Hallo Joachim!
Zu allererst der Hinweis auf das Material einer Vorlesung (Bilder, Diagramme, Karten und viel Literatur) zu Europa um 1300:
http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/wid…
Dabei geht es um Dinge wie Stadtentwicklung, Bevölkerungsdichte, Landwirtschaft usw.
Desweiteren der Hinweis auf das Lexikon des Mittelalters, gibt es in jeder Uni-Bibliothek und größeren Stadtbibliothek. Hier finden sich Artikel zu Landwirtschaft, Landausbau, Getreideerträge, Bevölerungsdichte usw. Findest Du dort die gewünschten Angaben nicht, dann helfen Dir die vielen Literaturangaben weiter.
Mich würde auch die Größe mittelalterlicher und antiker Städte
interessieren (Fläche und Einwohnerzahl)
Ich denke, teilweise habe ich Dir diese Frage schon mal im Brett Geschichte beantwortet, hier aber noch mal ausführlich aus dem Lexikon des Mittelalters und weil es ja vielleicht auch andere Interessiert:
Neapel: nach der ersten Stadterweiterung im 10. Jh. von ca. 30000 Einwohnern im Jahr 1140 auf 50000 um 1300, Rom hatte um 1250 ca. 35000 Einw., Pavia zählte 1250: 30000 Einw., Mailand 1288 wohl schon 100000 Einw., Florenz um 1300: 95000 Einw., Venedig 1338: 90000 Einw.
Bedeutende Großstädte waren um 1300 auch Palermo (44000 Einw.), Messina (27000 Einw.), Lucca, Siena und Pisa (je ca. 20000 Einw.); Bologna erreichte 1370 ca. 40000 Einw. Im 15. Jahrhundert wohnten innerhalb der Mauern von Genua (110 ha) 84000 Einw., in Stadt und Vorstädten 97500, innerhalb der Bannmeile (ohne Klerus) etwa 117000 Menschen. Grundsätzl. ist damit zu rechnen, daß die Tagesbevölkerung einer Stadt die Zahl der Wohnbevölkerung erheblich übertraf.
Mittelalterliche Großstädte Spaniens waren Sevilla mit ca. 24000 Einw. im 13. Jh. und Barcelona mit 35000 Einw. am Ende des 14. Jh. - (Das lexikon des Mittelalter vergißt hier bei die fast 1 000 000 Einwohner vom arabischen Cordoba)
Nach Italien wiesen die Niederlande die höchste Zahl an Großstädten und den stärksten Verstädterungsgrad auf. Gent hatte im 14. Jh. innerhalb des Mauergürtels aus dem 13. Jh. (644 ha) rund 60000 Einw., Brügge auf 430 ha etwa 50000, fast so groß waren Tournai (40000-50000), Löwen (45000 auf 410 ha) und Ypern (40000 Einw.), Brüssel lag bei 30000 Einw. (449 ha). Besesonders rasch wuchs Antwerpen von 5000 Einw. 1347 auf 20000 Einw. 1440 und über 80000 Einw. um 1580. Auch Lüttich (fast 40000 Einw.) und Utrecht (ca. 20000 Einw.) erlangten im SpätMA Großstadtrang.
Zu den großen Mittelstädten an der Schwelle zur Großstadt zählten Maastricht und die Ijsselstädte Deventer, Zwolle und Kampen mit 12000-14000 Einwohnern. Die einzige Großstadt des Mosellandes war Metz (ca. 25000 Einw.).
In Frankreich war die Zahl der Großstädte insgesamt gering; exzeptionell erscheint die Stellung von Paris, das 1328 wohl 80000 Einw. zählte und spätestens im 15. Jh. die 100000-Grenze überschritt. Die zweitgrößte Stadt war Rouen, das am Ende des 14. Jh. wohl 35000 Einw. besaß; dann folgen Toulouse mit 25000-30000 Einw. und Amiens mit 20000-30000 Einw. um 1400. Zwischen 10000 und 20000 lag die Bevölkerungszahl der großen Landschaftshauptstädte Lyon, Bordeaux, Montpellier und Poitiers; der Aufstieg Lyons zur zweitgrößten Stadt Frankreichs mit ca. 50000 Einw. (1550) erfolgte erst im 16. Jh. Die bedeutendsten Städte des Südens waren Marseille und Avignon, das als Papstresidenz 30000-40000 Einw. erreichte. Ca. 10000 Einw. zählten im 15. Jh. Narbonne, Rodez, Albi, Béziers und Cahors.
Von den englischen Städten erreichten neben dem rasch wachsenden London (30000 im 15. Jh.) wohl nur noch York und Bristol Großstadtrang. Der teilweise hohe Urbanisierungsgrad Englands basiert auf einer beträchtl. Zahl von kräftigen Mittelstädten.
Die größte Stadt des ma. Deutschen Reiches blieb Köln mit knapp über 40000 Einw. auf 401 ha im 15. Jh.; erst im 16. Jh. wurde es von Nürnberg übertroffen, das 1430 noch knapp 23000 Einw. zählte. Weitere Großstädte bzw. bedeutende Mittelstädte waren Straßburg (18000 Einw. seit dem 15. Jh.), Augsburg, Ulm, Würzburg, Erfurt (1493: 18500 Einw.), Breslau (20000 Einw.), Braunschweig, Lüneburg (bis 18000 Einw.). Zu den größten Städten des engeren Hanseraumes gehörten Lübeck (25000 Einw. um 1400), Bremen (20000 Einw.), Hamburg (16000-18000 Einw. Mitte des 15. Jh.), Danzig (30000 bis 1500) und Rostock (über 10000 Einw.). Die Hauptstadtfunktion begünstigte das starke Wachstum von Prag und später Wien (20000 im SpätMA).
Quelle: Lexikon des Mittelalters
Viel Spaß beim weiteren Forschen,
Larissa