hallo zusammen.
ich beschäftige mich erst seit recht kurzer zeit intensiver mit politik, und hoffe, in diesem forum hier und da etwas klarheit in meinen politik-dunst bringen zu können 
habe mich letztens mit jemandem unterhalten, der sagte „deutschland ist ja eh kein parteienstaat“, worauf ich nur ein nichtssagendes „hmm…“ entgegnen konnte. ich meine, in deutschland gibt es doch zig parteien, von denen das land ja auch indirekt regiert, wird, oder ?! was ist denn genau ein parteienstaat ?! ist deutschland denn nun einer oder nicht ?! was ist ein beispiel für einen parteienstaat ?!
hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen…! liebe grüsse
bjoern
Hi,
„Parteienstaat“ wird eigentlich meistens als abwertende Charakterisierung des politischen Systems der Bundesrepublik verwendet. Wer das Wort gebrauch, will damit meistens sagen, dass den Parteien zu viel Macht zukomme, also Entscheidungen nicht nach Sachgesichtspunkten, sondern nach taktischen Berechnungen der Parteien getroffen würden.
Und zugunsten der jeweiligen Sponsoren?
Vanic.
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Hi,
„Parteienstaat“ wird eigentlich meistens als abwertende
Charakterisierung des politischen Systems der Bundesrepublik
verwendet. Wer das Wort gebrauch, will damit meistens sagen,
dass den Parteien zu viel Macht zukomme, also Entscheidungen
nicht nach Sachgesichtspunkten, sondern nach taktischen
Berechnungen der Parteien getroffen würden.
Und zugunsten der jeweiligen Sponsoren?
*lach*
Sicherlich auch das. Aber Geld ist da, denke ich, eher ein Nebeneffekt. Vielmehr geht es um Gruppen mit ähnlich gelagerten Interessen. Darauf baut das politische System hierzulande auf. Ganz grob nach dem Schema: Die Wirtschaft zu CDU und FDP, die Gewerkschaften zur SPD…
Da fließt natürlich auch Geld, aber wie gesagt ist die traditionelle und ideologische (wenn man das Wort heuzutage noch gebrauchen darf) Bindung der Parteien an ihre Klientel imho wichtiger als die paar hunderttausend Euro Spenden.
Dass man, so man denn will, fast die gesamte Gesellschaft nach Partei-Bindung aufgliedern kann, ist ein Aspekt der Parteiendemokratie. In den USA ist es zum Beispiel etwas anders gelagert. Zwar gibt es dort auch traditionelle Bindungen an Parteien, aber sie sind schwächer ausgeprägt und werden schnell von Bindungen an Personen überlagert. Um mal beim Aspekt Wirtschaft zu bleiben: Ein Unternehmen, das heute noch einen demokratischen Präsidentschaftskandidaten fördert, kann bei der nächsten Wahl ohne weiteres den Republikaner unterstützen und nebenbei noch Parlamentarier beider Parteien auf der „Gehaltsliste“ haben. Das wäre in Deutschland nur schwer vorstellbar, wiewohl sich die Schlaueren natürlich auch hier bemühen, Kontakte nach beiden Seiten aufrecht zu erhalten.
Das Prinzip der Parteiendemokratie hat übrigens auch seien positiven Seiten, oder hatte sie zumindest. Als die großen Parteien sich noch ideologisch (da isses wieder, das Wort) deutlich unterschieden, konnte man getrost eine bestimmte Partei wählen, ohne dass es eine große Rolle spielte, wer denn nun gerade der „Große Vorsitzende“ war. Dadurch dass es ein verbindliches und konturiertes Programm gab, war ein Normen-Korridor festgelegt, an dem sich die Parteipolitiker bei Entscheidungen orientierten. Das gab dem Wähler die weitgehende Sicherheit, dass die von ihm gewählte Regierung auch bei noch unbekannten Fragen der Zukunft nach diesen Gesichtspunkten handeln würde. Das ist imho heute nicht mehr so.