Hi,
ich kann meiner Freundin nicht wirklich raten, wie sie mit ihrem Partner umgehen soll.
Er hatte sein Leben die letzten Jahre hingeschmissen (war mehrere Monate obdachlos).
Sie unterstützt ihn, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, obwohl er sie oft über seine Situation anlog. Er findet auch immer wieder befristete Arbeit. Ein gewisses Helfersyndrom’ kann man ihr allerdings nicht absprechen!
Er scheint aber ein (zu) lieber netter Kerl zu sein und sehnt sich wohl stark nach Familie und Liebe. Verwöhnt und bedient sie, fragt immer nach ihrem Wohlbefinden und sagt ihr ständig, wie sehr er sie liebt. Er redet wohl sehr offen über seine Gefühle und vernünftig über gemeinsame Probleme, reflektiert sich, sieht seine ‚Fehler‘ ein und setzt sie wohl zumindest zeitweise um. Er sagt, dass er sich oft Vorwürfe macht und seine Fehler auch einsieht. Er gibt immer wieder zu, wenn er Mist gebaut hat.
Was meiner Freundin zu schaffen macht:
Sie ist recht selbstständig und obige Überfürsorge nervt sie. Wenn sie ihm das erklärt, und einige Tage allein sein möchte ist er enttäuscht.
Allerdings ist sie nicht sehr konsequent und gibt oft nach. Anscheinend hat er extreme Verlustängste und rastet dann aus, wenn sie ihn ‚wegschickt‘. Er droht, alles wieder hin zu schmeißen, sie müsse doch merken, wie sehr er sie liebt und braucht…
Sie empfindet dies als emotionale Erpressung und erklärte ihm das mehrfach. Seine komplette Erfüllung und Daseinsberechtigung versucht er (nicht nur für mein Empfinden) anscheinend aus der „Liebe“ zu ihr zu beziehen.
Jegliche minimale ‚Abweisung‘ (sie hat private e-mail Kontakte, die sie ihn nicht lesen lässt, geht gerne Mal alleine weg, klebt nicht immer an ihm, will sich ihren Kaffe oder Eier selbst machen etc.) wird mit schlechter Laune und ewigen Gesprächen ‚bestraft‘.
Will er seinen Freiraum (z. B. stundenlang PC-Spielen), und sie gibt ihm den, beschwert er sich, dass sie ihn stundenlang in Ruhe lässt.
In Gesprächen schwenkt er oft um, verdreht das Gesagte, lenkt auf ihre Fehler um, macht ihr Vorwürfe über ihre Reaktionen, obwohl er vorher selbst zugab, dass er ihre Reaktionen versteht. Kramt alte Kamellen (teilweise echte kleinigkeiten aus Sicht Außenstehender) hervor.
Selbst wenn unbeteiligte dabei sind, kann er dieses Verhaltensschema an scheinend nicht durchbrechen.
Meine Freundin provoziert ihn natürlich auch oft. Allerdings ist es aus meiner Sicht schier unmöglich, dies nicht zu tun.
Irgendwie kommen mir da die Begriffe Double-Bind und Co-Abhängigkeit in den Sinn, wobei ich diese Begriffe sicher nicht fachmännisch verwende!
Ich sehe nur die Möglichkeit, zu einer Paartherapie zu raten, bzw. dass er eine ?(tja, was für eine?)-Therapie macht.
Sie ist in meinen Augen eigentlich beziehungsfähig zumal sie eine langjährige Beziehung hinter sich hat. Allerdings tut sie sich noch ein bisschen schwer sich einzulassen, aber das kann ja auch an der momentanen Beziehungssituation mit diesem Mann liegen.
Was soll ich meiner Freundin raten? Wie kann man mit einem solchen Menschen umgehen?
Danke für eure Geduld.
bye

Weil wir uns nur mit dem Geschriebenem begnügen müssen.