Labern oder Fakten?
Hallo erstmal,
Du hast natürlich Recht, man muss Daten erheben bevor man sagen kann wieviel der „Ist-Zustand“ kostet.
Ohne dies zu tun kann man nur mit dem üblichen „Aus anderen (nicht genannten) Unternehmen wissen wir, dass Einsparungen zwischen 10% und 25% durch Anwendung der Methodik erreichbar sind“ Gesülze ankommen.
Sobald ein Betriebsrat existiert, führt kein legaler Weg der Datenerhebung bezüglich der Arbeit von Personen an Jenem vorbei.
Gibt es keine andere Herangehensweise an das ganze?
Ob man von Stunden, Euros oder Ähnlichem redet ist völlig egal, da eine Äquivalenzrelation besteht. Das Problem besteht darin, dass man Fakten hinlegen muss, einen Business Case erstellen und so weiter.
Bei Prozessoptimierung muss natürlich für den Chef irgend etwas bei herauskommen, weswegen er die Geschichte genehmigen soll. Und wenn er keine Euros einsparen kann (MA entlassen, da wird sich der BR sicher freuen!) will er etwas Anderes sehen.
Zum Bleistift „Wir kriegen weniger Beschwerden, weniger krankheitsbedingte (Stress) Ausfälle, weniger dies und jenes“.
Man muss eine Metrik finden, die dem Chef einen Vorteil verspricht und gegen die sich kein vernünftig denkender Betriebsrat entgegenstellen kann.
So könnte man den umgekehrten Weg gehen, dass man mit dem Chef eine Zielvereinbarung organisiert, dass MA belohnt werden, die eine hohe Erfüllungsquote aufweisen (BR ist selten gegen Belohnung).
Dann bietet man nicht dem Chef, sondern dem BR Lean als Methode an, welche die Erfüllungsquote steigert (und somit mehr MA zu Prämien verhilft).
Die Schwierigkeit von Qualitätsmanagement, und Lean ist m.E.n. eine Methode Selbigens, liegt weniger im Anwenden der Methoden als viel mehr in der Kunst der Kommunikation und Diplomatie.
Aber die hängt zu stark vom konkreten „Gegenüber“ ab als dass man da in einem Aufsatz oder Lehrbuch etwas Vernünftiges zu findet.
Du würdest also hingehen und erstmal den Prozess im Ist bewerten, dann gucken, was kostet mich dieser.
Dann gucken wo kann ich verbessern, wie auch immer.
Danach gucken wie lange es nun dauert und die Zeitersparnis ist dan quasi der erfolg aus lean.
Ja. Ist/Soll (=Plan), War/Ist (=Erfolg) Vergleich braucht man eigentlich in jedem Business Case.
Prob ist nur mit dem messen der Zeit, dass der Betriebsrat das net so gern sieht.
Es gibt den schönen Satz „Lean is mean!“, und da ist leider viel Wahrheit dran - denn schlußendlich geht es für jedes Unternehmen darum, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten, was im Office langfristig nichts Anderes als Personaleinsparungen heißt.
Aus der angst vor entlassungen etc. in der Belegschaft ist das verhältnis zu lean relativ gespalten.
Und sie haben Recht. Man kann so weit optimieren, dass vieles, was man bisher als volles Tagesgeschäft gemacht hat, in Sekunden erledigt wird oder ganz wegfällt: Ich selbst mache das ständig.
Wer da nicht schnell in neue Aufgabenfelder reinkommt - wird abgebaut.
Gruß,
Michael