Bilanzanalyse, Firmenkundenkredite, Cashflow

Hallo zusammen,

soweit ich weiss muss ein KI jährlich die Weiterbelassung eines Kreditengagements prüfen. Dabei wird eine Bilanzanalyse durchgeführt. Welche Kennzahlen sind da von entscheidender Bedeutung (gibt ja unzählige!).

Wenn ich dann der Meinung bin, dass der KK-Kredit so wie er jetzt ist nicht mehr vertretbar ist und ich z.B. weitere Sicherheiten hereinnehmen möchte, welche sind da sinnvoll. Kann man die Sinnhaftigkeit von Sicherheiten auch an der aktuellen Konjunkturphase messen (sprich was ist derzeit sinnvoll, was nicht?)?

Viele JA und GuV sehen auf den ersten Blick ja richtig toll aus. Wenn man dann aber zwischen den Zeilen liest, merkt man, dass es dem Unternehmen schlecht geht. Wie liest man zwischen den Zeilen, auf was muss man achten, welche Zahlen vergleicht man miteinander?

Dann hört man ja so viel vom Cash-flow. Da gibt es scheinbar verschiedene Formen. Netto-Cash-Flow, Free-Cash-Flow etc. Aber was sind die genauen Unterschiede und welchen brauche ich wirklich?

Und den richtigen Unterschied zwischen Working Capital und Net Working Capital hab ich auch nicht so ganz verstanden.

Ich weiss, dass sind viele Fragen. Ich bereite mich grad auf eine Prüfung in meinem Studium vor und das sind Themen, die ich selbstständig leider nicht erarbeitet bekomme, weil mir das analythische Denken in den Bereichen fehlt.

Vielen Dank schonmal im Vorraus!

Hallo,

soweit ich weiss muss ein KI jährlich die Weiterbelassung
eines Kreditengagements prüfen. Dabei wird eine Bilanzanalyse
durchgeführt. Welche Kennzahlen sind da von entscheidender
Bedeutung (gibt ja unzählige!).

es gibt in jedem Institut ein Kennzahlenbündel, das für die Ratingerstellung relevant ist. Welche Kennzahlen der Analyst für seine Analyse verwendet, ist ihm selbst überlassen, wobei nach meiner Erfahrung in den verschiedenen Instituten bzw. den Niederlassungen unterschiedliche Kulturen existieren, d.h. es gibt (gering ausgeprägte) Präferenzen für statische, cashflow-orientierte oder Renditekennzahlen.

Wenn ich dann der Meinung bin, dass der KK-Kredit so wie er
jetzt ist nicht mehr vertretbar ist und ich z.B. weitere
Sicherheiten hereinnehmen möchte, welche sind da sinnvoll.

Zunächst ist ein Blick in den Kreditvertrag und ein Gespräch mit dem Kunden sinnvoll, denn es ist die Regel, daß es sog. Negativerklärungen gibt, d.h. der Kunde darf einzelne Institute nicht mit Sicherheiten bevorzugen. Wenn nun KI Sicherheiten verlangt, muß KI B ähnliche Sicherheiten angeboten bekommen. Das kann u.U. KI B überhaupt erst auf den Gedanken bringen, daß es dort ein Problem gibt. Das führt dann u.U. vorzeitig zu einem Sicherheitenpool (d.h. u.a., daß die Sicherheiten allen KI gemeinsam zufallen), den es normalerweise erst in einer echten Krise gibt.

Davon abgesehen, kommt es darauf an, mit was für einem Unternehmen man es zu tun hat und was man mit den Sicherheiten bezwecken will. Für einen KK-Kredit sind die Sicherheiten klassischerweise im Umlaufvermögen zu finden, d.h. Verpfändung von Guthaben (ja, gibt es auch bei KK-Krediten), Abtretung von Forderung, Sicherungsübereignung von Vorräten.

Kann man die Sinnhaftigkeit von Sicherheiten auch an der
aktuellen Konjunkturphase messen (sprich was ist derzeit
sinnvoll, was nicht?)?

Das würde ich nicht sagen. Es kommt mehr auf das Unternehmen und die Branche an - und natürlich auf die Verwertbarkeit und der Praktikabilität der Sicherheitenbestellung.

Viele JA und GuV sehen auf den ersten Blick ja richtig toll
aus. Wenn man dann aber zwischen den Zeilen liest, merkt man,
dass es dem Unternehmen schlecht geht. Wie liest man zwischen
den Zeilen, auf was muss man achten, welche Zahlen vergleicht
man miteinander?

Zunächst einmal kann man sich die Zahlen und die Entwicklung anschauen. Wenn man dort etwas erkennen kann, ist es in der Regel aber schon zu spät. Ein etwas früheres Indiz bieten z.B. Änderungen bei der Anwendung von Bilanzierungswahlrechten, bilanzoptimierende Maßnahmen (Leasing, sell-and-lease-back-Geschäfte), Veränderung in der Organisation, Umgliederung von Aufwands- und Ertragspositionen und die (mehr oder weniger plausiblen) Begründungen für all das. Ganz wichtig ist auch ein Gefühl für die Branche.

Manches kann man aber auch schlecht in Worte fassen. Manche Analysten entwickeln einen gewissen Instinkt für die Unternehmensanalyse.

Dann hört man ja so viel vom Cash-flow. Da gibt es scheinbar
verschiedene Formen. Netto-Cash-Flow, Free-Cash-Flow etc. Aber
was sind die genauen Unterschiede und welchen brauche ich
wirklich?

Dafür gibt es keine feste Regel. Richtig ist das, was paßt. Das ist aber auch vom Unternehmen bzw. dem Geschäftsmodell abhängig.

Und den richtigen Unterschied zwischen Working Capital und Net
Working Capital hab ich auch nicht so ganz verstanden.

Bei letzterem werden die kuzzfristigen Verbindlichkeiten vom WC abgezogen.

Ich weiss, dass sind viele Fragen. Ich bereite mich grad auf
eine Prüfung in meinem Studium vor und das sind Themen, die
ich selbstständig leider nicht erarbeitet bekomme, weil mir
das analythische Denken in den Bereichen fehlt.

Naja, da ist die Frage, ob die Antwort von einem Praktiker wirklich weiterhilft, denn die Praxis, so man sie denn richtig ausübt, funktioniert anders als die Theorie, wie sie an den Universitäten gelehrt wird.

Wenn Du aber noch Fragen hast, will ich sie gerne beantworten.

Gruß
Christian

Zunächst ist ein Blick in den Kreditvertrag und ein Gespräch
mit dem Kunden sinnvoll, denn es ist die Regel, daß es sog.
Negativerklärungen gibt, d.h. der Kunde darf einzelne
Institute nicht mit Sicherheiten bevorzugen. Wenn nun KI
Sicherheiten verlangt, muß KI B ähnliche Sicherheiten
angeboten bekommen. Das kann u.U. KI B überhaupt erst auf den
Gedanken bringen, daß es dort ein Problem gibt. Das führt dann
u.U. vorzeitig zu einem Sicherheitenpool (d.h. u.a., daß die
Sicherheiten allen KI gemeinsam zufallen), den es
normalerweise erst in einer echten Krise gibt.

-> Soweit hab ich zb gar nicht gedacht. Ist es denn üblich das man sich vom Kunden Negativerklärungen geben lässt? Und macht man das in der Praxis nur bei den großen Firmenkunden oder wäre das auch bei einem kleinen Geschäftskunden üblich?

Für einen KK-Kredit sind die Sicherheiten
klassischerweise im Umlaufvermögen zu finden.

-> das hat mir schon sehr weitergeholfen, vielen Dank!!

Ein etwas früheres Indiz bieten z.B.
Änderungen bei der Anwendung von Bilanzierungswahlrechten,
bilanzoptimierende Maßnahmen (Leasing,
sell-and-lease-back-Geschäfte), Veränderung in der
Organisation, Umgliederung von Aufwands- und Ertragspositionen
und die (mehr oder weniger plausiblen) Begründungen für all
das. Ganz wichtig ist auch ein Gefühl für die Branche.

-> also am besten alles hinterfragen, vorallem Veränderungen zum Vorjahr?

Dafür gibt es keine feste Regel. Richtig ist das, was paßt.
Das ist aber auch vom Unternehmen bzw. dem Geschäftsmodell
abhängig.

->d.h. wenn ich bei der Bilanzanalyse einen Cashflow ermitteln möchte um zu wissen, ob Unternehmen in der Lage ist, seine Schulden aus diesem zurückzuzahlen ist es egal, welcher der x-Verschiedenen Formeln ich dafür verwende, es muss nur plausibel begründet werden?

Bei letzterem werden die kuzzfristigen Verbindlichkeiten vom
WC abgezogen.

-> so einfach ist das also… :smile:

Naja, da ist die Frage, ob die Antwort von einem Praktiker
wirklich weiterhilft, denn die Praxis, so man sie denn richtig
ausübt, funktioniert anders als die Theorie, wie sie an den
Universitäten gelehrt wird.

-> ich weiss, dass Theorie und Praxis da erheblich voneinander abweichen. Die Prüfungen sollen einen starken Praxisbezug haben. Aber wenn man in der Prüfung sein Wissen aus der Praxis nennt, is dies falsch, weil das Theoretische ja anders is und das gefragt is. Also was die Profs hören wollen weiss kein Mensch.

Wenn Du aber noch Fragen hast, will ich sie gerne beantworten.

-> du kannst mir nicht zufällig beim Bodensatz des Umlaufvermögens weiterhelfen? Weil dies sind wenn ich es richtig verstanden hab Vorräte und ausstehende Forderungen. Das ist ja Umlaufvermögen. Aber wieso soll dies langfristig finanzieret werden? Ich dachte immer auf Grund der „Goldenen Bilanzregel“ muss darauf geachtet werden, das eine Fristentransformation herrscht. Und das heisst für mich UV= kurzfristig und Anlagevermögen= langfristig.

Auf jeden Fall an dieser Stelle schonmal vielen vielen Dank, du hast mir sehr geholfen!

Zunächst ist ein Blick in den Kreditvertrag und ein Gespräch
mit dem Kunden sinnvoll, denn es ist die Regel, daß es sog.
Negativerklärungen gibt, d.h. der Kunde darf einzelne
Institute nicht mit Sicherheiten bevorzugen. Wenn nun KI
Sicherheiten verlangt, muß KI B ähnliche Sicherheiten
angeboten bekommen. Das kann u.U. KI B überhaupt erst auf den
Gedanken bringen, daß es dort ein Problem gibt. Das führt dann
u.U. vorzeitig zu einem Sicherheitenpool (d.h. u.a., daß die
Sicherheiten allen KI gemeinsam zufallen), den es
normalerweise erst in einer echten Krise gibt.

-> Soweit hab ich zb gar nicht gedacht. Ist es denn üblich das
man sich vom Kunden Negativerklärungen geben lässt? Und macht
man das in der Praxis nur bei den großen Firmenkunden oder
wäre das auch bei einem kleinen Geschäftskunden üblich?

Sagen wir es so: ohne Negativerklärung geht es nur, bei Kunden bester Bonität. Die Negativerklärung ist insofern Standard. Ob man bei kleinen Kunden eine Negativerklärung vereinbart, hängt von dessen Bonität ab; wenn eine Negativerklärung nicht möglich zu sein scheint, dann verlangt man Sicherheiten.

Ein etwas früheres Indiz bieten z.B.
Änderungen bei der Anwendung von Bilanzierungswahlrechten,
bilanzoptimierende Maßnahmen (Leasing,
sell-and-lease-back-Geschäfte), Veränderung in der
Organisation, Umgliederung von Aufwands- und Ertragspositionen
und die (mehr oder weniger plausiblen) Begründungen für all
das. Ganz wichtig ist auch ein Gefühl für die Branche.

-> also am besten alles hinterfragen, vorallem Veränderungen
zum Vorjahr?

Auf jeden Fall. Von den größeren Kunden, insbesondere solchen, die nur einen Geschäftsbericht rausrücken, wird der Vergleich mit dem Vorjahr allerdings oftmals bewußt erschwert. Da hilft nur der WP-Bericht.

Dafür gibt es keine feste Regel. Richtig ist das, was paßt.
Das ist aber auch vom Unternehmen bzw. dem Geschäftsmodell
abhängig.

->d.h. wenn ich bei der Bilanzanalyse einen Cashflow ermitteln
möchte um zu wissen, ob Unternehmen in der Lage ist, seine
Schulden aus diesem zurückzuzahlen ist es egal, welcher der
x-Verschiedenen Formeln ich dafür verwende, es muss nur
plausibel begründet werden?

Nein, das meinte ich nicht. Es hängt vom Geschäftsmodell ab, auf welcher Ebene ich sinnvollerweise den Cashflow betrachte: operativ, nach Investitionen oder nach Finanzierungstätigkeit. Gerade die Finanzkrise hat gezeigt, daß die angenommene problemlose Fremdfinanzierung auf einmal wegbrechen kann.

D.h. ein negativer operativer Cashflow konnte auf einmal nicht mehr über Fremdfinanzierung kompensiert werden (bspw. bei Wachstumsstrategieen kann man ja einen operativ negativen Cashflow vorübergehend akzeptieren; immer im Vertrauen darauf, daß es jemanden gibt, der die Lücke schließt).

-> ich weiss, dass Theorie und Praxis da erheblich voneinander
abweichen. Die Prüfungen sollen einen starken Praxisbezug
haben. Aber wenn man in der Prüfung sein Wissen aus der Praxis
nennt, is dies falsch, weil das Theoretische ja anders is und
das gefragt is. Also was die Profs hören wollen weiss kein
Mensch.

Ja, das kenne ich. Meine mündliche Prüfung in Investition und Finanzierung verlief aus diesem Grunde partiell unerfreulich. Ich war damals schon eher praktisch orientiert :wink:

Wenn Du aber noch Fragen hast, will ich sie gerne beantworten.

-> du kannst mir nicht zufällig beim Bodensatz des
Umlaufvermögens weiterhelfen? Weil dies sind wenn ich es
richtig verstanden hab Vorräte und ausstehende Forderungen.
Das ist ja Umlaufvermögen. Aber wieso soll dies langfristig
finanzieret werden? Ich dachte immer auf Grund der „Goldenen
Bilanzregel“ muss darauf geachtet werden, das eine
Fristentransformation herrscht. Und das heisst für mich UV=
kurzfristig und Anlagevermögen= langfristig.

Im Prinzip richtig, aber der Bodensatz an Vorräten und Forderungen ist ja eher als langfristig zu betrachten und kann entsprechend langfristig finanziert werden. Der Verstoß gegen die goldene Bilanzregel liegt ja auch eher darin, langfristiges Vermögen kurzfristig zu finanzieren, um Finanzierungskostenvorteile zu erzielen. Vgl. Finanzierungsstruktur der Vehikel der Banken, die einer der Auslöser der akuten Finanzkrise war.

Nebenbei: der von Dir angesprochene Bodensatz ist Voraussetzung der Fristentransformation der Kreditinstitute. Da die kurzfristigen Einlagen teilweise langfristig zur Verfügung stehen (Bodensatz), können auch kurzfristige Gelder langfristig verliehen werden.

Auf jeden Fall an dieser Stelle schonmal vielen vielen Dank,
du hast mir sehr geholfen!

Fein.

Gruß
Christian

Hi,

erst einmal ein Bravo an Christian, der sich viel Mühe gemacht hat mit seinen Antworten. Dafür ein * von mir, wenn schon kein anderer sich bemüht.

Ich bin nicht aus der Bankenbranche, befasse mich aber ausgiebig mit der Analyse von Unternehmen, allerdings nicht mit einem Finanz- sondern Unternehmensentwicklungs-, Strategie-, M&A Hintergrund.

Ein etwas früheres Indiz bieten z.B.
Änderungen bei der Anwendung von Bilanzierungswahlrechten,
bilanzoptimierende Maßnahmen (Leasing,
sell-and-lease-back-Geschäfte), Veränderung in der
Organisation, Umgliederung von Aufwands- und Ertragspositionen
und die (mehr oder weniger plausiblen) Begründungen für all
das. Ganz wichtig ist auch ein Gefühl für die Branche.

-> also am besten alles hinterfragen, vorallem Veränderungen
zum Vorjahr?

Dazu kann man auch noch z.B. Aktivierung von R&D Aufwendungen zählen. Verteilt den Aufwand auf eine schön lange Zeit.

Der Vergleich zum Vorjahr ist m.E. zu kurz gesprungen. Ich will mir immer mindestens 3 Jahre ansehen, erst dann kann man einen Trend ablesen. Über 1-2 Jahre bekomme ich jede Braut hübsch.

Dafür gibt es keine feste Regel. Richtig ist das, was paßt.
Das ist aber auch vom Unternehmen bzw. dem Geschäftsmodell
abhängig.

->d.h. wenn ich bei der Bilanzanalyse einen Cashflow ermitteln
möchte um zu wissen, ob Unternehmen in der Lage ist, seine
Schulden aus diesem zurückzuzahlen ist es egal, welcher der
x-Verschiedenen Formeln ich dafür verwende, es muss nur
plausibel begründet werden?

den Cash-Flow guckt man sich in der Regel nicht an, weil man wissen möchte ob ein Unternehmen seine Schulden tilden kann, sondern weil man wissen will ob ein Unternehmen in der Lage ist, sein Geschäft selber zu finanzieren. Oder geplantes Wachstum. Eine cash marge (Cash Generierung in % vom Umsatz) die nahe an der EBIT Marge liegt, läßt darauf schliessen, dass es sich um eine Geschäft handelt, das sich eher in einem reifen Stadium befindet. Das in Verbindung mit einem niedrigen Capex gibt Rückschlüsse auf die Investitionsfreudigkeit, d.h. es könnte einen Investitionsstau geben, der kurzfristig die Gewinne in die Höhe treibt aber langfristig große Schwierigkeiten bereitet.
Das alles ist nur gültig für gewisse Branchen wie die meine, die recht kapitalintensiv ist (Luft & Raumfahrt). Auf Banken ist dies sicherlich nicht anwendbar. Es sollDir nur zeigen, dass es niemals allgemeingültige Indikatoren für die Bewertung von Unternehmen geben wird, da die Branchenanforderungen einfach zu unterschiedlich sind.

Naja, da ist die Frage, ob die Antwort von einem Praktiker
wirklich weiterhilft, denn die Praxis, so man sie denn richtig
ausübt, funktioniert anders als die Theorie, wie sie an den
Universitäten gelehrt wird.

-> ich weiss, dass Theorie und Praxis da erheblich voneinander
abweichen. Die Prüfungen sollen einen starken Praxisbezug
haben. Aber wenn man in der Prüfung sein Wissen aus der Praxis
nennt, is dies falsch, weil das Theoretische ja anders is und
das gefragt is. Also was die Profs hören wollen weiss kein
Mensch.

Immer das was sie in ihren eigenen Büchern geschrieben haben. Das Buch auswendig lernen hilft in den meisten Fällen. Lustigerweise war das eine Strategie die in meiner Uni fast ausschliesslich von Mädchen angewendet wurde.

Wenn Du aber noch Fragen hast, will ich sie gerne beantworten.

Viel Erfolg bei den Prüfungen
C.

erst einmal ein Bravo an Christian, der sich viel Mühe gemacht
hat mit seinen Antworten. Dafür ein * von mir, wenn schon kein
anderer sich bemüht.

-> ja das muss ich auch mal ganz klar sagen!! finde es nicht selbstverständlich, so hilfestellungen zu bekommen.

den Cash-Flow guckt man sich in der Regel nicht an, weil man
wissen möchte ob ein Unternehmen seine Schulden tilden kann,
sondern weil man wissen will ob ein Unternehmen in der Lage
ist, sein Geschäft selber zu finanzieren. Oder geplantes
Wachstum. Eine cash marge (Cash Generierung in % vom Umsatz)
die nahe an der EBIT Marge liegt, läßt darauf schliessen, dass
es sich um eine Geschäft handelt, das sich eher in einem
reifen Stadium befindet. Das in Verbindung mit einem niedrigen
Capex gibt Rückschlüsse auf die Investitionsfreudigkeit, d.h.
es könnte einen Investitionsstau geben, der kurzfristig die
Gewinne in die Höhe treibt aber langfristig große
Schwierigkeiten bereitet.
Das alles ist nur gültig für gewisse Branchen wie die meine,
die recht kapitalintensiv ist (Luft & Raumfahrt). Auf Banken
ist dies sicherlich nicht anwendbar. Es sollDir nur zeigen,
dass es niemals allgemeingültige Indikatoren für die Bewertung
von Unternehmen geben wird, da die Branchenanforderungen
einfach zu unterschiedlich sind.

-> man kann doch eig. auch sagen, es is egal mit welchen bilanzkennzahlen ich arbeite. wenn ich zum richtige ergebniss komme is das doch das eig. was zählt oder? weil wir haben nie so konkrete fragen. sondern halt einfach nur allgemein gefasst „wie bewerten sie das unternehmen“. und da arbeite ich z.b. gar nicht mit EBIT sondern ausschliesslich mit EBITA, weil ich es für den internationalen vergleich als wichtiger ansehe. es ist ja auch immer so, wenn ich nachfrage „welche bilanzkennzahlen nimmst du für deine analyse“ bekomm ich bei 10 verschiedenen analysten 10 verschiedene antworten. oder is der gedankengang falsch? ich weiss es nicht…mir fehlt bei dem ganzen einfach die praxis. und da nur mit der theorie zu hantieren finde ich sehr schwer…

Immer das was sie in ihren eigenen Büchern geschrieben haben.
Das Buch auswendig lernen hilft in den meisten Fällen.
Lustigerweise war das eine Strategie die in meiner Uni fast
ausschliesslich von Mädchen angewendet wurde.

-> und genau diese strategie will ich vermeiden. weil hier gehts nicht um wissensabfrage sondern um transferaufgaben. und die kann ich nur lösen wenn ich das ganze auch verstanden habe. da is auswendig lernen für mich nur die letzte notalternative…

wenn ihr so fragt hab ich noch zig andere fragen. aber die beziehen sich dann auf vollständig andere themen. strukturierte finanzierungen, währungssicherungsinstrumente, existenzgründungen, IPO…aber das wären dann dinge für nen neuen thread…

den Cash-Flow guckt man sich in der Regel nicht an, weil man
wissen möchte ob ein Unternehmen seine Schulden tilden kann,
sondern weil man wissen will ob ein Unternehmen in der Lage
ist, sein Geschäft selber zu finanzieren.

Da muß man aus Kreditsicht zwischen KK- und Tilgungskredit unterscheiden. Bei letzterem reicht es aus, wenn das Unternehmen in der Lage ist, die zusätzlichen Zinsaufwendungen zu tragen (nicht umsonst ist der KK-Kredit auch als der langfristigste Kredit bekannt; Rückzahlungtermin: in der Regel nie). Bei Tilgungskrediten muß der cashflow natürlich ausreichen, um sowohl Zinsen als auch Tilgung zu bedienen.

-> man kann doch eig. auch sagen, es is egal mit welchen
bilanzkennzahlen ich arbeite. wenn ich zum richtige ergebniss
komme is das doch das eig. was zählt oder?

Die Frage ist, was das richtige bzw.- gewünschte Ergebnis ist. Erfahrungsgemäß sind die einzigen, die im Nachhinein die Richtigkeit von Analysen prüfen, die Mathematiker, die Ratingsysteme entwerfen, und - bestenfalls – die Revision. Interessanterweise unterziehen Analysten ihre eigenen Ansätze eher selten einer gewissen Qualitätssicherung, d.h. jeder Analyst hat seine Lieblingskennzahlen, die er berücksichtigt und ändert daran eher selten etwas, auch wenn vielleicht die betrachteten Kennzahlen nicht oder zumindest nicht immer die passenden sind.

Im Zusammenhang mit Ratingsystemen spricht man übrigens von Trennschärfe, d.h. trennt das Kennzahlenbündel zuverlässig in „gute“ und „schlechte“ Fälle. Das wird dann in Prozent ausgedrückt, d.h. 80% hieße dabei, es sind 20% der Fälle nicht zutreffend als gut oder schlecht bewertet worden. Getestet wird dies mit historischen Daten und bekannten Insolvenzen. Geschaut wird dann, was aus den Fällen nach den Ratingeinstufungen geworden ist. Es dürfte nicht verwundern, daß die Kreditinstitute mit den meisten Kunden dabei vorne liegen.

;weil wir haben nie

so konkrete fragen. sondern halt einfach nur allgemein gefasst
„wie bewerten sie das unternehmen“. und da arbeite ich z.b.
gar nicht mit EBIT sondern ausschliesslich mit EB-ITA, weil ich
es für den internationalen vergleich als wichtiger ansehe.

Wenn man weiß, was man da macht, kann man das machen. Dummerweise wußten manche M&A-Berater in der Vergangenheit nicht so recht, was die eigentlich taten (oder ihnen war es mangels eigenen EK-Einsatzes egal), was man am Scheitern vieler Übernahmefinanzierungen in der jüngeren Zeit erkennen kann.

Bewertet man nämlich zum 6- oder 7-fachen des EBITDA und fährt gleichzeitig den EK-Anteil auf einen homöopathischen Anteil herunter, geht dem Unternehmen in der ersten Schwächephase zunächst das Eigenkapital und dann auch schnell danach das Fremdkapital aus.

wenn ihr so fragt hab ich noch zig andere fragen. aber die
beziehen sich dann auf vollständig andere themen.
strukturierte finanzierungen, währungssicherungsinstrumente,
existenzgründungen, IPO…aber das wären dann dinge für nen
neuen thread…

Ja, mach mal :wink:

Gruß
Christian