Bibelprinzip

Hallo an alle!

Unter den Christen, die hier im Forum diskutieren, gibt es viele, für die selbstverständlich ist:
Alles, was in der Bibel steht, und nur das, was in der Bibel steht, ist für den Glauben verbindlich.

Das ist ein Glaubenslehrsatz, ein Dogma. Ich habe nichts gegen Dogmen, aber ich bin der Meinung, man soll seine Dogmen kennen und verstehen.

Wenn dieser Glaubenslehrsatz gelten soll, muss er auch selbst in der Bibel stehen, sonst erfüllt er seine eigene Bedingung nicht. Auch was mit Bibel / Heiliger Schrift in diesem Satz gemeint ist (welche Schriften), muss in der Bibel definiert sein.

Meine Frage: Wo findet ihr dieses Dogma in der Bibel?

Gruß,
Peter

Hallo Peter

Meine Frage: Wo findet ihr dieses Dogma in der Bibel?

Das ist einfach. 2.Timotheus 3:16,17.

Damit ist aber noch nicht geklärt, welche Schriften zu Kanon der heiligen schrift gehören.

Gruß
Carlos

Das ist einfach. 2.Timotheus 3:16,17.

16 Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit;
17 so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein.

Damit ist aber noch nicht geklärt, welche Schriften zu Kanon
der heiligen schrift gehören.

Hallo Carlos, in der Tat: diese Stelle behauptet nicht, dass eine bestimmte definierte Schriftengruppe und nur sie „nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ sei. Sie begründet das Bibelprinzip nicht. Natürlich kann man sie auf den später definierten Kanon der heiligen Schriften beziehen, sozusagen als Ermahnung zum Bibelstudium - aber eben auch auf die folgende Tradition und auf alles, was der Geist bis heute an (aufgeschriebener) Glaubensweisheit schenkt.

Gruß & Gutes,
Peter

Neunmalkluge Anmerkungen
Hallo Peter,

es ist für das Verständnis dieses Phänomens nützlich, wenn man sich einige kirchengeschichtliche Hintergründe vor Augen hält.

Das „Bibelprinzip“ ist (falls man nicht die Gesetzesgläubigkeit der Juden dazurechnen möchte) nicht älter als knappe fünfhundert Jahre. Luther benutzte es als eine seiner Hauptwaffen im Kampf gegen die ausufernden (v. a. auch finanziellen) Ansprüche des Papsttums. Das Bibelprinzip bedeutete damals: Hört auf mit allen Heiligen, Reliquien, Totenmessen, Ablässen und anderem teurem Quatsch mehr und kehrt zurück zum reinen, kostenlosen Christentum, wie es in der Bibel festgehalten ist. Bis heute fungiert das „Bibelprinzip“ als eine Art Korsett des protestantischen Christentums.

Vor etwa 250 Jahren wurde es allerdings auf breiter Front wieder in Frage gestellt: von der Aufklärung. Diese ersetzte das Bibelprinzip durch das Vernunftprinzip. Zwar dauerte dieser Prozess gut und gerne 150 Jahre, doch bis heute sind in den westlichen Ländern Vernunft und Wissenschaft die Grundlagen der Gesellschaft. Wenn der Papst, wie jüngst geschehen, wider jede Vernunft und teilweise unter Berufung auf das Bibelprinzip Politiker zu bestimmten Entscheidungen zwingen möchte, so ist dies ein höchst anachronistischer und in sich widersprüchlicher Vorgang.

Im evangelischen Bereich fand man folgenden Ausweg aus dem Dilemma: Seit knapp 200 Jahren wird der biblische Text ernsthaft wissenschaftlich untersucht, d. h. es werden auf ihn diesselben Methoden angewandt, die jeder Geschichtsforscher auf alte religiöse Texte anwendet. Diese „historisch-kritische Methode“ führt bis heute zu ernsthaften Auseinandersetzungen in und zwischen den protestantischen Denominationen. Für die „normalen“ evangelischen Kirchen in DEutschland aber gilt grundsätzlich, dass sie sich dem Ergebnis der Aufklärung nicht entziehen wollen. Sie möchten auf diese ARt und Weise den Grundkonsens unserer Gesellschaft nicht verlassen, erkennen die zahlreichen ARgumente der Aufklärung für das Vernunftprinzip an. Es würde deshalb etwa einem Manfred Kock nicht einfallen, sich bei einem Thema auf die Bibel zu berufen, bei dem die Kluft zwischen historischem Befund und heutiger Lebenswirklichkeit so einschneidend tief ist wie bei der gleichgeschlechtlichen Liebe.

Übrigens, auch ein ERgebnis der historisch-kritischen-Methode, beziehen sich die Bemerkungen der Bibel zur Verbindlichkeit heiliger Schriften vor allem auf das jüdische Gesetz. Es herrscht eine gewisse Spannung in der Bibel selbst zu dieser Frage, die protestantische Christen durch den Galaterbrief gelöst sehen…

Hoffentlich war die Antwort nicht zu weit ab von der Frage,

Juliane

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Juliane,

in Bezug auf meine Frage (du schreibst dies ja als Antwort an mich) bedeutet das: das Bibelprinzip ist selbst nicht biblisch. Die Antwort ist klar, danke.

Gruß,
Peter

Unter den Christen, die hier im Forum diskutieren, gibt es
viele, für die selbstverständlich ist:
Alles, was in der Bibel steht, und nur das, was in
der Bibel steht, ist für den Glauben verbindlich.

Das ist ein Glaubenslehrsatz, ein Dogma. Ich habe nichts gegen
Dogmen, aber ich bin der Meinung, man soll seine Dogmen kennen
und verstehen.

Wenn dieser Glaubenslehrsatz gelten soll, muss er auch selbst
in der Bibel stehen, sonst erfüllt er seine eigene Bedingung
nicht.

Das stimmt so nicht.

Es ist kein Dogma, daß alles, was in der Bibel steht, für den Glauben verbindlich sei.

Für den Glauben (jedenfalls für den Katholizismus) sind die Bibel und die mündliche Überlieferung verbindlich.

Ein Dogma steht nicht in der Bibel, sondern der Papst stellt es auf.

Gruß, Infotalk

Alles, was in der Bibel steht, und nur das, was in
der Bibel steht, ist für den Glauben verbindlich.

Das ist ein Glaubenslehrsatz, ein Dogma.

Das stimmt so nicht.

Es ist kein Dogma, daß alles, was in der Bibel steht, für den
Glauben verbindlich sei.

Hallo Infotalk,

ich habe nicht gesagt, dass ich an dieses Dogma (Bibelprinzip) glaube. Aber ein Dogma, ein Lehrsatz von grundsätzlicher Geltung, ist dieser Satz für viele zweifellos.

Du hast natürlich Recht, dass dieser Lehrsatz in der katholischen Kirche nicht gilt und nie gegolten hat.

Für den Glauben (jedenfalls für den Katholizismus) sind die
Bibel und die mündliche Überlieferung verbindlich.

Ein Dogma steht nicht in der Bibel, sondern der Papst stellt
es auf.

Genauer müsste man sagen, dass Verbindlichkeit nach katholischem Glauben im Spannungsfeld von Bibel, anerkannter Tradition, Glaubensfragen/-antworten der Gegenwart und Entscheidungen des Lehramts entsteht, wobei von den Lehramtsentscheidungen nur sehr wenige „Dogmen“ sind.

Gruß,
Peter

hALLO STIMMT VÖLLIG

Weshalb Katholizismus eine Religion ist. Alles was in dieser religion im Gegensatz zu der Bibel steht, ist nur von Menschen gemacht und diese Sachen werden deshalb von vielen Christen abgelehnt.

Gruss
Beat

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Juliane und Peter,

Wie gewisse religiöse Strömungen dazu stehen, war ja nicht die Frage.
In Der Bibel steht klar, wie man zu einem Christen wird, (Sünde bekennen, Umkehr, Taufe, Lebensübergabe an Jesus Christus.)
Man müsste also diejenigen fragen, auf die dies zutrifft und nicht die Religionen, etc.
Das die vernunft über der bibel steht, lehnen diese leute im allgemeinen ab. Es gibt auch einen guten grund dazu. Siehe mal zurück, was früher vernünftig war, ist heute nicht mehr und umgekehrt. Also ist menschliche vVernunft selber unvernünftig. Ich bin die Wahrheit und das leben" steht geschrieben, nichjt die vernunft

Gruss
Beat

Hallo zusammen

Jesus erwähnte gewisse alte Schriften und gewisse gar nie. Dies ist zumindest ein starkes Indiz, welche Schriften zur Bibel gehören und welche nicht. Ausserdem haben gewisse Schriften wie die Apokryphen widersprüchje zu den anderen Büchern (Bsp das Fegefeuer wird in der Bibel nie erwähnt und passt auch nicht zu den anderen Büchern, aber der Katholizismus legt interessanterweise viel Wert darauf).

Zumindest gibt es kein Indiz, dass die Bibel nicht die richtigen Bücehr enthält.
Umgekehr wie erwähnt hingegen schon

Gruss
Beat

Hallo Beat,

die Bibel ist aber doch auch von Menschen gemacht. Und diese Menschen, die (vom Geist Gottes befähigt) die Schriften des Neuen Testaments verfasst haben, behaupten gerade nicht, dass Christus nach ihrer Zeit aufhören wird, durch den Geist zu den Seinen zu sprechen, sondern genau das Gegenteil. Sie kannten das Bibeldogma nicht.

Gruß,
Peter

Hallo Peter

Der heilige Geist trat an die Stelle von Christus, was Jesus auch in ein paar Bibel-Stellen vorausgesagt hatte. Und der spricht bis heute zu den Seinen.

Gruss
Beat

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

noch mehr Anmerkungen
Hallo Peter,

ob alles so klar ist, naja. Lies vielleicht dazu besser doch mal den Galaterbrief.

Und bedenke: Die Gültigkeit eines Textes kann nur durch ein einziges Mittel aus dem Text selbst kommen, und das ist die Überzeugungskraft. Also: Wenn dich die Bibel - auf welche Art und Weise auch immer - überzeugt, dann gilt sie (oder besser: der Teil, der dich überzeugt hat, gilt). Wenn nicht, dann nicht. Kein Text kann behaupten: Ich bin der Maßstab aller Dinge und dann gilt das auch. Sondern es wird immer so sein, dass die Überzeugungskraft den Ausschlag gibt. Zwar schlägt die Überzeugungskraft im religiösen Bereich gern Umwege ein, über gesellschaftliche Konventionen, Angstkomplexe oder Ähnliches. Und natürlich können Textinhalte oder ein bestimmtes Textverständnis durch äußere Zwangssysteme mit Gewalt zur Durchsetzung gebracht werden. Aber TExte an sich können niemals zwingend sein, sondern nur überzeugend. Sicher ist dies ein Faszinosum, das die Schriftreligionen für sich beanspruchen können: die grundsätzlich gewaltfreie, weil letztlich sprachlich-schriftliche und damit ja auch im weitesten Sinn demokratische Grundlage der Religion, in der eben das Überzeugungsprinzip angelegt ist und auch durch die oben genannten Umwege nicht ganz ausgerottet werden kann.

Also: Natürlich will die Bibel wie jeder Text gern gelten. Natürlich steht das mehr oder weniger deutlich drin. Nur: Das besagt gar nichts. Sondern der ENtschluß, z. B. der protestantischen Christen, sich daran zu halten, weil die Bibel sie im Kern überzeugt - das gilt und das hat eine ganze Kultur geprägt.

Gruß
Juliane

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]