Hallo Janine,
deine Bewerbung ist ein guter Anfang, hat aber, wie dir ja auch schon selbst aufgefallen ist ein paar kleinere Mängel und Schönheitsfehler.
Ich habe mich auch schon mal durch all die schlauen „Bewerbungsleitfäden“ gekämpft und Bewerbungen verschickt. Inzwischen arbeite ich neben dem Studium in einer Anwaltskanzlei und führe mit drei Kommilitonen einen kleinen Hörbuchverlag. Ich kenne also beide Seiten der Bewerbung. Nach meinen Erfahrungen muss ich leider sagen sind 90% aller Bewerbungstipps nutzlos und sinnlos.
Insbesondere dann, wenn man vorgefertigte Floskeln und Formulierungen übernimmt.
Eine gute Bewerbung muss meiner Meinung nach drei Dinge berücksichtigen:
a) Derjenige, der die Bewerbung auf den Tisch bekommt hat sowas fast jeden Tag auf dem Tisch, d.h. er kennt alle Floskeln und ist gelangweilt andauernd ein und dasselbe zu lesen.
b) Bewerbungen lesen ist nicht seine einzige und sicherlich auch nicht seine wichtigste Aufgabe, d.h. er wird max. 10 Sekunden quer über die Bewerbung lesen und wenn sie dann nicht interessant ist in den Papierkorb wandern lassen.
c) Das Unternehmen will nicht wissen was der Bewerber kann, sondern welche Vorteile das Unternehmen davon hat.
Dementsprechend folgende Tipps zur Ergänzung deiner Bewerbung:
Bewerbung um eine Arbeitsstelle zur Erzieherin
ab September 2008 in Vollzeit
Würde ich so nicht schreiben. Zum einen steht das auf jeder Bewerbung und zum anderen ist das von Bewerber aus gedacht. Es vermittelt den Eindruck: Da will einer Arbeit und auch noch dafür bezahlt werden.
Besser: Sie suchen eine motivierte, praxisorientierte und pragmatische Mitarbeiterin zur Ergänzung ihres hochqualifizierten Teams?
Damit macht man dem Unternehmen ein Angebot, dass auf die Bedürfnisse des Unternehmens eingeht. Mit der Formulierung „Ergänzung“ schafft man den unterschwelligen Eindruck, dass das Team einer Ergänzung bedarf, die man bieten kann. Und es hebt sich von den übrigen Bewerbungen ab, klingt nicht passiv, sondern macht den oft notwendigen Schritt nach vorn. Unternehmen wollen motivierte und engagierte Mitarbeiter. Daher muss aus der Bewerbung hervorgehen, dass man Dinge anpackt.
Sehr geehrte/r ,
Danach würde ich nicht mit mir, sondern wiederum mit dem Unternehmen / der Einrichtung anfangen:
„Ihre Einrichtung bietet Erziehungs- und Betreuungsleistungen auf hohem Niveau. Ein nicht leicht zu erreichender Anspruch, den jedoch auch ich zum Ziel meiner Ausbildung gemacht habe.“
Hier fehlt mir einfach Hintergrundwissen zur jeweiligen Einrichtung, der Ausrichtung deiner Ausbildung und den Zielen, die du persönlich verfolgst. Die oben stehende Formulierung soll ein Beispiel sein. Du solltest immer daran denken, dass derjenige, der deine Bewerbung liest auch etwas über dich und deine Ziele erfahren möchte. Deshalb solltest du dich über das Unternehmen und die Einrichtung informieren und dir überlegen, wo dein Platz sein könnte, was du bieten kannst und vor allem wie und mit welchem Ziel du arbeiten möchtest.
derzeit befinde ich mich im Anerkennungsjahr und werde die
Ausbildung zur Erzieherin im Sommer 2008 erfolgreich
abschließen.
„Danach möchte ich - gerne mit Ihnen (und Ihrem Team) zusammen - meine theoretischen Kenntnisse in die Praxis umsetzen und praktische Erfahrungen, die ich bereits während verschiedener Praktika (siehe Anhang) sammeln konnte, erweitern und ergänzen. Ziel meiner Arbeit ist und wird … sein.“
Wie gesagt sollen die Formulierungen nur Beispiele sein. Du solltest zeigen, was du in dem Unternehmen / in der Einrichtung erreich möchtest a) für dich b) an deinem Arbeitsplatz, welche Aufgaben möchtest du übernehmen. Wenn die Bewerbung klingt als wäre es für dich nur ein Job um das Geld für die Brötchen zu verdienen, wandert sie in den Papierkorb. Auch würde ich das Anschreiben nicht mit allen möglichen Einzelheiten über jedes einzelen Praktikum überladen. Das sind Details, die vorerst nicht interessieren. Wenn deine Bewerbung interessant ist, und man mehr über die erfahren will, wird man auch den Anhang, einen Lebenslauf oder beigefügte Praktikumszeugnisse lesen. Im Anschreiben selbst ist es u.U. zu viel.
"Entsprechend dieser Ziele erfülle ich nicht nur die daran gesetzten Anforderungen, sondern …
Nachdem du deine Ziele klar gestellt hast, musst du natürlich zeigen, worin deine Stärken bestehen, die gerade dich dazu befähigen, diese Ziele zu erreichen. Dabei solltest du dich nicht mit den Standardanforderungen an den Arbeitsplatz genügen. Wenn sich jemand um eine Arbeitsstelle bewirbt darf man davon ausgehen, dass der Bewerber auch die Anforderungen erfüllt. Interessant werden damit Kenntnisse und Fähigkeiten, durch die du dich von Mitbewerbern abhebst. Das muss nichts hochtragendes sein. Bsp: „Als einziges Mädchen von vier Geschwistern verfüge ich über Durchsetzungskraft.“ Oder: „Da ich neben dem Studium/der Ausbildung zur Finanzierung meines Lebensunterhalts auf einen Nebenjob angewiesen war/bin, habe ich gelernt mich zu organisieren, mir meine Zeit effektiv einzuteilen und bin auch Mehrfachbelastungen gewachsen.“
Danach legst du mit deinen Zusatzqualifikationen los:
In der Fachschule für Sozialpädagogik und in den Einrichtungen
habe ich viele Erfahrungen gesammelt. Ich habe in den
Kindergärten und in der Kindertagesgruppe mit
Schulkindbetreuung verschiedene Projekte übernommen
Das nicht, das gehört - nach meiner Einschätzung - zu deinen alltäglichen Aufgaben. Das werden a) viele von sich behaupten können, b) hat die Formulierung so kaum Aussagekraft. Daher besser nur kurz erwähnt und auf den Anhang, z.B. Praktikumszeugnis, Projektbeschreibung, Empfehlung deines früheren Chefs etc. verwiesen. z.B.
„Während meiner Ausbildung konnte ich in zahlreichen Projekten viele unterschiedliche Erfahrungen im Bereich der Kinderbetreuung sammeln. Einzelheiten hierzu können sie den beigefügten Zeugnissen, Berichten und Empfehlungen entnehmen.“
Elternarbeit und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt, diese
über den normalen Lehrinhalt der Fachschule hinausgingen.
Das sind Zusatzqualifikationen. Das sollte man aber auch herausstellen. Dann jedoch nicht auf die Vergangenheit bezogen, sondern zukunftsorientiert auf deine Aufgaben in der Einrichtung bei der du dich bewirbst.
„Über meine alltäglichen Aufgaben hinaus, stelle ich mich auch gerne neunen Herausforderungen z.B im Bereich der Eltern- und/oder Öffentlichkeitsarbeit. Bereits in vorangegangenen Praktika/Anstellungsverhältnissen konnte ich meine Fähigkeiten in diesen Bereichen unter Beweis stellen und um nützliche Erfahrungen erweitern.“
Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, freue ich mich, in
einem persönlichen Gespräch mit Ihnen weitere Fragen zu
beantworten.
Ist nett, ist Standard, nach meinen Erfahrungen und meinem Empfinden aber zu passiv. Ich würde das sehr viel aggressiver formulieren und dabei auch zeigen, dass Interesse am Unternehmen besteht.
„Da auch ich noch Fragen zu Ihrer Einrichtung und einer möglichen Anstellung habe, würde ich mich gerne mit Ihnen zu einem persönlichen Gespräch treffen. Zur Vereinbarung eines Termins werde ich Sie in den nächsten Tagen anrufen. Sollten Sie daran kein Interesse haben, genügt eine kurze Email an: …“
Damit nimmst du das Ganze in die Hand, nicht das Unternehmen muss sich dazu aufraffen dich einzuladen, nein, du bittest um einen Termin, und nur wenn sie wirklich kein Interesse haben müssen sie absagen, anstatt die Bewerbung in den Papierkorb zu packen und es einfach auf sich beruhen zu lassen. Dabei musst du deine „Drohung“
natürlich dann auch in die Tat umsetzen und solltest für das Gespräch ein paar sinnvolle Fragen zu der Einrichtung und zu deiner Anstellung parat haben.
So, war ein langer Beitrag, aber ich hoffe ich konnte dir damit ein bisschen unter die Arme greifen.
Viel Glück und viel Erfolg
Bernhard