ich bin in einer Baufirma (Roh- u. Schlüsselfertigbau) beschäftigt, die künftig evtl. auch Bauträgermaßnahmen realisieren möchte.
Nun kam mein Chef und legte mir zwei Vorgänge hin (ein Sanierungsobjekt, denkmalgeschützt und ein unbebautes Grundstück mit Architektenplanung) und sagte, ich solle mal „herausfinden“, welche Kaufpreise hier erzielt werden könnten, wenn wir diese Bauvorhaben als Bauträger umsetzen und die Eigentumswohnungen verkaufen.
Können solche „Bewertungen“ überhaupt einfach so gemacht werden ohne Immobilienprofi zu sein? Ich würde mich über so eine neue Herausforderung freuen. Ich würde mich auch gerne in diese Thematik einarbeiten und -lesen. Aber wie funktioniert so eine Bewertung überhaupt? Gibts da Literatur? Welche? Sollte man sich erstmal Fortbilden?
Im Internet lese ich immer nur von Bewertung von Bestandsimmobilien. Aber eben nicht von Bewertungen, zukünftiger Bauvorhaben.
Gibt es dafür eine bestimmte Berufsbezeichnung oder Bezeichnung dieser Tätigkeit einer solchen Person?
Vielen Dank für Ihre Mitteilungen und Anregungen im Voraus.
grundsätzlich kann man schon schnell mal die aktuellen Verkaufspreise für Eigentumswohnungen in Deiner Region herausfinden. Einfach den Gutachterausschuss im Landratsamt fragen. Kaufpreissammlung oder Immobilienbericht 2010 anfordern. Oder mein Fachbuch „Die Wertermittlungsreform“ Haufe-Verlag kaufen , Schöne Grüße
Liebe Silvi,
Sie haben es schon richtig erkannt: Das geht nicht mal eben!
Bewertung von Bestand ist schwierig genug, wenn es um Progrnosen geht, wird dies umso schwieriger.
(Wie sagte Karl Valentin: Alle Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie für die Zukunft sind…)
Aber auch das wird heute gemacht, weil der Kunde immer öfter wissen will, was eine Immobilie beim Erwerb kosten darf, damit sie sich nach dem Umbau noch rechnet.
Da ich selber Sachverständiger für die Bewertung von bebauten und unbebauten Grundstücken bin, kann nur davon abraten selbst „mal eben“ einen Wert anzusetzen.
Hier zählt neben der Marktkenntnis vor allem auch das grundsätzliche Wissen um die verschiedenen Ansätze bei der Bewertung als Basis für eine seriöse Analyse.
Dafür benötigen andere ein mehrmonatige Ausbildung und dann können sie dies trotzdem erst nachdem auch noch die Erfahrung und Praxis dazukommt.
Für einen kurzen Überblick gibt es sicherlich verschiedene Bücher. Ich will hier keine Werbung machen.
Aber von den Architekten- und Ingenieurkammern der Länder, sowie von verschiedenen Verbänden wird immer wieder eine Grundausbildung angeboten, dabei kann man sich wirklich gut ausbilden… aber auch nicht „mal eben“…
Mit freundlichem Gruß
Geoli
Hallo Silvi,
in erster Linie ist es eine Sache Deines Chef’s die entstehenden Kosten durchzukalkulieren und die Eigentumswohnungen dann mit entsprechender Gewinnmarge anzubieten. Wie viel er erlösen kann hängt von vielen Faktoren ab. (z.B. Lage, Bauweise, Austattung etc. etc. Er sollte sich auch klar darüber sein, welche Zielgruppe er mit den Gebäuden ansprechen will und wie die Lage dafür in der Gegend am Markt ist. Man sollte sich auch über Angebote und Verkäufe mit ähnlichen Verhältnissen informieren. Die Konkurrenz schläft nicht.
Bei denkmalgeschützten Objekten gibt es eine spezialisierte Zielgruppe. Klar sollte auch sein, dass das Gebäude nach öffentlichem Willen erhalten werden soll. Dafür gibt’s zwar steuerliche Erleichterungen aber auch Auflagen, welche Baumaßnahmen überhaupt zulässig sind.
Die Nutzungsdauer des Gebäudes soll aufgrund des Denkmalschutzes ja theoretisch ewig sein. Es muss demnach immer turnusmäßig saniert werden, bis die Kosten zum Erhalt des Gebäudes im Prinzip nicht mehr zumutbar sind.
Freundliche Grüße
Ernst Jünger