Hallo Belini,
im Gegensatz zu meinem Vorposter muss ich das Schreiben leider ziemlich verrrrrrrrreissen. Trotzdem möchte ich vorausschicken, dass Bewerbungsanschreiben eine höchst individuelle Sache sind, und eine alte, verknöcherte Jungfer, die sich als Buchhalterin bewirbt das meist anders formulieren wird als der junge, dynamische, erfolgreiche Juppie, der „in Webdesign macht“. Da ich Dich nun nicht kenne, kann ich nichts dazu sagen, ob dieser Stil zu Dir passt oder nicht. Meiner wäre das nicht…
Und für mein Verständnis: wir reden hier von Blindbewerbungen? Sonst vergiss alles, was ich im folgenden schreibe 
Bewerbung als Reiseverkehrskauffrau
Falls keine Blindbewerbung, sollte hier noch eine Quelle stehen. Also „Ihre Anzeige im Hinterposemuckeler Boten vom 35.05.2007“
Sehr geehrte Frau xy, sehr geehrter Herr xy,
Ich nehme an, dass da ein „oder“ dazwischen steht? Denn in den meisten Fällen gibt es ja einen Ansprechpartner, den Du immer rausfinden und mit Namen ansprechen musst.
suchen Sie eine engagierte und verantwortungsbewusste
Mitarbeiterin mit fundiertem betriebswirtschaftlichem Wissen
und schneller Auffassungsgabe? Dann sind Sie fündig geworden.
Wie gesagt - wenn dieser Stil zu Dir passt, ist das okay. Allerdings finde ich „Mitarbeiterin“ in dem Fall zu weit gefasst. Also eher sowas wie „Teamleiterin Südostasienreisen“ oder wat halt auch die Bezeichnung von Deinem Wunschberuf ist. Mir persönlich gefällt „fündig geworden“ vom sprachlichen Stil her nicht, allerdings fällt mir spontan auch nix schlaueres ein, was da passen könnte.
Denn aufgrund privater Veränderungen bin ich auf der Suche
nach einer neuen Aufgabe in meinem erlernten Beruf als
Reiseverkehrskauffrau.
„Denn“ würde ich ersatzlos streichen. Die „privaten Veränderungen“ sind mir etwas zu vage. Gerade bei Mädels „befürchtet“ der Personaler womöglich eine bestehende bzw. zu erwartende Schwangerschaft. Darum - je nachdem halt was das für Gründe sind - würde ich diese erwähnen. Stinkt Dir der alte Job, dann „bin ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung“. Zieht Dein Freund von Hamburg nach München um und Du folgst ihm „da ich meinen Lebensmittelpunkt nach München verlegen möchte…“
Daher bewerbe ich mich um eine Teilzeitanstellung in Ihrem
Hause.
Hier ist das gleiche Problem wie mit der „Mitarbeiterin“ weiter oben. Du erwähnst zwar dann im folgenden was Du bisher gemacht hast, aber nicht was Du eigentlich gerne machen würdest. Da wäre hier eine nette Gelegenheit.
Zurzeit befinde ich mich in einem unbefristeten
Arbeitsverhältnis im TUI ReiseCenter in XXXXX und bin dort
seit 7 Jahren eigenverantwortlich mit der Leitung des Büros
betraut.
Also das würde ich chronologisch umdrehen. „Seit 7 Jahren bin ich als… im TUI… Dort leite ich eigenverantwortlich…“
Zudem bin ich dort als Qualitätsbeauftragte
eingesetzt.
Das käme dann in den Nebensatz von „eigenverantwortlich“ - ich schätze mal, dass das eher eine „Nebenaufgabe“ ist?
Zu meinen Aufgaben gehört neben der persönlichen
Kundenberatung unter anderem die Personalführung und -planung
sowie die Bearbeitung der kompletten Buchhaltung.
Okay, eventuell solltest noch erwähnen wieviele Leute Du so führst.
Zielgerichtete Kreativität
Generell würde ich mir überlegen, ob eine Teamleiterin im Reisebüro die auch die Buchhaltung macht wirklich „kreativ“ sein muss. Muss die nicht eher zuverlässig und stressresistent sein?
und Durchsetzungsvermögen zählen
Durchsetzungsvermögen? Hmmm, auch da wäre ich vorsichtig. Gerade als Teamleiter könnte man das als „Schreckschraube, hält den Daumen drauf“ fehlinterpretieren.
gleichermaßen zu meinen Stärken wie das sichere und
zuvorkommende Auftreten im Kundengespräch.
Das gefällt mir.
Die gewissenhafte
Organisation sämtlicher Arbeitsabläufe sowie Teamfähigkeit
sind für mich selbstverständlich.
Das ebenfalls. Widerspricht sich aber mit der „zielgerichteten Kreativität“ und dem „Durchsetzungsvermögen“ von oben.
Nun suche ich eine interessante, zukunftsorientierte
Tätigkeit, bei der ich die in meinem bisherigen Werdegang
erworbenen fachlichen Kenntnisse, persönlichen Fähigkeiten und
Erfahrungen gewinnbringend zum Nutzen Ihres Unternehmens
einsetzen kann.
Und jetzt kömmt’s: Alle Punkte, die ich bisher erwähnt habe, sind im wesentlichen Geschmackssache, und von 5 Leuten wirst Du 6 Meinungen hören. Der jetzt folgende Punkt ist essentiell. Du hast da mühevoll einen Standardtext produziert, der auf „jeden und keinen“ potentiellen Arbeitgeber passt. Nun kenne ich mich in der Reisebranche so gut wie gar nicht aus, aber soweit ich gesehen habe, gibt es doch durchaus unterschiedliche Zielgruppen der Kunden (junge Low-Budget-Reisende, Familien mit Kindern, betuchte Senioren etc.). Und ich vermute doch stark, dass die einzelnen Reisebüros wo Du Dich bewirbst, da entsprechende Schwerpunkte haben. Und spätestens in diesem Absatz MUSST Du darauf eingehen. Also nicht nur „zukunftsorientierte Tätigkeit“ sondern „beim führenden Anbieter von Reisen für betuchte Witwen“ oder so 
So, und jetzt gehen wir nochmal einen Absatz zurück, zu Deinen Stärken und Schwächen: sicherlich wird das „junge dynamische“ Reisebüro andere Stärken von Dir sehen wollen das das für „betuchte Senioren“. Das heisst, zumindest diese beiden Absätze musst Du „zielgereichtet kreativ“ *wegduck* auf den jeweiligen Laden anpassen.
Da ich mich derzeit in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis
befinde,
Du erwähntest das schon oben. Platz im Anschreiben ist zu kurz für Wiederholungen. Lass lieber oben weg.
möchte ich Sie bitten, dieses Schreiben vertraulich
zu behandeln.
…bitte ich Sie
Meine Kündigungsfrist beträgt laut
Arbeitsvertrag drei Monate.
Was willst Du mit „laut Arbeitsvertrag“ sagen? Die beträgt 3 Monate und basta. Über alles andere müsstest Du dann reden, das hat aber im Anschreiben nix verloren. Schlauer fände ich noch einen Kommentar „könnte meine Tätigkeit zum … beginnen“. Achja, und dann schreibt man meist noch rein, wieviel Kohle man denn so zu verdienen wünscht.
Ich freue mich, wenn meine Bewerbung Ihr Interesse geweckt hat
und stehe Ihnen für weitere Einzelheiten in einem persönlichen
Gespräch gerne zur Verfügung.
Hmm, auch das ist wieder so stilistischer Punkt. Du „stehst zur Verfügung“ das klingt so, als ob Du Dich gnädigerweise herablassen würdest, mal ein Stündchen Deiner kostbaren Zeit für diese Firma zu opfern. Warum nicht „…und freue mich auf ein persönliches Gespräch“
*wink* und die Daumen werden auf jeden Fall gedrückt
Petzi