Bewirtschaftung einer Hufe

Ich bin auf der Suche nach Daten wieviele Menschen im Mittelalter für die Bewirtschaftung einer Hufe nötig waren. Kann mir jemand weiterhelfen?

Ich bin auf der Suche nach Daten wieviele Menschen im
Mittelalter für die Bewirtschaftung einer Hufe nötig waren.
Kann mir jemand weiterhelfen?

Hallo !

„Hufe“ ist das alte, auf eine Familie berechnete, mit einem Pflug und Gespann zu bestellende Ackerlos von 30, Morgen. Konnte aber auch größer oder kleiner sein.
In der älteren Steuerverfassung diente die Hufe auch als Steuereinheit

„Hufe“ oder „Hobe“ scheint abzustammen vom niederdeutschen „höven“, „behöven“ = nötig haben. Siehe auch „Behuf“ .
Sie war also ein für den Bedarf eines bäuerlichen Haushaltes ausreichender Landbesitz, etwa 30 Morgen oder Tagwerke groß. Bestand aber nicht aus einem zusammenhängenden Stück, sondern lag in kleinen Ackerbeeten zerstreut in verschiedenen Gewannen, Lagen, Flagen, Breiten.

Gruß max

Ja danke. Was eine Hufe ist war mir aber schon bekannt. Ich würde nur gerne wissen, wieviele Menschen zur Bewirtschaft einer Hufe nötig waren. Und zwar im Mittelalter (Hoch- bis Spät). Für spätere Jahrhunderte hab ich Zahlen gefunden, die bei einer Haushaltsgröße von ca. 4-5 Personen lagen. Allerdings waren da die Hufe durch Erbteilung schon wesentlich kleiner.

Da bei der Beschreibung einer Hufe meistens steht, dass die Größe 20, 30 oder 40 Morgen ist, wird es keinen festen Wert, wie heute der ha geben. Eine Hufe schwankte wahrscheinlich mit der Größe der Familie.

Eine Hufe war vielleicht das, was eine Bauernsfamilie, egal wie groß, für sich bewirtschaftete und zum Leben minimal benötigte.
Ich habe mehrere Quellen und überall stehen die verschiedenen (20,30,40) Größen in Zusammenhang mit einer Familie. Und Familie war damals anders als heute. Es waren immer Großfamilien, deshalb kann/muß der Wert einer Hufe nicht ein fester Wert gewesen sein.

Gruß Max

ja, die Hufe waren zeitlich und räumlich unterschiedlich groß. Jeder Fürst setzte eigentlich seine eigene Größe fest. Aber meine Frage war ja, wieviele Leute haben auf einer Hufe gearbeitet? Egal welcher Größe. Da man wohl im Regelfall eine Familie pro Hufe annehmen kann (auch da gab es Ausnahmen: Halbhufe, Viertelhufe, Königshufe etc.) bleibt die Frage, wie groß war eine Familie im Mittelalter? Was ist eine Großfamilie?

Gruß
Robin

Familiengröße war auch im Mittelalter nicht genormt.

Großfamilie ist, wenn Oma und Opa im Haus wohnen. Wenn vielleicht ein nichterbfähiger Bruder oder Schwester im Haus wohnt. Oder wenn ein Onkel oder Tante im Haus wohnen. Also Zustände wie bis in die 50erJahre des 20.Jahrhunderts.
Und eine Hufe war vielleicht der unbestimmte Begriff einer Größe, von der lt. Obrigkeit diese Familie leben konnte. Hufe wechselte vielleicht mit der Größe der Familie pro Person. Blieb aber als ganzes immer gleich groß.
Eine Familie mit 9 Mitglieder hatte vielleicht 40 Morgen als Hufe. Starb ein Mitglied blieb es ihre Hufe von 40 Morgen. Es wurde ihnen ja nicht enteignet, wenn einer starb.

Gruß max

Eine Hufe war vielleicht das, was eine Bauernsfamilie, egal
wie groß, für sich bewirtschaftete und zum Leben minimal
benötigte.

„Minimal“ ist m.W. nicht ganz richtig. Zwar sind die Bezeichnungen der Güterklassen (Hof, Hube, Lechen, Gütl, Selde in absteigender Reihenfolge) nicht ganz eindeutig, aber in Bayern zumindest war die Hube entweder ein ganzer oder ein halber Hof gemäß den Scharwerksregistern.
Zusätzlich zu den als Bauernhof zählenden halben und Viertelhöfen nimmt der bayrische Hoffuß von 1717 1/8- und sogar 1/16-Höfe auf - irgendwo hier, bei etwa 4 Hektar liegt die Grenze zwischen dem Leersöldner und dem Bausöldner, also dem kleinsten Vollerwerbsbauern. Eine Hube war demgegenüber schon ein mittelständischer Betrieb mit etlichen Angestellten.

Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Max,

ich glaube wir verstehen uns nicht, vielleicht hab ich mich undeutlich ausgedrückt. Ich wollte nichts zu Hufen wissen. Es ist mir auch bewußt, daß es keine Norm-Haushaltsgröße gab. Es wird aber sehr wohl eine Durschnitts-Haushaltsgröße gegeben haben - und die will ich wissen.

Ich weiß auch was eine Großfamilie ist. Ich möchte aber wissen, wie groß diese Familie ist. Oma, Mama, Papa und zwei Kiner ist eine Großfamilie, da drei Generationen vertreten sind. Es ist aber mitnichten das, was man sich unter einer großen Familie vorstellt.

Gruß

Robin

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Danke für die Auskunft. Weißt Du wieviele Angestellte ungefähr dort tätig waren?

ist mir auch bewußt, daß es keine Norm-Haushaltsgröße gab. Es
wird aber sehr wohl eine Durschnitts-Haushaltsgröße gegeben
haben - und die will ich wissen.

Das ist einfach festzustellen. Man geht in eines der vielen Museumsdörfer in Deutschland und zählt dort in einem Bauernhaus, passend zur gewünschten Zeit, die Betten. Alle mit zwei multiplizieren, dann hat man die Stückzahl der Familien.

Ich weiß auch was eine Großfamilie ist. Ich möchte aber
wissen, wie groß diese Familie ist. Oma, Mama, Papa und zwei
Kiner ist eine Großfamilie, da drei Generationen vertreten
sind. Es ist aber mitnichten das, was man sich unter einer
großen Familie vorstellt.

Doch. Es gab im Mittelalter keine größeren Familien. Die Kindersterblichkeit war sehr groß und die Alten wurden auf dem Land auch nicht sehr alt. Von 10 kindern überlebten selten mehr als drei/vier.

Gruß max

diese Methode ist wohl etwas ungenau.

Das ist einfach festzustellen. Man geht in eines der vielen
Museumsdörfer in Deutschland und zählt dort in einem
Bauernhaus, passend zur gewünschten Zeit, die Betten. Alle mit
zwei multiplizieren, dann hat man die Stückzahl der Familien.

die Größe von 4-5 Personen pro Haushalt trifft nach meinen Quellen ab dem 17. Jahrhundert zu. für das Mittelalter halte ich diese Zahlen für unrealistisch. sonst müßte das ganze Land von einem Erwachsenen und einem Jugendlichen bebaut worden sein. das erscheint mir etwas wenig.

Doch. Es gab im Mittelalter keine größeren Familien. Die
Kindersterblichkeit war sehr groß und die Alten wurden auf dem
Land auch nicht sehr alt. Von 10 kindern überlebten selten
mehr als drei/vier.

Gruß max

ich diese Zahlen für unrealistisch. sonst müßte das ganze Land
von einem Erwachsenen und einem Jugendlichen bebaut worden
sein. das erscheint mir etwas wenig.

Mir auch! Deshalb hatte man auch damals schon Gesinde, Knechte und Mägde.

Gruß ma

meines Wissens nach diente Gesinde nur dem Herrn, nicht dem Freibauern. Außerdem beantwortet das immer noch wieviele Menschen insgesamt dort tätig waren.

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Also da würde ich mal so rechnen:

Angenommen, 4 ha kann ein Ehepaar alleine bewirtschaften, dann braucht man 20 Leute für 40 ha. Es gibt aber Synergieeffekte, z.B. weil sich ein großer Bauer Rösser leisten kann, während dem Kleinsöldner die Zugkraft seiner nur mühevoll jeweils über den Winter zu bringenden Kuh die Feld- und Waldarbeit nur wenig erleichtert. Schätzen wir mal 12 Leute für 40 ha.

Wenn alle zwei Jahre ein Kind auf die Welt kommt und mit 20 Jahren den Hof verläßt, dann haben Bauer und Bäurin den Hoferben und vielleicht 4 Geschwister im arbeitsfähigen Alter plus 5 kleine Kinder. Dazu eine Magd, ein Großknecht, zwei Kleinknechte und ein paar Saisonkräfte.

Gruß,

Wolfgang Berger

Schätzen wir mal 12 Leute für 40 ha.

Ok, das kann ich nachvollziehen. Entspricht das denn auch den damailgen arbeitstechnischen Möglichkeiten. Damit kenne ich mich zu wenig aus.

Wenn alle zwei Jahre ein Kind auf die Welt kommt und mit 20
Jahren den Hof verläßt,

dabei muß man aber die sehr hohe Kindersterblichkeit berücksichtigen.