Hi,
Es sagt aber meiner Meinung nach eine Menge über ein
Unternehmen und die dortigen Personalverantwortlichen aus wenn
die Art der Klemmmappe ein wesentlicher Entscheidungsfaktor
für den (Miß-)Erfolg einer Bewerbung ist.
Das Teil heißt Be werbung!
Um rauszustechen sollte keine teuer gewählte unpraktische
Pappmappe mit Golddruck verschickt werde, sondern etwas, das
Aufmerksamkeit erregt und übersichtlich ist!
Warum, glaubst Du, werben erfolgreiche Unternehmen mit
kurzen klarten Slogans, wie „Freude am Fahren“ oder „Vorsprung
durch Technik“? Die könnten auch minutenlang ins etail gehen,
aber das wird jedem Interessenten zu langweilig, da die
Neugier schwindet - nichts anderes ist es bei einer Bewerbung!
Ja, aber es ist etwas anderes ob es um eine Tüte Chips oder einen neuen Mitarbeiter geht. Bevor man sich einen solchen ins Haus holt wird man wohl anders prüfen als wenn es nur darum geht ob ich mich für die eine oder andere Tüte Chips entscheide, wobei auch diese Entscheidung nicht unbedingt vom Werbeslogan der Herstellerfirma abhängt.
Und auch beim Auto baut man mit solchen Sprüchen eher „nur“ ein Image auf, das sind im Grunde leere Worthülsen, die aber jeder Hersteller produziert und deswegen heben sich die Wirkungen auch wieder ein Stück weit auf. Außerdem wird auch niemand deswegen das Auto eines bestimmten Herstellers wählen weil der einen tollen Werbeslogan benutzt. Auch in einem solchen Fall zählen letztlich wichtigere Kriterien, „Inhalte“, als die Sprüche oder der schöne Schein der Werbung.
Zum Einen: Ich erwarte sehr wohl, dass sich ein Bewerber
informiert, wie eine vernünftige Bewerbung auszusehen hat! Und
diese dreiteiligen Bewerbungsmappen werden eigentlich von
JEDEM (na gut, von 95%) als untauglich eingestuft!
Da stimme ich mit Dir insofern überein als ich es auch selbstverständlich finde daß man sich erkundigt was ankommt und was nicht, und daß man eine makellose Arbeit abliefert. Mich hat nur gestört daß man die Präsentation in einer dreiteiligen Mappe schon gleich als einen so dicken Fauxpas einordnet daß eine Bewerbung schon deswegen auf dem B- oder C-Stapel landet.
Ich habe nie eine solche Mappe benutzt und werde sie nicht benutzen weil sie mir erstens zu teuer ist und zweitens die Nachricht, daß so eine Mappe nicht so gerne gesehen wird, durchaus seit langem bei mir angekommen ist…
Zum Zweiten: Je teurer der Mitarbeiter wird, desto höher ist
er qualifiziert, desto weniger Bewerbungen gehen auf solche
Sellen ein.
Je weniger Bewerbungen eingehen, desto mehr Zeit hat der
Personalmensch auf der anderen Seite, sich mit den Teilen
auseinanderzusetzen.
Es relativiert sich schon ein wenig (schrieb ich aber auch).
Ich finde es ganz einfach unangemessen wenn - und so kommt das eben rüber - bei einer so gewichtigen Entscheidung wie der Besetzung eines Arbeitsplatzes schon in der ersten Auswahlrunde nur eine völlige Nebensächlichkeit zum ersten Entscheidungskriterium wird. Ob man die Bewerbungsmappe nun etwas mehr oder weniger gut aufklappen kann… es ist ja nicht so als müßte man 2 Stunden basteln um an die Papiere zu kommen…
Das ist ungefähr so als würde man ein bestimmtes, zum Kauf ins Auge gefaßte Automodell allein deswegen aus der engeren Wahl entfernen weil einem das Design des Nebellichtschalters nicht optimal gefällt.
Wenn in
Personalabteilungen in dieser Form „gute“ und „schlechte“
Bewerbungen vorsortiert werden - na dann gute Nacht.
Wenn alle Bewerber der Meinung sind, dass die Angestellten,
die sich mit der Erstauswahl von Bewerbungen
auseinandersetzten unendlich viel Zeit haben und ruhig jeden
Tag 4 Überstunden machen können, damit gefälligst jede (auch
nich so unübersichtliche) Bewerbung berücksichtigt wird - na
denn gute Nacht!
Der Zeitaufwand zwischen dem Aufschlagen einer einfachen Klemmmappe und einer dreiteilihen Mappe dürfte sich realistisch gesehen im Sekundenbereich abspielen. Jede Tasse Kaffee, die im Büro gekocht wird, erfordert einen vielfachen Zeitaufwand. Der Ansturm an Bewerbern, eventuelle Überstunden, das alles wird wohl kaum an den bösen, bösen dreiteiligen Bewerbungsmappen liegen.
Was ist denn das für eine Arroganz, dass man „keine Lust“ hat,
sich vor einer Bewerbung mit den Gepflogenheiten
auseinanderzusetzen, weil man der Meinung ist, dass der
Empfänger sich gefälligst die Zeit zu nehmen hat, JEDE
Bewerbung zu analysieren???
Ich gebe Dir Recht - wenn man weiß daß es nicht gut ankommt wäre es total blöd trotzdem eine solche Mappe zu benutzen… Aber von einem guten Unternehmen erwarte ich, schon in deren eigenem Interesse, daß die sich für die Qualifikationen der Bewerber, und nicht die Auswahl der Bewerbungsmappe interessieren. Es wundert mich wenn ein Unternehmen, was sich an einen Mitarbeiter binden möchte, anhand der verwendeten Mappe eine Vorauswahl trifft. Das kann man sich nur leisten weil die Anzahl der Bewerber heute so hoch ist - in den meisten Branchen - daß immer noch genügend Leute mit gerne gesehenen Klemmordnern übrig bleiben. Ansonsten ist es ein Armutszeugnis wenn nicht Inhalte, sondern so ein läppsches Kriterium wie die Art der verwendeten Mappe zum Entscheidungskriterium werden.
Wenn Du es als Kaspertheater bezeichnest, dass es so etwas wie
das Arbeitszeitgesetz und einen verdienten Feierabend gibt -
bitte!
Wird das wirklich gefährdet weil man „Mappentyp 1“ 0,02 Sekunden schneller öffnen kann als „Mappentyp 2“?
Wenn Du in Zeitnot in ein Geschäft gehst, weil Du dringend
eine Tüte Chips brauchst (mal angenommen, es gäbe so etwas,
wie eine Sucht), und dort steht eine Tüte, die schön bunt ist
und die Du einfach nur aufreißen musst und eine graue, die
sechsfach verpackt ist…
Welche nimmst Du, wenn Du beide Geschmäcker nicht kennst?
Da geht’s aber nur um eine Tüte Chips für 99 Cent. Nicht um einen Mitarbeiter, der eine große Investition darstellt, das Unternehmen mehr oder weniger gut vorranbringen wird, sehr viel Geld kostet, das Firmenimage mitbestimmt usw.
Versuche mal diese Sicht! Die hat nichts mit meiner Person zu
tun! Auch ich habe (wie jeder andere Personaler) terminelle
Vorgaben!
Ja, ich habe die Sicht verstanden. Ich weiß auch daß viele Bewerbungen so ankommen daß wohl jeder denkt „Wie kann man sich trauen so etwas abzuliefern wenn man positiv für sich werben will???“
Es ist auch klar daß man „Fehler“ vermeidet, die de facto dazu führen daß man schlechtere Karten bei seiner Bewerbung hat, also z. B. vollständige und makellose Unterlagen in einer erwünschten Mappe vorzulegen.
Aber ich finde es trotzdem verwerflich wenn eine Bewerbung, deren einziger „Fehler“ eine Mappe ist, die man nicht ganz so leicht aufklappen kann wie eine andere, über das Schicksal eines Bewerbers und die Besetzung einer Stelle in einem Unternehmen mitentscheiden.
Da frage ich mich schon was das für ein Unternehmen ist, was solche Kriterien hat. Für mich ist das wieder mal ein guter Ausdruck deutscher Pingeligkeit.
Gruß,
MecFleih