Bilderschriften / Maya /Ägypter/Chinesen/Inder

Da lese ich in der Geschichte der Schrift von Karl Faulmann (1880), dass in den Bilderschriften der genannten Völker viele Übereinstimmungen vorhanden seien. Wie mir scheint, vom Autor wohlbegründet-mir fehlt der Glaube.

Sind neuere Forschungsergebnisse vorhanden? Wo? Von wem?

Gruss + Dank

Mäni

Hi Mäni,

die chinesische Sprache ist eine der ältesten Kultursprachen der Menschheit und in Asien gleichbedeutend wie Latein und Griechisch in Europa. Älteste archäologische Funde der Schrift, eingeritzte Zeichen auf Schildkrötenpanzern und Orakelknochen, existieren bereits aus dem Königreich der Shang, und sind damit über dreitausend Jahre alt. Die darauffolgende Zeit der Zhou-Dynastie bescherte der Sprache, der Literatur und damit der Schrift einen enormen Aufschwung. Aus dieser Zeit sind uns zahlreiche Texte mit bereits dichterischen, philosophischen und ritual-religiösen Inhalten auf bronzenen Gefäßen erhaltengeblieben.

Japaner, Koreaner und Vietnamesen, die vor zirka eintausendfünfhundert bis zweitausend Jahren erste Kontakte mit China hatten, fanden eine ihnen stark überlegene Kultur, Sprache und Schrift vor und übernahmen vor allem die chinesischen Schriftzeichen in maßgeblichem Umfang. Diese Tatsache ist zwar vorteilhaft für die wissenschaftliche Untersuchung der alten chinesischen Sprache, hilft jedoch nicht bei der Erforschung ihres Ursprungs. Obgleich sich die Anfänge der chinesischen Sprache also sehr weit zurückverfolgen lassen, ist ihre Herkunft noch immer nicht gänzlich geklärt. Bisher steht jedoch fest, daß sie definitiv nicht aus einer der Ursprachen Asiens hervorgegangen ist. (Altaisch, Tibeto-Birmanisch und Sino-Tebetanisch.)

Strittig unter Wissenschaftlern ist auch die These, chinesische Zeichen seien eine rein piktographische oder ideographische Schrift , die keine Laute abbilde, sondern vielmehr Bilder oder Ideen. Ohne sich auf diese wissenschaftliche Kontroverse an dieser Stelle näher einzulassen, sei dennoch angemerkt, daß sich zumindest für einige Zeichen ein piktographischer Ursprung nachweisen läßt, denn in fast allen Kulturen begann die Geschichte der Schrift auf die gleiche Weise; bei den Chinesen ebenso wie bei den Sumerern, Ägyptern, Hethitern oder Kretern: Die ersten schriftlichen Äußerungen waren überall Zeichnungen, Bildzeichen oder zusammengesetzte Piktogramme. Einige von ihnen weisen sogar eine verblüffende Ähnlichkeit auf, obwohl sie sich in ganz unterschiedlichen Kulturen entwickelt haben. Und überall begannen sich diese Bildzeichen zu immer abstrakteren Lautzeichen zu entwickeln und lösten sich mehr und mehr in Gestalt und Bedeutung von dem ursprünglich dargestellten Gegenstand.

In der Tat ist es sehr schwierig, die alt-chinesische Aussprache zu rekonstruieren, da es noch keine phonetische Umschrift gab und Wörterbücher erst in nachchristlicher Zeit entstanden. Sprachforscher sind daher auf überlieferte Texte wie dem „Buch der Lieder“ angewiesen, welches bereits im sechsten vorchristlichen Jahrhundert zusammengetragen wurde. Es ist die erste Gedichtssammlung Chinas und beinhaltet dreihundertfünf Volkslieder aus der Zeit der Westlichen Zhou bis hin zur Frühlings- und Herbstperiode. Man erhoffte sich die Erschließung der damaligen Aussprache des Alt-Chinesischen, da dieses Meisterwerk der klassischen chinesischen Literatur in Reimform verfaßt worden war. Leider gibt es jedoch auch keine Überlieferungen darüber, wie der Reim im alten China überhaupt definiert war und deshalb läßt die wissenschaftliche Forschung bisher nur vage Vermutungen über die Aussprache im damaligen Reich der Mitte zu.

Vergleiche:
Joseph Needham: Science and Civilisation in China, Volume 1, University Press, Cambridge, 1996.

Bernhard Karlgren: Schrift und Sprache der Chinesen, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 2. korrigierter Nachdruck, 1989.

Shijing - Buch der Lieder, eines der Fünf Klassischen Werke.

Chen Shou-Yi: Chinese Literature, A Historical Introduction, The Ronald Press Company, New York, 1961.

Beste Grüße, Andreas

Ciao Andreas

Herzlichen Dank für Deinen Exkurs. Was mich umtreibt, sind die von Faulmann behaupteten ÜBEREINSTIMMUNGEN.
Textprobe:In der Tat sind die Zeichen der Ku-wen, soweit sie auf Vasen und in alten Büchern erhalten sind, sehr ähnlich denjenigen, welche auf die Wände der ägyptischen Pyramiden (sic!)gemalt waren, sie stimmen sogar mitunter im Lautwerte mit den ägyptischen Hieroglyphen überein, namentlich wenn die Lautverschiebung und der Umstand in Erwägung gezogen wird, dass China und Ägypten nicht in direkter Verbindung standen, sondern die äussersten Grenzen eines Centrums waren, in welchem die Bilderschrift sich bis zu einer gewissen Stufe entwickelte…

Faulmann stellt auch ÜBEREINSTIMMUNGEN mit den mittelamerikanischen Hieroglyphen fest.

Er zeigt jede Menge Vergleichsmuster, die verblüffen.

Es lohnt sich, diesen Wälzer (640 S.) zu pflügen…

Illustrierte Geschichte der Schrift, Karl Faulmann, Reprint Augustus Verlag Augsburg 1990, ISBN 3-8043-0143-6 Buch anschauen

Gruss

Mäni

Hallo !

Müssen Bilderschriften nicht zwangsläufig Übereinstimmungen haben?
Gruß Werner

Hallo !

Müssen Bilderschriften nicht zwangsläufig Übereinstimmungen
haben?
Gruß Werner

Ciao Werner

Denke an die Distanzen! Völligst verschiedene Kulturen. Verschiedene Zeitalter. Und trotzdem sollen die die Zeichen übereinstimmen… Das ist mein Problem.

Gruss

Mäni

Hi Mäni,

daß die Übereinstimmungen so verblüffend ähnlich sein sollen, war mir bisher neu. Allerdings sind mir gewisse Übereinstimmungen auch bekannt. Viele sind einfach dadurch begründet, daß die Menschen in grauer Vorzeit ihre Umwelt „versinnbildlichten“ und Gegenstände als Piktogramme darstellten. Babei mußte es zwangsläufig zu Übereinstimmungen mit anderen, weit entfernten Kulturen kommen: Die Sonne zeigte sich den Menschen eben zumeist als runde Scheibe mit Strahlen. Ein (Lager-)feuer, sieht ebenfalls bei vielen Kulturen gleich aus. (Flammen züngeln nach oben.) Gleiches gilt insbesondere für die Abbildung von Menschen: Das altbekannte „Strichmännchen“, Kopf, Rumpf, zwei Arme und Beine, findet sich, wenn auch in gewissen Ableitungen, bei vielen alten Kulturen. Diese Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und lassen sich beliebig vortführen. (Fluß, Wasser, Gebirge usw.)

Beste Grüße, Andreas

Symbolik
Moin Mäni

Müssen Bilderschriften nicht zwangsläufig Übereinstimmungen
haben?
Gruß Werner

Ciao Werner

Denke an die Distanzen! Völligst verschiedene Kulturen.
Verschiedene Zeitalter. Und trotzdem sollen die die Zeichen
übereinstimmen… Das ist mein Problem.

Wieso ein Problem ? Wenn du ein Symbol für „Mensch“ suchst, wird vermutlich in den meisten Gegenden der Welt das gleiche heraus kommen (so eine Art Strichmännchen), ebenfalls für „Mond“ oder „Sonne“.

Das hat meiner Meinung nach nichts damit zu tun, dass diese Kulturen untereinander Kontakt haben oder hatten, sondern einzig und allein mit der menschlichen Fähigkeit zur Symbolik bzw. Abstraktion. Womit mal wieder bewiesen wäre: wir sind alle Menschen :smile:

Gruss
Marion

Guten Abend Marion

Ich finde es nur eigenartig, dass die von Faulmann angebotenen Beispiele FLÄCHENDECKEND sind. Das hat m.E.nichts mit dem Eintopfmenschen zu tun.
Ich denke an die Verbreitung des h.s.: Ostafrika-Aegypten-Asien-Amerika.

Gruss

Mäni

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