Hi, Leutz!
Hier was zum Lachen, Weinen, Nachdenken, Aufregen…
ich finde es „typisch deutsch“:
Klassenbester darf nicht studieren
Mit seinem Abitur von der Internationalen Schule Hannover kann Robert Ihle überall in der Welt studieren – nur nicht in Deutschland.
Der 19-Jährige hat wegen eines Schulwechsels die zweite Fremdsprache im Gymnasium nicht durchgängig vier Jahre lang gelernt, wie es Vorschrift ist. „Robert spricht ziemlich gut Englisch, das ist auf der Internationalen Schule ja Unterrichtssprache“, sagt seine Mutter Eva-Maria Ihle. Außerdem hatte der Abiturient drei Jahre Latein, drei Jahre Französisch und auch Japanisch. Doch das habe die Bezirksregierung nicht interessiert. „Der Mitarbeiter sagte, er könne das Abitur anerkennen, wolle das aus Gründen der Gleichbehandlung aber nicht“, sagt Eva-Maria Ihle. Die Oberärztin hat mehr als 60000 Euro für die drei Jahre ihres Sohnes an der Privatschule bezahlt. „Und nun kommt das dabei heraus.“
Die Bezirksregierung betont allerdings, dass sie Robert Ihles Abschluss nicht generell abgelehnt habe. „Wir könnten ihn mit dem erweiterten Realschulabschluss gleichsetzen. Dann könnte er zumindest auf einem Fachgymnasium das Abitur nachmachen. Mehr geht nicht“, sagt Dezernent Hartwig Czach. Dann gebe es noch die Möglichkeit, dass Ihle sich unter den Bedingungen des deutschen Abiturs prüfen lasse. In Hannover könnte er damit aber nur den Zugang zu den niedersächsischen Hochschulen erhalten. Robert wollte jedoch in Passau Jura studieren. Für ein bundesweit gültiges Abi müsste er die Prüfung in Hamburg ablegen. Eine andere Variante wäre, ein Jahr im Ausland zu studieren. „Danach könnte er in Deutschland weitermachen, aber nur in dem Fach, das er bereits begonnen hat“, sagt der Dezernent.
Dabei sah im vergangenen Sommer alles noch so gut aus: Robert gehörte zum ersten Abi-Jahrgang der Internationalen Schule und schnitt als Bester mit Auszeichnung ab. „Ich war so stolz auf ihn“, sagt seine Mutter. Die meisten von Roberts Mitschülern kamen aus Familien, die aus beruflichen Gründen nur einige Jahre in Deutschland leben. Internationale Schulen bieten überall auf der Welt ähnliche Lerninhalte – so dass Führungskräfte bei Ortswechseln ihre Kinder ohne Probleme mitnehmen können. Mit dem Abschluss nach zwölf Jahren, dem International Baccalaureate (IB), können die Abiturienten weltweit fast jede Universität besuchen.
Doch für Robert wird nun sein Schulwechsel nach der neunten Klasse offensichtlich zum Stolperstein. An seiner vorherigen Schule lernte er drei Jahre Latein. Das wird auf der Internationalen Schule jedoch nicht angeboten, deshalb belegte er in den drei restlichen Jahren bis zum Abi Französisch. „Wir wussten von der Regel mit dem Sprachunterricht bisher nichts. Ich finde es traurig, wenn die Unis hier keine Entscheidungsfreiheit haben“, sagt Schulleiter Derek Malpass.
Robert hat sich inzwischen an britischen Unis beworben. London und Glasgow haben bereits zugesagt – und an der renommierten Universität Oxford hatte er ein Vorstellungsgespräch.
Quelle: Hannoversche Allgemeine, 30.01.2003
Grüße
Heinrich