Ja, es ging mir in erster Linie um den Zeitraum 33 ff, aber auch die Zeit 1900 ff ist natürlich interessant. Ich denke, da waren die Intellektuellen noch politischer, wengleich auch eher Vaterlandsfreundlich - oder?
Ich erweitere vielleicht das Thema etwas:
Wie verhielt sich aber das Bürgertum in den „HERRlichen“ Zeiten
zwischen 1900 bis 1933? Herrschaftskonform? War das Bürgertum stark in
der Zentrums-Partei repräsentiert? Wie sah die politische
Präferenzstruktur des Bürgertums aus?
Zum Bildungs-Bürgertum möchte ich Joachim Fest
bemühen und kommentieren:
Hitler hat keine Vorliebe für Intellektuelle.
Der Historiker - Journalist Joachim Fest wagte sogar die Bemerkung:
„Der Nationalsozialismus ist im Grunde die politisch organisierte
Geistesverachtung.“.
Über die jüdischen Wissenschaftler, wie z.B. Einstein, sagte Hitler:
"Alles, was sie geschaffen haben, ist von uns gestohlen. Alles, was sie wissen, wird gegen uns eingesetzt. Sie sollen ruhig bei anderen
Völkern Unruhe stiften. Wir brauchen sie nicht "
Aber die Intellektuellen, Kultur- und Bildungsbürger, und die
Geistlichkeit versagten ihrerseits, wie Joachim Fest in seinem
RIAS-Essay aus den Fünfziger Jahren über das Versagen der
Intellektuellen im Dritten Reich feststellte… (Was wurde da genau
oder sinngemäß gesagt?)
Fest meinte in einem Fernseh-Interview, dass viele Menschen den Draht
zur Metaphysik verloren hätten, und es deshalb zur Bildung von
„Ersatzreligionen“ komm. Ich sage: Alle Idologien, alle Religionen,
alle Propheten etc. - alle, die sagen „SIE hätten die Wahrheit“, sie
sind Verführer und werden dann verehrt, wenn der Mensch mit seinem Rat
mal wieder am Ende ist, wenn die Vernunft nicht mehr trägt, nicht weil
sie die falsche Medizin wäre, nein: weil sie nicht mehr eingesetzt
wird.
und aus
http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/3R/Eitner_H…… habe ich folgendes zu diesem Thema gefunden:
Die Aufbruchstimmung nach dem Ermächtigungsgesetz:
– es herrscht eine Volksstimmung wie beim Kriegsausbruch 1914,
nationales Hochgefühl und Einmütigkeitsempfinden
– Gefühl der nationalen Wiedergeburt
– die Aufbruchstimmung wird die wichtigste Machtgrundlage für den
kommenden Führerstaat
– Hoffnungen: nach Wiedergewinnung nationaler Grösse, nach einer
besseren, ordentlicheren Gesellschaft.
– Glaube daran, dass jetzt eine wirkliche Volksherrschaft beginnen
würde, verbunden mit ehrlicher Freude und einem richtigen Aufatmen.
– Jubel über das neue Reich, keine Verleugnung der kaiserlichen
Vergangenheit mehr, ein richtiger Freudentaumel, auch durch Künstler,
Intellektuelle und Wissenschaftler in Hymnen ausgedrückt:
Preisen des Reiches als Erfüllung geschichtlicher Sehnsüchte.
Die Meinung der Liberalen und des Auslands:
– die liberalen oder das ehemals liberale Bürgertum meint, dass
Hitler der rechte Mann auf dem rechten Weg sei
– diese Meinung herrscht auch ausserhalb Deutschlands
Ergründung der intellektuellen Mitläuferschaft:
– die Intellektuellen geben ihren Idealismus dem NS-Reich dar
– die Intellektuellen haben Angst vor Widerspruch, es herrscht
Gesinnungslosigkeit, Dummheit, Mitläufertum.
Folge:
– die Legitimationsbasis für Hitler existiert auch bei den
Intellektuellen
– es kommt bis 1934 zu Anbiederungsversuchen, sogar Huldigung im Juni
1934 durch Theodor W. Adorno !
Ab dem 24.3.1933 betreiben die Universitäten die
Gleichschaltungsgedanken und den Antisemitismus gründlicher, als sie
müssten:
– die Studenten sind aktive Wegbereiter des Nationalsozialismus.
– Entlassungen beim Lehrkörper, Amtsenthebungen.
– vorzeitige Pensionierungen politisch oder rassistisch missliebiger
Kollegen.
28.3.1933 ( Kirche und Papst) > Fuldaer Bischofskonferenz gibt seine
Warnungen und Verbote gegen die NSDAP auf:
– Bischofskonferenz unter Vorsitz des Breslauer Kardinals Adolf
Johannes Bertram
– „Kundgebung über Kirche und Nationalsozialismus“ nach „päpstlichem
Hinweis“
– Parteibeitritte werden erlaubt
– die katholische Kirche fordert auf zur „Treue gegenüber der
rechtmässigen Obrigkeit“
Folge:
Aus katholischen Kreisen ist keine Opposition mehr möglich!
Frage:
Und die Evangelische Kirche?
Und die katholische „Zentrumspartei“?
Weitere Fragen:
Betrieb Hitler eine Art „Immunisierungspolitik“ gegen die
„hellen Köpfe“ ?
Haben Kultur- und Bildungsbürger versagt?
Lag es daran, dass es zu wenig Verbindungen zwischen
Kultur und Politik gab, anders als in anderen Ländern (Frankriech)?
(Aber auch im
„belesenen“ Russland, konnte sich ja ein Stalin durchsetzen…)
Ich denke, ein Versagen des Bildungsbürgertums wird immer
festzustellen sein, wenn eine Massenbewegung zu stark wirkt. Da tritt
eben auch das „schlechte menschliche“ in den vermeintlicht klugen
Köpfen heraus.