Hallo Verena!
ich habe schon einige historische Romane gelesen und immer
wieder erscheint es mir so, daß die Menschen damals nur Bier
und Wein getrunken haben (zumindest die etwas betuchteren).
Auf http://www.geschichte-mittelalter.de/tischsegen.htm findet sich folgendes:
(Spätantike und frühes Mittelalter:smile: Die mediterrane Kultur bevorzugte Kleintierhaltung, daß bedeutete im wesentlichen die Haltung von Schafen, Getreideanbau und betrieb eine Baumkultur, um Olivenöl und Wein zu erhalten. Die Ernährung beruhte in der Hauptsache auf Getreideprodukten, die entweder als Breie, musförmige Speisen oder Brot gegessen wurden. Als Grundlage dienten Weizen und Gerste, die über Jahrhunderte hinweg die beherrschenden Getreidearten im Mittelmeerraum blieben. Als Getränk wurde Wein bevorzugt, das bereits angesprochene Olivenöl für Kochzwecke verwendet.
Ein Gegensatz dazu war Nord- und Mitteleuropa, wo wesentlich mehr tierische Nahrung verbraucht wurde. Jagd, Fischfang und Weidevieh bildeten die Grundlage für Ernährung, der Getreideanbau hingegen hatte einen zweitrangigen Charakter. Eine viel größere Bedeutung kam dem Gartenbau zu, vor allem dem Anbau von Obst, in erster Linie Äpfel und Birnen. Das verwendete Fleisch war in der Hauptsache Schweinefleisch und Wildbret, aus denen auch das benötigte Fett gewonnen wurde. Pflanzliche Nahrung kam erst an zweiter Stelle. Auch die Getränke unterschieden sich von denen des Mittelmeerraums. Es wurde kein Wein, sondern vielmehr aus Getreideprodukten hergestellte Getränke konsumiert, in der Mehrzahl Bier. Weiterhin gab es noch den aus Honig hergestellten Met und den aus Wildfrüchten gegorenen Zider.
Im Frühmittelalter fand dann eine Verschmelzung der griechisch-römischen Kultur mit der keltisch-germanischen statt, die auch zu einer Vermischung der Ernährungsgewohnheiten führte. Im Norden wurde mehr Getreide verbraucht und im verstärkten Maße Wein angebaut. Durch seine Verwendung im kirchlichen und klösterlichen Bereich wurde der Weinanbau sogar bis nach Skandinavien getragen, eine Region, in der es heute keine Weinanbauflächen mehr gibt.
(Vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter:smile: Auch bei den Getränken kann man Unterschiede zwischen Herren und Bauern feststellen. Die Höhergestellten tranken neben Wasser vor allem Wein, entweder pur oder gewürzt. Das Würzen wurde deshalb nötig, da viele einheimische Weine sehr sauer waren. Ein besonders hohes Ansehen besaßen schwere Südweine, vor allem der Zypernwein. Dazu wurde noch weiterhin noch bis ins 12./13. Jahrhundert Met getrunken. Bier hingegen verschmähten die meisten Höhergestellten, da es als unhöfisches Getränk galt.16 Erst im 15. Jahrhundert verdrängt es den bis dahin dominierenden Wein. Die Bauern tranken Wasser, Obstsäfte, Obstweine, seit dem 13. Jahrhundert ebenfalls Met und vor allem Bier. Bier war über das ganze Mittelalter hinweg in vielen Gegenden das wichtigste Volksgetränk. Vor allem in Gegenden, in denen das natürlich vorkommende Wasser von schlechter oder ungenießbarer Qualität war, wurde Dünnbier in großen Mengen hergestellt und auch getrunken. Gebraut wurde es aus zahlreichen verschiedenen Getreidesorten und mit diversen Geschmacksstoffen versetzt, so daß es eine Vielzahl von verschiedenen Biersorten gab. Verbessert wurde das Bier dadurch, daß man es mit der Einführung einer Reihe von Bierwürzen, insbesondere Hopfen, haltbarer machte. Klöster waren bei dieser Entwicklung häufig führend beteiligt und unterhielten oft selbst große Brauereien. Besonders die Bayern und vor allem die dort gelegenen Klöster waren eifrige Bierbrauer.
Waren die dann nicht den ganzen Tag betrunken? Oder war da
nicht soviel Alkohol drin und die Gewöhnung machts?
(Eßgewohnheiten und Verbrauchsmengen:smile: Genau wie heute waren auch im Mittelalter die Eßgewohnheiten nach Gegend und Stand verschieden. Trotzdem lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen.
Seit dem 12. Jahrhundert war es bei den Höhergestellten üblich, drei bis vier Mahlzeiten pro Tag einzunehmen. Das Frühstück bestand, ganz im Gegensatz zu heute, lediglich aus einem Becher Wein. Richtig gegessen wurde erst um 9 Uhr beim Frühmahl, das meist aus mehreren Gängen bestand und mit unserem heutigen Mittagessen vergleichbar ist. Zur Mittagszeit wurde wieder Wein gereicht, in den man einige Brocken Brot tunkte. Das Abendessen nahm man zwischen drei und sechs Uhr ein und war die Hauptmahlzeit, bei der auch wieder mehrere Gänge serviert wurden, die bis zum Dessert und Schlaftrunk reichten. […]
Im Spätmittelalter waren, wie schon erwähnt, aufgrund der gesunkenen Bevölkerungszahlen anteilsmäßig mehr Nahrungsmittel pro Kopf vorhanden als noch im Hochmittelalter. […] Erstaunlich erscheint uns heute der durchschnittliche Alkoholverbrauch, der auf ungefähr zwei Liter Wein oder Bier pro Tag geschätzt wurde. Für den Mittelmeerraum hat man sogar ausgerechnet, daß dort der jährliche Weinverbrauch bei über 400 Liter gelegen hat. Allerdings muß man bei diesen Zahlen mit einberechnen, daß die alkoholischen Getränke, allen voran die Hauptgetränke Wein und Bier, erheblich alkoholärmer waren als heute.
(Quelle: siehe oben)
Bier als flüssiges Brot:
Bevor die Kartoffel im 18. Jahrhundert sich als Grundnahrungsmittel in Europa durchsetzen konnte, war Bier ein wichtiger Bestandteil der Alltagsnahrung. Aufgrund seines Nährwerts und seines relativ geringen Alkoholgehalts hatte Bier fast die Bedeutung flüssigen Brotes.
Im Mittelalter erlebte die Weinwirtschaft besonders unter Karl dem Großen (768 - 814 n. Chr.) in Frankreich und Deutschland einen erheblichen Aufschwung. Im Rheintal und in Franken wurde Wein zum billigen Alltagsgetränk für alle Schichten und für beide Geschlechter. Daneben wurde versucht, den Alkoholkonsum zu steuern. So ordnet Karl der Große an, „kein Graf solle zu Gericht sitzen, „außer nüchtern“, und verbietet Trunkenen, vor Gericht zu klagen oder Zeugnis abzulegen.“ (Rausch und Realität, Bd. 1., Köln 1981, S. 75)
Im 10. Jahrhundert verfügt der angelsächsische König Edgar, an den Trinkgefäßen sollten Eichmarkierungen angebracht und jeder bestraft werden, der in einem Schluck über die Markierungen hinaus trinke. Diese eher kuriose Regelung der Trinkgeschwindigkeit zeigt, dass im alltäglichen Verhalten nur wenig individuelle Kontrolle angelegt ist. Der Wunsch nach solcher Kontrolle entsteht vor allem in jener kleinen Gesellschaftsschicht, die bereits in höfischen Verhaltensweisen geübt ist. So gehen die Versuche, das Trinken der englischen Geistlichkeit in Grenzen zu halten, hauptsächlich vom höheren Klerus aus, während der niedere Klerus offensichtlich nichts dabei findet, betrunken etwa die Amtshandlung der Taufe zu vollziehen.
Selbstzeugnisse legen nahe: Die Trinkgewohnheiten der Deutschen waren auch in den folgenden Jahrhunderten geprägt von Trinklust und Saufgelagen mit lautem Gegröle. Bis zum 16. Jahrhundert war das „Trinken bis zum Umfallen“ für Adelige und Gemeine, Männer und Frauen in deutschen Landen selbstverständlich.
(Quelle: http://www.leben-ohne-alkohol.de/geschichte.htm)
Bier als Kindergetränk:
Im Mittelalter galt Bier auch als geeignetes Getränk für Kinder, da es damals einen geringeren Alkoholgehalt als heute hatte und das Bier durch das Kochen der Bierwürze weitgehend keimfrei war, was man vom Wasser damals nicht behaupten konnte. Es war ebenfalls wegen seines hohen Kaloriengehalts eine wichtige Ergänzung der oft knappen Nahrung.
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bier)
Grüße,
Christiane