Bindungstheorie?

Ich habe hier zwei Sätze (ich weiß, stilistisch nicht so toll), bei denen ich gerne gewusst hätte, ob sie grammatikalisch so richtig sind und warum (oder warum sie falsch sind, wenn sie falsch sind).

(1) Sie finden ein Umfeld vor, das es Ihnen erlaubt, kreativ zu arbeiten.
(2) Sie suchen Tätigkeiten, die es Ihnen erlauben, kreativ zu arbeiten.

Ist „es“ in diesen Fällen obligatorisch, fakultativ oder schlicht nicht möglich?
Alleine von den topologischen Feldern her ist eine Mittelfeldbelegung auch durch mehrere Satzglieder ja möglich (hat das überhaupt was damit zu tun?).
Ist „es“ hier Korrelat? Eigentlich nicht, da es keine Koindizierung zum Nebensatz gibt, oder?

Meine Vermutung ist, dass es entweder an der Transitivität von „erlauben“ liegt oder dass es bindungstheoretisch erklärt werden kann. Leider sind das nur Vermutungen. Wer kann mir weiterhelfen?

Dünnes Eis…

…auf das ich mich jetzt begebe…

Hallo Heike,

vorweg: ich bin kein Linguist, sondern unterrichte „nur“ Deutsch als Fremdsprache…

Ich denke, obligatorisch ist das „es“ sicher nicht. Ich versuche eine Analogie:

Ich erlaube meinem Sohn, ins Kino zu gehen.
Ich erlaube es(??) meinem Sohn, ins Kino zu gehen.

Dass der erste Satz korrekt ist, darüber ist man doch sicher einig…
Welche Funktion sollte dieses „es“ denn da auch haben? „Erlauben“ fordert von der Valenz her ein Akkusativ- und ein Dativobjekt. Die Position des Dativobjekts ist durch „meinem Sohn“ besetzt, an die Stelle des geforderten Akkusativobjekts tritt der erweiterte Infinitiv „ins Kino zu gehen“. „Es“ ist damit, meiner Meinung nach, überflüssig (falsch???).

Das Gleiche gilt, wieder meiner Meinung nach, für deine beiden Sätze. „Es“ ist überflüssig.
„Sie finden ein Umfeld vor, das Ihnen erlaubt, kreativ zu arbeiten.“ klingt für mich komplett.

Gruß
Uschi

Servus Heike,

(1) Sie finden ein Umfeld vor, das es Ihnen erlaubt, kreativ
zu arbeiten.
(2) Sie suchen Tätigkeiten, die es Ihnen erlauben, kreativ zu
arbeiten.

was hier nicht stimmt, hat Dir Uschi ja schon sehr gut erklärt: Die „es“ gehören hier nicht hin; ohne „es“ sind beide Sätze OK. Ich möchte noch hinzufügen: Mit derartigen „es“-Sätzen geben ihre Autoren (unfreiwillig) zu erkennen, daß sie sich in der deutschen Sprache nicht auskennen. Daher: Bloß weg damit! Wenn ich so etwas lesen würde, dann würde ich gleich gucken, ob vielleicht irgendwo noch von „neu renoviert“ die Rede ist…

Mit freundlichem Gruß
Martin

fakultativ
Hallo!

Ich sehe das etwas anders…

Bei besagtem „es“ handelt es sich meiner Meinung nach nicht unbedingt um eine grammatische, sondern eher um eine stilistische Frage. Dieses „es“ ist ein blosses Einleitewort, also quasi ein Vorläufer des folgenden Satzgliedes (= kreativ zu arbeiten). Es weist darauf hin, dass nach „erlaubt“ noch etwas folgt. Zieht man die Ergänzung vor, muss das „es“ hingegen wegfallen, da es seinen Zweck verliert:

  • Sie finden ein Umfeld vor, das Ihnen kreatives Arbeiten erlaubt.
  • Sie suchen Tätigkeiten, die Ihnen kreatives Arbeiten erlauben.

Übrigens: Seit der Rechtschreibreform ist das Komma vor „kreativ zu arbeiten“ fakultativ.

Gruss
Renato