Hallo Onur Kocyigit,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Da ich schon mal auf der anderen Seite der Leitung gesessen habe, kann ich da aus eigener Erfahrung sprechen.
Ein Gesprächspartner mit einem türkischen Namen kann genauso gut auch mitten in Deutschland sitzen. Meiner Erfahrung nach haben über 60 % (!) der Callcenter-Mitarbeiter einen migrantischen Hintergrund.
Nun zum eigentlichen Deal per Telefon. Geschlossene Verträge am Telefon müssen aktiv vom Kunden schriftlich widerrufen werden, wenn der Vertrag nicht gewünscht ist (§§312d, 355, 360 BGB). Darüber muss der Kunde informiert werden (Widerrufsbelehrung). Die Frist beträgt 2 Wochen nach Erteilung der Widerrufsbelehrung. Die kann auch telefonisch erfolgen, meistens müssen Call-Center-Agenten nach dem Verkaufsgespräch ein Text ablesen und aufzeichnen, während der Aufnahme ein „JA“ abholen. Das macht inzwischen so ziemlich jedes Call-Center. Diese Aufnahme wird dann zur Beweisführung mit herangezogen, wenn es zum Streitfall vor Gericht kommt. Übrigens muss auch nachweislich um Erlaubnis gefragt werden, ob eine Aufzeichnung erfolgen darf. Auch dieses muss auf dem Band mit einem „JA“ bestätigt sein.
Um Ihre Frage nun korrekt zu beantworten: Es ist rechtlich möglich, per Telefon Verträge (Testabo mit anschließendem Vertrag auf max. 2 Jahre) zu schließen. Sie schreiben, dass die Zusendung nun schon 6 Monate andauert, daher ist die Widerrufsfrist längst abgelaufen.
Sie schreiben, dass Ihre Mutter telefoniert hatte und Sie (persönlich?) werden nun von der Inkassofirma angeschrieben. Das ist etwas, was mich nachdenklich stimmt. Wer ist denn nu Kunde dort? Ihre Mutter oder Sie? Wenn Ihre Mutter Kunde ist und Sie erhalten die Rechnung auf Ihren Namen, dann stimmt da was nicht, was man dann mit dem Anwalt klären könnte. Die Zahlungsverpflichtung aber bleibt bestehen, aber halt nur für den richtigen Kunden. Zudem dürfte Ihre Mutter nicht in Ihrem Namen Geschäfte abschließen. Das sind kleine Ungereimtheiten, die mir an Ihrer Frage aufgefallen sind, welches Sie prüfen können.
Sollte hier alles korrekt sein, dann wüsste ich nicht, wie man da wieder rauskommt. Da kann ich nur empfehlen, die Vertragslaufzeit zu erfüllen und schriftlich (Einschreiben/Rückschein) fristgerecht zu kündigen.
Auch wenn ich das schon selbst beruflich gemacht habe, so möchte ich zur äußersten Vorsicht raten, am Telefon was abzuschließen. Selbst wenn man schon Kunde ist und einen Tarifwechsel vorgeschlagen bekommt, so hat man in der Regel zwei Nachteile: 1. Meistens kommt der Anruf überraschend und man weis meistens nicht, was man in der Vergangenheit an Rechnungsbeträgen hatte, hier wird dann was günstigeres angepriesen, was meistens aber dann teurer wird; 2. Mit dem Tarifwechsel beginnt die Vertragslaufzeit (i.d.R. 2 Jahre) neu. Dafür werden richtig Provisionen bezahlt.
Das würde ich auch Ihrer Mutter mitteilen. Im Zweifelsfall soll sie einfach nur auflegen.
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen weiter helfen.
Bis denne
gitarrejoern