Sinn…
…so,so, die Frage nach dem Sinn wird also als sinnvoll
vorausgesetzt? *böselächel*
In den von Stucki zitierten Sätzen ganz offensichtlich.
Stellt sie sich denn? Zwingend? Wenn ja, warum?
Das ist der Witz - natürlich stellt sie sich keineswegs zwingend. Aber sie resultiert (für Menschen, die sie stellen) aus einer bestimmten Grundhaltung. Dies Haltung heißt, das, was ist, was wir leben, wie wir leben, was wir erleben, sei nicht in sich selbst „genug“, sei nicht „alles“, habe seine Erfüllung nicht in sich selbst. Dabei ist die Auffassung, das Leben oder Dasein „jetzt und hier“ sei ein nur vorläufiges zu einem „eigentlichen“ Leben (oder vielmehr „Zustand“, je nach Sprache) durchaus nicht nur der christlichen Auffassung zu eigen. Sie findet sich in vielen Kulturen und Denkweisen, auch in solchen, die einen Gottestbegriff gar nicht haben - im Yoga, im Buddhismus (sowohl im ursprünglichen Hinayana, als auch im späteren Mahayana), im chin. Ch’an und im jap. Zen, im Taoismus - und letztlich in fast allen sog. Religionen sowieso.
Zu dieser Haltung kommt es vermutlich aus der Beobachtung, daß das Leben evolutionär ist - es hat seinen Grund in der Vergangeheit (d.h. es entsteht nicht aus sich selbst) und so sollte es auch einen Grund in die Zukunft haben, da alles, was ist, in dem Augenblick, wo es entsteht, ja auch schon vergeht. Da liegt die Frage „wohin?“ schon sehr nahe.
Und darauf zielt bei den meisten Fragern die „Sinnfrage“ ab (allerdings ebenfalls meistens auch erst dann, wenn man sie zurückfragt, was für eine Art von Antwort sie denn zufriedenstellend empfinden würden *smile*).
Das Erstaunliche sehe ich darin, daß meistens nach Sinn gefragt wird, wenn es den Leuten schlecht geht. Irgendwie scheint „Glück“ (egal, was damit gemeint ist) oder Befriedigung/Zufriedenheit, gute Befindlichkeit jedenfalls, als etwas empfunden zu werden, worin sie eher „in sich ruhen“ oder was eher als „in sich erfüllt/vollendet“ erlebt wird - da scheint man weniger etwas zu benötigen, was über den Menschen hinausgeht (Transzendentes also). Aber eine Minute, eine Stunde, einen Tag später geht das Drama dann wieder los - dann muß zu dem, was geschieht, wieder ein Ziel, ein Zweck gesucht werden (was mit „Sinn“ nämlich von den meisten gemeint ist, wie sich zeigt).
Erstaunlich ist auch - insbesondere in christlichen Kontexten, daß wohl viele sagen, daß sie „zum Glauben“ gekommen seien, nachdem sie einer üblen Situation entkommen sind. Sehr selten hört man sagen, jemand sei „gläubig“ geworden sei, weil er eine bestehende Euphorie genieße und geradezu nie, daß jemand nun „glaube“, weil er sich gegenwärtig in einer unglücklichen Lage befinde. Es scheint irgendwie ausschließlich mit einem Rückblick auf üble Vergangenheiten verbunden zu sein.
Aber sowohl das johanneische " alles ist durch ihn geworden und nichts ohne ihn" (Joh. 1.3) als auch das paulinische „danke Gott für alles“ (ich schrieb unten in „mit beschränkter Haftung“ schon darüber) impliziert auch das Übel!!! Gerade darin sehe ich aber DIE große Herausforderung, der sich der Christ stellen müßte - bzw. die er bewältigt haben müßte, um es wahrhaftig zu sein.
Somit scheint mir jemand, der behauptet, ein christlicher Gläubiger zu, der aber wegen dieser Theodizee-Frage noch nicht Blut und Wasser geschwitzt hat, seine große Wahrhaftigkeitsprüfung noch vor sich zu haben.
Dein Zitat unten in „Atheismus…“
„Ich habe einen Buckel. Ich bin krank. Darum gibt es keinen Gott.“
zielt ja genau in diese Richtung…
Grüße