Hallo,
ist das folgende zu naiv gesehen, zu ingenieurs-mäßig ?
Zumindest scheinen da gewisse Grundkenntnisse zu fehlen.
- Die Bilanzsumme bildet die Vermögenswerte eines
Unternehmens ab.
Ganz stark vereinfacht, ja. Auf der Passivseite sieht man allerdings die Kapitalherkunft. Insofern kann es sein, dass all die schönen Vermögensgegenstände auf der Aktivseite fremdfinanziert sind.
- Die Differenz zwischen der Bilanzsumme zweier Perioden ist
der Gewinn.
Nein, denn es kann sein, dass ein Unternehmen Kapital aufgenommen hat (Passivseite +) und damit Vermögensgegenstände angeschafft hat (Aktivseite +). Das ist zunächst mal erfolgsneutral, obwohl die Bilanzsumme steigt. Zum Jahresabschluss gehört aber auch immer die Gewinn- und Verlustrechnung. Dort sieht man, wie der Name schon sagt, den Gewinn (wobei auch dieser natürlich in gewisser Weise beeinflusst oder schöngerechnet sein kann).
- Unternehmensbeteiligungen (Aktien) gehen zum Marktwert des
Stichtages in die Bilanz ein.
Die Bewertung von Beteiligungen ist so ein weites Feld, da gibt es Bücher mit mehreren Hundert Seiten drüber. In der internationalen Rechnungslegung, die Großunternehmen anwenden, geht die Tendenz tatsächlich aber in die Richtung, dass man weniger vorsichtig bewertet. Wie es Porsche gemacht hat, dazu müsste man sich die Geschäftsberichte mal genauer angucken.
So kam es, dass zB Porsche durch seine hochspekulativ
bewertete Beteiligung an VW zunächst einen Riesengewinn
auswies.
Ist denn allein die Bewertung der Beteiligung an VW so entscheidend gewesen? War es nicht eher so, dass für die Beteiligung Wahnsinnsschulden aufgenommen werden mussten?
Meiner Ansicht nach ist dies ein „Konstruktionsfehler“ in den
Bilanzierungsregeln. Irgendwie müssten Unwägbarkeit und Risiko
in der Bewertung der Vermögenswerte eingehen, vielleicht so
etwas wie die Versicherungen die Wahrscheinlichkeit bei ihren
Schadensrisiken kalkulieren.
Ja, aber das ist doch immer der alte Konflikt zwischen vorsichtiger Bewertung einerseits und Transparenz andererseits. Ein Unternehmen, das immer extrem vorsichtig bewertet (bei Beteiligungen zum Beispiel zu Anschaffungswerten) könnte mit der Zeit sehr hohe stille Reserven bilden. Die kann man dann in der Bilanz nicht sehen, was wiederum die Aussagekraft schmälert.
Bin gespannt auf Diskussionsbeiträge, auch solche wie
„Schuster bleib bei deinen Leisten!“
Das könnte man sagen, wenn die Leute in der Finanzbranche tatsächlich mehr aus den Zahlen herauslesen könnten.
Gruß
Ultra