Bildungsinitiative - Ideen gesucht

Hallo,

wenn man sich die Berichterstattung und Diskussionen um die Finanzkrise so betrachtet, dann fällt aus meiner Sicht auf:

Es wird unheimlich viel falsches oder „halbwahres“ erzählt, viele Dinge werden verwechselt und durcheinander geworfen und offensichtlich werden viele Zusammenhänge überhauptsgarnicht verstanden.

Ist ja auch kein Wunder. In Sachen Kapitalmärkte und -anlagen findet in D keinerlei Bildung statt. Man kann einen Einser-Abiturienten oder Uni-Absolventen „suma cum laude“ (wenn nicht gerade Wirtschaftswissenschaften) mal Fragen, was eine Rente oder Aktie ist und wird wohl nur Unsinn zu hören bekommen, außer derjenige beschäftigt sich hobbymäßig mit diesen Themen.
Diese Themen finden sich in keinem Lehrplan. Das Ergebnis ist dann, dass der Privatanleger immer wieder verheerende Fehler macht und seine Risiken in keinster Weise einschätzen kann.

Ich habe den Eindruck, dasss wir Deutschen unter den „entwickelten Industrienationen“ wahrscheinlich das dümmste Volk der Welt in Sachen Kapitalanlagen sind.

Ich finde, es wird Zeit unsere Politik mal auf das Thema aufmerksam zu machen und gegen zu steuern.

Frage:
Habt Ihr Ideen, wie man so etwas am effektivsten angehen kann?
Welche Vorschläge kann man der Politik machen?
Gibt es Beipsiele aus dem Ausland, die herangezogen werden können?

Ich hoffe auf eine rege und konstruktive Diskussion!

Der Money-Schorsch

Hallo Schorsch,
Ich vermute mal, es handelt sich um ein grundsaetzliches („kulturelles“) Problem. Die Beschaeftigung mit Geld, Kapitalanlagen, Spekulation etc. wird in Deutschland immer noch als niederes Geschaeft betrachtet („Geldwechsler“) und mit Gier (soweit ich weiss eine der sieben Todsuenden) in Verbindung gebracht. Auch „reich sein“ ist eher etwas negatives. Wer reich ist, kann nicht durch ehrliche Arbeit zu seinem Geld gekommen sein.
In anderen Laendern sieht man das offenbar entspannter. Das kann sehr positive Effekte haben (Mehrung des individuellen Wohlstands durch gute Kapitalanlagen) aber auch ausufern (Preisblasen auf dem Haeusermarkt wie in USA oder UK).
Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, da wurde das Thema Geldanlage im Gemeinschaftskundeunterricht recht ausfuehrlich behandelt, die Klasse hat an einem Boersenspiel der Sparkasse teilgenommen etc… Ich frage mich dann, was es bringt, Teenagern, die in der Regel nicht ueber allzu viel Geld verfuegen, beizubringen, wie man es am besten anlegt. Das kann auch zu einem Menschenschlag fuehren, der sich nicht mehr mit Werteschaffung im eigentlichen Sinne sondern nur noch mit der Vermehrung von Kapital beschaeftigt.
Bevor ich also jemandem erklaere, was eine Aktie ist, muss ich mir ueberlegen, was ich damit erreichen will. Geht es nur darum, falsche Anlageentscheidungen zu vermeiden, reichen dafuer ein paar Schulstunden aus. Geht es hingegen darum, wirtschaftliche Zusammenhaenge, Funktionieren einer Aktiengesellschaft etc. naeherzubringen, ist das in der Tat ein sehr anspruchsvolles Projekt.
Gruss
C.