Hallo,
derzeit bin ich sehr in Sorge um eine Bekannte, die leider so weit entfernt wohnt, dass ich nicht eben schnell mal hinfahren kann. Es würde vermutlich auch nichts nützen, wenn ich es täte.
Sie äußert Suizidgedanken und dosiert eigenmächtig ein Neuroleptikum bis auf die doppelte Dosis. Nach ihren eigenen Angaben hat das bereits zu einer Lähmung ihrer linken Gesichtshälfte, Aufgedunsenheit und völliger Appetitlosigkeit geführt.
In eine Klinik will sie nicht. Ich habe ihr geraten, sich Depotspritzen geben zu lassen, zur Vermeidung der Dosiserhöhung. Das will sie auch nicht, die wirken dann „nicht richtig“.
Was ist da aus Expertensicht zu tun? Machen Neuroleptika süchtig? Gibt es einen Gewöhnungseffekt, wie bei Schlafmitteln? Ich kenne mich mit dem Zeugs nicht aus und weiß auch nicht mehr, ob und wie ich handeln soll.
Ratlose Grüße,
Annette
Hallo Annette,
ich hatte schon vorhin Dein Posting im Medizin-Brett gelesen, bevor Du es wieder gelöscht hast (und ich antworten konnte).
Deine Freundin gefährdet ihre Gesundheit mit dem, was sie macht. Neuroleptika sind so schon nicht ohne. Wenn sie die Dosis so drastisch erhöht, können schlimmste Nebenwirkungen auftreten. Einiges erlebt sie jetzt schon. Es kann noch schlimmer werden. Deine Freundin sollte am besten bald zu dem Arzt gehen, der ihr das Neuroleptikum verschrieben hat. Wenn´s gar zu schlimm kommt, ruft ihr den Notarzt und sagt ihm, was sie in welcher Dosierung genommen hat.
Weißt Du, welches Neuroleptikum es ist?
Beste Grüße,
Oliver Walter
Hallo Annette
Machen Neuroleptika
süchtig? Gibt es einen Gewöhnungseffekt, wie bei
Schlafmitteln?
Nein.
Normalerweise besorgen sich Nicht-Ärzte keine Neuroleptika, wenn sie ihnen nicht verschrieben worden sind. Neuroleptika sind eigentlich eher unbeliebt bei Laien, weil sie eben nicht diese „angenehmen“ Wirkungen kurzfristig vermitteln, die den einen oder andern dann zur Dosis-Steigerung bringen (zum Beispiel bei Benzodiazepinen wie Valium, Adumbran, Rohypnol, Lexotanil, Tavor etc.).
Grundsätzlich ist es aber so -wie Du schon richtig warnend bemerkst-, dass Dosisveränderungen von Laien nicht einfach mal so gemacht werden sollten. Das ann schnell Ärger eben.
Ich würde mich an Deiner Stelle bei Deiner Freundin erkundigen, ob und wie und wo sie (regelmäßig) in Behandlung ist, bei dieser Art Medikation am besten bei einem Psychiater.
Gruß,
Branden
Hallo,
ich hatte den Artikel gelöscht, weil ich glaubte, im falschen Brett zu sein. War ja auch wohl so.
Nun, sie bekommt diese Tropfen von einem Arzt, der quasi zur Familie gehört und Allgemeinmediziner ist. Sie kennt auch noch weitere Ärzte privat und hat sie um Rat gefragt. Ich befürchte, dass sie sich an mehreren Stellen etwas besorgen könnte.
Sie sagt Sätze wie: „Ich kann nicht mehr Auto fahren, weil ich vielleicht einen Ausraster kriege und mich mit Absicht vor einen Baum setze.“ Sie hat ihre Eltern in der Nähe und ein paar Bekannte, bin mir aber nicht sicher, ob sie ihnen gegenüber dieselben Äußerungen macht und wie ernst sie zu nehmen sind.
Was mich auch sehr besorgt ist, dass sie sehr kleine Kinder hat, die sie sehr liebt.
Ich kann die Situation aus der Ferne nicht beurteilen, möchte auch nicht hinter ihrem Rücken handeln. Andererseits macht mir das alles Angst. Das geht jetzt schon zwei Wochen so. Wie das Medikament heißt, weiß ich nicht. Ich werde aber mal nachfragen, wenn ich sie an die Strippe kriege.
So viel erst mal als Nachtrag,
viele Grüße,
Annette
Hallo Annette,
danke für Deine Antwort. Ich habe mir jetzt eine Vorstellung von der Situation machen können.
Sprich mit Deiner Freundin und versuche, sie zu überzeugen, bald zu einem Facharzt (Psychiater) zu gehen. Das ist in diesem Fall wirklich wichtig. Ich will nicht ausführen, warum ich das so sehr betone, aber diesen Allgemeinmediziner würde ich gern mal unter vier Augen sprechen.
Beste Grüße,
Oliver
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hi annette,
du hast von den fachleuten hier schon deine ratschläge erhalten. da kann ich nix beitragen.
aber du schreibst, du willst nicht hinter ihrem rücken…
solltest du sie nicht „erreichen“ können und bist weiterhin so in sorge, wird u.U. genau das nötig sein (ehemann oder verwandte).
wenn sie sich dir einerseits mitteilt und andererseits ratschläge nicht befolgt die hier ja nun wichtig ist weil sie sich schädigt und in gefahr bringt, sehe ich für meinen teil jede notwendigkeit zu handeln.
irgendwas bezweckt sie ja ausserdem damit wenn sie dich informiert.
kannst du also direkt nichts bewirken, würde ich die scheu ablegen „hinter ihrem rücken“ tätig zu werden. das dient ja wenn denn ihrem wohl…kommt sie allein nicht aus dem „strudel“ heraus, wirds nicht
anders gehen als so.
würde das also nicht als negative möglichkeit der hilfe sehen.
LG
nina
Hallo Nina, hallo Oliver,
Danke noch einmal für Eure Antworten.
Oliver, Du fragtest mich wie das Mittel heißt. Es ist Atosil.
Gestern am späten Abend hat sie mich noch einmal angerufen. Sie hat jetzt heute einen Termin in einer Klinik. Es scheint wohl wieder alles in geregelte Bahnen zu kommen.
Mich würde mal interessieren, was für ein Mittel Atosil ist. Ich habe es vor vielen Jahren mal im Krankenhaus vor oder nach einer Operation bekommen, wenn ich mich recht erinnere. Meiner Erinnerung nach macht es sehr, sehr müde. Es scheint mir daher, allerdings habe ich keine medizinischen Kenntnisse, ungeeignet für jemanden, der einen quirligen Haushalt zu versorgen hat.
Interessieren würde mich auch, ob es abhängig macht.
Bis dahin,
Annette.
Hallo Annette,
danke für die Info.
Mich würde mal interessieren, was für ein Mittel Atosil ist.
Atosil ist ein schwaches Neuroleptikum. In der Tat macht es müde. Deshalb wird es u.a. als Beruhigungsmittel eingesetzt. Eine der häufigeren Nebenwirkungen von schwachen Neuroleptika ist die von Dir beschriebene Gewichtszunahme.
Beste Grüße,
Oliver
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Bin etwas beruhigt.
Danke, Oliver,
das scheint dann ja wenigstens nicht so ein Hammer-Mittel zu sein. und wie es aussieht, hat sich die Lage auch wieder etwas beruhigt.
Viele Grüße,
Annette.
Hallo Annette,
das scheint dann ja wenigstens nicht so ein Hammer-Mittel zu sein.
doch, Neuroleptika sind „Hammer-Mittel“. „Schwache“ Neuroleptika haben bloß eine geringe Wirkung gegen das, wogegen sie eigentlich eine Wirkung haben sollten: gegen psychotische Symptome wie Wahn und Halluzinationen. Atosil hat kaum eine solche antipsychotische Wirkung. Dennoch kann auch ein schwaches Neuroleptikum zu schlimmen NW führen. Man muß nur genug davon nehmen.
und wie es aussieht, hat sich die Lage auch wieder etwas beruhigt.
Das freut mich.
Beste Grüße,
Oliver