Bildungsbuch v. Schwanitz

Hallo Leseratten,

hat jemand von Euch das Buch „das moderne Bildungsbuch“ (oder so aehnlich) von Herrn Schwanitz gelesen und etwas Zeit und Lust einen kleinen Abriss/Verriss/Kritik hier zu „veroeffentlichen“?
Ich weiss nicht, ob ich es mir zulegen soll oder nicht.

Gruss
Chris

Huhu!

Meinst du das, wo er alles - seiner Meinung nach - Wissenswerte zusammengetragen hat?

Bye, Vanessa

Meinst du das, wo er alles - seiner
Meinung nach - Wissenswerte
zusammengetragen hat?

Jo, genau… klingt da schon etwas Kritik heraus?

Hi!

Jo, genau… klingt da schon etwas Kritik
heraus?

Jou :wink:
Obwohl ich es nicht gelesen habe.

Wie kann der Mensch sich anmassen bestimmen zu wollen, was jeder wissen sollte???

Und das auch noch in einem! Buch zusammenzutragen? Neeee…

Bye, Vanessa

Ein beliebter Einwand
Liebe Vanessa,

der Einwand ist beliebt und berechtigt. Schwanitz argumentiert, dass wir (nächste Frage: wer ist das?) auf einen bestimmten Bildungskanon einigen müssen, der neben anderen Aspekten unseren Zusammenhalt garnantiert.

Ich finde diesen Ansatz richtig uns sein Buch mutig. Es ist doch so: jeder weiss, was nicht reinsoll oder dass er sich nicht von anderen vorschreiben lassen will, was er zu wissen hat (obwohl jeder Lehrplan das tut).

Schwanitz hat also einen Vorstoß gewagt und wird dafür natürlich kritisiert. Aber niemand sonst hat es gewagt und sich damit hervorgetan. Man könnte ja kritisiert werden.

Ich finde also, dieses Buch ist lesenswert und diskussionswürdig.

Andreas

P.S. Lesenswert ist übrigens auch von Manfred Fuhrmann „Der europäische Bildungskanon des bürgerlichen Zeitalters“, ein Schwanengesang auf das, was Schwanitz wiederaufbauen möchte.

Hi Andreas,

„Der europäische Bildungskanon des :bürgerlichen Zeitalters“, ein :Schwanengesang auf das, was Schwanitz :wiederaufbauen möchte.

Was moechte denn Schwanitz „wiederaufbauen“?
Gab es schon mal so etwas wie eine Uebereinkunft ueber das, was man wissen muss, sprich Allgemeinbildung ist?
Dass deren Umfang/Inhalt staendig neu definiert werden muss, leuchtet ein.
Wie hat Schwanitz dieses Problem Deiner Meinung nach geloest - wenn´s denn eines ist?

Gruss
Chris

Hallo!

der Einwand ist beliebt und berechtigt.
Schwanitz argumentiert, dass wir (nächste
Frage: wer ist das?) auf einen bestimmten
Bildungskanon einigen müssen, der neben
anderen Aspekten unseren Zusammenhalt
garnantiert.

Sehe ich gar nicht so. Das ‚Warum‘ wird durch deine Frage beatnwortet ‚Wer sind denn wir‘? Man kann die Menschen aller Nationen nicht gleich setzen. Warum sonst gibt es denn verschiedene IG Tests? Oder soll das Buch nur für den zivilisierten Westeuroper gelten? Womit es sich für mich schon gleich disqualifiziert hat.

Ich finde diesen Ansatz richtig uns sein
Buch mutig. Es ist doch so: jeder weiss,
was nicht reinsoll oder dass er sich
nicht von anderen vorschreiben lassen
will, was er zu wissen hat (obwohl jeder
Lehrplan das tut).

Nunja… so arg schreibt der Lehrplan nicht vor.
Davon aber mal abgesehen, wenn sich niemand vorschreiben lassen will, was er wissen muss, warum schreibt er dann das Buch?

Schwanitz hat also einen Vorstoß gewagt
und wird dafür natürlich kritisiert. Aber
niemand sonst hat es gewagt und sich
damit hervorgetan. Man könnte ja
kritisiert werden.

Sicher - tu ich ja auch :wink:

Ich finde also, dieses Buch ist
lesenswert und diskussionswürdig.

Diskussionswürdig (was den Inhalt angeht)bestimmt, und damit man darüber diskutieren kann, muss man es erst lesen.
Aber ich glaube nicht, dass der Inhalt wirklich für jeden wissenswert ist.

Ich bin ja auch der Meinug, das Wissen wichtig ist. Ich lerne auch gerne und habe auch gerne ein fundiertes ‚Allgemeinwissen‘, doch finde ich es anmassend zu sagen ‚Was ich alles weiss, dass mussst du auch wissen.‘

Bye, Vanessa

Antwort auf Chris und Vanessa
Hallo, Ihr beiden!

Um wen geht es? Um das Bildungsbürgertum, also tatsächlich um die europäische, abendländische, westliche Zivilisation. Mir ist schon klar, dass diese Begriffe heute ambivalent verstanden werden. Das hat ja auch Vanessas Einwurf gezeigt.

Aber eine Besinnung auf die eigene Kultur muss ja keine Herabsetzung anderer Kulturen bedeuten. Im Gegenteil. Schätzen kann ich nur, was ich mit dem eigenen vergleichen kann.

Die Kernfrage ist: wen nennen wir gebildet? Für die alten Perser gab es einen einfachen Bildungskanon: reiten, bogenschießen und die Wahrheit sagen. Bis in unser Jahrhundert war es immer relativ klar definiert, was Bildung bedeutet.

Die Einigkeit darüber ist 1914, spätestens 1933 verloren gegangen, ohne dass wir uns wirklich von dem alten Bildungsbegriff gelöst hätten.
Mein Vorschlag: Bildung muss so grundsätzlich sein, dass sie unabhängig von Mode und Zeitgeist Menschen „bildet“. Und da sind Homer, Shakespeare und Goethe sicher nicht falsch.

Andreas

Mein Vorschlag: Bildung muss so
grundsätzlich sein,

ja, sie sollte grundsätzlihc sein, Allgemeinbildug ist demnach eine Tautologie, aber ich denke es gehört dazu in irgendeinem Gebiet etwas mehr auf dem Kasten zu haben, ein Spezielgebiet zusätzlich sozusagen.

dass sie unabhängig

von Mode und Zeitgeist Menschen „bildet“.
Und da sind Homer, Shakespeare und Goethe
sicher nicht falsch.

Nein, sie sind sicher nicht falsch aber Bildung über die Gegenwart (in vielen Bereichen) gehört für mich zur Bildung (mal als Iealfrom gedacht) dazu.

Gruß
Meike

Sehe ich gar nicht so. Das ‚Warum‘ wird
durch deine Frage beatnwortet ‚Wer sind
denn wir‘? Man kann die Menschen aller
Nationen nicht gleich setzen. Warum sonst
gibt es denn verschiedene IG Tests? Oder
soll das Buch nur für den zivilisierten
Westeuroper gelten? Womit es sich für
mich schon gleich disqualifiziert hat.

ICh denke Schwannitz geht davon aus, das man , wenn man in unserer Gesellschaft soziale Anerkennung erreichen möchte es gewisse Sachen gibt, die als Bildung gelten und die man kennen sollte. Er versucht das mal zusammenzufassen was denn diese Sachen sind. Damit schreibt er nicht vor das das alle wissen müssen, sondern nur die , die den Anspruch an sich haben Bildungskriterien zu entsprechen. Er will doch diese Sachen nicht aufstellen und jedem aufquatschen, sondern das ist aus seiner Sicht das, was sowieso schon in unserer GEsellschft zählt, er hats nur mal versucht zu formulieren.

Was ist für welchen Menschen wissenswert?
Wenn man einfach nur stumpfsinnig überleben will ist eigentlich fast alles was unter Bildung verstanden wird überflüssig. BIldung ist meines erachtens auch kein „Wissen“ das man auswendiglernt (das vergißt man eh wieder), sondern eher eine Lebenseinstellung.
„Neugierige Bereicherung des Geistes“ vielleicht.

Gruß Meike

Hallo Meike,

wozu braucht man Anerkennung, und was trägt Bildung zum Dasein (ich sage jetzt nicht „Sinn des Lebens“) bei? Was hältst Du vom „Glasperlenspiel“ (m.e. ein Modell, wie man Bildung „verwendet“)?

Gruß

Rudi

ICh denke Schwannitz geht davon aus, das
man , wenn man in unserer Gesellschaft
soziale Anerkennung erreichen möchte es
gewisse Sachen gibt, die als Bildung
gelten und die man kennen sollte. Er
versucht das mal zusammenzufassen was
denn diese Sachen sind. Damit schreibt er
nicht vor das das alle wissen müssen,
sondern nur die , die den Anspruch an
sich haben Bildungskriterien zu
entsprechen. Er will doch diese Sachen
nicht aufstellen und jedem aufquatschen,
sondern das ist aus seiner Sicht das, was
sowieso schon in unserer GEsellschft
zählt, er hats nur mal versucht zu
formulieren.

Was ist für welchen Menschen wissenswert?
Wenn man einfach nur stumpfsinnig
überleben will ist eigentlich fast alles
was unter Bildung verstanden wird
überflüssig. BIldung ist meines erachtens
auch kein „Wissen“ das man auswendiglernt
(das vergißt man eh wieder), sondern eher
eine Lebenseinstellung.
„Neugierige Bereicherung des Geistes“
vielleicht.

Gruß Meike

Ich bekam es geschenkt und habe mich durchgekämpft.
Im Grunde genommen muß man schon gebildet sein, um das Buch zu verstehen, denn die meisten Themen werden sehr kurz und oft mit einem guten Schuß Ironie abgehandelt. Dafür tut es dem Ego auch mal ganz gut, sich als gebildet zu erleben…

Aber gerade dadurch erhält das Buch auch einen großen Reiz: Ich habe ziemlich lange dafür gebraucht, weil ich immer wieder zur Sekundärliteratur griff, um es eben doch noch ein wenig ausführlicher zu wissen. Am Ende gibt es ein tolles Kapitel über Bildung an sich und die Spielregeln, um sich gebildet zu verhalten. Da ging mir das Konzept des Buches erst auf:

Schwanitz beschreibt Bildung i.S. eines Schachspiels: Mit der Zeit verliert man recht viele Figuren (= Wissen), weiß aber, dass man früher mal mehr Figuren hatte. Aber trotz Verluste kennt man noch immer die Schachregeln und daher kommt alles darauf an, so zu spielen, dass der andere nicht merkt, dass man in der Klemme sitzt.

In seinem Buch führt Schwanitz dem Leser genau das vor: Er wirft dir Brocken hin und man sagt/fragt sich: „Wie war das noch in der Schule? War das wirklich so? Das müßte ich doch eigentlich wissen!“. Und schon schlägt man im Lexikon nach, liest plötzlich Hegel und Kant und beschäftigt sich nach 20 Jahren mal wieder mit der griech. Mythologie.
Außerdem versteht Schwanitz es meisterhaft, z.B. historische Fakten in Beziehung zu setzen. Zwar habe ich früher im Kunstunterricht was über die Malerei gelernt und in Geschichte über die Industrialisierung, aber mir hat nie einer erklärt, was das eine mit dem anderen zu tun hat und warum man erst nach der Industrialisierung auf die Idee kam, Museen zu bauen. Bilder gab es schließlich schon vorher.

Fazit: Wenn du es lesen willst, um dir Bildung anzueignen, vergiss es. Wenn du dich aber zur Bildung verführen lassen möchtest, dann lies es!

Gerd

Hallo Meike,

wozu braucht man Anerkennung,

Anerkennung braucht jeder. Es gehört zum positiven Selbstwertgefühl dazu. Die dimensionen dieser Anerkennung sind nur unterschiedlich.
und was

trägt Bildung zum Dasein (ich sage jetzt
nicht „Sinn des Lebens“) bei? Was hältst
Du vom „Glasperlenspiel“ (m.e. ein
Modell, wie man Bildung „verwendet“)?

*g* Das Glasperlenspiel will ich eigentlich schon lange mal lesen.
Also, ich habe es leider noch nicht gelesen, aber es steht hier schräg über mir im Regal. Wäre ein Anreiz es mir denn jetzt doch mal zu GEmüte zu führen…