Bin gesessen

Hallo,

ich habe längere Zeit im Ausland gelebt und mir ist aufgefallen, daß man jetzt hier im Norden auch statt „habe“ „bin gesessen“ und „bin gestanden“ sagt. Ist auch hier eine Reform eingetreten?

Hallo Selina!

In Österreich immer schon „bin“!
„Habe gesessen“ heißt bei uns „ich war im Knast“ - ist also eher unpassend :wink:)))

Grüße
Barney

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o Barney::so habe ich das noch gar nicht gesehen… :smile:)

Hai, Selina,

mich lehrte man (oops, sorry, *geschraubt-Modus-AUS*), daß „sein“ benutzt wird, wenn man von Bewegungen spricht (laufen, fliegen…) und alle anderen Verben mit „haben“ verbandelt werden. Es heißt also „Ich habe gesessen.“ Beidesmal keine Bewegung! :wink:
Das „bin gesessen“ scheint aus dem süddeutschen Raum und den da unten sonst noch so herumliegenden Ländern zu kommen - ich hab’s zur gleichen Zeit wie „Da hat es Bier“ kennengelernt.

mfG

Sibylle

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Hallo,

die Quelle der folgenden Erklärung ist der
DUDEN. Die Zweifelfälle der deutschen Sprache, 2. A. Mannheim 1972, S. 315f. (mit Auslassungen):

" Perfektumschreibungen mit „haben“ oder „sein“:
Das Perfekt der transit. Verben wird mit „haben“ gebildet: Ich habe gesehen, ich habe getrunken. Auch das Perfekt der reflex. Verben wird mit „haben“ gebildet, gleichg. ob sie transitiv oder intransitiv sind: Ich habe mich geärgert. Die intransit. Verben, die ein Geschehen in seinem unvollendeten Verlauf, in seiner Dauer ausdrücken, bilden ihr Perfekt ebenfalls mit „haben“: Ich habe geschlafen. Diejenigen intransitiven Verben, die eine Zustands- oder Ortsänderung, einen neuen, erreichten Stand bezeichnen, bilden dagegen ihr Perfekt mit „sein“: Der Brief ist angekommen.

Schwankungen treten nur bei der Perfektumschreibung der intransitiven Verben auf, und zwar deshalb, weil über die Zuordnung einiger Verben Unsicherheit besteht (z. B. bei Verben, die eine allmähliche Veränderung ausdrücken, abtrocknen, altern, gären usw.) oder aber weil sich Auffassung über die Zugehörigkeit wandelt (liegen, sitzen , stehen usw.)

Schwankungen tttreten vor allem auch bei Verben der Bewegung auf, weil verschiedene Sichtweisen möglich sind. Wird die Veränderung gesehen, wird mit „sein“ umschrieben: Wir sind über das Haff gesegelt. Wird dagegen der Vorgang in seiner Dauer gesehen, dann wird mit „haben“ umschrieben: Wir haben gestern gesegelt.

Der Gebrauch mit „sein“ nimmt aber immer mehr zu, weil die Ortsveränderung stärker empfunden wird und weil überhaupt die Neigung besteht, einige Bewegungsverben nur mit „sein“ zu umschreiben, auch wenn keine Ortsveränderung ausgedrückt werden soll."

Herzliche Grüße

Thomas Miller

hi,

genauso habe ich es auch gelernt. nur… warum höre ich es jetzt auch hier anders, sogar im Radio???

Hai, Selina,

mich lehrte man (oops, sorry, *geschraubt-Modus-AUS*), daß
„sein“ benutzt wird, wenn man von Bewegungen spricht (laufen,
fliegen…) und alle anderen Verben mit „haben“ verbandelt
werden. Es heißt also „Ich habe gesessen.“ Beidesmal keine
Bewegung! :wink:

Hallo,

vielen Dank an alle. Mir war es halt wichtig zu wissen, daß ich es nicht falsch sage, also keine Reform statt fand

Danke
Selina

Hallo Selina,

ich denke das ist auch regional unterschiedlich. In Süddeutschland sagt man meiner Beobachtung nach eher „ich habe“, im Norden eher „ich bin“. Besonders auffällig finde ich immer wenn im Fernsehen jemand sagt „ich bin angefangen“. Das klingt für meine Ohren nun ganz und gar abwegig.

Viele Grüße
Petra

hallo Selina,

also hier im Norden sagt man „habe gesessen“ ich kenne nur von den Süddeutschen „bin gesessen“ und mir krempelt sich dann jedes Mal der Magen um.
Gruss
Christel

habe gesessen
hallo thomas,
vielen dank für die erläuterungen. dennoch halte ich es für ein zugeständnis an süddeutschland, weitverbreitete fehler als richtig anzuerkennen.
in ein paar jahren heißt es dann bestimmt im duden:
„der isch der wo misch liebt!“

mir wird immer schlecht, wenn ich das z.b. von moderatoren im fernsehen hören muß.

cu

strubbel
*hatnixgegenbayernfrankenundso*

hi Christel
Und ich denke bei „habe Gesessen“ immer an Knast *g*
Wahrscheinlich wird im Süddeutschen Idiom die Tätigkeit „Sitzen“ ebefalls als Bewegung gesehen (sozusagen die Folge Liegen, Sitzen, stehen, gehen, laufen)…
Insoweit stimmt das „bin“ hier wieder.

Na ja, ist doch schön, wenn sich eine Sprache entwickelt. Und immer dran denken: Die Rechtschreibung ist nicht rechtsverbindlich!

Gruß
Mike