Grüß euch!
Auf einer Wanderung fiel mein Blick auf ein Büschel Binsen, das noch nicht ganz eingeschneit war.
Da ging mir durch den Kopf: Was haben diese Pflanzen mit der „Binsenweisheit“ zu tun?
Die grasähnlichen Binsen (Fam. Juncaceae) sind sehr widerstandsfähige Pflanzen mit unscheinbaren Blüten, sie stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden, man findet sie in sumpfigen Gegenden genauso wie im Trockenrasen im Gebirge.
Könnte in diesen Eigenschaften die Verbindung zur ‚Binsenweisheit‘ liegen?
Oder worauf ist dieser Ausdruck zurückzuführen?
Ich hab’s mit Googeln versucht, weitergekommen bin ich nicht damit…aber die Experten sind halt doch im w-w-w 
Grüße aus einer Gegend, in der nun auch bald die höchsten Binsenbüschel eingeschneit sein werden…
Helene
gehn oft in die Binsen…
Hallo, Helene, und ist da ein Zusammenhang mit „in die Binsen gehen“?
Was sind Binsen eigentlich, kannst du das bitte mal erklären?
(ich könnte ja auch nachkuken, aber vielleicht kommts dir ja beim Erklären!?
Liebe Grüße, Manni
Esel ich…
hatte dummerweise Deine wirklich kurzgefaßte aber ausreichende Erklärung zu „Binsen“ nicht gelesen.
Ich habe nur noch nie selbst Binsen bewußt gesehen.
Also ein Teil meiner Frage ist beantwortet.
Bevor meine Antwort nun ganz in die Binsen geht…
vielleicht kann doch einer beide Fragen erläutern?
ciao, Manni
Hallo Helene,
folgendes habe ich dazu gefunden:
Binsenwahrheit, Binsenweisheit, die [eigtl. = binsenglatte Wahrheit; wohl nach lat. nodum in scirpo quaerere = einen Knoten an der (glatten) Binse suchen, d. h., Schwierigkeiten suchen, wo es keine gibt]:
allgemein bekannte Tatsache: das ist [doch] eine B.!
Quelle: DUDEN - Deutsches Universalwörterbuch
Gruß
Roland
Grüß euch!
Auf einer Wanderung fiel mein Blick auf ein Büschel Binsen,
das noch nicht ganz eingeschneit war.
Da ging mir durch den Kopf: Was haben diese Pflanzen mit der
„Binsenweisheit“ zu tun?
Hallo Helene
da ist dir bestimmt der Unterschied zu Grashalmen aufgefallen, Binsen haben keine Knoten am Halm, sondern einen einfachen, glatten Stengel.
Binsenweisheiten sind einfache, unkomplizierte Dinge, die eigentlich jeder kennen sollte.
Gruß
Rainer
hatte dummerweise Deine wirklich kurzgefaßte aber ausreichende
Erklärung zu „Binsen“ nicht gelesen.
Ich habe nur noch nie selbst Binsen bewußt gesehen.
Also ein Teil meiner Frage ist beantwortet.
Bevor meine Antwort nun ganz in die Binsen geht…
Wenn eine angeschossene Wildente in die Binsen geht, ist sie für den Jäger verloren, Binsen wachsen nahe am Wasser, da kommt der Hund nicht mehr ran.
Gruß
Rainer
Danke! @Rainer & Roland
Aber dass ich da nicht selber drauf gekommen bin!
da ist dir bestimmt der Unterschied zu Grashalmen aufgefallen,
Binsen haben keine Knoten am Halm, sondern einen einfachen,
glatten Stengel.
In der Botanik dieser Gattung bin ich eigentlich ganz gut bewandert…
Binsenweisheiten sind einfache, unkomplizierte Dinge, die
eigentlich jeder kennen sollte.
Und das war mir auch klar…
Hab ich wohl „vor lauter Binsen die Weisheit nicht gesehen“
Danke!
Helene
Hallo !
Binsenwahrheit
Binsenwahrheit(Binsenweisheit) Substantiv Femininum std.Standardwortschatz (19. Jh.)Stammwort. Bezeugt seit dem 19. Jh.; das Benennungsmotiv ist nicht ganz klar. Vermutlich im Anschluß an l. quaerere in scirpo nOdum „in der Binse einen Knoten suchen“ = „sich unnötige Mühe machen“ (weil die Binse keine Knoten hat); also etwa „eine Weisheit, die man nicht suchen muß, die offen zutage liegt“.
(Kluge)
Gruß max
Grüß dich, Helene!
Eigentlich ist ja schon alles gesagt, aber schau doch, was der Röhrich dazu Nettes bietet:
Binsenwahrheit
Die Feststellung Das ist eine Binsenwahrheit bezieht sich auf einen zwar richtigen, aber so selbstverständlichen Satz, daß es sich nicht lohnt, ihn auszusprechen oder gar zu diskutieren. Es ist also eine Wahrheit, die überall so bekannt und verbreitet ist wie die Binsen.
Im Gegensatz zu anderen Grasarten besitzen Binsen keine Knoten. Eine Binsenwahrheit ist demnach eine ‚glatte Sache‘ ohne Verwicklungen und Verknotungen, d.h. ohne Schwierigkeiten. Die Redensart Knoten in einer Binse suchen: Besonderheiten und Schwierigkeiten dort suchen, wo keine vorhanden sind, weist auf die Entstehung unserer heutigen Redensart von der Binsenwahrheit; vgl. niederländisch ‚In gladde biezen zoekt hij knobbels‘. Das zugrunde liegende Bild ist eine gelehrte Übernahme aus dem Lateinischen, wo die Redensart ‚nodum in scirpo quaerere‘, d.h. Stengelknoten auch an der Binse suchen, schon in den Komödien von Plautus und Terentius belegt ist. In Deutschland war die Wendung schon lange bekannt, ehe sie sich allgemein durchsetzte. In der Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb Jakob Heerbrand: »sucht dieser Mensch einen Knopf an einer Binzen«. Das Schweizer Idiotikon bringt einen Beleg von 1638: »Sonst find ich die Sach so klar, daß wer nicht will in der Binzen einen Knopf suchen, da nichts wegdisputieren kann«. Verbreitet wurde diese Vorstellung seit Wieland, der feststellte: »Es gehört wirklich eine ganz eigene Liebhaberei, Knoten in Binsen zu finden, dazu, die Sache so außerordentlich schwer zu finden«.
Man kann aber auch die Binsenwahrheit als ein Geheimnis der Binsen verstehen, das diese weiterverbreiteten, wie eine griechische Sage erzählt: In einem musikalischen Wettstreit zwischen Apollon und Pan entschied sich der phrygische König Midas für Pan. Zur Strafe ließ ihm Apollon Eselsohren wachsen. Als der Friseur das Geheimnis des Königs entdeckte, vertraute er es der Erde an, indem er ein Loch in den Boden grub. Binsen fingen seine Worte auf und erzählten sie überall weiter. Vergleiche M. Boskovic- Stulli: Narodna predaja o vladarevoj tajni (König Midas hat Eselsohren), Zagreb 1967.
Göhring (S. 30) versucht noch eine andere Erklärung. Er hält das Wort ‚Binsenwahrheit‘ für die Eindeutschung eines jiddischen Ausdrucks, dessen Sinn man zwar erfaßte, aber dessen sprachlichen Bestandteile ähnlich klingenden deutschen Silben angepaßt wurden. ‚Bienemes‘ heißt: die Wahrheit begreifen. Der Nichtjude machte daraus ‚Binsen‘ und fügte dann sinngemäß das Wort ‚Wahrheit‘ hinzu, das in dem jiddischen Wort enthalten war.
Eine sekundäre, aber doch amüsante ätiologische Erklärung versuchte auch A. Kußmaul (1822-1902) in seinen ‚Jugenderinnerungen eines alten Arztes‘. Er berichtet aus seiner Heidelberger Studentenzeit von einem törichten Menschen, der der ‚Binsenbub‘ genannt wurde, weil er den Pfeiferauchern Binsen zum Reinigen der Pfeifen verkaufte. Da er wegen seiner geistigen Beschränktheit bekannt war, nannten die Studenten alles das eine Binsenwahrheit, was sogar der Binsenbub verstehen konnte. So hat das Unverständlichwerden der im Altertum geläufigen und zunächst durchaus durchschaubaren Redensart immer neue Sekundärerklärungen provoziert.
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Binsenwahrheit, S. 3. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 762 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 199) © Verlag Herder]
Gruß Fritz