Hallo zusammen!
Ich suche nach einer biblischen Begründung für das Sakrament der Beichte. Zwar kannte auch die jüdische Religion im Alten Testament den Begriff der Sünde und es haben auch einige biblische Personen gegenüber Jesus ihre Sünden bekannt (z.B. Steinigung der Ehebrecherin) aber es ist mir nicht bekannt, dass jemand bei einem Rabbi seine Sünden bekannt hätte, wobei dann der Rabbi den Mittler zwischen dem Sünder und Gott dargestellt hätte. Gab es so etwas im Alten Testament und, wenn ja, wo kann man es nachlesen? Wann hat die katholische Kirche die Beichte eingeführt? Für Eure Antworten schon mal vielen Dank!
Im Alten Testament gab es die Zusage von Sündenvergebung an einzelne tarsächlich nicht, sondern nur Entsündigungsriten (Opfer), die sich auf das ganze Volk bezogen.
Jesus dagegen hat immer wieder zu einzelnen gesagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“. Damit meinte er: Jetzt und hier, dadurch dass du dich mir und der Gottesherrschaft geöffnet hast, wird dir Versöhnung geschenkt, dein Leben fängt noch einmal an.(Das war einer der Gründe für seinen Tod.)
Die Christen glaubten von Anfang an, dass eine solche alles verwandelnde Begegnung mit Jesus weiterhin möglich sei, und zwar „im Heiligen Geist“, was konkret auch immer hieß: in der Gemeinde. Anschaulichste Darstellung dieses Glaubens: die Szene Joh. 20, 21-23.
Im Laufe der Kirchengeschichte hat es unendlich viele Weisen gegeben, die Sündenvergebung auch zeichenhaft, sozusagen jenseits allen Zweifels, erfahrbar zu machen. Um einer Inflation vorzubeugen, wurde die höchste („sakramentale“) Form der Sündenvergebung den Amtsträgern der Gemeinde/Kirche vorbehalten, die von den Aposteln her autorisiert sind (nach kath. Glauben).
Die Formen, die Häufigkeit, der Verpflichtungscharakter dieses Sakraments waren im Lauf der Zeit höchst unterschiedlich, ja gegensätzlich (Thema für ganze Bibliotheken).
Es war aber auch immer unumstritten, dass das Sakrament der Versöhnung nicht der einzige Weg zur erneuernden Jesusbegegnung ist und dass es eine personale Verarbeitung der eigenen Lebensgeschichte im Horizont des Glaubens und im Gespräch mit anderen Christinnen und Christen keinesfalls ersetzen kann.
Gruß,
Peter
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Hallo zusammen!
Ich suche nach einer biblischen Begründung für das Sakrament der Beichte.
Vorsicht, vermintes Gelände! Die Beichte ist nur bei den Katholiken ein Sakrament (d.h. etwas, das man unbedingt haben muß, wenn man die Gnade Gottes erlangen will). Luther verwarf 1520 („Über die Babylonische Gefangenschaft der Kirrche“) die Siebenzahl der Sakramente (Abendmahl, Taufe, Buße, Firmung, Ehe, Priesterweihe, Letzte Ölung) zugunsten von Abendmahl, Taufe und (eingeschränkt) Buße. Nur von diesen drei Dingen steht etwas in der Bibel. Beichte als Bußübung wird in der Bibel nicht erwähnt. Seit wann sie praktiziert wird, weiß ich nicht.
Vorsicht, vermintes Gelände! Die Beichte ist nur bei den
Katholiken ein Sakrament (d.h. etwas, das man unbedingt haben
muß, wenn man die Gnade Gottes erlangen will). Luther verwarf
1520 („Über die Babylonische Gefangenschaft der Kirrche“) die
Siebenzahl der Sakramente (Abendmahl, Taufe, Buße, Firmung,
Ehe, Priesterweihe, Letzte Ölung) zugunsten von Abendmahl,
Taufe und (eingeschränkt) Buße. Nur von diesen drei Dingen
steht etwas in der Bibel. Beichte als Bußübung wird in der
Bibel nicht erwähnt. Seit wann sie praktiziert wird, weiß ich
nicht.
Django -
Hallo Django!
Weißt du, dass Luther sein Leben lang (!) gebeichtet hat und die Lossprechung von seinem „Beichtvater“ erhielt? Er konnte sich Christsein ohne das gar nicht vorstellen.
Dass die Beichte (oder Buße, das geht begrifflich durcheinander, meint aber in diesem Zusammenhang immer das gleiche) für ihn nicht zu den Sakramenten zählt, liegt an seiner Sakramentendefinition: Ein Sakrament muss (1.) von Jesus selbst eingesetzt sein (das bejahte Luther für die Beichte!!) und (2.) außer dem gesprochenen Wort ein sichtbares Zeichen enthalten (Wasser bei der Taufe, Brot und Wein bei der Eucharistie); das sah Luther bei der Beichte nicht gegeben und darum (nur darum) lehnte er ihre Sakramentalität ab.
Das eigentliche Problem bei der Beichte ist die Frage, ob ein Christ von der Kirche dazu verpflichtet werden kann. Sicher (auch ökumenisch unumstritten) ist, dass niemand gegen seinen Willen „bereuen“ kann - und ohne ein bisschen Reue gibt es nichts zu beichten.
Gruß,
Peter
Weißt du, dass Luther sein Leben lang (!) gebeichtet hat und
die Lossprechung von seinem „Beichtvater“ erhielt? Er konnte
sich Christsein ohne das gar nicht vorstellen.
Dass Luther das so gesehen hat, ist die eine Sache.
Ob es aber ein Gebot für alle Christen ist, ist eine andere Sache.
Du bist den Beweis schuldig geblieben, dass es in der Bibel steht.
Ich nehme an, die kath. Kirche bezieht sich auf die Stelle aus dem Jakobusbrief:
JAK 5,16: Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet
In diesem Zusammenhang ist aber nicht festgelegt, in welcher Form die Beichte abzulegen sei.
möglich ist nicht notwendig (bleibt aber möglich!)
Hallo Peter!
Ob es aber ein Gebot für alle Christen ist, ist eine andere
Sache.
Du bist den Beweis schuldig geblieben, dass es in der Bibel
steht.
Ich nehme an, die kath. Kirche bezieht sich auf die Stelle aus
dem Jakobusbrief:
JAK 5,16: Bekennt also einander eure Sünden und betet
füreinander, daß ihr gesund werdet
(Nein, dieser Text spielt bei der Krankensalbung eine Rolle.)
In diesem Zusammenhang ist aber nicht festgelegt, in welcher
Form die Beichte abzulegen sei.
Gruss Harald
Hallo Harald!
In meiner Antwort an Christoph hatte ich die wichtigste Szene im Evangelium erwähnt (Joh. 20, 21-23), auf die sich der Glaube der Kirche (kath. und evgl.) gründet, dass einem Einzelnen definitiv zugesprochene Sündenvergebung auch nach dem Tod und der Erhöhung Jesu möglich sei. (Vielleicht sind diese und mehrere ähnliche Jesusworte aber auch schon Ausdruck dieses Glaubens.) Ich hatte auch erwähnt, dass die Formen tatsächlich bis zur Unkenntlichkeit verschieden waren (und sind) und dass das Sakrament der Versöhnung (das selbst eine unendliche Geschichte hat) auch nach kath. Glauben keineswegs der einzige Weg ist zur Wiederannäherung an Gott, zur Aufarbeitung der Vergangenheit, zur Versöhnung und Heilung (oder wie du es nennen willst).
An die M ö g l i c h k e i t glauben (jedenfalls offiziell) kath. und evgl. Christen gleich (man findet sie in fast allen luth. Katechismen und Gesangbüchern). Eine N o t w e n d i g k e i t (ich hatte von „Verpflichtung“ gesprochen) ist in der Tat problematisch (s. den Schluss meiner Antwort an Django).
Luther (den Django ins Gespräch brachte) lebte einfach von der E r f a h r u n g der Absolution und konnte sich nicht vorstellen, darauf zu verzichten.
Gott hat kein Vorzimmer!
Hallo zusammen und frohe Ostern!
Erst einmal vielen Dank für Eure ausführlichen und fundierten Antworten! Mir ging es eigentlich weniger um die Frage, ob ein Christ das Sakrament der Beichte zur Erlangung seines Seelenheiles empfangen muss, sondern um folgendes: Wenn man davon ausgeht, dass Jesus sich als Jude verstand, dann müsste man doch, den Sakramentencharakter vorausgesetzt, davon ausgehen, dass es in der jüdischen Tradition üblich war, einem Rabbi seine Sünden zu bekennen. Aber die genannten Bibelstellen sagen doch meines Erachtens nur, dass man seine Fehler gegenüber seinen Mitmenschen eingestehen soll. Wer ist mit „Ihr“ gemeint, wenn Jesus sagt, „wem Ihr die Sünden erlasst… ?“ Schließlich sagt Jesus beim Abendmahl ja auch: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Obwohl nur die Apostel im Raum waren, gehen wir alle davon aus, dass nicht nur sie, sondern alle Christen damit gemeint sind. Könnte es bei Johannes 20; 21-23 nicht genauso sein? Wozu brauchen wir zum Bekennen unserer Sünden einen Mittler?
Die Beichte gibt es sehr wohl in der Bibel!!!
Hallo,
und zwar bei
Jakobus 5,16:„Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet.“
Natuerlich wurde das ganze nicht Beichte genannt und auch nicht zum Sakrament erhoben. Aber, die Idee dass man voreinander seine Suenden bekennt und um Gebet/Vergebung bittet ist durchaus biblisch. Jesus hat seinen Juengern auch seine Autoritaet uebertragen, dazu gehoert meiner Meinung auch das Recht, Suenden zu vergeben. Oder sehe ich hier was falsch?
Was dann die katholische Kirche bzw. andere Glaubensgemeinschaften in der Praxis damit anstellen ist natuerlich eine andere Frage…
Wozu brauchen wir zum
Bekennen unserer Sünden einen Mittler?
Meiner Meinung nach hat Gott kein Vorzimmer!
Loblich evangelisch gedacht und gesagt.
Seh ich genauso. Kein Vermittler ist nötig. Kann aber manchmal therapeutisch sinnvoll sein, sich bei einem anderen Menschen „alles von der Seele zu reden“.
ich hab mal irgendwo gelesen, irische Mönche hätten im 5. Jh. die Ohrenbeichte auf dem Festland eingeführt. Welches Festland? k.A. Als Missionare? k.A. Quelle? k.A.
die irischen Mönche haben vom 5.-8. Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent, besser gesagt in Noreuropa, missioniert.
"Erst an der Wende des 4. und 5. Jahrhunderts sind nach allgemeiner Ansicht erste Spuren einer Ohrenbeichte zu finden.
Manche Autoren glauben, daß irische Mönche ab dem 6. Jahrhundert die Beichte auf dem Festland eingeführt hatten,
wobei sie kaum auf Widerstand gestoßen seien, weil keinerlei Zwang ausgeübt worden sei. Jahrhundertelang blieb es dabei. "
klar glaub ich das, wir suchen uns ja alle irgendwo unsere Antworten selbst und verlassen uns nicht mehr (nur) auf vorgegebene Dogmen, egal ob katholisch oder evangelisch (oder was auch immer). Ich persönlich kann- obwohl lutherisch-uniert- sehr wenig mit Luthers Abendmahlsverständnis anfangen (und mit einigem anderen lutherischen Denken auch nicht)