Hallo,
zuerst mal möchte ich euch gerne ein paar grundlegende Dinge rund um die Schwangerschaft erklären: Eine Schwangerschaft dauert in der Regel 40 Wochen. Die meisten Kinder kommen in einem Zeitraum von zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem errechneten Termin auf die Welt. Dann spricht man von „zeitgerecht“. Kinder, die mehr als 3 Wochen vor dem errechneten Termin zur Welt kommen und/oder weniger als 2.500g wiegen, gelten als Frühchen bzw. Frühgeburten. Bislang gilt ein Gewicht von 500g als Minimum, damit das Kind eine Überlebenschance hat. Dieses Gewicht hat der Fötus etwa ab der 22. Woche erreicht.
In den ersten 12 Schwangerschaftswochen spricht man von einem Embryo, erst danach wird das ungeborene Kind „Fötus“ genannt. In diesen ersten 12 Wochen werden sämtliche Organe und Gliedmaßen des ungeborenen Kindes entwickelt. Ein 12 Wochen alter Fötus hat bereit eigene, ganz individuelle Fingerabdrücke und sogar Wimpern. Ab der 13. Woche muss der Fötus dann im Prinzip nur noch wachsen und kräftig genug werden für ein Leben außerhalb des Mutterleibes.
Man berechnet den Schwangerschaftsverlauf ab dem ersten Tag der letzten Menstruation, auch wenn zu diesem Zeitpunkt faktisch noch gar keine Schwangerschaft besteht. Der weibliche Zyklus dauert üblicherweise etwa 28 Tage (individuelle Abweichungen sind natürlich möglich). Etwa 14 Tage nach Eintreten der Menstruation kommt es zum Eisprung. Dann beginnt rechnerisch schon die dritte Schwangerschaftswoche (die ersten beiden Wochen von der Menstruation bis zum Eisprung sind ja schon rum). Die reife Eizelle wandert dann vom Eierstock in die Gebärmutter. Das dauert ein paar Tage und in dieser Zeit ist die Eizelle auch befruchtbar. Die männlichen Spermien können übrigens in der weiblichen Gebärmutter ebenfalls einige Tage überleben und dort auf die Eizelle „warten“. Dadurch ist der Zeitraum einer möglichen Befruchtung relativ lange. Erst wenn die Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle erfolgreich stattgefunden hat, kann sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut einnisten. Man vermutet, dass in knapp 50% aller Fälle die Einnsitung misslingt, die Eizelle sich an einer falschen Stelle einnistet oder nicht ausreichend Kontakt zur Gebärmutterwand bekommt und dann abgeht. Man spricht dann umgangssprachlich von einem „Windei“ oder einer sehr frühen Fehlgeburt. Häufig bekommt die Frau davon aber gar nichts mit, weil die darauffolgende Monatsblutung ganz normal eintritt oder sich höchstens ein paar Tage verspätet.
Verhütungsmethoden wie etwa die Spirale arbeiten genau nach diesem Prinzip. Anders als bei der Pille wird hier der Eisprung nicht unterdrückt, so dass es trotzdem zu einer Befruchtung kommen kann. Die Spirale behindert aber den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bzw. verhindert die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter, so dass es im Falle einer Befruchtung zu einer unbemerkten, frühen Fehlgeburt kommt. Zwar ist diese Verhütungsmethode ähnlich zuverlässig wie die Pille, viele Menschen streiten aber darüber, ab wann das menschliche Leben beginnt und geschützt werden muss: Schon ab dem Zeitpunkt der Zeugung? Dann dürfte man aber auch die Einnistung der Eizelle nicht behindern. Oder gilt das Kind erst als schützenswertes Leben, wenn die Einnistung in die Gebärmutterwand erfolgreich stattgefunden hat?
Die Einnistung passiert übrigens etwa in der 3. bis 4. Schwangerschaftswoche. War sie erfolgreich, bleibt die nächste Menstruation normalerweise aus. Erst jetzt - nach Abschluss der rechnerisch 4. Schwangerschaftswoche und frühestens ab dem ersten Tag des Ausbleibens der nächsten Regelblutung - kann eine Schwangerschaft mit einem Urintest vom Arzt oder aus der Apotheke festgestellt werden. Wenn die werdende Mutter also von der Schwangerschaft erfährt, ist sie meist schon in der 5. Woche. Ab der 6. Woche fängt das Herz des ungeborenen Babys an zu schlagen.
Ich habe weiter oben ja bereits erklärt, dass in den ersten 12 Wochen eigentlich die wichtigsten Prozesse stattfinden und alle lebensnotwendigen Anlagen und Organe gebildet werden. So winzig ein 12 Wochen alter Fötus auch sein mag, aber „technisch“ gesehen ist er bereits vollständig und funktionsfähig. Gerade weil in diesen ersten 12 Wochen aber so viel passiert, kann es auch immer wieder zu naturbedingten „Fehlern“ kommen. Der Körper unterzieht die Schwangerschaft praktisch einem permanenten Selbstcheck. Entdeckt er dabei Mängel, mit denen der Embryo später womöglich nicht lebensfähig wäre - etwa zufällige oder auch erblich bedingte Gendefekte, fehlende Organe oder andere Missstände - dann wird die Schwangerschaft häufig vom Körper selbst beendet. Der Fötus ist nicht lebensfähig, er hört auf zu wachsen, es kommt zu einer Fehlgeburt. Das passiert sogar relativ häufig, man geht davon aus, dass etwa 15 - 20% aller Schwangerschaften in den ersten 12 Wochen durch eine Fehlgeburt enden.
Aus diesem Grund ist auch eine Abtreibung - also ein Schwangerschaftsabbruch - in Deutschland bis zur vollendeten 12. Schwangerschaftswoche straffrei möglich, selbst wenn der Embryo eigentlich gesund und lebensfähig entwickelt ist. Eine Abtreibung in den ersten 12 Wochen ist zwar straffrei aber dennoch illegal! Ihr geht immer ein verpflichtendes Beratungsgespräch voraus. Die - medizinische, soziale oder psychologische Notwendigkeit einer Abtreibung muss von einem Arzt oder einer befugten Beratungsstelle schriftlich bestätigt werden, ehe der Eingriff straffrei vorgenommen werden kann.
Aber auch bei einer gewollten Schwangerschaft kann es zu einer Fehlgeburt gerade in den ersten 12 Wochen kommen. Diese wird dann meist vom Arzt entdeckt, weil er auf dem Ultraschall erkennt, dass der Fötus nicht weiter gewachsen ist bzw. dass das Herz nicht mehr schlägt. Dann wird die werdende Mutter meist an eine Klinik zur Ausschabung überwiesen. Eine Ausschabung ist im Prinzip das gleiche Verfahren wie bei einer Abtreibung. Die Mutter bekommt im Normalfall eine Vollnarkose und bekommt von dem Eingriff nichts mit. Der Embryo wird mitsamt der Plazenta und der Schleimhaut aus der Gebärmutter entfernt (ausgeschabt). Im Unterschied zu einer Fehlgeburt ist der Embryo bei einer Abtreibung zu diesem Zeitpunkt aber noch am Leben …
Eine Ausschabung ist ein Routineeingriff in deutschen Kliniken. Statistisch betrachtet gehen etwa die Hälfte aller Ausschabungen auf das Konto ungewollter Fehlgeburten, die andere Hälfte sind gewollte Abtreibungen.
Der Mutter selbst passiert dabei im Normalfall nichts. Sie hat oft noch eine Weile Blutungen, auch kann es einige Wochen dauern, ehe die nächste Menstruation wieder eintritt und der Zyklus sich wieder normalisiert.
In manchen Fällen kommt es bei einer Fehlgeburt von alleine zu Blutungen, dann beginnt der Körper von selbst den abgestorbenen Embryo abzustoßen. Blutungen im Verlauf der Schwangerschaft sind immer ein Warnsignal und man sollte umgehend einen Arzt aufsuchen.
Bis zur 12. Woche spricht man von einer frühen Fehlgeburt. Aber auch danach kann es vereinzelt noch zu einer Fehlgeburt kommen, die dann als späte Fehlgeburt bezeichnet wird. Ab einem Gewicht von 500g spricht man von einer Totgeburt.
Bei einer intakten Schwangerschaft ist eine Abtreibung nach der 12. Woche nur noch bei entsprechender medizinischer Indikation möglich. Es gibt verschiedene Möglichkeiten - etwa eine Fruchtwasseruntersuchung - um einen möglichen genetischen Defekt im Vorfeld zu erkennen. Die Untersuchungen zielen meist auf die recht häufig vorkommende Trisomi 21 ab, dem sogenannten „Down-Syndrom“. Menschen, die mit dieser Trisomi geboren werden, sind durchaus lebensfähig, häufig aber geistig behindert oder stark entwicklungsverzögert. Auch Herzfehler und eine höhere Krankheitsanfälligkeit sind typisch für diese Behinderung. Trisomi 21 ist nicht heilbar. Wenn also ein genetischer Defekt in der Schwangerschaft festgestellt wird, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Das Kind trotzdem annehmen so wie es ist, oder die Schwangerschaft beenden. Dazu muss der Fötus im Mutterleib mit einer Spritze ins Herz getötet werden. Bei Schwangerschaften nach der 12. Woche wird meist auch keine Ausschabung mehr gemacht, sondern mit wehenfördernden Mitteln die Geburt eingeleitet. Die Mutter muss das tote Kind auf normalem Wege zur Welt bringen.
Im Übrigen können auch Alkohol und Drogen-Konsum in der Schwangerschaft erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben. Ich möchte noch mal darauf hinweisen, wie wichtig gerade die ersten 12 Schwangerschaftswochen sind. Wenn in dieser Zeit alle Organe gebildet werden, kann man sich gut ausrechnen, welchen Schaden man durch etwa Alkohol oder Drogen anrichten kann. Es kann tatsächlich zu Missbildungen oder Fehlentwicklungen kommen. Eine Garantie für eine dadurch ausgelöste Fehlgeburt ist das aber noch lange nicht. Das Risiko, dass man nach exzessivem Alkohol- oder Drogenkonsum ein behindertes oder krankes Kind zur Welt bringt, ist im ein Vielfaches größer. Nicht jede Fehlentwicklung wird von der Natur selbst aussortiert. Im Gegenteil: Kinder von Drogen- oder Zigaretten-abhängigen Müttern kommen häufig mit starken Entzugserscheinungen auf die Welt. Schon der Säugling ist dann „abhängig“ und muss mit medizinscher Hilfe entwöhnt werden. Ein für so ein kleines Wesen mehr als belastender Prozess - Atembeschwerden, Verdauungsprobleme, Schmerzen bis hin zu Herz-Ryhtmus-Störungen sind dann die Regel. Kein Baby hat es verdient so leiden zu müssen. Deshalb sind Alkohol, Drogen oder Zigaretten in der Schwangerschaft strengsten tabu!
Es gibt keine wirklich effektive und vor allem risikofrei Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft selbst zu beenden. Das geht nur wie oben beschrieben mit einer Abtreibung in den ersten 12 Wochen. Sinnvoller und wirkungsvoller ist es, eine ungewollte Schwangerschaft von vorneherein zuverlässig zu verhindern, etwa durch Kondome oder die Pille.
Im Übrigen möchte ich euch gerne ein wenig die Angst vor einem Kind nehmen. Natürlich ist es nicht empfehlenswert, schon mit 15 oder 16 Jahren Mutter zu werden. Aber auch eine Abtreibung ist nicht unbedingt immer notwendig. Klar hat man im ersten Moment Panik, wie man das schaffen soll mit einem Baby und was wird aus meinem eigenen Leben? Aber entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist es keineswegs so, dass das eigene Leben mit einem Kind plötzlich aufhört. Es ist bestenfalls ein anderes Leben. Es gibt viele Hilfsangebote, die gerade sehr junge Mütter in Anspruch nehmen können, um entlastet zu werden oder beispielsweise auch die Schule abschließen zu können. Mit einem Kind steht man nicht automatisch alleine da. Und es ist wie mit allen neuen Situationen im Leben: Auch vor der neuen Schule und den fremden Mitschülern, dem neuen Job, dem Praktikum oder der Prüfung hat man erst mal Angst, hat Bauchschmerzen und Schlaflose Nächte. Um hinterher festzustellen, dass es ja doch ganz gut geklappt hat, dass man an der neuen Schule schnell neue Freunde findet und der neue Job eigentlich gar nicht so schlecht ist. Der Mensch ist und bleibt nun mal ein Gewohnheitstier, und auch ans Mutter-Sein kann man sich gewöhnen. 
Zumindest hat man nach dem ersten Schock ja auch noch fast 9 Monate Zeit, um sich an den Gedanken ein Kind zu bekommen zu gewöhnen und sich auf das neue Leben einzustellen. Das ist eigentlich ziemlich fair, findet ihr nicht auch? Für die Entscheidung, ob dieses Menschlein leben darf oder ob man es abtreiben lässt hat man hingegen nur wenige Wochen Zeit. Und Kurzschlusshandlungen waren noch nie besonders empfehlenswert …
Nun hoffe ich, dass ich euch einige nützliche Infos rund um Schwangerschaft, Fehlgeburten und Abtreibungen geben konnte. Wenn ihr noch mehr Input braucht oder Fragen habt, dürft ihr gerne noch mal auf mich zukommen.
Viel Erfolg!
Anke Merau