Bin ich Neurotisch oder Hypochondrisch?

Hallo, erst mal zu meiner Person, ich bin 33 J. alt, Mutter von 3 Kindern ( 14,13 u.3 J.), lebe in einer glücklichen Ehe.

Meine Leidensgeschichte begann im Juli 09 mit einem Abendlichen Bericht über Alk-Teens und Komasaufen.
Ich saß da also auf dem Sofa und verfolgte den Bericht, als es plötzlich einen Knax hinter dem Brustbein gab, mein Herz fing an zu rasen und ich hatte Panik an einem Herzinfakt zu sterben. Ich zitterte am ganzen Körper, bekam Schweissausbrüche und hatte Atemprobleme.
Ich legte mich lang und versuchte mich zu entspannen, was mir auch gelang.

Doch seit diesem Tag drehte sich alles darum den nächsten Tag zu überleben.

Diese Panikatacken hatte ich dann täglich und beim essen musste ich mich immer extrem bemühen nicht die Fassung zu verlieren, manchmal sprang ich auf und musste etwas anderes tun um mich abzulenken.

Darunter litt die ganze Familie. Besonders schlimm traf es mich als ich meinen Sohn nach dem Wochenende zum Bahnhof bringen musste, er in den Zug einstieg und fuhr. Da kam dann noch Schwindel dazu und ich dachte mir ziehts den Boden unter den Füssen weg. Mein Sohn zog 2005 zu seinem Vater und besucht uns regelmässig.

Ich entschloss mich einen Termin beim Kardiologen zu machen der mich Anfangs belächelte. Ultraschall Herz, Magen, Schilddrüse optimal, das Belastugs EKG nicht so prikelnd. Er wies mich sofort ins Krankenhaus zum Herzkatheter ein, doch er meinte er könne keine Ursache finden, die Aterien und Kranzgefässe seien Jungfräulich.
Ab zum Lungenfacharzt, da die Atemprobleme verbunden mit Panik nicht besser wurden. Der diagnostizierte Allergisches Asthma gegen fast alle Pollen, Gräser, etwas gegen Milben.
Ich bekam ein Spray, das nach mehrmaliger Einnahme keine Wirkung zeigte. Im Sommer konnte ich dann morgens schon ziemlich sicher sagen wann ein Gewitter aufzieht da ich an den Tagen massive Kreislaufprobleme hatte das ich mich die nächsten Stunden hinlegen musste.

Mein Hausarzt wusste nun auch nicht weiter, verschrieb mir Psychotherapie, Krankengymnastik und Tabletten für den Magen.
Jetzt hab ich zwar keine Magenschmerzen mehr, aber mein Rücken ist nach der Gymnastik noch schlimmer und ich fühle mich wie vergiftet.
Als hätte ich täglich einen Kater vom trinken oder so. Manchmal geht es mir wieder blendend aber überwiegend verliere ich mehr und mehr die Lust am Leben was uns alle sehr belastet.
Übrigens ist mein zweites Zuhause mitlerweile die Apotheke, da fühle ich mich irgendwie sicher… Bin ich etwa bescheuert? Bilde ich mir meine Schmerzen ein oder hab ich sie wirklich??

Vielen Dank fürs lesen und vielleicht kann mir ja jemand einen Ratschlag geben…

Petra

Hallo,

Mein Hausarzt wusste nun auch nicht weiter, verschrieb mir
Psychotherapie

die zentrale Frage:
hast Du die Therapie gemacht (bzw. begonnen)?

Wenn ja: was sagt der Therapeut?
Wenn nein: Warum nicht?

Gruß, Niels

Hi,

ja, war bereits bei verschiedenen Therapeuten zum Erstgespräch, doch leider lehnen alle ab da die Wartezeiten angeblich unrealistisch sind.

Gruß Petra

Hallo,

für mich klingt das nach einer klassischen Hypochondrie.

Ich saß da also auf dem Sofa und verfolgte den Bericht, als es plötzlich einen Knax hinter dem Brustbein gab, mein Herz fing an zu rasen und ich hatte Panik an einem Herzinfakt zu sterben.

Das ist einer der häufigen Einstiege in die Angstkarriere: Eine Panikattacke - oft aus heiterem Himmel - bei dir vermutlich durch die Fernsehsendung begünstigt, erschüttert einen bis ins Mark. Wenn es nicht bei einer einmaligen Attacke bleibt, kommt früher oder später die „Angst vor der Angst“ hinzu.

Doch seit diesem Tag drehte sich alles darum den nächsten Tag
zu überleben.

Auch das ist typisch für Hypochondrie. Man ist überzeugt, an etwas Lebensbedrohlichem zu leiden/ zu erkranken und lauert zunehmend auf jedes Anzeichen dafür, dass es bald zu Ende ist. Die Folge ist eine völlig überzogene Körperwahrnehmung.

Die Reaktion darauf kann unterschiedlich ausfallen. Manche Betroffenen meiden aus Angst vor einer Bestätigung ihrer Befürchtung jeden Arzt. Andere - zu denen du zu gehören scheinst - beginnen mit einer systematischen medizinischen Abklärung. In aller Regel führt diese zunächst zu einer Beruhigung. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich daraus ein „Ärztemarathon“ enrwickeln, weil man irgendwann damit beginnt, der Diagnose eines Arztes nicht mehr zu glauben und eine zweite/dritte… Meinung einholt. Die Beruhigung durch eine entwarnende Diagnose wird dabei immer kurzfristiger.

Gleichzeitig beginnt man häufig nach „natürlichen“ Erklärungen für die Symptome zu suchen. Beliebt sind das Wetter (vor allem für Herz- Kreislaufprobleme) oder Flüssigkeitsmangel. Viele Hypochonder sind abhängig von einer Wasserflasche in Reichweite. Es können sich aber auch psychische Abhängigkeiten von Dingen wie Müsliriegel (gegen Unterzuckerung), Pfefferminz- oder ähnliche Bonbons (zum besseren Durchatmen, wenn die Brust eng wird), Handys (zum Anrufen einer Notfallnummer)und anderen Dingen mehr entwickeln. Viele Hypochonder gehen ohne „Notfallgepäck“ keinen Schritt aus dem Haus. Die räumliche Nähe zu Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern zu suchen, gehört ebenfalls zu den typischen Verhaltensweisen. Zudem besitzen viele Hypochonder ein umfassendes medizinisches Halbwissen. Sie werden magisch von entsprechenden Fernsehsendungen und Zeitungsberichten angezogen. Dr. Google wird dabei oft zur gefährlichen Instanz, weil jedes simple Symptom dort lebensbedrohliche Ursachen haben kann, die der Hypochonder natürlich auf sich bezieht.

Ebenfalls beobachten kann man oft einen zunehmenden Hang zur „Schonung“. Aus Angst, sich überzubelasten, bewegt man sich immer weniger und verbringt zunehmend mehr Zeit in ruhenden Positionen.

All diese Mechanismen zeigen meist kurzfristig Wirkung. Da man aber im Ruhezustand prima auf seine Körperfunktionen achten kann, entdeckt man recht schnell das nächste Symptom. Auf diese Art und Weise schränkt man sein Leben mehr und mehr ein, und die Lebensqualität leidet mehr und mehr.

Bin ich etwa bescheuert? Bilde ich mir meine Schmerzen ein oder hab ich sie wirklich??

Nein, du bist nicht bescheuert. Du teilst dieses Schicksal mit sehr vielen anderen Menschen. Ich war auch einer davon, gehöre aber zu den Glücklichen, die die Hypochondrie nur drei Jahre ihres Lebens gekostet hat.

Die Schmerzen sind zum Teil Ergebnisse der übersteuerten Körperwahrnehmung und damit zu einem Teil tatsächlich „eingebildet“. Ein gesund denkender Mensch nimmt vieles davon gar nicht wahr. Zum Teil enstehen sie aber auch aus falschen Schonhaltungen und Verspannungen.

Die wahre Problematik liegt auf der pschischen Ebene, und ich kann dir nur ans Herz legen, möglichst schnell eine Therapie zu machen.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Petra,

ich denke, daß Dein Posting im Brett Psychologie besser aufgehoben wäre. Wie meine Vorposter schon bemerkten ist das ein Fall für einen Therapeuten.

Vielleicht ermuntert Dich das:

Schwester: Herr Doktor, der Simulant auf Zimmer 12 ist gestorben!
Doktor: Jetzt übertreibt er aber!

Nichts für ungut.

Grüße Thomas

Liebe Petra,

hast du schon mal überlegt, einen Heilpraktiker aufzusuchen?

Höre Dich doch mal im Bekanntenkreis um, ob jemand damit schon Erfahrungen gemacht hat und wen man Dir da empfiehlt.

Ich würde in Deinem Fall einen Heilpraktiker mit guten Kenntnissen in Homöopathie UND Reiki auswählen.

Schreib’ doch mal, in welcher Gegend du wohnst.

Auch Reiki-Behandlungen allein könnten Dich unterstützen.

Weitere Idee:

Du schreibst von einem Knacks hinter der Brust mit dem alles anfing.
Wenn Du während der Fernsehsendung angespannt warst und Du dann vielleicht noch unbewusst eine „falsche“ Bewegung gemacht hast, könnte es sein, dass Du Dir irgendwas verrenkt hast. Vielleicht hast Du auch von Haus aus schon eine „Fehlhaltung“ eingenommen, z.B. wegen Rückenschmerzen, Kniebeschwerden o.ä., die die „Verrenkung“ begünstigt hat.
Ich denke da in Richtung Rückenwirbel. Wirbelblockaden werden von der Schulmedizin teilweise ins Reich der Mythen und Legenden verbannt. Bitte googel mal nach Wirbelblockade(n). Blockaden der Brustwirbel können solche Symptome wie bei Dir hervorrufen.

Bei Menschen, die nicht zu Verspannungen neigen oder ihren Körper ausreichend trainieren lösen sich diese Blockaden meist von alleine wieder.

Falls das Thema „Wirbelblockade“ für Dich ein Tip ist, könntest Du mit Hilfe eines Chiropraktikers oder Osteopathen herausfinden, ob bei Dir eine solche Blockade vorliegt. Beide können Dir die Blockade(n) manuell lösen.
Hierzu noch ein Hinweis: Wenn es eine Blockade ist und der Chiropraktiker/Osteopath diese löst, solltest Du danach eine Besserung verspüren. Je nachdem, wie lange die Blockade schon da war, kann es sein, dass diese Verbesserung nicht lange hält und Du geneigt bist, die Behandlung öfter zu wiederholen. Das sollte man nicht auf Dauer so handhaben! Grundsätzlich muss dann versucht werden, die Ursachen für die Blockade zu bekämpfen. Die Fragen, die man sich stellen sollte: Erstens, warum kommt die Blockade immer wieder (Verspannungen/Fehlhaltungen/etc)? Und zweitens, warum löst sie sich nicht von alleine?

Unabhängig davon, ob meine Idee mit der Wirbelblockade bei Dir zutrifft, empfehle ich Dir IN JEDEM FALL, dass Du Deinen Körper in irgendeiner Form trainierst und zwar regelmäßig. Bewegung ist angesagt! Auch wenn Du Dich z.Zt. dazu vielleicht nicht in der Lage siehst, eben weil es Dir so schlecht geht. Mach es trotzdem. Wenn Du Bedenken hast, fang halt langsam an. Erst mal stramm spazieren gehen, später langsam joggen. Oder im Schwimmbad erst nur 2 Bahnen, übermorgen 4 Bahnen schwimmen, usw. Nimm Dir die Zeit Deiner Gesundheit zuliebe. Das ist nicht bloß blabla, es hilft tatsächlich den Körper gesund zu erhalten bzw. gesund zu werden. Auch wenn Deine Probleme doch eher psychisch bedingt sein sollten (ich glaube eher an die Blockade) unterstützt es die Genesung.

Zum Schluss noch mein persönlicher Tip für eine bestimmte Sportart: Ich empfinde Reiten als am Besten geeignet für den ganzen Körper, insbesondere für den Rücken. Es schult ausserdem den Gleichgewichtssinn und bringt den Körper in die Balance. Leider ist es, besonders am Anfang, anstrengender als man glaubt. Aber es lohnt sich.
Und es ist kein Problem, das auch noch in „hohem“ Alter zu lernen.
Ich selbst habe mit 37 Jahren erst angefangen und ich glaube, es hat meinen Rücken „gerettet“.

Viel Erfolg!

Hallo

Ich würde mir überlegen, was ein Knacks hinter dem Brustbein(wo ist denn das?) genauer ist.
Das Herz ist ja einmal etwas weiter links der Mitte.
Wenn nichts mit dem Herzen ist, würde ich als Laie sagen, es ist eine psychosomatische Erkrankung, oder manche Leute haben auch schon mal einen kleinen lokalen Infarkt im Gehirn.
Auf das erstere würde auch die „themenbedingte Ursache“ deuten.
Auf die eigene Empfindung würde ich mich auch stärker verlassen, bzw. versuchen, diese zu schärfen, wenn alle Ärzte keine Ursache finden und nur herumdoktoren. Auch empfehlen manche Ärzte eine Ernährungsumstellung, wenn Ihnen sonst nichts einfällt.

MfG
Matthias

Dann würde ich mich bei der Krankenkasse melden und um Hilfe bitte. ggf. bezahlen die unter diesen Umständen auch jemanden, der keine Kassenzulassung hat.