Binde-/Gedankenstrich

Hallo Experten,

in letzter Zeit fällt mir immer mehr negativ auf, dass in Zeitschriften und im Fernsehen eine Bindestrichmanie ausgebrochen ist.
Da wird plötzlich von „Koalitions-Kompromis“ gesprochen und von „Extrem-Winter“ oder „Mitarbeiter-Ausweis“ Ich halte ja davon nix, aber gibt es neue Regeln nach denen man so etwas mit Bindestrich schreiben MUSS?
Ich bin ein strikter Gegner von Bindestrichen, denn erstens schaut’s Panne aus und zweitens wozu ist dann das „Fugen-S“ (hier macht der Bindestrich auch Sinn) da, wenn man dann alles mit Bindestrich (oder muss ich nun Binde-Strich tippen) schreibt?

Ich freu mich auf eine lebhafte Diskussion :smile:

Gruß dahaam

EcuaVic

Ist mir nicht bekannt, das da ein Bindestrich sein muss. Wenn das in manchen Magazinen drin steht, lässt sich das bestimmt leichter lesen. Ein Trick, um sich bestimmte Wörter leichter einzuprägen. Ich lese diese Schundblätter eh nicht. Ich habe aber gerade eben nachgetestet ob das wirklich so ist, wie du behauptest. Und du hast vollkommen Recht. Also ich glaube wirklich, das man versucht das irgendwie einfacher zu schreiben. Für die, die wirklich was vom Mama-Glück irgendeines Schauspielers wissen wollen, oder von Sex-Partnern…
Und den Fernseher könnte man auch entsorgen gehen. Die Gesichter dort drinnen verdienen ihre Brötchen mit eurer Langeweile.

Sinnvolle Gliederung langer Komposita

davon nix, aber gibt es neue Regeln nach denen man so etwas
mit Bindestrich schreiben MUSS?

Korrekt, das ist eine KANN-Regelung. Empfohlen ab 3 Wortteilen. Also z.B. Gymnasiumslehrer-Ausflug.

Gruß

Stefan

Hallo, EcuaVic,

in letzter Zeit fällt mir immer mehr negativ auf, dass in
Zeitschriften und im Fernsehen eine Bindestrichmanie
ausgebrochen ist.

gibt es neue Regeln nach denen man so etwas
mit Bindestrich schreiben MUSS?

nein, die gibt es nicht.

Das amtliche Regelwerk sagt:

Der Bindestrich bietet dem Schreibenden die Möglichkeit, anstelle der sonst bei Zusammensetzungen und Ableitungen üblichen Zusammenschreibung die einzelnen Bestandteile als solche zu kennzeichnen, sie gegeneinander abzusetzen und sie dadurch für den Lesenden hervorzuheben.
http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Amtlich…

und

(§ 45) Man kann einen Bindestrich setzen zur Hervorhebung einzelner Bestandteile, zur Gliederung unübersichtlicher Zusammensetzungen, zur Vermeidung von Missverständnissen, in Zusammensetzungen aus gleichrangigen (nebengeordneten) Adjektiven oder beim Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben.
http://www.canoo.net/services/GermanSpelling/Amtlich…
.

Und der Duden:

Die früheren Regeln für den Gebrauch des Bindestrichs wurden größtenteils beibehalten. Neu darf der Bindestrich etwas großzügiger und freier gesetzt werden. In einigen Fällen dürfen Sie sogar selbst entscheiden, ob Sie einen Bindestrich verwenden wollen.
http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachwissen/re…

Nach den neuen Regeln dürfen Sie den Bindestrich auch bei Zusammensetzungen setzen, die aus drei oder weniger Gliedern bestehen. Dadurch können diese Wortungetüme übersichtlich und leserfreundlich gegliedert werden.
http://www.duden.de/deutsche_sprache/sprachwissen/re…

Gruß
Kreszenz

Der Gedankenstrich sieht übrigens anders aus und erfüllt eine andere Funktion als der Bindestrich, siehe http://typefacts.com/artikel/grundlagen/bindestrich-…

Gruß
Kreszenz

1 „Gefällt mir“

hallo,

ich schätze, dass liegt an der verdummung der gesellschaft. lange wörter sind ja so kompliziert. da begeben wir uns lieber auf bild-niveau, da verstehen es alle.

lg

Hallo,
nicht …Gymnasiallehrer…?
Sabine

wozu ist dann das „Fugen-S“
(hier macht der Bindestrich auch Sinn) da, wenn man dann alles
mit Bindestrich (oder muss ich nun Binde-Strich tippen)
schreibt?

Hallo,

in der Tat wirkt die Binde-Stricherei vielleicht nicht wirklich schön.
Ich frage mich allerdings, ob die häufigere Verwendung des „Fugen-S“ tatsächlich eine Lösung des Problems darstellen kann. Die Regelungen zur Verwendung scheinen mir nämlich so abstrus, dass sich dagegen das deutsche Steuerrecht als streng gegliedertes System ausnimmt.

Schon zu meiner Bundeswehrzeit gab es ständige Streitereien, ob es nun „Mündungsfeuerdämfer“ oder „Mündungfeuerdämpfer“, „Verbandskasten“ oder „Verbandkasten“ heißt. Die Antwort meines StUffz dann immer: „Ihre Freundin hat ja auch keine Schamslippen in der Schubslade“.

MFG Cleaner

Auf Hochdeutsch schon …

nicht …Gymnasiallehrer…?

… aber bei mir als Exil-Saarländer ist’s anders auch rischdisch.

*g*

Gruß

Stefan

Hallo!

Da wird plötzlich von „Koalitions-Kompromis“ gesprochen und
von „Extrem-Winter“ oder „Mitarbeiter-Ausweis“ Ich halte ja
davon nix, aber gibt es neue Regeln nach denen man so etwas
mit Bindestrich schreiben MUSS?

Nein, aber speziell in Ratgebern die Journalisten die sinnvolle Empfehlung, das man es zur besseren Verständlichkeit genau so machen soll. Auch bei vielen Stilistikern wie Schneider oder Reiners wirst du diese Empfehlung finden. Mag sein, daß es manche damit übertreiben, deine Beispiele finde ich jetzt aber nicht dramatisch (wenn auch der Bindestrich hier nicht wirklich erforderlich gewesen wäre.)

Abgesehen davon gibt es natürlich Fälle, wo Bindestriche gesetzt werden müssen, wie z.B. Ludwig-Thoma-Buchandlung.

Ich bin ein strikter Gegner von Bindestrichen, denn erstens
schaut’s Panne aus

Ich bin großer Freund von Bindestrichen, denn ohne sieht’s oft Panne aus. :smile:

und zweitens wozu ist dann das „Fugen-S“
(hier macht der Bindestrich auch Sinn) da, wenn man dann alles
mit Bindestrich (oder muss ich nun Binde-Strich tippen)
schreibt?

Bundestrich und Fugen-S sind zwei völlig getrennte Baustellen - weder ersetzt das eine das andere noch umgekehrt. Ein Bindestrich ist Grundsätzlich auch dort möglich, wo ein Fugenelement steht (das Fugen-S ist ja nur ein Fugenelement von etwa einem Dutzend). Speziell beim Fugen-S wird aus stilistischen Gründen aber oft kein Bindestrich gesetzt, sodaß dadurch der Eindruck entstanden sein kann, das eine ersetze das andere.

Das siehst Du ja in Deinem eigenen Beispiel: Der Koalitionskompromiss heißt auch mit Bindestrich Koalitions-Kompromiss und nicht Koalition-Kompromiss. Und Lindenblütenhonig bleibt Lindenblüten-Honig und wird nicht zum Lindenblüte-Honig - der Bindestrich steht neben dem Fugen-N.

Das isdt auch logisch, denn Bindestrich und Fugen-S haben einen völlig unterschiedlichen Zweck - der eine dient der graphematischen Gliederung, das andere ist eine Aussprachehilfe. Wieso sollte das Vorhandensein einer Aussprachehilfe eine optische Gliederung überflüssig machen?

Gruß,
Max

Ich freu mich auf eine lebhafte Diskussion :smile:

Gruß dahaam

EcuaVic

Schon zu meiner Bundeswehrzeit gab es ständige Streitereien,
ob es nun „Mündungsfeuerdämfer“ oder „Mündungfeuerdämpfer“,
„Verbandskasten“ oder „Verbandkasten“ heißt. Die Antwort
meines StUffz dann immer: „Ihre Freundin hat ja auch keine
Schamslippen in der Schubslade“.

Was einfach nur beweisst, das Leute, die von deutscher Sprache keinen blassen Dunst haben, einfach nur die Fresse halten sollten. Solche Sprüche wie von diesem hirnweichgekochten StuffZ machen mich als Germanisten inzwischen regelrecht aggressiv. Bin ich froh, daß ich nicht bei der Bundeswehr war - wäre ich einem solchen Flachmaten begegnet, wäre das für uns beide nicht gut ausgegangen. :smile:

Daß es in großen, bürokratisch strukturierten Organisation (Ministerien, Rotes Kreuz, Feuerwehr etc.) eine Abneigung speziell gegen das Fuigen-S gibt, finde ich immer wieder faszinierend - aber es liegt wahrscheinlich daran, weil sich hier die Sprache einer ordentlichen bürokratischen Einteilung entzieht, und das kann man als korinthenkackender Bürokrat einfach nicht verdauen. (Die anderen Fugenelemente springen nicht so ins Auge, deswegen merkt das keiner. Man könnte den StuFFz aber mal Fragen, ob das Mündungfeuer von einem „Kanoneschuß“ oder einem „Pistoleschuß“ kommt - schließlich hat seinew Fußbekleidung ja auch keinen „Stiefelnschaft“.)

Sorry, das musste einfach mal raus.

Gruß,
Max

3 „Gefällt mir“

Hallo,

ich wollte an diesem Beispiel - der StUffz war nämlich anonsten wirklich gut und freundlich - ja nur aufzeigen, dass man bestenfalls einen malus durch einen anderen ersetzt. Die „Fehler-Anfälligkeit“ der „Binde-Stricherei“ scheint mir nämlich wenigstens ebenso groß, wie die „Falschsanwendung“ eines „Fugeelements“.

hat seinew Fußbekleidung ja auch keinen „Stiefelnschaft“.)

Womit wir dann bei Karl Valentins „Semmelnknödeln“ wären :smile:

MFG Cleaner

1 „Gefällt mir“

Hallo!

  • der StUffz war nämlich
    anonsten wirklich gut und freundlich -

Ich beruhige mich ja schon wieder. :smile:

wie die „Falschsanwendung“
eines „Fugeelements“.

-)

Womit wir dann bei Karl Valentins „Semmelnknödeln“ wären :smile:

An denen kommt man nicht vorbei, wenn’s um Fugenelemente geht. :smile:

M.

Hallo,

das vermute ich auch! Jahrzehntelang ging es ohne gut, jetzt plötzlich ist grassiert das wie eine Pest. Gerade als Germanist sollte man sich doch für die Reinheit der Sprache einsetzen, statt für einen Unfug zu sein…

Gruß dahaam

/EcuaVic

Hallo,

Schundblätter?

Spiegel?
Die Zeit?
FAZ?

ROFL

Gruß dahaam

/EcuaVic

Hallo Denker,

als Germanist hast Du ja eine sehr ausführliche und ordentliche Antwort gegeben, aber ich muss Dir ganz entschieden widersprechen.
Gerade als Germanist solltest Du Dich für die Reinheit der Sprache einsetzen und nicht jeden modischen Unfug mitmachen.
Jahrzehntelang (oder gar Jahrzehnte-lang wie auch immer) ging es ohne Bindestriche und jeder kam damit klar, nun gibt es so eine schwachsinnige Empfehlung und jeder springt auf das Bindestrichpferd.

Was ist aus diesen Worten dann eigentlich geworden?
Donaudampfschifffahrtskapitän
Fernstraßenbauprivatfinanzierungsgesetz

Soll/Muss man diese nun auch mit zig Bindestrichen schreiben? Das ist doch Panne! (hier mache ich sogar zig !!! obwohl ich auf davon ein Gegner bin!)

Genauso so wie eine Antwort hier, finde ich auch, dass dies wohl eher mit der Verdummung der Gesellschaft zu tun hat.

Gruß dahaam und schönen Samstach noch…

/EcuaVic

Hallo!

Gerade als Germanist solltest Du Dich für die Reinheit der
Sprache einsetzen und nicht jeden modischen Unfug mitmachen.

Es ist weder neumodisch, noch Unfug. Es ist sinnvolles sprachliches Mittel, daß in der deutschen Sprache seit Jahrhunderten vorhanden ist, aber vielfach vernachlässigt wurde. Die Empfehlung, komplexe Worte zu gliuedern, dürftest du auch schon 50 oder 100 Jahre zurück finden.

Und selbst wenn es „neu“ wäre, müsste es nicht schlecht sein. Nimm als Beispiel die Auswüchse der Kanzleisprache des 19 Jahrhunderts: Daß wir heute anders schreiben, ist mitnichten ein „neumoderischer Unfug“, sopndern eine Befreiung der Sprache eben um ihrer Schönheit willen.

Genauso so wie eine Antwort hier, finde ich auch, dass dies
wohl eher mit der Verdummung der Gesellschaft zu tun hat.

Für mich besteht die Verdummung darin, daß viele Leute über Sprache reden, ohne sie wirklich zu verstehen. Da werden dann Argumente wie „Anglizismus“ oder „neumodische Unfug“ in den Raum geworfen, die keiner stichaltigen Überprüfung standhalten.

Gruß,
Max