die Kita meiner Tochter hat seit einigen Monaten eine neue Leitung, die sehr motiviert das Bildungsprogramm des Landes Sachen-Anhalt versucht umzusetzen.
Allerdings führt dies immer wieder zu Missverständnissen zwischen Eltern und Kita-Leitung - bis hin zu heftigen kontroversen Diskussionen.
Ich möchte im Folgenden stichpunktartig die Situation schildern und im Anschluss meine Fragen dazu stellen.
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Die Umsetzung des Bildungsprogramms in besagter Kita erfolgte ohne vorherige Information der Eltern. Lediglich das Kuratorium der Einrichtung war (evtl. sogar von Anfang an) eingeweiht. Begründet wurde dies mit der Aussage, dass die Eltern zwar ihre Meinung zu der Form der Umsetzung des Bildungsprogramms kundtun können, diese aber nicht keinen Einfluss auf das Vorgehen innerhalb der Einrichtung haben.
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Eine der ersten Maßnahmen die umgesetzt wurden waren, dass der Mittagsschlaf für die großen Gruppen ersatzlos abgeschafft wurde und diese Kinder nur noch auf freiwilliger Basis und auf Eigeninitiative schlafen gehen. Erst eine Aussprache mit dem Leiter der Kita wurde eingeräumt, dass die Kinder, deren Eltern es ausdrücklich wünschen, in anderen Gruppen (!!) am Mittagsschlaf teilnehmen.
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In der Einrichtung gab es vor dem Beginn der Umsetzung des Bildungsprogramms Zusatzangebote für die Kinder, die durch die Eltern zusätzlich bezahlt wurden (Englisch, Sport, Musik). Diese Angebote wurden durch die Leitung auf den Nachmittag verlegt. Begründet wurde dies, dass das Beschäftigungsprogramm am Vormittag sonst durch diese Zusatzangebote gestört werden würde. Außerdem sollte die Teilnahme der Kinder an diesen Zusatzprogrammen auf freiwilliger Basis erfolgen. Im Klartext die Eltern bezahlen für eine Leistung die durch die Kita und den Träger geduldet wird und wissen nicht, ob die Kinder daran teilnehmen. Hinzu kommt dass die Aufnahmefähigkeit der Kinder am Nachmittag (erst recht bei fehlendem Mittagsschlaf) derart eingeschränkt ist, dass eine erfolgreiche Teilnahme eher fragwürdig ist.
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Auf Anfrage der Eltern zu Punkt 3. gab es die Antwort der Kita, dass man diese Angebote (am Beispiel Englisch) durch englisch muttersprachliche Erzieher ersetzen möchte. Man hat aber abgeschafft ehe man Ersatz anbieten konnte.
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In der Babygruppe wurde die Betten abgeschafft. Die Kinder schlafen jetzt auf Matratzen auf der Erde. Schlafsachen gibt es kaum noch. Begründung des Leiters: wenn ich mich Mittags hinlege ziehe ich mich ja auch nicht erst um.
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Auf die Fragen der Eltern, welches Erziehungskonzept den Plänen der Einrichtung zugrunde liegt gibt es bis heute (über 6 Wochen später) keine Antwort. Offensichtlich wird das Bildungsprogramm völlig konzeptionslos „umgesetzt“.
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Durch die Leitung der Kita wurde eine Pinwand eingerichtet, an der man Fragen anbringen konnte. Leider wurde meine FRagen mit der Begründung abgenommen, sie wären nicht mit der Leitung abgestimmt gewesen - Zensur(?).
Wenn ich das Bildungsprogramm lese ergibt sich für mich folgende Zielrichtung. Die Kinder sollen zu selbstständig denkenden und handelnden Persönlichkeiten herangezogen werden. Soweit kann ich dem Programm nur zustimmen. Aber …
Bedarf es nicht eines Konzeptes, wie man dieses Ziel erreichen will? Kann man wirklich erwarten, dass Kinder im Alter von 3 - 6 Jahren selbstständig entscheiden können, was für sie gut ist und was nicht? Bedarf es nicht einer klaren Zieldefinition und auch etwas Druckes, dass ein Kind auch unliebsame Dinge tut, die aber für die Entwicklung unabdingbar sind?
Wie will man ein Kind auf die Schule vorbereiten, wenn die Beschäftigung ausschließlich durch das das Kind bestimmt wird? Wir wird die Vorschulausbildung sichergestellt? Ist es wirklich gewollt, dass ein Leiter einer Kita tun und lassen kann was er will, wenn er die paar Mitglieder des Kuratoriums erst einmal überzeugt hat? Wobei auch deren Votum keine Änderungen im Verhalten der Leitung bewirken würde - Aussage Leitung der Kita).
Meine Schlüsselfragen sind:
- Haben Eltern tatsächlich kein Mitspracherecht bei den Entscheidungen der Kita-Leitung?
- Muss ich hinnehmen, dass durch fehlende Zwänge (bspw. organisierte Gruppenarbeit) keine zielgerichtete Vorschularbeit stattfindet?
- Kann ich von der Leitung der Kita die Vorlage eines Konzeptes verlangen, in dem dargestellt ist, in welchen Schritten das Bildungsprogramm umgesetzt werden soll?
- Ist es gewollt, dass die Kinder einem derartigen Konflikt ausgesetzt werden, der zwischen der Freiwilligkeit des Tuns in der Kita und dem Zwang durch Stundenplan und Leistungsdruck in der Schule (außer Montessori) entsteht?
Gruß D.

