Bewertung von Lean im Office

Hallo zusammen,

ich soll demnächst eine kleine Präsi halten, wie man die durchgeführten Maßnahmen von Lean im Office finanziell bewerten kann. Weil nur sehen, dass etwas schneller geht, damit kann ich meinen Chef nicht zufrieden stellen.
Um es verkaufen zu können, muss er Zahlen haben.

Hat schonmal jemand von euch an solch einem Projekt mitgearbeitet und wäre so gut und würde mir nen Tip geben?

Was mir auch helfen würde wäre Literatur, wo ich mir Anregungen beschaffen kann.

Vielen DANK!!!

Bei Fragen, bitte diese sofort stellen!!

Transactional Lean
Hallo zurück,

ich soll demnächst eine kleine Präsi halten, wie man die durchgeführten Maßnahmen von Lean im Office finanziell bewerten kann.

Das ist vielleicht der falsche Ausgangspunkt.
Zuerst einmal ist die Frage, wie Lean angewandt wird: Wird ein spezielles Toolset eingesetzt oder gibt es Kaizen Events?

Wenn ja, wäre die Frage wie so ein Kaizen Event abläuft:
Normalerweise wird ja der Ist-Prozess skizziert, die Mängel in diesem Prozess hervorgehoben und passende Verbesserungen initiiert.

Dort hängt man eigentlich ein Schild der Reibungsverluste dran, z.B. „Überarbeiten der fehlerhaften Excel-Daten: 3 Stunden pro Order“.

Normalerweise läßt sich die Arbeitszeit ohne Probleme in Euro umrechnen:
Sachbearbeiter Max Mustermann arbeitet monatlich 150 Stunden und bekommt dafür €3000 brutto inkl. LNK: Somit kostet seine Zeit direkt 20 Euro, sein Werksmaterial (Arbeitsplatz, Rechner) wird mit €300 p.m. verbucht, kommen nochmal €2 hinzu.

Damit zahlt das Unternehmen für die Überarbeitung der Daten 3x€22 = €66.
Irgendjemand wird schon noch wissen, wie viele Orders pro Jahr reinkommen, sagen wir mal 50.
Damit kostet diese Aktivität jedes Jahr 50x €66 = €3300.

Nun sind wir nicht mehr in der Domäne „Ja ganz nett, aber was bringt das wenn wir das nicht mehr tun müssen?“

Weil nur sehen, dass etwas schneller geht, damit kann ich meinen Chef nicht zufrieden stellen.

Komisch, normalerweise weiß der Chef, dass „Zeit ist Geld“ in der Wirtschaft wahre Worte sind. Wenn ein Prozess schneller durchgeführt werden kann, so können weniger Mitarbeiter in der gleichen Zeit gleiche Resultate erzielen.
Das heißt: Entweder können geplante Neueinstellungen durch Restrukturierung der Aufgabengebiete vermieden werden (€€€) oder man kann Mitarbeiter einsparen (€€€).

Um es verkaufen zu können, muss er Zahlen haben.

Würde ich auch sehen wollen. Aber siehe oben.

Wenn Du mehr wissen möchtest, frag’ nur.

Gruss,
Michael

hi, danke für die antwort.

ok, das ist eine Sichtweise auf das ganze, aber um einen Prozess bewerten zu können, brauch ich doch die benötigte zeit pro Prozessschritt. also wie du schon sagtest die 3h.

Gibt es keine andere Herangehensweise an das ganze?

Du würdest also hingehen und erstmal den Prozess im Ist bewerten, dann gucken, was kostet mich dieser.
Dann gucken wo kann ich verbessern, wie auch immer.
Danach gucken wie lange es nun dauert und die Zeitersparnis ist dan quasi der erfolg aus lean.

richtig?

so würd ich das ja uach machen.
Prob ist nur mit dem messen der Zeit, dass der Betriebsrat das net so gern sieht.
Aus der angst vor entlassungen etc. in der Belegschaft ist das verhältnis zu lean relativ gespalten.

gruß stefan

Labern oder Fakten?
Hallo erstmal,

Du hast natürlich Recht, man muss Daten erheben bevor man sagen kann wieviel der „Ist-Zustand“ kostet.
Ohne dies zu tun kann man nur mit dem üblichen „Aus anderen (nicht genannten) Unternehmen wissen wir, dass Einsparungen zwischen 10% und 25% durch Anwendung der Methodik erreichbar sind“ Gesülze ankommen.

Sobald ein Betriebsrat existiert, führt kein legaler Weg der Datenerhebung bezüglich der Arbeit von Personen an Jenem vorbei.

Gibt es keine andere Herangehensweise an das ganze?

Ob man von Stunden, Euros oder Ähnlichem redet ist völlig egal, da eine Äquivalenzrelation besteht. Das Problem besteht darin, dass man Fakten hinlegen muss, einen Business Case erstellen und so weiter.

Bei Prozessoptimierung muss natürlich für den Chef irgend etwas bei herauskommen, weswegen er die Geschichte genehmigen soll. Und wenn er keine Euros einsparen kann (MA entlassen, da wird sich der BR sicher freuen!) will er etwas Anderes sehen.

Zum Bleistift „Wir kriegen weniger Beschwerden, weniger krankheitsbedingte (Stress) Ausfälle, weniger dies und jenes“.
Man muss eine Metrik finden, die dem Chef einen Vorteil verspricht und gegen die sich kein vernünftig denkender Betriebsrat entgegenstellen kann.

So könnte man den umgekehrten Weg gehen, dass man mit dem Chef eine Zielvereinbarung organisiert, dass MA belohnt werden, die eine hohe Erfüllungsquote aufweisen (BR ist selten gegen Belohnung).
Dann bietet man nicht dem Chef, sondern dem BR Lean als Methode an, welche die Erfüllungsquote steigert (und somit mehr MA zu Prämien verhilft).

Die Schwierigkeit von Qualitätsmanagement, und Lean ist m.E.n. eine Methode Selbigens, liegt weniger im Anwenden der Methoden als viel mehr in der Kunst der Kommunikation und Diplomatie.
Aber die hängt zu stark vom konkreten „Gegenüber“ ab als dass man da in einem Aufsatz oder Lehrbuch etwas Vernünftiges zu findet.

Du würdest also hingehen und erstmal den Prozess im Ist bewerten, dann gucken, was kostet mich dieser.
Dann gucken wo kann ich verbessern, wie auch immer.
Danach gucken wie lange es nun dauert und die Zeitersparnis ist dan quasi der erfolg aus lean.

Ja. Ist/Soll (=Plan), War/Ist (=Erfolg) Vergleich braucht man eigentlich in jedem Business Case.

Prob ist nur mit dem messen der Zeit, dass der Betriebsrat das net so gern sieht.

Es gibt den schönen Satz „Lean is mean!“, und da ist leider viel Wahrheit dran - denn schlußendlich geht es für jedes Unternehmen darum, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten, was im Office langfristig nichts Anderes als Personaleinsparungen heißt.

Aus der angst vor entlassungen etc. in der Belegschaft ist das verhältnis zu lean relativ gespalten.

Und sie haben Recht. Man kann so weit optimieren, dass vieles, was man bisher als volles Tagesgeschäft gemacht hat, in Sekunden erledigt wird oder ganz wegfällt: Ich selbst mache das ständig.
Wer da nicht schnell in neue Aufgabenfelder reinkommt - wird abgebaut.

Gruß,
Michael