Bin ich gott?

hallo,

also nachdem ich mir einige beiträge unten durchgelesen habe und auch ein wenig bescheid weiss, wie gott die menschen geschaffen hat, also nach seinem ebenbild, dann müsste das eigentlich heissen, dass ich gott bin.
was meint ihr dazu?

grüsse
michael

Lieber Michael

Genau das wollte der Schreiber des Buches Genesis vermeiden: der Mensch bleibt Geschöpf, das heisst endlich(sterblich), unvollkommen, abhangig von seinem Schöpfer.
In vielen Religionen gelten die Menschen als Abkömmlinge der Götter, stehen in physischer Verbindung mit ihnen. Götter haben sie gezeugt, aus dem Blut und den Gliedern der Götter sind sie gebildet:so heisst es in einem Hymnus auf den Sonnengott Ra für Pharao Merikare: " die Menschen sind seine Abbilder, die aus seinen Gliedern hervorgegangen sind." Oder ein Beispiel aus Mesopotamien: In einem Keilschrifttext können wir lesen: der Gott EA befiehlt, zur Erschaffung des Menschen einen Gott zu schlachten, mit dessen Fleisch und Blut Ton vermischt werden soll(wörtlich: Gott und Mensch komme daraus hervor, in Ton vereinigt)
Für das Volk Israel wäre es ein lästerlicher Gedanke gewesen, in der Gottebenbildlichkeit eine physische Verwandschaft zu sehen.
Also was dann? Das Hebräische kann uns weiterhelfen: Der Mensch ist BILD Gottes: das hebr. Wort bezeichnet ein wirkl. Abbild, wie bei einer Plastik, aber der Mensch ist nicht Gott gleich, sondern „nur“ ein Bild. Das ist schon sehr viel. Was ist damit gemeint? Lange Zeit sagte man in der Theologie, es sei damit die geistige Natur des Menschen das eigentlich Ebenbildliche.Weil der Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen ist, ist er nicht bloß etwas, er ist jemand; er ist imstande sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben.etc.
Aber lies die Stelle im Zusammenhang:…Vers: WIR wollen Menschen machen…dieser auffällige Plural steht nur hier: Gott schließt sich mit der „himml. Welt“ zusammen. So wird die Aussage vom BILD Gottes abgeschwächt.Nach dem Bild himml. Wesen, der göttl. Sphäre und der überird. Welt, ist der Mensch geschaffen. und ein letztes: es heisst im Original: nach unserem Bild,wie uns ähnlich…wieder eine Abschwächung. das war der erste Teil.

Hallo Michael

Ich hoffe, ich bin nicht zu lästig und du beim Lesen meiner Antwort schon eingeschlafen. Aber es ist eine interessante Frage, und es ist nicht leicht in 2, 3 Sätzen darauf zu antworten. Hier also noch einmal eine Fortsetzung:
Was ist der INHALT der Gottebenbildlichkeit?
Offenbar nicht in einem statischen „Sein“, der Tatsache, dass der Mensch so oder so seinem Wesen nach ist. Diese griechische Denkweise ist dem Hebräer fremd. Das Alte Testament weist den Weg zur Antwort: Der Mensch wird zur Herrschaft erschaffen. Er soll über das Getier im Meer, in der Luft und auf der Erde herrschen:smiley:arin zeigt sich ein Teil der Ebenbildlichkeit: Macht euch die Erde untertan…aber das ist nicht in einem ausbeuterischen Sinne zu verstehen, wie es die Menschen leider durch die Jahrhunderte gemacht haben: Stichwort Umweltzerstörung. Macht euch die Erde untertan meint: so wie Gott die Erde behandelt, nämlich schöpfungsbewahrend und -erhaltend, so auch ihr, weil ihr Gottes Ebenbild seid…die erste „Öko-stelle“, wenn du willst. Noch einen Schritt weiter führt Psalm 8 und 145. Danach ist der Mensch das höchste Geschöpf, nur wenig unter Gott gestellt, obgleich dem Staub verhaftet, also sterblich. " …Was ist doch der Mensch, dass du seiner gedenkst?..du machtest ihn wenig geringer als Engel, mit Ehre und Hoheit kröntest du ihn. Diese beiden Ausdrücke Ehre und Hoheit bezeichnen an sich die Königswürde Gottes. So kann man im tiefsten Grund in der Ebenbildlichkeit den Anteil an der Königswürde Gottes sehen. Und an dieser Würde haben Mann und Frau in gleicher Weise teil. Nicht der leiseste Unterschied in der Wertung der Geschlechter ist zu spüren. Im Gegenteil! im hebr. Original werden nicht die Ausdrücke Mann und Frau gebraucht( das würde Personsein stärker betonen), sondern die Adjektive: männlich und weiblich( nur auf Geschlechtsverschiedenheit bezogen). Das wärs gewesen. Verzeih noch einmal die langatmigen Ausführungen. Nächstes Mal halte ich mich kürzer.
Grüsse. ACHILL

also nachdem ich mir einige beiträge unten durchgelesen habe
und auch ein wenig bescheid weiss, wie gott die menschen
geschaffen hat, also nach seinem ebenbild, dann müsste das
eigentlich heissen, dass ich gott bin.
was meint ihr dazu?

Na ja, Ebenbild bedeutet nicht unbedingt identisch. Überleg Dir mal den Gebrauch den Wortes Ebenbild und es ist klar, daß es verschiedene Menschen meint, die nur in mancher Hinsicht - manchmal frapante - Ähnlichkeiten beitzen.

So ist es auch mit Dir und Gott. Du hast viele Ähnlichkeiten mit Gott - Du besitzt einen Geist, kannst zwischen Gut und Böse unterscheiden (im Prinzip wenigstens), hast Willens- und Entscheidungsfreiheit usw. Aber Du bist nicht identisch mit Gott, sondern nach wie vor sein Geschöpf.

Gruß
Thomas

hallo thomas

So ist es auch mit Dir und Gott. Du hast viele Ähnlichkeiten
mit Gott - Du besitzt einen Geist, kannst zwischen Gut und
Böse unterscheiden (im Prinzip wenigstens), hast Willens- und
Entscheidungsfreiheit usw. Aber Du bist nicht identisch mit
Gott, sondern nach wie vor sein Geschöpf.


mir geht es eigentlich nicht so sehr drum, ob ich als mensch aus fleich und blut gott bin, das sicherlich nicht, sondern mehr, ob ich nicht selbst im geist (im Sein) gott bin.
wer entscheidet denn was gut ist und was böse ist? oder gibt es das nicht? ist jeder weg, den ich gehe gut oder schlecht? und habe ich wirklich die willens-und entscheidungsfreiheit oder folge ich nur einem - nur für mich bestimmten - muster?
fragen über fragen.

grüsse
michael

Auch ihr seid Gott so wie ich!
cc

Hallo Michael,m

also nachdem ich mir einige beiträge unten durchgelesen habe
und auch ein wenig bescheid weiss, wie gott die menschen
geschaffen hat, also nach seinem ebenbild, dann müsste das
eigentlich heissen, dass ich gott bin.

Ich bin einmal von einem Buch darauf gestoßen worden, dass der Mensch als einziger Lebewesen schöpferisch tätig sein kann, das heißt aus seinem Geist heraus Dinge erschaffen kann (weil alles, was du mit den Händen machst, vorher im Geist entstanden sein muss)Das erscheint mir plausibel. Persönlichkeit haben auch Tiere, aber bewusst schöpferisch tätig ist nur der Mensch. darin scheint mir die Gott-Ebenbildlichkeit zu liegen. Göttchen halt, sozusagen!
gruß,
bb

Hallo Michael,

mir geht es eigentlich nicht so sehr drum, ob ich als mensch
aus fleich und blut gott bin, das sicherlich nicht, sondern
mehr, ob ich nicht selbst im geist (im Sein) gott bin.
wer entscheidet denn was gut ist und was böse ist? oder gibt
es das nicht? ist jeder weg, den ich gehe gut oder schlecht?
und habe ich wirklich die willens-und entscheidungsfreiheit
oder folge ich nur einem - nur für mich bestimmten - muster?
fragen über fragen.

Meiner (persönlichen) Meinung nach ist es so, dass wir „gut und böse“ nur sehr begrenzt erkennen können, dass viele moralische Fragen nicht befriedigend beantwortet werden können. Ich schließe mich der Meinung Throwald Detlefsens an, auch wenn der kein christlicher Denker ist: wir leben in einer Polarität, müssen uns daher stets entscheiden, ob wir A oder B tun. Aber egal, was wir wählen und was wir verwerfen, das Verworfene bleibt auch an uns hängen, als „Schatten“. Dietrich Bonhoeffer sagte: „Es gibt für den Menschen kein absolut Gutes“. (alte Geschichte mit der Erbsünde).
Gottebenbildlich sind wir insofern, als wir an Gott andocken können. Wenn du dich an ihn wendest, kommt eine Antwort. Ich kann jetzt doch auf 50 Jahre Leben zurückblicken und erkenne, wo ich geführt wurde, welchen Sinn gewisse Dinge hatten.
Hilft dir das weiter?
gruß,
bb