Bio-Studium und was dann !?

Hallo Experten,

ich stehe vor der Entscheidung für ein Studium. Eine der vielen Möglichkeiten ist Biologie. Das Fach per se finde ich ja sehr interessant, jedoch stellt sich die Frage, was ich mit diesem Studium anschließend alles anfangen kann. Davon habe ich nämlich so ziemlich überhaupt keine Vorstellung. Kann mir da jemand auf die Sprünge helfen?

Gruß
Huttatta

Hallo Huttatta,

rosig sieht es gerade nicht aus! Aber wo macht es das schon.
Erst mal die sarkastische Antwort: Taxifahrer

Aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Was Du später einmal werden kannst, hängt sehr davon ab, welche Spezialisierung Du während des Studiums erlangst hast. Relativ gute Berufschancen haben z.B. immer noch „normale“ Mikrobiologen. In vielen Laboratorien (meist kleinere GmbH) laufen Lebensmittel und Umweltanalysen, und hier werden Biologen gebraucht. Noch besser wird es dann, wenn man Genetik/Gentechnik und den ganzen methodischen Kram gelernt hat. Trotz der Kriese der Gentechnik und Pharmabranche kommt man da doch noch halbwegs gut unter.

Auf dem Umweltsektor sieht es ziemlich durchwachsen aus. Viel Leute, die sich in Richtung Ökologie spezialisiert haben, machen dann doch relativ artfremde Sachen. Jobs in der Umweltverwaltung und an Nationalparks sind leider extrem selten.

Keine Illusionen solltest Du Dir bezüglich der Traumjobs machen. Giraffen und Löwen in der Serengeti und die Korallenriffe von Australien wirst Du wahrscheinlich ebenso wenig untersuchen, wie Du im Lotto den Jackpot abräumst.

Wer im Studium gut ist, der kann ggf. auch noch ein paar Jahre an der Uni bleiben und (meist über Drittmittelprojekte) eine Promotion anstreben. Konsequenz ist dann aber meist ein Hangeln über befristete Halbtagsstellen. Durch das Neue Hochschulrahmengesetz ist das Ganze dann auch nach hinten zeitlich begrenzt (6 bzw. 12 Jahre) - es sei denn, man taugt zum Professor… :smile:

Laß Dich aber nicht entmutigen. Die Trauben hängen ziemlich hoch, aber man erreicht doch irgendwie ein paar. Ich bin 1990 mit meinem Studium fertig geworden. In den nun fast 13 Jahren war ich zwischenzeitlich mal 13 Monate arbeitslos, ansonsten aber immer in Lohn und Brot, und das immer als Biologe. Reich bin ich bisher noch nicht geworden - aber glücklich.

Viel Glück!
Manfred

PS.:
Wer nichts wird wird Wirt.
Wem auch dieses nicht gelungen,
der macht in Versicherungen…

was ich mit
diesem Studium anschließend alles anfangen kann. Davon habe
ich nämlich so ziemlich überhaupt keine Vorstellung. Kann mir
da jemand auf die Sprünge helfen?

Tja, wenn ich mich so anschaue: Gar nix! Jedenfalls mit der klassischen Biologie nicht. Ich bin jetzt Lektorin, hat nix damit zu tun (LEIDER!), könnte wohl noch Pharmareferentin werden oder Klos putzen…
*deprimierte* Cess

Ich schließe mich der Meinung von Greifswalder an:
Taxifahrer! *lol*

Aber jetzt mal im Ernst: Wenn du dich auf die ultraklassischen Bereich der Biologie - Morphologie, Systematik usw. - spezialisierst, kommst du in Bioberufen nicht weiter. Die größten Chancen hast du IMHO als Laborratte, nicht als Wald- und Wiesenbiologe.
Das bedeutet jedoch nicht, dass du dich unbedingt auf Genetik oder Mikrobiologe spezialisieren musst. In Zoologie und Botanik wird heute ebensoviel Laborarbeit betrieben, Biochemie ist da einfach nicht mehr wegzudenken.

Abgesehen von der Forschung sind mir auf die Schnelle noch folgende mögliche Berufe eingefallen, die ein Biologe ausüben könnte:

-Bioinformatiker
-Kriminaltechniker
-Wissenschaftsjournalist

Gruß

Jun

P.S.:
Wieviele Biologen braucht man, um eine Glühbirne einzuschrauben?

Anwort:
Einen. Aber 500 bewerben sich.

Als Dipl.-Biol hast du schlechte Aussichten, denn da kannst du in der Industrie (fast) nur Sachen machen, die auch ein(e) TA macht, und die kosten weniger.

Also ist die Promotion der eigentliche Abschluß - das solltest du bei deinen Überlegungen berücksichtigen.

Eine Spezialisierung auf molekulare Fächer (Genetik, Mikrobio, Molekularbio, Biochemie) ist SEHR vorteilhaft.

Die Kombination mit anderen Fächern, insbesondere mit BWL und/oder Informatik ist ebenfalls SEHR vorteilhaft. Für die Kombination mit Informatik werden immer mehr Bioinformatik-Studiengänge angeboten. Es ist aber fraglich, ob in 5 Jahren nicht ein Überangebot an Bioinformatikern da sein wird. BWL ist hingegen in jedem Fall eine Sinnvolle Ergänzung (bringt zwar real nix, die Personalchefs sehen das aber gerne).

Ansonsten ist extrem wichtig, WAS du genau in deiner (Diplom bzw) Doktorarbeit machst. Hier mußt du zusehen, das das Thema für die Industrie interessant ist und die Arbeitsgruppe, das Institut und dein Doktorvater bekannt, anerkannt und gut sind. Und Achtung: dann ist es auch fast unwichtig, was du studiert hast, denn du bist dann Naturwissenschaftler. Moderne industrielle Forschungen benötigen Biologen, Chemiker, Physiker und Informatiker/Mathematiker. Die Durchmischung wird stärker und die Arbeitsgebiete unterscheiden sich kaum.

Alternative: Habilitation. Aber da sind die Aussichten mager, selbst für angehende Bioinformatik-Profs, da die Stellen JETZT besetzt werden und in 5-10 Jahren (wenn du fertig bist) siehts auch da anders aus.

Fazit: Du mußt dich wichtig und interessant machen, dann ist das „eigentliche“ fach nebensächlich.

Gruß
Jochen

Danke an alle !!!
Habt euch euer Sternchen verdient.

Gruß
Huttata