechnet
auf die Drehgeschwindigkeit des Reifens bedeutet. Das hängt
jetzt natürlich vom Reifendurchmesser ab (kleinere Reifen
drehen schneller) - Aber du wirst dir denken können, was ich
meine.

Nein.
Die Tangentialgeschwindigkeit auf der Lauffläche des Reifen muß (wenn kein Schlupf herrrscht) genau gleich der Geschwindigkeit des Autos sein.
Alle anderen Punkte des Reifens haben kleineren Radien und damit auch kleinere Tangentialgeschwindigkeiten.
Die Winkelgeschwindigkeit (auf die Du Dich bei „kleinere Reifen drehen schneller“ beziehst) kann man auf einem Foto gar nicht abbilden - nur über den Umweg der Tangentialgeschwindigkeit.

LG
Stuffi

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Hallo,

und Reifen drehen sich bekanntlich bei einem fahrendem Auto
schneller als sich das Auto vorwärtsbewegt…

Vielleicht verstehe ich Deinen Gedankengang ja nicht ganz, aber: entscheident ist doch, dass wir hier zwei Bewegungen haben, die Drehbewegung der Reifen und die Vorwärtsbewegung des Autos. So, wenn das Auto 1 m zuücklegt muss der Reifen auch 1 m zurücklegen,aber entgegengesetzt.
Extremsituationen, blockieren, Aquaplaning sind mal ausgeschlossen.
Die Anzahl der Umdrehungen ist natürlich vom Durchmesser der Reifen abhängig.
Da die Bewegung des Reifens entgegengesetzt der Fortbewegung erfolgt, könnte evtl. hieraus die Unschärfe entstehen, da in der Summen, wenn die Kamera mit dem Fahrzeug mitgezogen wurde, ja doppelt so hoch ist.
Ob das ausreicht die Unschärfe zu erklären, hm, da müsste man tatsächlich das Foto sehen.

Der Gedanke der Nachbearbeitung ist aber sicher auch
zutreffend.

Auch möglich.
Gruß Volker

Wo du recht hast…
hast du recht.

Stimmt, Stuffi!

Die Tangentialgeschwindigkeit auf der Lauffläche des Reifen
muß (wenn kein Schlupf herrrscht) genau gleich der
Geschwindigkeit des Autos sein.

Also handelt es sich zweifelsfrei um Bildbearbeitung.

Gruß
WB

Also handelt es sich zweifelsfrei um Bildbearbeitung.

Nicht unbedingt…
Wenn der Fotograf die Kamera mit dem Objekt mitzieht, kann er zwar die Linearbewegung des Autos kompensieren, nicht aber die Drehbewegung der Räder (dazu müsste er die Kamera drehen, was keine so tollen Fotos ergibt :wink:) - auch wenn diese betragsmäßig gleich sein sollte.

LG
Stuffi

Also handelt es sich zweifelsfrei um Bildbearbeitung.

Nicht unbedingt…
Wenn der Fotograf die Kamera mit dem Objekt mitzieht, kann er
zwar die Linearbewegung des Autos kompensieren, nicht aber die
Drehbewegung der Räder

der op meinte aber, dass der hintergrund ebenfalls scharf gewesen sei, was ja beim mitziehen nicht geht, oder?

der op meinte aber, dass der hintergrund ebenfalls scharf
gewesen sei, was ja beim mitziehen nicht geht, oder?

Eher nicht - aber wenn der Hintergrund mangels Tiefenschärfe ohnehin nicht ganz so scharf wie das Motiv ist und dann noch eher verschwommene Strukturen aufweist (zB Gras), ist das schon möglich, ohne daß es groß auffällt.
Aber auch ich glaube (gesehen habe ich das Bild ja nicht) eher an eine Nachbearbeitung.

LG
Stuffi

Hallo!
Dass das Auto samt Schriftzügen scharf abgebildet ist, lässt auf seeeehr kurze Belichutngszeit schließen, richtig. Aber eben nicht kurz genug für die Reifen, die sich ja nicht, wie der Rest vom Wagen, nur nach vorne bewegen, sondern in dieser Bewegung noch um sich herum.
Bildbearbeitung kann man nie ausschließen, aber für den Effekt der Schärfe des Wagens bei gleichzeitiger (Bewegungs-)Unschärfe der Reifen ist keine Bildbearbeitung nötig, wenn die Verschlusszeit für den sich bewegenden Wagen stimmt. Aber: eben nur für den Wagen. Um die Reifen auch schon scharf abzubilden, wäre eine noch kürzere Verschlusszeit nötig, aber dann geht die Dynamik verloren, man könntre den Wagen dann auch im Stand abbilden, was ja wohl nicht Sinn und Zweck sein dürfte.
Was Du beschreibst, ist also die wahrscheinlich optimale Lösung, ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit erkennbar scharf, aber trotzdem in erkennbarer Fahrt abzubilden. - Bildbearbeitung ist dafür wie gesagt nicht nötig, da kennt einfach jemand die Spielregeln mit den Verschlusszeiten im heiklen Bereich sehr gut, nehme ich an.
Lg,
Elisabeth

Hallo Stuffi,

Die Tangentialgeschwindigkeit auf der Lauffläche des Reifen
muß (wenn kein Schlupf herrrscht) genau gleich der
Geschwindigkeit des Autos sein.

Allerdings wird sie unten am Auflagepunkt von der Fahrzeugeschwindigkeit subtrahiert und an der gegenüberliegenden Seite, also oben muss sie deshalb addiert werden, sonst geht die Rechnung nicht auf.

Ein weiteres Problem ist noch der Kamera-Verschluss als solches.
Beim klassischen Schlitzverschluss, belichtet der Vorhang ja nur einen schmalen Streifen gleichzeitig. Deshalb gab es ja früher die Diskussionen ob er von links nach recht, umgekehrt oder von oben nach unten uder umgekehrt mehr Vorteile hat, allerdings kehrt sich dass dann wieder um, wenn man Hoch- oder Querformat belichtet. AUf jeden Fall: Wenn sich der Schlitz, bezogen auf die Filmebene, in die selbe Richtung wie das Objekt bewegt wird das Objekt etwas in die länge gezogen, andernfalls wird es gestaucht. Bei Rädern gibt es das Problem, dass dadurch die Unschärfe „oben“ und „unten“ anders ist als „vorne“ und „hinten“ am Rad.

Übrigens funktioniert die Belichtungszeit-Steuerung auch bei digitalen Kameras wie bei einem Schlitzverschluss.
Die Zeilen werden zuerst gelöscht und dann, entsprechend der „Verschlusszeit“, zeitlich versetzt ausgelesen. Das lesen des ganzen Chips bewegt sich dabei aber schon im Bereich von 1/10s.

MfG Peter(TOO)