ich habe gerade eine von Robert Gernhardt veröffentlichte Sammlung mehrerer Gedichte nach Aufgaben wie der betreffs genannten erworben. Das Gedicht zu ebenjener ist übrigens:
Wie man an freien Versen sieht,
sind Versmaß und Formaldehyd.
Nun ist mir dieses unmittelbar verständlich*, wie auch die meisten anderen der Gedichte. Nur bei dreien (von ca. 600) habe ich Probleme, vielleicht könnt ihr mir da helfen.
Ein Satz mit _ Marquis de Sade:
Dös Bratenfett,
dös mog i net.
Aber Konfekt –
dös Marquis de Sade wos. Dös schmeckt._
Ein Satz mit _ Arbeiterbrigade, Ernst Thälmann, Fünf-Jahres-Plan _ und _ erfüllt:
Die Arbeiterbrigade Ernst Thälmann
erfüllte den Fünf-Jahres-Plan._
Und was bitte ist ein _ Chumdenschl?!_ Denn auch dazu gibt es ein Gedicht:
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
dann bin i Chumdenschl af gebracht.
Liebe Grüße
Immo
* Wer’s nicht sieht: Man lese „Form alde Hyd“ = „Form alte Hüt’“ (fränkisch oder so ausgesprochen).
eine Frage vorab: Hast Du das Beispiel mit „Formaldehyd“ gelesen und verstanden? Deine Antworten lassen leider nicht darauf schließen, aber schau doch mal, ob Dir nicht doch noch was einfällt.
Ein Satz mit _ Marquis de Sade: _
Das hat Wurzelseppl ja nun erfreulicherweise aufgeklärt.
Ein Satz mit **Arbeiterbrigade, Ernst Thälmann,
Fünf-Jahres-Plan ** und ** erfüllt:**
Mit viel gutem Willen ergeben Thälmann und Plan einen Endreim.
Ach nee! Bedingung für die Gedichte war aber, dass die Wörter nicht in ihrer ursprünglichen Bedeutung verwendet werden. Ich stelle mir so etwas als „Übersetzung“ vor:
Dia bei der …
Die Arbeit der Brigg hatte ernste …
– aber ich komm halt nicht weiter.
Und was bitte ist ein _ Chumdenschl?!_
Setz die Buchstaben „richtig“ zusammen ergibt sich ein
Ausspruch von Heinrich Heine:
Auch hier: Ach nee! Aber alles andere (Formaldehyd, Marquis de Sade) sind ja auch „richtige“ Wörter, ebenso wie Espe und Eimerchen im folgenden Beispiel:
Ich weiß nicht, was soll Espe deuten,
dass ich so traurig bin:
Eimerchen aus uralten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Ist auch Heine. Aber was ein/eine/der/die/das Chumdenschl ist, das weiß ich immer noch nicht.
Die Arbeiterbrigade Ernst Thälmann
erfüllte den Fünf-Jahres-Plan.
vielleicht erzählt da einer dem Thälmann, dass die Aar bei der Brücke Hochwasser hatte, die Wassermenge von fünf Jahren?
Die Aar bei der Brück an der Enz(,) Thälmann(,) erfüllte den Fünf-Jahres-Plan.
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
dann bin i Chumdenschl af gebracht.
Dazu fällt mir auch nur Heinrich Heine ein. „Chum, Denschl“, als alemannische Aufforderung an einen Herrn namens Denschl, mitzukommen, wäre wohl endgültig zu konstruiert und ergäbe keinen Sinn im Gesamtzusammenhang.
Vielleicht sind’s ja auch nur Druckfehler - oder (2 von 600 = 0,3 Prozent) geistige „Fehlzündungen“, die auch dem Besten passieren können? Fragen können wir ihn ja leider nicht mehr.
vielen Dank für Deine neuerlichen Vorschläge. Die „Aar bei der Brück“ gefällt mir; allerdings dächte ich, dass auch noch „erfüllt“ und „Fünf-Jahres-Plan“ umzudeuten seien, weil sie in der Überschrift standen. Ich erwartete, dass die zweite Zeile so etwas wie „er fühlte den Fünf(en) ja 'es Plan“ oder „er füllte denen fünf Jahre Splahen (?)“ heiße, aber das ergibt alles keinen Sinn, vor allem dann nicht, wenn in der ersten Zeile keine dritte Person vorkommt.
Vielleicht sind’s ja auch nur Druckfehler
Dann müsste sich ja herausbekommen lassen, was da eigentlich hätte stehen sollen.
oder geistige „Fehlzündungen“, die auch dem Besten
passieren können? Fragen können wir ihn ja leider nicht mehr.
Das Buch (http://www.buch.de/shop/home/rubrikartikel/ID1428071…) ist zwar von den Herren Gernhardt und Zehrer herausgegeben, aber die Gedichte stammen von „Privatpersonen“. Da die beiden Humoristen aus unzähligen Einsendungen eine Auswahl für dieses Buch trafen, schließe ich geistige Fehlzündungen mit einiger Sicherheit aus.
Den „Chumdenschl“ kann ich mir allerdings fürwahr als Parodie auf das Prinzip dieses Dichterwettstreits vorstellen, vor allem, da es das letzte Gedicht des einen Teils des Buches ist. (Das klingt jetzt kompliziert, okay, sagen wir: es steht am Schluss.)