Bibelverbote in der katholischen Kirche

Hallo und Guten Tag,

soweit ich weiss, gab es mal eine Zeit, da durfte ein gläubiger Katholik nicht privat in der Bibel lesen, schon gar nicht in einer anderen Version als der lateinischen „Vulgata“ (aber auch das nicht einmal), geschweige denn, eine Bibel zu Hause besitzen. Aus der Bibel durfte nur auf Latein vom Pfarrer in der Kirche vorgelesen werden. War das tatsächlich mal so? Was war der Sinn, was war die offizielle Begründung der katholischen Kirche?
Wie sehr haben sich Katholiken im Allgemeinen tatsächlich daran gehalten?

Vielen Dank im Voraus,

Jasper.

hallo,

Aus der Bibel durfte nur auf Latein vom
Pfarrer in der Kirche vorgelesen werden. War das tatsächlich
mal so? Was war der Sinn, was war die offizielle Begründung
der katholischen Kirche?

ja, das war so.
es konnte sowieso kaum jemand lesen. lesen und schreiben waren wissenschaften und auf diese hatten kirche und klöster ein monopol. anders als im islam, der eine ständige bildungsoffensive auch an das einfach volk war, wachte die kirche eifersüchtig über ihr wissensmonopol.

daraus folgte: wer lesen und schreiben konnte (und nicht gerade mönch oder kirchenmann war), unterlag schon mal einem gewissen generalverdacht. wer zudem noch eine andere bibel im hause hatte als die für „unschädlich“ befundene, führte bestimmt schlimme sachen im schilde. mit dem teufel wohl gar!

Wie sehr haben sich Katholiken im Allgemeinen tatsächlich
daran gehalten?

wie gesagt, den meisten blieb nix anders übrig, denn sie konnten nicht lesen.

gruß
ann

Hallo AnnJabusch,

mir ging es eigentlich weniger um „nicht lesen können“ als um „nicht lesen dürfen.“ (Und Islam ist eigentlich ein anderes Thema, aber soweit ich weiss, wurde in islamischen Ländern die allgemeine Schulpflicht erst unter europäischem Einfluss im Laufe des 20. Jh. eingeführt, nicht-arabischen Muslimen ist es seit jeher verboten, den Koran in ihrer Muttersprache zu lesen, sondern sie müssen ihn auf arabisch auswendig lernen, oft ohne überhaupt den Inhalt zu verstehen [sogenannte „Hafez“].)

Gruß, Jasper.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

mir ging es eigentlich weniger um „nicht lesen können“ als um
„nicht lesen dürfen.“

Hallo, Jasper,
ist das nicht lesen lernen dürfen denn nicht viel schrecklicher als das nicht lesen dürfen?
Der Gedanke 90% der Bevölkerung in Dummheit zu halten und so bequem regieren zu können ist uns heute nicht mehr nachvollziehbar.

Unsere Obrigkeiten müssen uns aufwendig vom Lesen abhalten - Fernsehen, seichte Unterhaltung allerdings verhindern das Nachdenkens der Masse auch recht effektiv.

Grüße
Eckard

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Tach Eckard,

es will sich mir nicht so ganz erschließen, was Dein Beitrag mit der ursprünglichen Frage zu tun hat. Aber das muß es ja vielleicht auch nicht; ich setze mal einen tiefen Sinn voraus, der sich mir wohl später offenbaren wird.

Nun aber zum Thema zurück: John Wiclif und Petrus Valdes wurden nicht zuletzt deswgen so angefeindet und verfolgt, weil sie die Bibel in ihre Landessprachen zu übersetzen begannen.
Bei den Waldensern zogen die „Barben“, die „Bärtigen“ von Dorf zu Dorf und von Hof zu Hof, um - immer im Geheimen, weil immer verfolgt - den Glaubensbrüdern und -schwestern die Bibel auszulegen, in der Sprache des Volkes, notabene.

Gruß - Rolf

Hallo,

nun ich denke, wir reden hier über längst vergangene Jahrhunderte.
Und da galt von katholischer Seite nun einmal nur die lateinische Bibel - genau so, wie ja lange Zeit auch latainisch gepredigt wurde. Nicht umsonst wurden ja Leute angefeindet, die die Bibel in amdere Sprachen übersetzten - Luthers Bibelübersetzung zum Beispiel war ja auch deshalb so wichtig, weil es bis dahin gar keine deutsche Bibel gab. Das muß man sich mal vorstellen - bis zu diesem Zeitpunkt hatte es die Kirche verhindert, daß die Bibel überhaupt in eine allgemeinverständliche Sprache des Volkes übersetzt wurde.
Und wer konnte den - selbst wenn er lesen und schreiben konnte - damals überhaupt latein und wäre in der Lage gewesen, die Bibel überhaupt zu verstehen? Studierte und gelehrte Leute waren doch praktisch nur die Pfarrer und höheren Geistlichen.
Na und nach Luther sah es erst einmal auch nicht anders aus. Wer da im Besitz einer deutschen Bibekausgabe war und dies eventuell durch Zitate belegte - der war vom evangelischen Irrglauben angehaucht und konnte logischerweise kein guter Katholik sein, denn aals solcher hätte der doch das sündhafte Ding nicht angefaßt geschweige denn gelesen. Und damit war er Pepressalien ausgesetzt in katholischen gebieten - ganz automatisch.
Damit war dann das Problem gelöst. Wer doch als katholik eine deutschsprachige Bibel besaß, der war gut beraten, sein Wissen für sich zu behalten und heuchlerisch zu nicken - damit war er ungefährlich.

Gernot Geyer

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Luthers Bibelübersetzung zum Beispiel war ja auch deshalb so
wichtig, weil es bis dahin gar keine deutsche Bibel gab. Das
muß man sich mal vorstellen - bis zu diesem Zeitpunkt hatte es
die Kirche verhindert, daß die Bibel überhaupt in eine
allgemeinverständliche Sprache des Volkes übersetzt wurde.

Tach Gernot,

dies ist eine Behauptung, die immer wieder aufgestellt wird, die aber durch ständige Wiederholung nicht richtiger wird.
Die Bibelübersetzungen werden allerdings nicht nacxh en Übersetzern - die habe ich nicht eruieren können -, sondern nach den Druckern bezeichnet, die den Druck bewerkstelligt oder veranlaßt haben.

Die erste deutsche Bibel wurde um 1466 in Straßburg bei Johann Mentel gedruckt; sie ist darum die Mentelsche Bibel oder M.sche Ausgabe.

Bibeldrucke gab es z. B.:

1466 Mentel
ca 1470 Eggensteyn
ca 1475 Pflanzmann
1475/76 Zainer
1476/78 Sensenschmidt
1477 Sorg
1487 Schönsperger
1485 Grüninger
1507 Otmar

Gruß - Rolf

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Hallo !

Das dumme Volk hätte da schnell auf dumme Gedanken kommen können. Kennst Du die Bibel?

mfgConrad

Hallo Ann,
nein das war nicht so

… wachte die kirche eifersüchtig über ihr wissensmonopol.

Die Klöster waren die einzigen Bildungsinstitutionen, es gab keine Konkurrenz. Sie unterhielten kein Volksschulsystem, aber wenn jemand lernen wollte konnte er es in Klöstern tun.
Vor allem die Feudalherren hatten kein Interesse an gebildeten Untertanen. Wenn dann ging die Unterdrückung von Bildung von den weltlichen Herren aus.
Das so wenige lesen konnten, lag oft auch daran, dass Kinder in die Erwerbsarbeit voll eingespannt wurden und gar keine Zeit hatten lesen und schreiben zu lernen. Außerdem waren Klöster, wo man es hätte lernen können, auch nicht in jedem Dorf.

Gruß
Werner

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Hallo,

dann frage ich mich allerdings, weshalb gerade um Luthers Übersetzung so viel Wind gemacht wird und wir bis heute auf gerade diese Ausgabe zurückgreifen.

Gernot Geyer

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hallo werner,

nein das war nicht so

hm?

… wachte die kirche eifersüchtig über ihr wissensmonopol.

Die Klöster waren die einzigen Bildungsinstitutionen, es gab
keine Konkurrenz. […]

und wo steht das nun im widerspruch zu dem, was ich gesagt habe?

gruß
ann

hallo,

dann frage ich mich allerdings, weshalb gerade um Luthers
Übersetzung so viel Wind gemacht wird und wir bis heute auf
gerade diese Ausgabe zurückgreifen.

ich weiß nur über die Mentel-Bibel, dass die Übersetzung nicht annähernd an die Luthers heran reichte - sprich sie taugte nicht allzu viel. Das erklärt wenigstens zum Teil warum sie heute kaum noch Beachtung findet und vor allem nicht verwendet wird. Außerdem hängt das wohl auch damit zusammen, dass die Luther Bibel eben damals auch schon so weite Verbreitung fand.
Vermutungen warum die Luther-Bibel auch zu jener Zeit so einschlug:

  • Buchdruck war bereits ein ganzes Stück weiter (sehr viel größere Auflagen),
  • Um Luther wurde nicht nur wegen seiner Bibel-Übersetzung sehr viel Wind gemacht (Worms war schließlich vorher), das förderte aber natürlich auch das Wissen um und Interesse an seinem Werk,
  • Könnte mir vorstellen, dass der Lutherbibel mehr (finanzielle) Mittel zur Verfügung standen?

Abschließend noch: Zur Zeit von Luthers Bibelübersetzung war Lesen und Schreiben durchaus nicht mehr den Klöstern und Kirche „vorbehalten“. Selbst die Schule war nicht mehr ihre alleinige Angelegenheit. Im wohlhabenderen Bürgertum (vor allem also in den Städten) waren Lesen und Schreiben fast selbstverständliche Fähigkeiten.

Wieso vorher (also auch vor Mentel) keine Bibelübersetzung?
Vermutungen:

  • richtig ist natürlich trotzdem, dass besonders unter der einfachen Bevölkerung Lesen und Schreiben immer noch ungewöhnlich waren.
  • Die katholische Kirche war bis Luther die einzige Kirche. Für die wenigsten Menschen gab es Grund sie anzuzweifeln. Dass sie nichts verstanden war okay. Sache des „gemeinen Mannes“ war es ein gott-gefälliges Leben zu führen. Was das war, das sagten ihm die Priester, die es verstanden. Punkt. Mehr war da nicht zu sagen. Die Kirche war einfach nichts was bezweifelt wurde. Möglicherweise wurde sie kritisiert (dann meist aus den eigenen Reihen), aber nicht ihre grundsätzliche Wahrheit, sondern eher der allzu weltliche Lebenswandel ihrer Vertreter. Es gab also keinen Grund eine Bibel zu übersetzen. Der „gemeine Mann“ kam gar nicht auf den Gedanken danach zu fragen. Für wen dann also?
    ja, ich könnte mir vorstellen, dass im Zuge des aufkommenden gebildeten Bürgertums und der Gründung von Universitäten mit einem mal ein „Publikum“ für Luther auch außerhalb der Kirche bestand. Daher der Wirbel um Luther und damit auch der Wirbel um seine Bibel.

Grüße von kati

Hallo,

Gernot Geyer

und die 12 Artikel der Bauer? :wink: owt.

Hallo !

Das dumme Volk hätte da schnell auf dumme Gedanken kommen
können. Kennst Du die Bibel?

und die zwölf Artikel der Bauern von 1524?

mfgConrad

gruß

und die zwölf Artikel der Bauern von 1524?

Liebe Katharina,

im ersten der zwölf Artikel wird die Predigt des Evangeliums gefordert - gemeint ist sicher die evangelische Predigt - sowie das Recht auf einen Pfarrer, der dies vermag und tut. Von dem Recht auf freie Bibellektüre steht da aber nichts.

Gruß - Rolf

Servus!

soweit ich weiss,

Da würde mich schon mal interessieren, woher du das weißt?

gab es mal eine Zeit, da durfte ein
gläubiger Katholik nicht privat in der Bibel lesen,

Daß er das nicht DURFTE, is mir neu!

schon gar
nicht in einer anderen Version als der lateinischen „Vulgata“
(aber auch das nicht einmal),

Dazu weiter unten.

geschweige denn, eine Bibel zu
Hause besitzen.

Auch das ist mir vollkommen neu.

Aus der Bibel durfte nur auf Latein vom
Pfarrer in der Kirche vorgelesen werden. War das tatsächlich
mal so?

Meines Wissens nicht, womit sich auch gleich die Fragen nach Sinn und Relevanz dieser angeblichen Vorschrift erübrigen.
Wenn es diese Vorschrift gegeben hätte, wie erklärst du dir dann die Ausbrüche religiösen Überschwangs, die im MA sogar zu Laienorden wie den Beginen führte? Geht doch gar nicht, wenn die keinen Zugang zur Bibel gehabt hätten!

Tatsache ist jedoch, daß nur die wenigsten im MA eine Bibel besessen haben. Wie hätte sich ein Bauer, Handwerker oder sonstiger Nicht-Reicher so ein sauteures (handgeschriebenes!) Buch leisten können? Die konnten durch die (im deutschsprachigen Raum immer deutschsprachige!) Predigt die Texte sowieso weitgehend auswendig. Die Gebildeten, die lesen konnten, und es genauer wissen wollten, lasen nach.

Das Übersetzungs"verbot" kann ich dir auch erklären: Deutsch war die Vulgärsprache, die Volkssprache, Latein (wie auch Griechisch und Hebräisch) war eine „heilige“ Sprache, da eben die Bibel in Latein geschrieben war (die Vulgata wurde als eine „ursprüngliche“ Version angesehen, nicht als Übersetzung).
Heiliges in einer nichtheiligen Sprache auszudrücken, DAS war verboten!

Das änderte sich aber mit dem Ausgang des Mittelalters. Nicht nur und nicht erst Luther und andere Protestanten übersetzten die Bibel (wie schon gesagt wurde). Auch ein gewisser Dr.Eck wagte sich daran (in ausgesprochener Konkurrenz zu Luther). Das Ding war aber dann so hochgeistig, daß auch Katholiken gern auf die Lutherbibel zurück griffen. Der hatte den Leuten „aufs Maul geschaut“, und darum war seine Bibel auch besser verständlich.

VG
Christian

Hallo Gernot!
Luthers Übersetzung hatte drei wesentliche Vorteile, die zu ihrer weiten Verbreitung führten:

  1. Sie war die Übersetzung, die seine Anhänger selbstverständlich benutzten;
  2. Es übersetzte nicht in ein akademisches Deutsch, sondern gebrauchte eine volkstümliche Ausdrucksweise („schaute dem Volk aufs Maul“);
  3. Er verwendete die in der Kanzlei Kaisers Karls IV. bereits existierende Sprache (die deshalb überregional war, weil sie den süd- UND mitteldeutschen Sprachbestand enthielt) und bildete sie weiter*, so dass man von hier aus den Beginn des Neuhochdeutschen datieren kann.

Vgl. den Kampf um das „lutherische -e“!

Gruß!
H.

Hallo

… wachte die kirche eifersüchtig über ihr wissensmonopol.

Die Klöster waren die einzigen Bildungsinstitutionen, es gab
keine Konkurrenz. […]

und wo steht das nun im widerspruch zu dem, was ich gesagt
habe?

Unter eifersüchtig hüten würde ich verstehen, dass sie es nicht rausgeben und andere die Bildung vermitteln wollen bekämpfen. Sie habe ihre Bildung aber verbreitet und es gab niemanden auf den sie Eifersüchtig hätten sein können.

Gruß
Werner

Hi Rolf

und die zwölf Artikel der Bauern von 1524?

Liebe Katharina,

im ersten der zwölf Artikel wird die Predigt des Evangeliums
gefordert - gemeint ist sicher die evangelische Predigt -
sowie das Recht auf einen Pfarrer, der dies vermag und tut.
Von dem Recht auf freie Bibellektüre steht da aber nichts.

da hast du mich wohl missverstanden? Wollte nur auf Conrads Bemerkung Bezug nehmen, die ich so interpretiert hatte, als meinte er die Kirche wäre ganz glücklich wenn das Volk die Bibel nicht lesen kann, da nur Ärger daraus erwächst wenn es das tut. Wie bei den zwölf Artikeln (und natürlich nicht nur da) ja zu sehen war:

  1. Artikel: evangelische Predigt und zwar ohne menschlichen Zusatz!
  2. Artikel: sola scriptura.
    Alles dazwischen mit samt den Bauernaufständen machte zwar vor allem der weltlichen Herrschaft Ärger, aber Artikel 1 und 2 sind schon unangenehm da sie, weitergedacht, vieles der kath Kirche in Frage stellen. Das hat sich dann ja auch auf anderen Ebenen gezeigt, wo weiter gedacht wurde.
    Ich weiß nicht ob es denn nun ein entsprechendes Verbot gab (jedenfalls nie was von gehört, auch nicht fürs MA), aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Kirche nicht unglücklich darüber war, dass die Bibellektüre bis dato in der Kirche blieb.

grüße von Kati

Gruß - Rolf